„Niemand hat die Absicht… Spareinlagen über 100.000 EUR zu schützen.“

28. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor – Noch unmittelbar vor der Enteignung zyprischer Sparer versicherte die Regierung in Nikosia, dass die Spareinlagen nicht angetastet würden. Derartige Beruhigungspillen aus Politikermund sind deshalb so alarmierend, weil sie nach aller Erfahrung das Gegenteil bedeuten – es gilt das gebrochene Wort…

Dass es nur einen vergleichsweise kleinen Aufschrei gab, liegt auch daran, dass man sich für die maximal-populistische Lösung entschieden hat. Lediglich die Sparkonten der „Reichen“ wurden ordentlich rasiert. Da genügt ein kurzer Appell an die jederzeit abrufbaren Neidreflexe und das Verfahren gilt mehrheitlich als legitim. Dabei wäre die grundsätzliche Vorgehensweise einer Haftung der direkt Betroffenen eigentlich von Anfang an der richtige Weg gewesen – er kommt auf europäischer Ebene nur Hunderte von „Rettungsmilliarden“ zu spät. Denn es ist nicht nur marktgerecht, sondern ein schlichtes Gebot der Fairness, jene nicht aus der Verantwortung zu entlassen, die die Risiken selbst eingegangen sind.

Wer auf Zypern zu Zinsen jenseits von 5% p.a. gespart hat, der ist ein Risiko eingegangen. Die in Vergessenheit geratene, normale Haftungsreihe bei einer Bank lautet: Eigentümer (Aktionäre) vor ungesicherten Anleihegläubigern vor Sparern.

Für die Einbeziehung von Steuerzahlern und des Auslands, die an den ursprünglichen Geschäftsbeziehungen nicht beteiligt sind, bedarf es weit besserer Argumente als ein dahingeschnoddertes „systemrelevant“ oder „alternativlos“. Denn wenn ein System in seiner Gänze tatsächlich von der Rettung einer Handvoll gieriger Dummköpfe abhängen würde, dann müsste man sich fragen, wie erhaltenswert ein solches System überhaupt ist.

Aber keine Sorge, auch in Zypern sind die Unbeteiligten wieder zwangsweise mit rund 10 Mrd. EUR bei den Aufräumarbeiten dabei.

Denkwürdige Zitate

„Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind.“
(Angela Merkel, Bundeskanzlerin, 2008)

„Ich wehre mich gegen die Optik, dass jemand, der auf einem Konto 100.000 Euro hat, ein Kleinsparer ist.“ (Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender, 2013)

„Bankeinlagen sind eine sensible Sache, daher macht man es am Wochenende.“
(Wolfgang Schäuble, Bundesfinanzminister, 2013)

„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.“
(Walter Ulbricht, Staatsratsvorsitzender, 1961)

Weckruf für Sparer

Dennoch stellt der Fall „Zypern“ nicht nur einen bemerkenswerten Wendepunkt im Management der europäischen Schuldenkrise dar, sondern ist geradezu ein Weckruf für Sparer. Natürlich „hat niemand die Absicht“, sich an den rekordhohen deutschen Sparguthaben zu vergreifen – zumindest nicht unter der Woche, wenn es nach Bundesfinanzminister Schäuble geht (s.o.). Aber auch er hat – zusammen mit den Finanzministern der Euro-Gruppe – das Vorgehen in Zypern mitgetragen, wenn nicht vorangetrieben.

Zypern war also kein nationaler Alleingang, sondern dürfte aus Sicht der Eurogruppe viel eher Testcharakter gehabt haben, eben weil es nicht systemrelevant war. Für Sparguthaben jenseits der willkürlichen 100.000-EUR-Grenze sollte man sich also im „Rechtsraum“ der Eurozone künftig keinen Schutz mehr erwarten. Zumal auch die EU-Kommission an einer Richtlinie arbeitet, wonach Bankeinlagen über 100.000 EUR nicht mehr vor einem Totalverlust(!) geschützt sein sollen.

Auch die zyprische Lösung über eine konfiskatorische Sondersteuer hat aus Sicht der Beutelschneider Charme. Ja, müsste man denn da nicht – aus Gründen der „Gerechtigkeit“ versteht sich – auch bei Aktiendepots und Immobilienvermögen ebenso herzhaft zugreifen?! Jeder Vermögensbesitzer möge aus dem zynisch zyprischen Handstreich die richtigen Schlüsse ziehen – ein Thema, das uns in der Jubiläumsausgabe 5/2013 noch beschäftigen wird… (Seite 2)

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6 Kommentare auf "„Niemand hat die Absicht… Spareinlagen über 100.000 EUR zu schützen.“"

  1. MFK sagt:

    You fooled me once, shame on you; you fooled me twice shame on me. Jeder ist gewarnt.

