Nix wie weg mit der Kohle!

20. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Brüssel ist fantastisch. Das Europäische Parlament ist fantastisch. Wie sonst könnten es die Institutionen Europas schaffen, mit immer mehr Beamten für immer weniger Demokratie zu sorgen? Der nächste Schritt im Trauerspiel Währungsunion werden wohl drastische Kapitalkontrollen im Euroraum sein. Alles im Interesse des Bürgers versteht sich …

Brüssel ist nur einer von drei Arbeitsorten des europäischen Parlamentes. Im Sinne der aktiven Förderung des Kurzstrecken-Flugverkehrs werden keine Kosten und Mühen gescheut um die Verortung der Fehlentscheidungen zumindest räumlich zu streuen. So gibt es die Eigenschaft, strukturelle Probleme auch dann zu leugnen, wenn der Krisenpegel den Bürgern bis zum Hals steht. Zudem grassiert weiterhin der Irrglaube, das Hantieren mit immer größeren Fantasiezahlen könne für Beruhigung sorgen. Wer sich die clownesken Auftritte vieler Offizieller anschaut, der spürt eher das Gegenteil. Der logische Schluss ist der Transfer von Geldern heraus aus der europäischen Union, denn eines ist klar: Die EU vermittelt derzeit nicht Eindruck, an dauerhafter Rechtssicherheit noch ernstzunehmendes Interesse zu haben.

Die Kapitalflucht war und ist nach wie vor der Haupttreiber für die bessere Performance deutscher Staatspapiere. Die Frage ist jedoch, wie Deutschland die offenbar in einem Anfall von Wahnsinn versprochenen Garantien stemmen soll, wenn es ernst wird. Auf Dauer wird diese anhaltende Unsicherheit für einen Nettoabfluss von Geldern aus der Eurozone sorgen. Wenn sich der Nebel nicht lichtet, ist auch Deutschland nur finanzielles Transitland.

Der einfachste Schritt für den Abzug finanzieller Mittel ist die Eröffnung eines Kontos bei einer Bank im außereuropäischen Rechtsraum. Wie wichtig eine andere Gerichtsbarkeit werden kann, durften unlängst die Halter griechische Anleihen erfahren (griechisches versus europäisches Recht). Auch der Kauf physischer Edelmetalle kann als Abzug gewertet werden. Das Geld fließt zwar in diesem Falle nicht im geografischen Sinne ab, es verabschiedet sich aber aus dem einfach zu kontrollierenden Teil des Finanzsystems.

In Spanien schägt der Irrsinn derzeit die ärgsten Kapriolen, wer davon im Jahre 2012 noch überrascht ist, muss sich an die eigene Nase fassen. Kein Wunder, dass viele Spanier und spanische Unternehmen ihr Geld lieber andernorts parken. Die offiziellen Bankeinlagen der Iberer haben sich im Sommer des Vorjahres in einen stetigen Abwärtstrend begeben. Was im Chart bisher noch wenig spektakulär daherkommt, stellt die Finanzinstitute in Spanien vor große Probleme, denn Einlagen sind ein billiger Weg der Refinanzierung.

Ungeachtet der Realitäten sind die politischen Entwicklungen innerhalb der Eurozone seit dem Jahr 2008 geprägt von Schuldzuweisungen, Unentschlossenheit und Orientierungslosigkeit. Die Schuld für die eigene Krise sieht man in Brüssel und Berlin gerne wie gehabt in den Vereinigten Staaten. Nun sind die Kreditvergabepraktiken im Rahmen der Subprime-Krise bereits legendär, allerdings darf man von außerordentlich gut bezahlten EU-Bankern erwarten, dass sie sich anschauen, was sie kaufen…

Auch die absurden Kriterien bei der Bewertung von Verbriefungen waren allgemein bekannt und wurden nicht nur in Blogs ausführlich dargelegt. Jetzt zu klagen, die Verkäufer hätten aber gar nichts von möglichen Verlusten erwähnt, ist armselig und ist allenfalls ein Hinweis auf die vollkommene fachliche Unfähigkeit des Klagenden. Vermutlich wäre es seinerzeit hilfreich gewesen, das eine oder andere Dokument einmal zu lesen, statt sich die Vorstandsvorlagen für den Kauf diverser Produkten von Frischlingen oder Ahnungslosen passgenau zusammenschreiben zu lassen. Von den absurden Blasen im eigenen „Haus Europa“ einmal abgesehen, hat man sich mit einem überbordenden und überhebelten Finanzsektor sowie der Verflechtung der Institute mit den Staaten den Großteil der herrschenden Probleme selbst zuzuschreiben. Abgesehen davon ist noch kein Problem durch Schuldzuweisungen gelöst worden.

Anhaltende Unentschlossenheit herrscht bei der Art und Weise, wie man mit diesem Bankensektor umgehen soll. Das ist wenig erstaunlich, wenn man sich ausgerechnet von denjenigen beraten lässt, die auf massiv gehebelten Bilanzen hocken und am Tropf der EZB hängen. Man wollte stützen, retten, fördern und was kam heraus? Unter anderem kaufte man zu lächerlich überhöhten Preisen Anteile an der Commerzbank und erhielt für alle Gelder lediglich ein müdes Lächeln und kübelweise Spott – nicht ganz zu Unrecht. Auch das Krisenmanagement bei der kollabierten Dexia ist ein vielversprechender Kandidat für den Comedy-Award. Unterdessen stolpert die EZB weiter tapsig durch den Markt und versucht der Fed nachzueifern. Wir drucken kein Geld, wir führen nur dem Geld-drucken ähnelnde Maßnahmen durch. Sei es wie es ist, auch eine Zentralbank kann ein Solvenzproblem nicht durch Liquidität lösen. Dass sich Angestellte der Finanzbranche das Geschwafel der Großen Vorsitzenden überhaupt noch antun – was leider oft vorkommt – ist schwer nachvollziehbar.

