Nix wie weg mit der Kohle!

© spuno - Fotolia.com 20. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Brüssel ist fantastisch. Das Europäische Parlament ist fantastisch. Wie sonst könnten es die Institutionen Europas schaffen, mit immer mehr Beamten für immer weniger Demokratie zu sorgen? Der nächste Schritt im Trauerspiel Währungsunion werden wohl drastische Kapitalkontrollen im Euroraum sein. Alles im Interesse des Bürgers versteht sich …

Brüssel ist nur einer von drei Arbeitsorten des europäischen Parlamentes. Im Sinne der aktiven Förderung des Kurzstrecken-Flugverkehrs werden keine Kosten und Mühen gescheut um die Verortung der Fehlentscheidungen zumindest räumlich zu streuen. So gibt es die Eigenschaft, strukturelle Probleme auch dann zu leugnen, wenn der Krisenpegel den Bürgern bis zum Hals steht. Zudem grassiert weiterhin der Irrglaube, das Hantieren mit immer größeren Fantasiezahlen könne für Beruhigung sorgen. Wer sich die clownesken Auftritte vieler Offizieller anschaut, der spürt eher das Gegenteil. Der logische Schluss ist der Transfer von Geldern heraus aus der europäischen Union, denn eines ist klar: Die EU vermittelt derzeit nicht Eindruck, an dauerhafter Rechtssicherheit noch ernstzunehmendes Interesse zu haben.

Die Kapitalflucht war und ist nach wie vor der Haupttreiber für die bessere Performance deutscher Staatspapiere. Die Frage ist jedoch, wie Deutschland die offenbar in einem Anfall von Wahnsinn versprochenen Garantien stemmen soll, wenn es ernst wird. Auf Dauer wird diese anhaltende Unsicherheit für einen Nettoabfluss von Geldern aus der Eurozone sorgen. Wenn sich der Nebel nicht lichtet, ist auch Deutschland nur finanzielles Transitland.

Der einfachste Schritt für den Abzug finanzieller Mittel ist die Eröffnung eines Kontos bei einer Bank im außereuropäischen Rechtsraum. Wie wichtig eine andere Gerichtsbarkeit werden kann, durften unlängst die Halter griechische Anleihen erfahren (griechisches versus europäisches Recht). Auch der Kauf physischer Edelmetalle kann als Abzug gewertet werden. Das Geld fließt zwar in diesem Falle nicht im geografischen Sinne ab, es verabschiedet sich aber aus dem einfach zu kontrollierenden Teil des Finanzsystems.

In Spanien schägt der Irrsinn derzeit die ärgsten Kapriolen, wer davon im Jahre 2012 noch überrascht ist, muss sich an die eigene Nase fassen. Kein Wunder, dass viele Spanier und spanische Unternehmen ihr Geld lieber andernorts parken. Die offiziellen Bankeinlagen der Iberer haben sich im Sommer des Vorjahres in einen stetigen Abwärtstrend begeben. Was im Chart bisher noch wenig spektakulär daherkommt, stellt die Finanzinstitute in Spanien vor große Probleme, denn Einlagen sind ein billiger Weg der Refinanzierung.

Ungeachtet der Realitäten sind die politischen Entwicklungen innerhalb der Eurozone seit dem Jahr 2008 geprägt von Schuldzuweisungen, Unentschlossenheit und Orientierungslosigkeit. Die Schuld für die eigene Krise sieht man in Brüssel und Berlin gerne wie gehabt in den Vereinigten Staaten. Nun sind die Kreditvergabepraktiken im Rahmen der Subprime-Krise bereits legendär, allerdings darf man von außerordentlich gut bezahlten EU-Bankern erwarten, dass sie sich anschauen, was sie kaufen…

Auch die absurden Kriterien bei der Bewertung von Verbriefungen waren allgemein bekannt und wurden nicht nur in Blogs ausführlich dargelegt. Jetzt zu klagen, die Verkäufer hätten aber gar nichts von möglichen Verlusten erwähnt, ist armselig und ist allenfalls ein Hinweis auf die vollkommene fachliche Unfähigkeit des Klagenden. Vermutlich wäre es seinerzeit hilfreich gewesen, das eine oder andere Dokument einmal zu lesen, statt sich die Vorstandsvorlagen für den Kauf diverser Produkten von Frischlingen oder Ahnungslosen passgenau zusammenschreiben zu lassen. Von den absurden Blasen im eigenen “Haus Europa” einmal abgesehen, hat man sich mit einem überbordenden und überhebelten Finanzsektor sowie der Verflechtung der Institute mit den Staaten den Großteil der herrschenden Probleme selbst zuzuschreiben. Abgesehen davon ist noch kein Problem durch Schuldzuweisungen gelöst worden.

