Niedrigzinspolitik: Die Hyper-Blase

4. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Der handelnde Mensch wertet gegenwärtig verfügbare Güter höher als künftig verfügbare Güter gleicher Art. Der Preisabschlag, den das Zukunftsgut gegenüber dem Gegenwartsgut erleidet, ist das, was man als „Urzins“ (oder auch als „natürlichen Zins“) bezeichnet. Der Urzins ist immer und überall positiv. Es ist (im wahrsten Sinne des Wortes) undenkbar, der Urzinskönnte null, geschweige denn negativ sein.

Zwar kann die staatliche Zentralbank mit ihrer Politik einzelne Kreditmarktzinsen in den Negativbereich drücken – etwas, das sich im Euroraum bereits bestaunen lässt: Die Europäische Zentralbank (EZB) erhebt einen negativen Einlagezins, und das zieht in der Folge auch Zinsen der Schuldpapiere, die als relativ risikolos erachtet werden – wie Bundesschulden mit Laufzeiten bis zu fünf Jahren – in den Minusbereich.

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Die EZB kann zwar noch mehr Kreditmarktzinsen, zum Beispiel die für Hypothekar- und Autokaufkredite, noch weiter absenken. Es wird ihr jedoch nicht gelingen, alle Kreditmarktzinsen auf Nullprozent oder in den Negativbereich zu drücken. Die Kreditmärkte würden dann aufhören zu existieren – und die Schuldenwirtschaft wäre am Ende. Was immer sich die EZB – Räte auch einfallen lassen, sie können vor allem den Urzins, der ein Bestandteil des Kreditmarktzinses ist, nicht zum Verschwinden bringen.Weil der Urzins immer positiv ist, bewirkt die Zinsherabdrückereider EZB, dass immer mehr Sparer und Investoren, denen der Zinsbezug verwehrt wird, keine Schuldpapiere mehr kaufen und in Anlageformen wechseln, von denen sie sich noch eine positive Rendite, zumindest aber den Kapitalerhalt erhoffen dürfen. Fündig werden sie in den Märkten für Produktivkapital, Immobilien und Grundstücke.

Die Tief- und Negativzinspolitik treibt die Anleger nicht nur aus den Euro-Schuldpapieren heraus und in die Euro-Aktien- und Häusermärkte hinein. Sie lässt sie auch zusehends flüchtenin zum Beispiel US-Dollar-Schuldpapiere und US-Aktien. Der Außenwert des Euro verfällt, weltweit blähen sich die Vermögenspreise auf.

Die niedrigen Zinsen inflationieren vor allem die Finanzmarktpreise und sorgen so für eine kolossale Fehllenkung von Kapital, für Verschwendung, für Kapitalaufzerrung. Die Volkswirtschaften verarmen regelrecht. Das Ganze wird gekrönt von einer brutalen Vermögensund Einkommenszwangsumverteilung, durch die einige wenige auf Kosten vieler gewinnen.

Mit ihrer Zerstörungspolitik steht die EZB nicht allein da. Alle Zentralbanken – ob US-Fed, chinesische Zentralbank, Bank von Japan oder Schweizer Nationalbank – sind dabei, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse zu zerrütten. Zusammen pumpen sie eine „HyperBlase“ auf, deren Zerplatzen alles in den Schatten stellen würde, was bislang als „Krise“ bezeichnet wurde.

So attraktiv das Halten von US-Dollar und das Investieren vor allem in Aktien derzeit auch zu sein scheint: Sparer und Investoren sollten nicht aus den Augen verlieren, dass es nur ein ultimatives Zahlungsmittel gibt: das Gold. Noch keine Krise konnte seine Kaufkraft ruinieren. Es ist nicht einzusehen, warum das anders sein sollte, wenn der Hyper-Blase einmal die Luft ausgeht.

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Die obige Grafik zeigt einen engen Zusammenhang zwischen der US-Aktienmarktentwicklung und dem Ausweiten der Basisgeldmenge durch die US-Zentralbank seit Anfang 2009. Durch das formale Beenden der Anleihe-Aufkaufpolitik im Oktober 2014 wächst die Basisgeldmenge nun nicht mehr. Könnte das ein Zeichen sein, dass es nun auch bald mit dem Kursfeuerwerk auf den Aktienmärkten vorbei sein könnte?

