Noch mehr Heuchelei geht nicht

17. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Sigmar Gabriel und Horst Seehofer sind ausnahmsweise mal einer Meinung, indem sie zur Bekämpfung der Altersarmut aufrufen – ein plumpes Anbiedern bei der immer größer werdenden Rentnerschar, einem besonders interessanten Wählerpotenzial…

Die Umlagefinanzierung der Renten, wonach die aktuell Beschäftigten für die aktuellen Ruheständler aufkommen, lässt sich aber nicht ausdehnen, weil das Ganze sehr viel Geld kostet – und weil die Beschäftigten ebenfalls ein hübsches Wählerpotenzial bilden. Also zielen beide Politiker, ohne es öffentlich zuzugeben, ganz offensichtlich auf einen noch höheren Beitrag des Bundes, sprich der Steuerzahler, zugunsten der Rentner ab.

Leider ist das nur ein Teil des unübersichtlichen Flickenteppichs mit dem Siegel der Altersvorsorge. Die anderen Teile sind, jeweils in verschiedenen Varianten, Überlappungen inbegriffen: kollektive Betriebspensionen, kapitalgedeckte Lebensversicherungen, Fonds, Riester- und Rürup-Renten, darüber hinaus individuelle Vorsorge-Maßnahmen mittels Immobilien, Aktien, Anleihen, Tages-, Festgeld- und Sparkonten sowie sonstigen Anlagen, etwa Goldmünzen und -barren.

Die Kollektive überwiegen bei Weitem, und genau das ist das Problem. Denn jeder Mensch hat einen individuellen Geld-Lebenslauf, wohingegen der Staat in Gestalt der Politiker am liebsten alles paternalistisch – als Vater Staat – regeln möchte, so auch die Altersvorsorge. Damit übt er die Kontrolle über seine Bürger aus, und die lassen sich das mehrheitlich gefallen. Die Lobby der Finanzkonzerne macht dieses Spiel mit, ja sie fördert die Kollektive, wo immer es geht, um an der Altersvorsorge möglichst viel zu verdienen. Den Vorsorgesparern bleibt dann der schäbige Rest, und der reicht in der Regel nicht aus, um den Ruhestand zu finanzieren.

Paternalismus ist brandgefährlich. Er verführt Politiker, immer mehr Wahlgeschenke zu verteilen; das geht letztlich zulasten der Steuerzahler. Und er lullt die Mehrheit der Bürger derart ein, dass sie aufhören, selbst an ihre finanzielle Zukunft zu denken. Das Gegenteil wäre ratsam: bis auf eine Grundsicherung keine staatlichen Eingriffe, dazu Fördermaßnahmen zur Aufklärung über die private Geldanlage, beginnend schon in den Schulen. Doch davon sind wir in Deutschland – wie auch in den meisten anderen Ländern – weit entfernt.

Das Problem: Aufklärung vonseiten der Politiker kann man vergessen, siehe oben. Und Aufklärung durch die Lobby der Finanzkonzerne läuft allemal Gefahr, einseitig und auf den Verkauf provisionsträchtiger Anlageprodukte ausgerichtet zu sein. Die Erkenntnis daraus: Geld-Bildung ist immer eine individuelle Angelegenheit. Dazu sind Medien hilfreich, angefangen bei Büchern über Zeitungen und Zeitschriften bis zu kaum noch zählbaren Internetseiten.

Zugegeben, viele Medien verbreiten Mist, seien es wilde Prognosen, heiße Aktientipps oder sonst was. Aber mit kritischem Herangehen an das Thema Geld lässt sich relativ schnell die Spreu vom Weizen trennen. Und wieder ist Individualität gefragt: Wer fürs Alter vorsorgen will, konzentriert sich möglichst früh auf Anlagen, die einen nachhaltigen Erfolg versprechen, zum Beispiel Aktien, die zu niedrigen Kursen gekauft werden sollten, oder Immobilien in besten Lagen, bei denen der Preis stimmt. Beide Kategorien laden derzeit wegen ihres aktuell relativ hohen Preisniveaus nicht gerade zum Kaufen ein. Doch das ist beileibe kein Beinbruch, schließlich hat man beim rechtzeitigen Vorsorgen fürs Alter ja genug Zeit. Und nebenbei bemerkt: Gold und Silber locken wegen ihrer im mittelfristigen Vergleich immer noch niedrigen Preise weiterhin zum Kaufen ein.

Womit soll man sich zwischenzeitlich die Zeit vertreiben? Am besten mit dem Verfolgen der Märkte und dem Recherchieren in die Tiefe. Das leuchtet zwar auf Anhieb ein, aber es erfordert viel Disziplin. Denn das Verfolgen und Recherchieren von Anlagen, die man noch nicht besitzt und die sich am Ende doch nicht als kaufenswert herausstellen, kann demotivierend, ja sogar frustrierend sein. Dennoch handelt es sich um eine sinnvolle und am Ende erfolgreiche Methode.