Anhaltende Unentschlossenheit herrscht bei der Art und Weise, wie man mit diesem Bankensektor umgehen soll. Das ist wenig erstaunlich, wenn man sich ausgerechnet von denjenigen beraten lässt, die auf massiv gehebelten Bilanzen hocken und am Tropf der EZB hängen. Man wollte stützen, retten, fördern und was kam heraus? Unter anderem kaufte man zu lächerlich überhöhten Preisen Anteile an der Commerzbank und erhielt für alle Gelder lediglich ein müdes Lächeln und kübelweise Spott – nicht ganz zu Unrecht. Auch das Krisenmanagement bei der kollabierten Dexia ist ein vielversprechender Kandidat für den Comedy-Award. Unterdessen stolpert die EZB weiter tapsig durch den Markt und versucht der Fed nachzueifern. Wir drucken kein Geld, wir führen nur dem Geld-drucken ähnelnde Maßnahmen durch. Sei es wie es ist, auch eine Zentralbank kann ein Solvenzproblem nicht durch Liquidität lösen. Dass sich Angestellte der Finanzbranche das Geschwafel der Großen Vorsitzenden überhaupt noch antun – was leider oft vorkommt – ist schwer nachvollziehbar.

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Sehr beängstigend ist die europäische Orientierungslosigkeit. Da werden geradezu bühnenreife Vorschläge zum Thema Griechenland verbreitet. Unter anderem solle sich der griechische Staat als EU-finanzierter Solarstromproduzent aus dem Sumpf ziehen. Prima, vielleicht sollte einfach die gesamte griechische Fußballiga Startplätze in der Champions League erhalten. Die Versteuerung der entsprechenden Einnahmen dient dann der Gesundung des Staatssäckels. Generell scheint vielen Abgeordneten sowohl bilanziell als auch beim schlichten Rechnen mittlerweile jegliche Ordnung abhandengekommen zu sein. Angesichts der irrwitzigen Leichtigkeit, mit der hunderte von Milliarden – die bekanntlich gar nicht da sind – als Rettungsversprechen in die Höhe gehalten werden, kann man nur staunen. Es stellt sich der Eindruck ein, manch ein Parlamentarier glaubt, der Unterschied zwischen einer Billion und einer Million könne gar nicht so groß sein, weil die Begriff sich reimen.

Die Situation in Spanien offenbart zunehmend die Hilflosigkeit der Eurokraten. Wie desolat die wirtschaftlich Lage im Süden ist, sollte allgemein bekannt sein. Die Abhängigkeit von der Druckerpresse wird mittlerweile auch offiziell eingestanden.

Jaime García-Legaz, the Spanish secretary of state for the economy, told the Spanish television channel laSexta on Friday that Spain “would be dead” without the loans provided by the European Central Bank.

“Tot” wäre Spanien ohne die EZB sicher nicht, möchte man anmerken. Vielmehr wäre die seltsame Vision, die einen Währungsraum für das non plus ultra der Völkerverständigung hält, passè. In der Sowjetunion gab es bekanntlich auch eine Währungsunion, vielleicht ist das ja ein Hinweis auf die ideologische Verortung vieler EU-Kader.

Wie in Italien soll es jetzt auch in Spanien der so genannten Schattenwirtschaft an den Kragen gehen. Das Vorgehen auf der Apenninenhalbinsel gilt hierbei als rabiat und die Plakate gegen den Schwarzhandel erinnern an die ganz düsteren Zeiten des europäischen Kontinents. Einige Machthaber der Europäischen Union würden zur Aufrechterhaltung des gescheiterten Währungsexperiments vermutlich auch mit leichter Hand die Demokratie vollends opfern.

To counter a deepening recession — the second in three years — the government of Prime Minister Mariano Rajoy is hoping to bring out some of the revenue buried in an underground economy that was estimated by the previous government to represent about 20 percent of gross domestic product.