Nicht notwendigerweise: Wenn die Geschäftsbanken wieder bereitwillig leihen (und danach sieht es in den USA derzeit aus), sind sie es, die für neue Liquidität sorgen, und die Fed kann ihre Ausweitung der Basisgeldmenge entsprechend zurückfahren.

Eines dürfte allerdings feststehen: Es muss immer mehr Kredit und Geld in Umlauf gebracht werden, damit die Konjunktur nicht zusammen bricht und der Aktienmarkt weiter in die Höhe steigen kann. Dass die Liquidität nicht zum „Engpassfaktor“ wird, dafür wird die US-Notenbank vermutlich auch künftig sorgen. Notfalls auch durch einen Wiedereinstieg in die „QE“-Politik.


Niedrige Zinsen für lange Zeit

Die Schuldenstände sind vermutlich schon zu hoch, als dass man noch mit einer „Normalisierung“ der Zinsen rechnen könnte. Viele Sparer und Anleger fragen sich vermutlich: Wie lange wird die Phase der tiefen Zinsen noch andauern? Besteht eine begründete Aussicht, dass die Zentralbanken die Zinsen bald wieder „normalisieren“?Die Zinsentscheidung der US-Zentralbank (Fed) am 18. März 2015 hat deutlich gemacht, dass die amerikanische Geldbehörde nach wie vor zögert, den Zins anzuheben beziehungsweise auf „normale Niveaus“ zurückzuführen. Seit dem 16. Dezember 2008 beträgt ihr Leitzins 0 bis 0,25 Prozent. Diese Tiefzinspolitik wird mittlerweile auch in vielen anderen Ländern der westlichen Welt verfolgt; Japans Zins liegt bereits seit Ende 1999 auf der Nulllinie.

polleit-2015-04-02-3Um die Frage zu beantworten, wie lange die Tiefzinspolitik noch anhalten kann, muss man sich vor allem die politischen Ziele vor Augen führen, die mit der extremen Niedrigzinspolitik verfolgt werden. Zum einen sollen die niedrigen Zinsen die Konjunkturen antreiben. Zum anderen sollen niedrige Zinsen beziehungsweise negative Realzinsen helfen, die immensen Schuldenlasten der Staaten und Banken zu reduzieren.

Blick zurück

Letzteres wurde schon einmal praktiziert, und zwar in den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Zweiten Weltkrieg finanzierten die Amerikaner die Kriegsausgaben vor allem mit viel Kredit. Um dabei die Zinskosten niedrig zu halten, erhielt die Fed im Jahr 1942 den Auftrag, die Zinsen für Staatspapiere mit kurzer Laufzeit bei 0,38 Prozent, die für lang laufende Staatsanleihen bei 2,5 Prozent zu fixieren.

Die Fed sorgte dafür, dass die Schuldpapiere mit diesen niedrigen Renditen Käufer fanden. Weil sie dafür aber immer mehr neues Geld ausgeben musste, stieg die Inflation, und zwar auf Raten, die deutlich höher waren als die Zinsen. Durch die Politik der negativen Realzinsen, die erst im März 1951 offiziell aufgehoben wurde („Treasury-Fed Accord“), entschuldete sich der Staat auf Kosten der Geldhalter und Besitzer von festverzinslichen Papieren.

Die Entschuldung funktionierte: Von 1946 bis 1951 fiel die öffentliche Schuldenquote von 118,9 auf 73,5 Prozent (-45,4 Prozentpunkte); bis 1974 war sie auf 31,2 Prozent gefallen. Der Sparer war dabei der Leidtragende.

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Obwohl die amerikanische Zentralbank die Zinsen seit mehr als fünf Jahren nahe an der Nulllinie hält, hat sich noch keine Entschuldungswirkung gezeigt. Im Gegenteil: Die Schuldenlast der öffentlichen Hand ist weiter gestiegen. Von 2007 bis 2014 stieg die Schuldenquote von 61,8 auf 102,1 Prozent (+40,3 Prozentpunkte). Ähnlich verhält es sich im Euroraum. Die öffentliche Schuldenquote dürfte von 66,2 Prozent in 2007 auf schätzungsweise 95 Prozent in 2014 angestiegen sein (+28,8 Prozentpunkte).

