Protektionismus und die Troi(ka) von der Tankstelle: FED, EZB und BoJ

5. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Volker Schnabel) Während die Ankündigungen der Gelddrucker-Troika (Fed, EZB und Bank of Japan), nun „all-in“ gehen zu wollen, den Aktienmärkten im September trotz bereits verstärkt aufkeimender Konjunktursorgen nochmals sprichwörtlich Flügel verleihen konnten, hielten sich die liquiditätsfokussierten „Anlagenotstands-Investoren“ im Oktober mit weiteren kurstreibenden Aktienkäufen erst einmal zurück…

Schließlich werden sich die vielfach sehr ambitionierten Unternehmensbewertungen eben nicht auf Dauer ohne fundamentale Untermauerung durch Wachstumsaussichten, Gewinne und Dividenden halten lassen, zumal sich über Europa hinaus in nahezu sämtlichen Regionen die Konjunkturdaten zusehends weiter deutlich abschwächen.

Auch beim vermeintlichen Weltkonjunktur-Retter China verlangsamte sich das offiziell vermeldete Wirtschaftswachstum im 3. Quartal 2012 auf „nur“ noch 7,4 %, während Japans Notenbank sogar feststellen musste, dass sich das Land angesichts eines Exportrückgangs im September auf Jahressicht nach China um 14,1 %, nach Italien um 31,0 % oder nach Deutschland um 12,9 % nicht mehr in einer Erholung, sondern in einer – Achtung neuer Euphemismus – „pausierenden“ Entwicklung befinde.

Aber auch die in den USA angelaufene Berichtssaison der Unternehmen brachte erhebliche Enttäuschungen und kann relativ zu den Erwartungen sogar als die schlechteste Bilanzsaison der vergangenen Jahre angesehen werden. Zwar wurden die zuvor reduzierten Gewinnerwartungen noch dank eingeleiteter Kostensenkungsprogramme vielfach übertroffen, doch konnten nur noch rund zwei Fünftel der bis dato veröffentlicht habenden S&P 500-Firmen die – zuvor ebenfalls auch reduzierten – durchschnittlichen Umsatzprognosen überbieten. Branchenübergreifend verspüren jenseits des Atlantiks bedeutende Weltkonzerne wie FedEx, Caterpillar, DuPont, Alcoa, Google, Intel und selbst Apple inzwischen jenen heftigen Gegenwind, der auch in den Bilanzen einer Daimler, Scania, Burberry oder Danone in Europa tiefe Spuren hinterließ.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen steigt nun aber die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die nach den Verschuldungs-Boom-Jahren fällige Rezession, die lediglich mit dem am PC „produzierten“ Geld der Notenbanken um jetzt fast vier Jahre hinausgeschoben wurde, bereits in naher Zukunft eintreten könnte. Mittelfristig dürfte die Weltwirtschaft dann aber auch noch zusätzlich mit den unvermeidlichen Nebenwirkungen der lockeren Geldpolitik der Notenbanker konfrontiert werden, was der Dauerkrise eine neue Dramatik verleihen wird.

So werden die jeweiligen Regierungen und Notenbanker dieser Welt nicht mit unendlicher Geduld dabei zusehen können, wie z. B. die Fed, die EZB oder die BoJ ihre Währungen immer weiter künstlich herunter manipulieren, um so ihre wirtschaftlichen Probleme per Exportwachstum auf Kosten der Nachbarn lösen zu wollen. „Wir machen jetzt ´dirty floating´ wie alle“, bestätigte jüngst Brasiliens Finanzminister Mantega wie zum Beweis, so dass der vom ihm bereits im September 2010 gebrandmarkte „internationale Währungskrieg“ spätestens seit der konzertierten Aktion der Notenbanken im September 2012 nunmehr als voll entbrannt gelten darf… (Seite 2)

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