Generell ist es schwer nachvollziehbar, wie es der Wirtschaft per Saldo helfen soll, wenn man den Menschen aus der linken Tasche Geld wegnimmt um es dann nach bürokratischen Reibungsverlusten wieder in die rechte Tasche zu stecken. Aber die Anhänger der neoklassischen Ökonomielehre haben es bekanntlich nicht so mit der Realität. So ist das halt, wenn man die Wirtschaft für ein stabiles Gleichgewichtssystem hält.

Im Zuge der Erweiterung staatlicher Eingriffe darf auch die Abschaffung großer Banknoten nicht fehlen.

Cayo Lara Moya, leader of the United Left party in Spain, argued during a parliamentary session this week that the government should push for the complete removal from the euro zone of 500 euro notes, one of the largest denominations used in Western economies.

Die Scheine wird wohl niemand vermissen, ein Verbot wird vermutlich leider ebenso wenig helfen wie die avisierte Erhöhung der Mehrwertsteuer. In beängstigendes Territorium, und zurück zum Anfang des Artikels, kommen wir bei folgender Maßnahme, die bereits beschlossen wurde.

The Prime Minister, Mariano Rajoy, has announced on Wednesday that the plan to combat tax evasion on Friday approved the Cabinet prohibit the payment in cash transactions of over € 2,500 and in which at least involved a businessman professional.

So fangen Kapitalkontrollen an. Der nächste Schritt wird die Sperrung oder Einschränkung von Auslandsüberweisungen sein. Wie das dann mit dem gern zitierten europäischen Gedanken einhergehen soll, erschließt sich dem Betrachter nicht. Aber unsere Damen und Herren in Brüssel kriegen das sicher hin. So darf man wohl zukünftig zu rumänischen Löhnen in Paris arbeiten aber sein Geld nur noch dort behalten, wo die kontoführende Bank ihren Sitz hat – alles im ureigenen Interesse des Bürgers versteht sich.

Wer seine Sinne beisammen hat, wird spätestens jetzt darüber nachdenken, wie ein Teil seines Vermögens sicher außerhalb der EU oder anderweitig geparkt werden kann. Die Tendenz zur Kapitalflucht wird durch derartige Maßnahmen nicht gebremst sondern aus nachvollziehbaren Gründen verstärkt.


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14 Kommentare auf "Nix wie weg mit der Kohle!"

  1. gilga sagt:

    Wenn es nicht so traurig wäre könnte man an einigen Stellen des Artikels sogar lachen… viel mehr als Zynismus bleibt leider nicht. Also auch wieder ein Danke für diesen Artikel!

    Ich hatte es schon in einem anderen Post geschrieben: Ein Schelm wer böses dabei denkt: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,828655,00.html
    Die elektr. Kapitalverkehrskontrollen lassen sich vermutlich fast per Knopfdruck herstellen. Und 30 Tage sollten reichen um neue Währung einzuführen oder abzuwerten oder was auch immer man will.

    Schön ist da folgendes Zitat aus dem Spiegel-Artikel: “Wir brauchen Binnenkontrollen nicht nur bei einzelnen Ereignissen wie Fußballspielen oder großen Kongressen, sondern auch wenn Mitgliedsländer ihre Pflichten nicht mehr erfüllen”. Welche Pflichten könnten das denn sein, die man den “Mitgliesländern” da noch aufdrücken könnte?!

    Eine Frage habe ich aber noch zur Kapitalflucht: Die “Leute mit Geld” haben ihr Vermögen ja mitnichten in Form von Sichteinlagen bei den Banken liegen. Zumindest ist es nur ein Anteil. Spricht die “Kapitalflucht” nicht einfach dafür, dass die Bürger mehr ausgeben (müssen) als sie einnehmen? Schießlich ist in vielen europ. Ländern relativ schnell Schluss wenn man arbeitslos wird und man muss, wenn man denn nicht verhungern will oder schon zuvor um Kredite zu bedienen, sich eben seinem Ersparten bedienen. Klar das da die Einlagen bei den Banken schwinden und das Kapital dahin wandert wo die wenigen Güter die noch konsumiert werden (müssen) hergestellt werden bzw. die entsprechenden Unternehmen (und Mitarbeiter die noch Lohn beziehen) sitzen/ihr Kapital parken.