Blick nach vorn

Wenn die US-Zentralbank – wie auch andere Zentralbanken der Welt – mit niedrigen Zinsen beziehungsweise negativen Realzinsen die Schuldenlasten abbauen wollen, ist eine „Normalisierung“ der Zinsen nicht absehbar. Allenfalls wären „kosmetische“ Zinsmanöver der US-Zentralbank denkbar, um die Schuldpapierinvestoren bei Laune zu halten. Wahrscheinlich ist, dass die Zinsen noch für viele Jahre künstlich niedrig bleiben.

Das wird zwar die Schuldner entlasten und die Konjunkturen zumindest in der kurzen Frist stützen. Gleichzeitig kommt es jedoch zu weitreichenden Fehlentwicklungen. Es bilden sich Spekulationsblasen in den Aktien- und Häusermärkten. Die Ersparnisse werden geschmälert. Und am Ende führt es zu einer Krise, die noch größer ist als die, der man derzeit mit der Niedrigzinspolitik entkommen will.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit  Degussa Goldhandel GmbH




 

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5 Kommentare auf "Niedrigzinspolitik: Die Hyper-Blase"

  1. cubus53 sagt:

    Ich bin kein Finanzexperte, kann aber trotzdem 1+1 zusammenzählen. Das ständige Gerede über eine anstehende Zinserhöhung in den USA ist für mich nicht nachvollziehbar. Die Folgen wären

    – Euro fällt noch weiter gegenüber dem Dollar, d.h. EU-Waren wären in den USA noch billiger.
    – die Kosten für die Bedienung der Schulden steigen.

    Kein einziges Land kann es sich mehr leisten, die Zinsen zu erhöhen. Im Grunde nur dann, wenn diesen Schritt alle gleichzeitig machen würden, oder aber global auf den Währungsreset-Knopf gedrückt wird.

    Dann wäre das Monopoly-Spiel zu Ende. Gewinner und Verlierer stünden fest.
    Und ein neues Spiel kann beginnen …

  2. Argonautiker sagt:

    Die Frage ist also, ist es überhaupt von allen gewollt, daß das System überlebt? Die Antwort ist nicht ganz leicht, aber in der Fragestellung eigentlich schon enthalten, von Allen sicherlich nicht.

    Das Ganze sieht mir schon nach Absicht aus. Die Niedrigzinspolitik und das Geldfluten hat den Systembetreibern eigentlich nur Zeit geschaffen, um den big playern die Möglichkeit zu geben, in die realen Werte zu gehen, um das System dann crashen zu lassen. Eine Möglichkeit zum Zerstören wird sein, indem man die Leitzinsen wieder signifikant anhebt.

    Der Krieg, der Anschub für ein neues Spiel, steht auch schon vor der Türe, ein paar mögliche Schuldige sind auch schon ausgemacht. Das man öffentlich so tut, als wolle man den Karren retten, ist eigentlich nur Show. Ablenkung um sich im Hintergrund für das neue Spiel wieder gut zu positionieren.

    Aber in der Positionierung gibt es noch Kämpfe. Zwei Lager sind meines Erachtens auszumachen. Die, die auf eine neue Goldgedeckte Währung spekulieren, und die, die auf ein reines Giralgeld spekulieren. Die Einen halten für den Osten, denn dahin ist es abgewandert, das viele Gold, und die Anderen halten für den Westen.

    Leider wollen Beide mal wieder aus Spekulation für sich möglichst viel leistungsloses Einkommen generieren, und Andere für sich arbeiten lassen, und sind somit Beide weit entfernt von einem Handel basierend auf Schaffenskraft und Nächstenliebe.

    Einen besonderen Aspekt hat so ein Krieg ja, er ist schwerlich berechenbar.

    Es gab da ja mal eine Aussage, als man die Nächstenliebe ans Kreuz genagelt hat, und lieber Verbrechern die Freiheit schenkte…, und siehe, was ihr in 2000 Jahren aufgebaut habt, werde ich in 3 Tagen wieder einreißen.

    So sehe ich das auch, den Menschen , die hier im Hinblick auf ihr Sklaven Konstrukt, ihren Triumph schon trunken von sich selbst feiern, wird es voraussichtlich nicht anders gehen, wie es in einem Gleichnis Luzifer erging. Man kann mit Regeln und Konstrukten bestehende Gesetze nicht verändern, sondern nur auf Zeit umgehen. Sklaverei führt Final in den Untergang. Für Beide. Leben basiert auf Freiheit.