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Sehr beängstigend ist die europäische Orientierungslosigkeit. Da werden geradezu bühnenreife Vorschläge zum Thema Griechenland verbreitet. Unter anderem solle sich der griechische Staat als EU-finanzierter Solarstromproduzent aus dem Sumpf ziehen. Prima, vielleicht sollte einfach die gesamte griechische Fußballiga Startplätze in der Champions League erhalten. Die Versteuerung der entsprechenden Einnahmen dient dann der Gesundung des Staatssäckels. Generell scheint vielen Abgeordneten sowohl bilanziell als auch beim schlichten Rechnen mittlerweile jegliche Ordnung abhandengekommen zu sein. Angesichts der irrwitzigen Leichtigkeit, mit der hunderte von Milliarden – die bekanntlich gar nicht da sind – als Rettungsversprechen in die Höhe gehalten werden, kann man nur staunen. Es stellt sich der Eindruck ein, manch ein Parlamentarier glaubt, der Unterschied zwischen einer Billion und einer Million könne gar nicht so groß sein, weil die Begriff sich reimen.

Die Situation in Spanien offenbart zunehmend die Hilflosigkeit der Eurokraten. Wie desolat die wirtschaftlich Lage im Süden ist, sollte allgemein bekannt sein. Die Abhängigkeit von der Druckerpresse wird mittlerweile auch offiziell eingestanden.

Jaime García-Legaz, the Spanish secretary of state for the economy, told the Spanish television channel laSexta on Friday that Spain “would be dead” without the loans provided by the European Central Bank.

„Tot“ wäre Spanien ohne die EZB sicher nicht, möchte man anmerken. Vielmehr wäre die seltsame Vision, die einen Währungsraum für das non plus ultra der Völkerverständigung hält, passè. In der Sowjetunion gab es bekanntlich auch eine Währungsunion, vielleicht ist das ja ein Hinweis auf die ideologische Verortung vieler EU-Kader.

Wie in Italien soll es jetzt auch in Spanien der so genannten Schattenwirtschaft an den Kragen gehen. Das Vorgehen auf der Apenninenhalbinsel gilt hierbei als rabiat und die Plakate gegen den Schwarzhandel erinnern an die ganz düsteren Zeiten des europäischen Kontinents. Einige Machthaber der Europäischen Union würden zur Aufrechterhaltung des gescheiterten Währungsexperiments vermutlich auch mit leichter Hand die Demokratie vollends opfern.

To counter a deepening recession — the second in three years — the government of Prime Minister Mariano Rajoy is hoping to bring out some of the revenue buried in an underground economy that was estimated by the previous government to represent about 20 percent of gross domestic product.

Generell ist es schwer nachvollziehbar, wie es der Wirtschaft per Saldo helfen soll, wenn man den Menschen aus der linken Tasche Geld wegnimmt um es dann nach bürokratischen Reibungsverlusten wieder in die rechte Tasche zu stecken. Aber die Anhänger der neoklassischen Ökonomielehre haben es bekanntlich nicht so mit der Realität. So ist das halt, wenn man die Wirtschaft für ein stabiles Gleichgewichtssystem hält.

Im Zuge der Erweiterung staatlicher Eingriffe darf auch die Abschaffung großer Banknoten nicht fehlen.

Cayo Lara Moya, leader of the United Left party in Spain, argued during a parliamentary session this week that the government should push for the complete removal from the euro zone of 500 euro notes, one of the largest denominations used in Western economies.

Die Scheine wird wohl niemand vermissen, ein Verbot wird vermutlich leider ebenso wenig helfen wie die avisierte Erhöhung der Mehrwertsteuer. In beängstigendes Territorium, und zurück zum Anfang des Artikels, kommen wir bei folgender Maßnahme, die bereits beschlossen wurde.

The Prime Minister, Mariano Rajoy, has announced on Wednesday that the plan to combat tax evasion on Friday approved the Cabinet prohibit the payment in cash transactions of over € 2,500 and in which at least involved a businessman professional.

So fangen Kapitalkontrollen an. Der nächste Schritt wird die Sperrung oder Einschränkung von Auslandsüberweisungen sein. Wie das dann mit dem gern zitierten europäischen Gedanken einhergehen soll, erschließt sich dem Betrachter nicht. Aber unsere Damen und Herren in Brüssel kriegen das sicher hin. So darf man wohl zukünftig zu rumänischen Löhnen in Paris arbeiten aber sein Geld nur noch dort behalten, wo die kontoführende Bank ihren Sitz hat – alles im ureigenen Interesse des Bürgers versteht sich.

Wer seine Sinne beisammen hat, wird spätestens jetzt darüber nachdenken, wie ein Teil seines Vermögens sicher außerhalb der EU oder anderweitig geparkt werden kann. Die Tendenz zur Kapitalflucht wird durch derartige Maßnahmen nicht gebremst sondern aus nachvollziehbaren Gründen verstärkt.


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