    Ich würde daher denken das die wahre “Kapitalflucht” entweder schon stattgefunden hat (das große Geld riecht den Braten sicher schon lange) oder einfach Ursache natürlich stattfindender Prozesse im momentanen Umfeld und nicht Folge von Überweisungen des südeuropäischen “Kleinsparers” ins Ausland ist. Sprich: Die Menschen und Unternehmen in diesen Ländern gehen schlichtweg auf dem Zahnfleisch und müssen ihr Geld ans Ausland “abgeben”.

    Wie gesagt es geht hier nicht um eine handvoll Leute die zehn/hunderttausend(e) Euro ins Ausland transferieren sondern um Millionen die Monat für Monat einige hunderter von ihrem Konto (das maximal nur wenige tausend Euro enthält) nehmen müssen um nicht “zu verhungern”.

    Oder spricht etwas gegen diese Sicht der Dinge?

  2. bts_freak sagt:

    Konto im Ausland grundsätzlich ok, aber wenn man da nicht wohnt, würde ich mich genauso sorgen wie im Notfall ans Geld zu kommen ist. Also doch lieber Goldbarren im Zwischenboden….

    • FDominicus sagt:

      Es gibt das so etwas praktisches wie Internet. Ich würde mich aber sehr wundern wenn es nicht möglich sein sollte so Geld zu überweisen. Zu pat. Wenn Sie den Deutschen Ihren Urlaub nehmen werden die Deutschen aber unangenehm. Aber Kapitalverkehrskontrollen, ja damit darf man rechnen.

      Alle Rettungsvorschläge mit dem Austritt Griechenlands haben das wohl gemeinsam. Klar die lokalen Euros müssen ja “entwertet” werden. Wäre ja auch zu blöd wenn es nichts mehr zu entwerten gäbe….

  3. [...] viaNix wie weg mit der Kohle! | Rott & Meyer. Share| April 20, 2012 at 10:42 am by admin Category: EU-Wahnsinn, EUDSSR [...]

  4. pat sagt:

    Ich glaube es war Herr Hankel, der in einem Vortrag erwähnte, dass eine fortgesetzte Leugnung finanzpolitischer Realitäten durch EU Bürokraten schlussendlich dazu führen wird, dass der Euro eine reine Binennmarktwährung wird, die nicht mehr international konvertierbar ist, ganz nach dem Vorbild der DDR Mark oder dem russischen Transferrubel.

    Dann braucht man keine Kapitalverkehrskontrollen mehr in Euro im Inneren, sondern die der “Devisen” an der Grenze. Wäre interessant wie es dann um Edelmetalle bestellt ist.

    Dann ist auch erst einmal Schluss mit Reiseweltmeister Deutschland.

    Wir leben in interessanten Zeiten. Wir erleben gerade in Zeitlupe, was in den Geschichtsbüchern einmal als sehr plötzliches Geschehen beschreiben sein wird. Wer jetzt gut zuschaut kann eine Menge lernen.

  5. gilga sagt:

    “Ich glaube es war Herr Hankel, der in einem Vortrag erwähnte, dass eine fortgesetzte Leugnung finanzpolitischer Realitäten durch EU Bürokraten schlussendlich dazu führen wird, dass der Euro eine reine Binennmarktwährung wird, die nicht mehr international konvertierbar ist, ganz nach dem Vorbild der DDR Mark oder dem russischen Transferrubel.”

    Ja, habe ich bei ihm auch zum ersten Mal in dieser Form gehört.

    “Dann braucht man keine Kapitalverkehrskontrollen mehr in Euro im Inneren, sondern die der “Devisen” an der Grenze. Wäre interessant wie es dann um Edelmetalle bestellt ist.”

    Das setzt aber voraus, das niemand ausschert. Im Extremszenario halte ich das aber für sehr unwahrscheinlich. Es wird immer jemanden geben der einen Vorteil vom Ausscheren haben wird.

    “Dann ist auch erst einmal Schluss mit Reiseweltmeister Deutschland.
    Wir leben in interessanten Zeiten. Wir erleben gerade in Zeitlupe, was in den Geschichtsbüchern einmal als sehr plötzliches Geschehen beschreiben sein wird. Wer jetzt gut zuschaut kann eine Menge lernen.”