    Österliche Grüße aus Bremen

    • cubsu53 sagt:

      Ich glaube nicht, dass die negativen Auswüchse unseres Geldsystems absichtlich herbeigeführt werden. Genauso wenig wie die Umweltverschmutzung. Alles geschieht durch unsere Anerkennung und durch unsere stillschweigende Zustimmung.

      Das gilt für alle Bereiche, auch für Kriege. Wer zieht denn in den Krieg und schiesst andere Menschen tot ? Der Machthaber, der Verschwörer oder der kleine Mann, der mit dem Ganzen eigentlich gar nichts zu tun hat ?

      Niemand hat uns gezwungen, eine nicht durch Sachwerte gedeckte Währung als solche anzuerkennen. Aber wir tun es. Und am Ende räumen wir brav die Trümmer weg. So war es schon immer.

      aren.

      • Argonautiker sagt:

        @ cubsu53
        Das ist schon richtig, deshalb trifft es ja auch Beide, Sklavenhalter, wie auch Sklaven. Wobei ich den Sklavenhaltern eben schon etwas mehr Absicht unterstellen mag, denn sie sind die Verführer und Manipulierer, und wissen dementsprechend schon eher, was sie von Denen wollen, die sie Verführen, handeln also bewußt. Aber es stimmt schon, die Verführten trifft es ebenso, sollte man sich halt nicht verführen lassen.

        Ich glaube auch nicht, daß die negativen Einflüsse absichtlich herbeigeführt werden, wohl aber der Zusammenbruch an sich, und die daraus entstehenden negantiven Einflüsse in Kauf genommen werden. Schauen Sie, derjenige, der der Empfänger sämtlicher Zinsflüsse ist, also der Geldhersteller, merkt als Einziger, ob das System noch fließt oder nicht. Für alle Anderen ist es ein auf und Ab, ein Gewinnen und Verlieren, aber beim Hersteller merkt man es, weil der Zins ja der Preis für das Geld ist. Wenn es also nichts mehr zurück fließt, also niemand mehr für das Geld bezahlt, oder bezahlen kann, ist es, wie sie schon sagten wie beim Monopoly, irgendwann ist es klar, das es aus ist, und wird nur noch zäh, also ist es nur Konsequent, abzubrechen, und ein neues Spiel zu beginnen. Und es ist aus deren Sicht auch nur Konsequent, alles zu tun, um gut positioniert zu sein, denn das Spiel ist ja erst dann zu Ende, wenn einem die Ganze Welt gehört, und dazu müsste man erst alle Währungen einigen.

        Der Irrtum liegt also scheinbar bei Beiden. Die Verführer sind zu faul, oder zu unfähig, was selber zu tun, und lassen Andere für sich tun, und die Verführten sind zu faul, oder unfähig, in sich selbst zu erkennen, was sie denn aus sich tun könnten. Irgendwie also schon scheinbar eine Symbiose. Fakt ist, beide sind nicht Eigenständig. Kein guter Weg, oder? Warum schreibe ich aber immer „scheinbar“? Wegen einer von Ihnen gemachten Aussage.

        „Niemand hat uns gezwungen, eine nicht durch Sachwerte gedeckte Währung als solche anzuerkennen. Aber wir tun es.“

        Das stimmt nicht ganz, denn der Verführer, mit dem wir es hier zu tun haben, ist nicht immer ein sanfter, sondern eben auch ein Vergewaltiger. Schauen Sie, nur um ein paar Bekannte aus jüngerer Geschichte zu nennen, Kennedy, Gaddafi, Hussein, die wollten alle weg vom Handel mit der ungedeckten Währung, wobei Kennedy nicht ganz stimmt, denn 1962 war der US $ noch Werte gedeckt, aber er wollte die Währung wieder zur Regierungssache machen und sie den Privaten wegnehmen. Hinter dem Geld, und Geld ist nichts anderes als Gut in Bewegung, sitzen Menschen, die sind besessen vom Besitzen wollen, und in ihrer Besessenheit gehen sie auch notfalls über Leichen.

        Ich bin aber im Sinn ihrer Aussage trotzdem bei Ihnen, wir hätten das trotzdem nicht annehmen dürfen. Das Prinzip ist leider schon sehr alt, und das, ich nenne es jetzt mal „Netzwerk“, dieser zunächst nett auftretenden Vergewaltiger, ist tief in der Welt verwurzelt, deshalb erwähnte ich auch das Gleichnis Jesu, „all das was in den kommenden 2000 Jahren aufgebaut werden wird, wird in 3 Tagen wieder zerstört werden“.