Für sie spricht noch eine weitere Überlegung: Verfolgt man beispielsweise ein paar Dutzend verschiedene Aktien, dürften einige von ihnen in absehbarer Zeit aus dem einen oder anderen Grund kaufenswert erscheinen, etwa starke Marktstellung, positive Gewinnentwicklung, Turnaround, Übernahmekandidat, vielversprechende Chartformation und so weiter. Dann steigt man zunächst mit kleinem Einsatz ein.

Bei Wiederholung mit anderen Aktien gewinnt man immer mehr an Know-how, und das ist eine gute Grundlage für die erforderliche Sicherheit im Umgang mit Aktien. Das gilt analog auch für den Umgang mit Edelmetallen. Dagegen sieht die Chose bei Immobilien anders aus, weil es hier um hohe Einsätze geht. Umso gründlicher muss recherchiert und vor allem auf das Timing geachtet werden. Das sollten sich übrigens alle hinter die Ohren schreiben, die derzeit mit dem Kauf eines Hauses oder einer Wohnung liebäugeln, denn die Preise sind schon allzu sehr in die Höhe geschossen.
Manfred Gburek – Homepage

 

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Ein Kommentar auf "Noch mehr Heuchelei geht nicht"

  1. Lickneeson sagt:

    „Noch mehr Heuchelei geht nicht“

    Schlimmer noch. Es wird nicht nur um die Wette (Wähler) geheuchelt, sondern die Vorschläge sind absurd und funktionieren nicht. Also viel Rauch um Nichts.

    Es gibt ja bekanntlich mehrere Faktoren, die die „normale “ Rente beeinflussen.

    1. demographischer Faktor
    2. Bruttoeinkommen vs. Lebenshaltungskosten
    3. Zinsniveau
    4. Rentenbeiträge
    5. „Verschiedenes“

    Seit Jahren steigt die Geburtenrate wieder. Erfreulich – reicht aber nicht. Die Zuwanderer werden laut Experten ca. 10 Jahre brauchen um im Arbeitsmarkt anzukommen ( ca. 10-20 % von ihnen!!!) hilft auch erst spät und nicht genug.

    Zu den Zinskünstlern in den Zentralbanken ist, auch für die Zukunft, alles gesagt. Hoffnungslos.

    Die Rentenbeiträge sollen bis ca. 2030 auf ca. 22,5, im weiteren Verlauf dann auf ca. 25 % steigen. Toll. Um also später knapp auf Sozialhilfeniveau zu kommen (nach 40 Jahren Arbeit) darf man in Zukunft während des Erwerbslebens jeden Cent 5 mal umdrehen. Spitze.

    Bleibt noch „Verschiedenes“. Private Vorsorge mit Aktien, Fonds, Gold oder Immobilien. Die Leute, die am Ende des Monats noch einiges an Geld übrig haben bemühen sich schon seit einiger Zeit den Finanzacker zu pflügen. Die echte Problemgruppe, die Normal -u. Geringverdiener haben weder Geld, noch Intellekt noch Interesse sich mit den Finanzmärkten zu beschäftigen. EIn grosser Fehler, aber das wird sich nicht ändern. Auch nicht durch Gesetze. Folglich wird diese Gruppe direkt in die ALterarmut führen. Was könnte man dagegen tun?

    Aus den Hartz 4 Memoiren und diversen Erfahrungen von Sozialkundigen kann man Menschen die nix haben keinen Druck mehr auferlegen – das ist denen egal. Die haben nichts zu verlieren. Also wird der Staat ihnen am Ende ihres Arbeits(los)lebens ihre karge Rente aufstocken. Aus Steuermitteln. M. E. kann man sich den ganzen bürokratischen Zirkus auch sparen in dem man eine Grundsicherung einführt, die zum Leben reicht, nicht für mehr. Finanziert über Steuern sowie querfinanziert über die Steuern, die Konzerne wie Google & Co. bis heute in Deutschland nicht zahlen.

    Noch wichtiger ist es aber einen Mindestlohn einzuführen, von dem man nach 40 Arbeitsjahren allein von seiner Rente leben kann. Aber dann wandern ja alle Konzerne aus Deutschland ab, hihihi.

    Fazit:

    Es wird Zeit für eine ECHTE Rentenreform, die nachhaltig ist und jedem Bürger die Chance gibt mit persönlichem Einsatz im Arbeitsmarkt ein geregeltes Einkommen und eine lebenswerte Rente zu erwirtschaften. Und ja, eine Schulreform, in der ein Fach „Wirtschaft & Finanzen“ vorkommt würde ich auch für dringend erforderlich halten. Dafür darf dann eins von den „Soziallaberfächern“ mal verschwinden. Es bleiben noch genug übrig.

    MfG

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