    Ja, was sind schon 2-3 Jahre… oder auch 5 in den Geschichtsbüchern. Dennoch ist es erstaunlich wie wenig momentan in der Politik/Presse mit historisch eigentlich angebrachten Vergleichen gearbeitet wird.

    • pat sagt:

      “Das setzt aber voraus, das niemand ausschert. Im Extremszenario halte ich das aber für sehr unwahrscheinlich. Es wird immer jemanden geben der einen Vorteil vom Ausscheren haben wird.”

      Auch Griechenland würde profitieren, wenn sie aus dem Euro austreten und damit ausscheren. Hat es aber bisher nicht getan. Da wird im EU Raum gerade mächtig auf Linie getrimmt. Ich bin aber auch gespannt, ob es gelingt. Wenn ich bedenke was alles schon so passiert ist, das vorher undenkbar war, dann halte ich es für möglich, dass da niemand ausschert.

      Überall, wo man über das Ausscheren zum Wohle des eigenen Volkes nachdenkt, wird ein getreuer Goldman Sachs Vasall an die Macht geputscht.

      • gilga sagt:

        Ich denke da eher an ein Ausscheren der “Starken”. Ein Austritt Griechenlands und anderer Staaten wäre, insofern man keinen Bürgerkrieg will, schon eine ganze Weile nur mit wirklicher(!) Hilfe der “Starken” möglich gewesen. Ob die Kosten dafür geringer gewesen wären werden wir nie erfahren und Spekulationen dazu sind rein hypothetischer Natur.

        Wenn wir richtig ordentliche Inflationsraten im Euroraum bekommen dürfte auch der Ruf in Dtl. nach einem Austritt lauter werden bzw. sich politisch sehr viel besser Instrumentalisieren lassen. Brüderle hat in seinem Brief an die dt. Haushalte damit ja schon begonnen… die Masse der Wähler in Dtl. ist in einem hohen Alter und wird der Entwertung seiner Rentenansprüche und Guthaben nicht tatenlos zusehen bzw. wird sich dann durch wen auch immer lenken lassen.

        Im Fall eines deflationären Szenarios sehe ich dies jedoch nicht. Die “Starken”/”Gewinner” sind daran nicht interessiert so lange man das System mit Luftbuchungen bzw. Geldschöpfung aus dem Nichts am Leben erhalten kann (was in diesem Szenario wohl ewig oder zumindest sehr lange geht) und die Betroffenen in den “schwachen” Ländern sind in dieser Situation zunächst nicht in der Lage einen Austritt politisch durchzusetzen. Sieht man ja an den Umfragen in Griechenland: Noch mehr Sparen will man nicht (was ja auch richtig ist) aber aus dem Euro will die Bevölkerung auch nicht.

        Aber wie schon gesagt wurde: Wir Leben in interessanten Zeiten und eine Positionierung fällt schwer, da alles sehr schnell und “unerwartet” in Extreme (und das ist es wovor man sich fürchten sollte) umschlagen kann.

  6. MH sagt:

    Diese Entwicklung ist wirklich beängstigend. Wenn ich mir vergegenwärtige, was von den Schreckensszenarien, die vor ein, zwei Jahren auf Blogs wie diesem so alles entworfen wurden, jetzt bereits in der Umsetzung begriffen sind, kann ich nur sagen: schaurig. Die Kontrollen und Überwachungsmechanismen nehmen stetig zu und eines Tages ist die Freiheit dann ganz weg. Dann wird man sagen können: Das Volk wurde im Schlaf überrascht.

    Woran liegt’s, könnte man sich jetzt fragen. Sind wir zu dusselig für eine Demokratie? Zum einen liegt’s natürlich auch daran, dass der Prozess ein schleichender ist. Hier sind wir wieder beim Frosch im Kochtopf, die einzelnen Veränderungen sind nicht immer sofort spürbar. Wesentlicher für die große Apathie scheint mir aber die fehlende Kontrollinstanz zu sein. Eine funktionierende Demokratie braucht Kontrollen und die kann nur das Volk übernehmen. Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien sind dafür zu eng miteinander verflochten, um diese Funktion auszufüllen; aus diesen Reihen wird kein ernstzunehmender Widerspruch kommen.