        Schauen Sie, wer hat Amerika zu dem gemacht, was es heute ist? Europäer die dort hingefahren sind, und den Einheimischen Glasperlen im Tausch gegen ihr Gold und Land geboten haben. Und wenn sie, weil sie nicht naiv waren, darauf nicht eingegangen sind, hat man sie halt massakriert. Gib mir das Wertvollste was du hast, und ich gebe dir Ramsch, und bist du nicht willig diesen Tausch als gerecht anzusehen, töte ich dich. So funktioniert das auch mit den Währungen. Ihr betreibst euren Handel in der Währung, die wir dir geben, oder du bist tot.

        Also da ist schon immer viel Zwang dabei gewesen. Ich nehme die so Verführten also schon ein bißchen mehr in Schutz, als die sogenannten Verführer, aber würde jeder so Verführte eher die Konsequenz des Todes auf sich genommen haben, als so in den Sklavendienst zu treten, wären wir heute nicht da, wo wir sind, kurz vor der Vollendung der Versklavung sämtlichen Lebens auf der ganzen Welt.

        Ich bin aber trotzdem Zuversichtlich, weil das Prinzip des Versklavens gegen das Prinzip des Lebens steht, und diese Menschen zwar besessen sind, aber doch Menschen sind, und das Leben, auch im Menschen wesentlich tiefer gründet, als in der Existenz des BEWUSSTEN Menschen. Will sagen, das Unbewußte läßt der Bewußtheit ungemein viel zu, aber weil die Bewußtheit eben nur ein Teil des Unbewußten ist, kann es nicht wirklich über seine Gesetze hinaus, ohne sich selbst dabei wieder zu zerstören, wobei es dabei wieder ins Unbewußte zurückfallen würde.

        Ich denke also, es verhält sich ähnlich wie es in dem Gleichnis vom Fall Luzifers geschildert ist. Das Unbewußte/Gott, läßt Luzifer/Ego gewähren, und schaut seinem Fall zu, denn jemand, der die Welt erobern und versklaven will, versklavt sich final selbst, weil je mehr er versklavt, er irgendwann nichts anderes mehr sein kann, als Sklavenhalter, da sein „Werk“ sonst ja wieder zerbrechen würde, folglich zerbricht er es aus einem ihm unbewußten Wunsch wieder, weil kein Mensch nur Sklavenhalter sein kann, ohne daran als Mensch zu zerbrechen, denn der Sklavenhalter hielt seine Sklaven ja nur deswegen, um sich durch sie Freiheiten zu schaffen, die er, wenn er nur noch Sklavenhalter ist, dann aber nicht mehr hat. Folglich beginnt auch der Sklavenhalter irgendwann unbewußt die Entscheidungen zu treffen, die alles Zusammenbrechen lassen, weil auch er, als Mensch, bloß ein Verführter seines Irrtums ist.

        Schöne Grüße

  3. Sandra (andere) sagt:

    Was ich von diesem ganzen Edelmetallnonsens halte habe ich wie auch bereits auf diesem (vgl. http://www.rottmeyer.de/gold-als-ultimatives-zahlungsmittel-und-versicherung/ ) anderen Online-Portalen kund getan. Für mich ist die Ignoranz gegenüber diesen Sachverhalten absolut unverständlich und es zeigt doch lediglich wie sehr die sehr große Mehrheit von euch Menschen von Gier und dem Drang nach Versklavung, Ausbeutung und Ausplünderung Dritter getrieben ist. Ist es denn so schwer zu begreifen, dass man Rendite -besonders in absoluten Nullsummensystemen- nur dann erwirtschaften kann, wenn Dritte eine unentgeltliche Arbeitsleistung erbracht haben? Warum hat die sehr große Mehrheit von euch Menschen ein Problem damit zu akzeptieren, dass man Wohlstand nur über die Produktionsfaktoren Arbeit und Wissen erreichen und erhalten kann? Oder anders formuliert: der einzige Wertspeicher ist die Arbeitskraft und das Wissen jedes Individuums (in der Vergangenheit waren auch schon Tulpenzwiebeln ein Wertaufbewahrungsmittel). Was ist daran so schwer zu begreifen? Warum versucht die sehr große Mehrheit ihre eigene Verantwortung inständig auf Dritte wie z. B. Vorgesetzte, Herrscher oder Götter zu übertragen und sich somit dieser durch Unmündigkeit zu entziehen? Ferner kann eine Gesellschaft nur in Verbindung mit einer Arbeitsteilung (Spezialisierung) zu Wohlstand und Fortschritt gelangen. Würde jeder für sich selbst wirtschaften, dann hätten wir nicht diesen Lebensstandard.

