Nichts ist unmöglich… Bankopia!

26. Januar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Sind Sie noch in Feierlaune? Die Börse feierte neulich noch große Rekorde. Sogar die Verlierer gewannen und die Überflieger aus dem Vorjahr fliegen weiter. Am besten entwickelten sich die Bankaktien. Gab es schon wieder Geschenke?

Vergessen ist, dass man die Banken an die Kette legen wollte. Diese Kette entpuppt sich jetzt als ein dicker Geldschlauch. Jede Regulierung ist ein Witz in Tüten. Dank der Lobbyisten liegt die Finanzmarkttransaktionsteuer auf Eis. Im Eigenhandel dürfen wieder große Räder gedreht werden und Banken benötigen künftig weniger Eigenkapital als geplant. Super Lobby-Arbeit, super Kursanstiege.

Sehen Sie den Kulturwandel bei den Banken? Ich auch nicht. Mein Kulturbeutel macht weit mehr her. Aber ich hatte auch nichts erwartet, außer Kulturwandel als eine weitere Form des Marketings.

Zur Finanzmarkt-Kultur zählt heute, Zinsen zu manipulieren, Währungen in gewünschte Richtung zu schubsen und im Goldmarkt den Teufel Moped fahren zu lassen. Zur gängigen Kultur zählt auch, Milliarden zu ergaunern und sich vor Gericht auf Millionen zu vergleichen. Was für eine Gewinnmarge! 43 Milliarden US-Dollar haben Banken als Strafe für ihre Betrügereien gezahlt, aber ein davon Vielfaches gewonnen.

Wer es noch nicht mitbekommen hat, der Kulturwandel zeigt sich in neuen Abwicklungsmechanismen. Die Wochenenden werden wohl künftig auch dazu genutzt, für den Fall der Fälle, eine Pleitebank abzuwickeln. So zumindest die Theorie und bald das Gesetz. In den hohen Türmen in der Nähe der Götter hat man sicherlich laut gelacht, wohl wissend, dass man zu groß geworden ist.

Wir sind ihnen ausgeliefert… Wenn, muss es schnell gehen, natürlich zu jedermanns Sicherheit. Wenn Einleger und Sparer künftig an einer „Bankrettung“ beteiligt werden, dann sollte ein „Bail in“ schnell gehen – Bail in? Nicht zu verwechseln mit Bay Watch oder Bailys. Die Summen werden größer sein, als wenn man seine TAN-Liste herum hat liegen lassen.

Der Brand im Finanzmarkt wurde mit Billionen gelöscht. Vom Freitag abgesehen, tauchen sie jetzt zur Freude aller an den Börsen wieder auf – am meisten bei denen, die am dichtesten an der Geldquelle saßen.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

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3 Kommentare auf "Nichts ist unmöglich… Bankopia!"

  1. Schubidu sagt:

    Zur gängigen Kultur zählt auch, Milliarden zu ergaunern und sich vor Gericht auf Millionen zu vergleichen. Und das Sahnehäubchen ist, keiner der Beteiligten wird persönlich belangt. Bezahlen und weitermachen wie bisher. Mir platzt der Kragen, wenn ich nur daran denke.

  2. bluestar sagt:

    „Vergessen ist, das man die Banken an die Kette legen wollte“
    Ja nun bitte nicht so kleinlich sein, das war doch nur ein Scherz, eine rhetorische Floskel für die für sehr kurze Zeit beunruhigte Masse und niemals auch nur ansatzweise ernst gemeint. Gewinne privatisieren und Verluste ohne persönliche Verantwortung oder Haftung vergesellschaften heißt der Auftrag der in der Politik für das Finanzkapital tätigen Lakaien und Schmarotzer.
    Bisher klappt doch alles super und das Vertrauen in Mutti &Co. ist unerschütterlich.

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