    Wenn man aber als Bürger nur jeweils alle 4 Jahre bei der Bundes- und der Landtagswahl ein Kreuzchen machen darf und es eigentlich auch nicht besonders einsichtig ist, worin sich die etablierten Parteien eigentlich unterscheiden, kann von einem Mitgestaltungsprozess nicht die Rede sein. Ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, dass eine parlamentarische Demokratie nicht ausreicht, es müsste eine plebiszitäre sein. Auch wenn es den Bürgern mehr abverlangt: Sie müssten mehr Einflussmöglichkeiten bekommen und auch davon überzeugt werden, diese wahrzunehmen.

  7. khaproperty sagt:

    Da bekannt ist, woran es liegt, läßt sich das Problem der 17 an eine je für sie fremde Währung, den Euro, gebundenen souveränen Nationen recht einfach lösen:

    Rückabwicklung des Euro in je nationale Währungen. Was einst als falsch eingeführt wurde, ließe sich ebenso relativ einfach zum Stichtag auch wieder rückabwickeln. Die Kolateralschäden lassen sich mit geringem Milliardenaufwand richten. Dafür wären sie auch nur einmalig zu bezahlen, was von den bisherigen und weiterreichenden Garantien und Bürgschaften “wg. Euro” ganz im Gegenteil nicht zu behaupten ist.

    Dann hätte das Lamento ein Ende, Europa wäre gerettet und die Länder könnten sich endlich wieder der Wohlstandsmehrung der Bevölkerung widmen.

  8. FDominicus sagt:

    Vor mehr als einem Jahr lies ich mich dazu aus:
    “Because people will try to avoid being taxes more heavily. The money will start flowing toward low level tax countries. This is a serious threat to any Deledef and so I expect that they will discuss and hindering free trade and free money flow. There will probably be extra taxes if you start bringing you money outside of your home country. I even could imagine that they introduce “artificial” exchange rates. Just to save the “poor” defrauders, because they will name it “unfair”. (6 th prediction) ”

    Ich habe damals keinen Zeitrahmen angegeben. Nun kann man es sogar genauer spezifizieren. An dem Tag an dem einer der überschuldeten Ländern den Euro verlässt werden diese “Kapitalverkehrskontrollen” eingeführt.

    Alle Vorschläge für den Ausstieg aus dem Euro nennen das “nötig”. Es ist auch klar warum. Die “nationalen” Euros müssen auf nationales Geld umgestellt werden. Das geht natürlich nicht von jetzt auf gleich. Also werden die Euros “gestempelt” und nur die gestempelten Euros werden als “Geld” deklariert.

    Was natürlich auch heisst die Euros im Ausland können nicht erfasst werden, somit sind die besser dran die die Euros aus dem Land schaffen. Und es ist ganz offensichtlich das ein massiver Geldexport aus Griechenland erfolgte und erfolgt. Man kann diese Tendenzen ja auch schon in Italien und Spanien sehen.

    Die Leute die Ihre Geld “raus” schaffen, haben m.E. mehr wirtschaftlichen Sachverstand bewiesen als alle Wirtschaftsexperten aller Regierungen seit mehr als 50 Jahren…

  9. NoBody sagt:

    Kann mal jemand erklären, wie man am besten Geld im nicht europäischen Ausland anlegen soll?
    Oder war Nicht-Euro-Ausland gemeint?
    In der Schweiz ist dafüt meines Wissens ein Wohnsitz erforderlich.
    Und/oder ein Mindestbetrag von 100.000,- EUR
    Wo anders?

  10. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo NoBody,

    es geht in diesem Falle um eine Bank außerhalb der EU – sprich außerhalb der Gerichtsbarkeit der Europäischen Union. Ein solches Konto kann man in verschiedenen Ländern auch als “Non-Resident” wie es so schön heißt eröffnen.

    Das ist nicht immer einfach, lässt sich jedoch oft mit einigen Anrufen und beglaubigten Unterlagen erledigen. In einigen Fällen ist ein Besuch vor Ort zwingend, das ist natürlich nur ab einer bestimmten Größenordnung sinnvoll, falls man nicht phnehin aus anderen Gründen anreisen muss oder möchte. Falls Sie sich für die Möglichkeit interessieren sind die Websites der Banken der erste Schritt und ein Anruf der zweite.

    Viel Erfolg!

    Bankhaus Rott

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