    Diese Urzinstheorie von Mises halte ich rein gar nichts, weil hier nur auf Basis einer Pseudothese die Legitimität von Zins sichergestellt werden soll. Diese spiegelt lediglich den Zeitgeist der damaligen Zeit wieder und hat wie typisch für die Ökonomie nichts mit der Realität zu tun. Auch wenn ich zwar selber VWL studiert habe, komme ich zu dem Schluss, dass z. B. die wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen als auch die juristischen Studiengänge nicht benötig werden und absolut überflüssig sind.

    Und genau jene Akteure, die am lautesten bei einem Sitten- und Werteverfall (z. B. Egoismus und Desolidarisierung) in Verbindung mit der Zunahme von Kriminalität (dabei jedes Zins- und Zinseszinsgeldsystem ein Schneeballsystem und damit illegal [interessiert nur die wenigstens]) und dem Aufkommen unsinniger Ideologien und Produkten aufschreien. Selbst ein zinsloses Kreditgeldsystem würde an diesem Konsumwahn nichts ändern, da immer eine bestimmte Menge an Güter und Dienstleistungen unabhängig vom Bedarf abgesetzt/nachgefragt werden müssen, damit z. B. die Arbeitsentgelte bezahlt werden können und die Menschen diese Produkte beziehen können (vgl. auch meinen Kommentar (Sandra) unter https://pinksliberal.wordpress.com/2015/03/22/inflation-inzwischen-spurt-man-den-schwachen-euro-auch-an-der-ladenkasse/ ). An dieser Problematik ändert auch ein Edelmetallgeldsystem nichts. Daher kann die einzige und vernünftige Lösung nur die vollständige Abschaffung von Geld im Allgemeinen sein. D. h. jeder Mensch bringt sich im Rahmen seiner Möglichkeiten in Abhängigkeit des Bedarfs ein und konsumiert alle Güter und Dienstleistungen unentgeltlich, weil Wohlstand nur über die Produktionsfaktoren Arbeit und Wissen erreicht und erhalten werden kann und die einzige Grenze die auf diesem Planeten bereitgestellten Ressourcen bilden. Ein Austausch zwischen den Volkswirtschaften erfolgt über eine Naturaltauschwirtschaft, da der heute künstlich aufgeblähte Welthandel auf zwingend erforderliche Warenströme begrenzt werden würde (Re-Regionalisierung, Verarbeitung und Erzeugung vor Ort ohne unsinnige Transportwege). Dies würde auch wieder zu mehr Eigenständigkeit und einer Entflechtung der Märkte führen.

    Dies setzt jedoch von jedem einzelnen Individuum ein Höchstmaß an Weitsicht, Intelligenz und Verantwortungsbewusstsein voraus (=ganzheitlich rationales denken und handeln auf Basis eines multidimensionalen Ansatzes). Dieses Ziel ist ohne eine Reduzierung der Weltbevölkerung im Allgemeinen sowie einer permanenten Aussortierung von Fehlgeleiteten nicht zu erreichen/aufrechtzuhalten. Leider wird von der sehr großen Mehrheit verkannt, dass es in der Ökonomie nicht nur Hierarchie und Konkurrenz gibt, sondern auch Kooperation (wird im wirtschaftswissenschaftlichen Kontext sehr stiefmütterlich behandelt).

    Unter der Prämisse, dass wir aktuell Ostern haben, möchte ich, obwohl ich mit diesen ganzen religiösen Ideologien nichts am Hut habe, auf das Epos Moses, das als Dauerwiederholung selbst noch in den 1990er Jahren in TV lief verweisen. Einige Szenen sind mir bis heuer im Gedächtnis verblieben. Eine Szene umfasst den Tanz um das goldene Kalb sowie die gelebte Unsitte, Inzest und Unzucht. Für mich ist diese Szene ein Sinnbild für das Weltbild der Edelmetallgläubigen im Allgemeinen.