  2. JayJay sagt:

    Natürlich werden, wenn es dann hart auf hart kommt und die politische Kaste es will, auch Häusle, Aktien & Anleihenbesitzer zu Kasse gebeten.

    Bei Edelmetallen muss man sehen, ggf auch ein Verbot oder ähnliches.

    Keiner wird verschont, beim großen Reset des Systems.

    In diesem Sinne, frohe Ostern.

    Gold & Silber Ahoi

  3. wolfswurt sagt:

    Zypern Lektion:

    Geld wandert zu Banken die hohe Zinsen bieten.
    Damit fließt es zwangsläufig von Banken ab die niedrigere Zinsen bieten.

    Diese Banken kommen durch sinkende Einlagen in Schwierigkeiten.
    Da diese Banken keine gleich hohen Zinsen zahlen können/wollen müssen sie den Geldabfluß irgendwie stoppen.

    Im Falle Zypern handelten Banken, EZB und speziell die deutsche Regierung gemeinsam und zwangen die zyprischen Banken samt zyprischer Regierung in die Knie zur Aufgabe in erster Linie von hohen Zinsen und nachrangig zur Anhebung der Steuern.

    Es verwunderte der geringe Aufschrei des Bundesverband deutscher Banken.
    Noch mehr verwunderte die Forderung von Blessing, CoBa Vorstand, nach einer Vermögensabgabe in Italien.

    Alle Handlungen lassen nur einen Schluß zu: deutschen Banken, französischen Banken, holländischen Banken steht das Wasser bis zum Hals und mußten durch die Skalpell-Aktion Zypern gerettet werden.

    Einmal zur Drohung für alle Anderen und zum anderen zur Sicherung des Eigenkapitals.

    Zypern war ein Kampf Banken gegen Banken.

    Übrigens das sich kein Geld in Banken befindet, beweißt die Lieferung von 5 Mrd € Bargeld nach Zypern zur Auszahlung von 300€ täglich.
    Bei einer Million Einwohner und 300€ bar pro Tag macht 300 Millionen.

    Wieso dann 5 Mrd € bar, wenn für Überweisungen nur Bits und Bites wandern?

  4. wolfswurt sagt:

    Hier eine Bestätigung für o.g. Vermutung:

    http://www.griechenland-blog.gr/2013/03/deutsche-reissen-sich-um-schwarzgeld-aus-zypern/12684/

    So schnell kann es manchmal gehen.

    Und noch eine Sichtweise:

    Zitat:
    „Fakt ist, dass damit das ganze Rettungskonzept auf den Kopf gestellt wird, da sich die Banken jetzt selber retten werden, indem sie die nicht versicherten Einlagen ihrer Kunden einfach beschlagnahmen. Und das ist keine große Sache?

    Die weltweiten Anleger, Bankkunden, Finanzanalysten usw. dürften keine Ahnung davon haben, dass das weltweite Zentralbanksystem unter der Aufsicht der in Basel sitzenden Bank für Internationalen Zahlungsausgleich operiert. Es gibt keine isolierte Politik, die nur ein einzelnes Land, eine einzelne Region oder einen einzelnen Kontinent betrifft. Alles ist mit allem vernetzt, genauso wie es der Globalisierungsprozess seit Anfang der 1970er Jahre verheißen hat.“

    aus: http://www.propagandafront.de/1163710/europas-finanz-kernschmelze-bankenrettung-geht-in-die-dritte-phase.html

  5. braindead sagt:

    Immerhin ist Schwarzgeld im Artikel in „“ gesetzt …

    denn warum genau ist man versucht Schwarzgeld zu generieren?

    sicher je niedriger der Steuersatz desto mehr Schwarzgeld (frei nach „Eliten“-Logik)…


    Ja da staunt der Laie, denn Russland hat eine „Flatrate“ von nur 13% Einkommensteuer und 20% Gewinnsteuer für Firmen.

    aus alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/03/keine-bank-in-der-eurozone-ist-mehr.html

  6. FDominicus sagt:

    Ich glaube man muß den Titel etwas umschreiben.
    Die EU zusammen mit der EZB ist gewillt alle Sparguthaben zu enteignen.

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/03/30/ezb-bestaetigt-die-bank-guthaben-in-europa-sind-nicht-sicher/

    Nicht nur hier wurde immer gewarnt. Es ist soweit mir bekannt ziemlich neu, daß man auch Guthaben ausländischer Kunden anfasst. Gibt es darüber eigentlich irgendwelche Literatur?

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