Noch mehr Ärger: Banken im Dollar-Loch

4. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Bei den Begriffen Dollar und Loch denkt der eine oder andere sicher eher an mögliche Schwierigkeiten der US-Währung als an turbulente Zeiten für europäische Banken. Das Loch, das die hiesigen Banken fürchten müssen ist aber ein gewaltiges Problem, handelt es sich doch um einen Mangel an Dollars…

Vielfach sind Diskussionen um Währungen bestimmt von Begriffen wie „Wachstum“ oder „Verschuldung“. Diese spielen natürlich im gesamtwirtschaftlichen Kontext langfristig eine Rolle, denn sie beeinflussen wie viele andere  Variablen den Kern jedes Marktes: Angebot und Nachfrage.

Das Verhältnis eines Währungspaares wird ebenso von diesen beiden Elementen geprägt, wie der Kurs einer Aktie oder der Preis einer Wurstsemmel. Und ein existenzbedrohender Mangel treibt naturgemäß die Preise in die Höhe. Viele europäische Banken stehen vor einem zumindest kritischen Mangelzustand an US-Dollars, unabhängig davon, ob sie mit einem steigenden oder fallenden Kurs des Greenbacks rechnen. Sie müssen schlichtweg US-Dollar Kredite refinanzieren. Ein Blick auf die folgende Grafik zeigt, dass es sich bei diesem Problem um ein einseitiges handelt.

Die Banken des Euroraumes, Großbritanniens und der Schweiz haben sich mit Dollarpapieren vollgesogen, die US-Institute tummeln sich vorwiegend im eigenen Währungsraum.

Die Daten der BIS beziehen sich auf den Zeitraum bis 2008, die Entwicklung der Bilanzen der großen europäischen Banken zeigt aber, dass sich hier bis heute keine derart große Veränderung ereignet hat, die das Problem auch nur ansatzweise vom Tisch geschafft hätte.

Genaue Daten dazu, welcher Teil der Dollar-Assets fristenkongruent durchfinanziert sind, hat auch die BIS nicht. Bis auf wenige Ausnahmen weisen aber die nationalen Banksysteme keine Anzeichen einer durchgreifenden Reduzierung der Assets auf. Hier die bisher letzte Aufstellung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS). Allein bei den teutonischen Finanzinstituten finden sich noch rund 1.500 Milliarden an Dollar denominierten Assets, immerhin mehr als das Doppelte der Bestände zu Beginn des Jahrtausends.

Diese Summe ist fast halb so groß wie das BIP der Bundesrepublik. Wie gesagt, wir sprechen an dieser Stelle lediglich von Dollarpapieren. In Großbritannien beträgt die Summe mehr als $2.000 Mrd, in Italien – die Banken dort haben als einzige die Dollarrisiken ausgebaut – stieg der Wert auf bescheidene $300 Mrd. Die französischen Institute, die warum auch immer in Deutschland einen Ruf der „Stabilität“ genießen, sitzen mit etwa $1.700 Mrd. am Spieltisch.

Der Mangel an verfügbaren Dollarkrediten im System zeigt sich vor allem im Swap-Markt, genauer gesagt im so genannten Euro/Dollar Basis Swap. Dieser Swap („Tausch“) ermöglicht es Banken, Dollar zu leihen und dafür Euro zu verleihen. Während der Laufzeit gelten für das Geschäft die entsprechenden. Bei Fälligkeit des Kontraktes werden die geliehenen Summen wieder ausgetauscht.

Wie bei Banken so üblich, werden lang laufende Kredite oder Wertpapiere nicht mit ebenso lange laufenden Krediten finanziert. Diese Fehlende Deckung der Laufzeiten von Geldleihe und Kreditvergabe mag schlau anmuten, wenn die Banken sich das Geld kurzfristig billiger leihen können als langfristig. Das Risiko, dass sich daraus zwangsläufig ergibt, ist ein Liquiditäts- und Zinsänderungsrisiko. Während die Investments teilweise unverkäuflich auf der Bilanz schlummern, muss die Refinanzierung stetig erneuert werden – zu bei Abschluss unbekannten Konditionen.

Bei europäischen Banken kommt alle paar Quartale wieder der Dollar-Mangel ans Licht, denn die Banken Europas haben gewaltige Bestände an in US-Dollar denominierten Papieren in den Büchern. Es ist ja keine neue Botschaft, der Hauptexportartikel der USA sind Probleme, zu denen auch Kredite und Wertpapiere gehören(Seite 2)

 

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7 Kommentare auf "Noch mehr Ärger: Banken im Dollar-Loch"

  1. bvrulez sagt:

    bankhaus rott is my favorite.

  2. EXE sagt:

    Es zeigt Baken wollen sich nicht darum kümmern.
    Wen ich weiß und das wissen Banken wohl auch, wenn ich mich verhebe oder verzocke mir wird geholfen und ich darf danach noch an den Gesetzen mitwirken gerade weil ich so schlecht bin… da wundert mich nichts mehr.
    Die Banken Zocken mehr wie manch einer im Casino.

  3. […] Rott & Meyer: Noch mehr Ärger: Banken im Dollar-Loch […]

  4. Oddo Wolf sagt:

    Das ist für mich dann schon zu hohes Banker-latein. Aber es fühlt sich an wie:
    Gestern standen wir am Rande des Abgrunds. Heute sind wir schon einen Schritt weiter.
    Seh grad Frank auf n-tv: „Kann ja sein, daß sich die Märkte am Nachmittag wieder drehen,“ sagt er.
    Sein Mitgefühl für die vielen verzweifelten Aktionäre zeigt einen feinen Charakter, auch wenn er selbst vielleicht nicht dran glaubt.
    Alles wird gut.

  5. 16.000 Milliarden Dollar | yoice.net sagt:

    […] Noch mehr Ärger: Banken im Dollar-Loch – Bei den Begriffen Dollar und Loch denkt der eine oder andere sicher eher an mögliche Schwierigkeiten der US-Währung als an turbulente Zeiten für europäische Banken. Das Loch, das die hiesigen Banken fürchten müssen ist aber ein gewaltiges Problem, handelt es sich doch um einen Mangel an Dollars (rottmeyer.de) […]

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