    Für mich hat Geld (egal aus welchem Material und in welcher Form es vorliegt) keinen Wert bzw. keine Bedeutung, weil wie gesagt Wohlstand nur über die Produktionsfaktoren Arbeit und Wissen erreicht und gehalten werden kann und der Wert von Geld nur auf Glauben basiert. Dementsprechend möchte ich eine Abkehr vom leistungslosen Wohlstand und den hieraus resultierenden Folgen, da diese Effekte immer zu einer desolidarisierenden Gesellschaft führen und das Gemeinwohl darunter leidet. Eine solche Gesellschaft ist langfristig nicht überlebensfähig, da das Wohlstandniveau durch den Egoismus sinkt. In einem solchen Umfeld wird durch falsche Anreize die Innovationskraft abgewürgt. In diesem Kontext gehen neben einer leistungsgerechten Bezahlung vor allem von Bonussystemen einen negativen Einfluss aus. D. h. es wird nicht mehr kooperiert, sondern nur noch im Konkurrenzmodus gearbeitet. Hierdurch der Informationsaustausch aus Furcht, dass ein Dritter diese Informationen zu seinem eigenen Vorteil einsetzt, auf ein Minimum reduziert (vgl. z. B. auch Situation in der EG/EU oder sonstigen Organisationen). Verschärft wird diese Situation in Unternehmen, in denen Personalanpassungsnahmen erwartet oder angekündigt sind. In einem solchen Umfeld gerät der Blick für die Unternehmensentwicklung im Allgemeinen in den Hintergrund und die eigene monetäre Besserstellung steht im Vordergrund (vgl. z. B. Provisionszahlungen für Vertragsabschlüsse). Außerdem ist ein Unternehmen nur deshalb erfolgreich, weil die sehr große Mehrheit der Mitarbeiter als Team agiert und jede/jeder sich nach besten Kräften einbringt. Anhand von zwei Extrembeispielen kann dies anschaulich dargestellt werden.

    1. Fall: Die Führungskräfte eines Unternehmens sind absolute Pfeifen und Nieten und die Angestellten sind hochqualifiziert.

    2. Fall: Die Führungskräfte eines Unternehmens sind hochqualifiziert und die Angestellten sind absolute Pfeifen und Nieten.

    Während im ersten Fall der Niedergang durch die Belegschaft etwas verzögert werden kann (jedoch nicht aufgehalten) ist im zweiten Fall aufgrund der Ausgestaltung der Arbeitsprozesse nichts zu retten. Im Prinzip muss man sich Unternehmen (gilt auch für Volkswirtschaften) wie überdimensionierte Uhrwerke verstehen. Ein Uhrwerk läuft nur dann rund, wenn alle Bauteile aufeinander abgestimmt sind und funktionsfähig sind.

    Altruismus ist die zentrale Voraussetzung im Bereich Forschung und Entwicklung, denn ohne diesen wären sehr viele Erfindungen in den vorherigen Jahrhunderten nicht gemacht worden. Dies gilt nicht nur für diesen Bereich, sondern für alle ehrenamtlichen Tätigkeiten aller Art, sofern dies nicht als PR genutzt wird. Daher ist für mich der Stellenwert von Altruismus auch ein sehr wichtiger Gradmesser für den Zustand einer Gesellschaft. Dies betrifft vor allem die Fähigkeit zur Entwicklung von Lösungsstrategien. D. h. Lösungsstrategien werden auf der Basis zur eigenen Besserstellung (jedoch min. Positionsbeibehaltung) und nicht auf Basis der Besserstellung der Gesellschaft insgesamt entwickelt. Letztendlich geht es mir darum, dass sich jeder Mensch im Rahmen seiner Möglichkeiten (Talent, Fähigkeiten) je nach Bedarf einbringt. Auf diese Weise wird ein bestmögliches Arbeitsumfeld geschaffen, das Raum für Innovationen und Kooperation lässt und der Profitgier abgeschworen wird. Schließlich ist neben dem sozialen Umfeld auch die erbrachte Leistung ein Motivationsfaktor und die Entlohnung ist nur ein Hygienefaktor.

    An dieser Stelle möchte ich meinen Kommentar beenden, damit dieser nicht zu lang wird.

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