Nichts gelernt. Und davon viel!

31. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Die Deutschen haben ihr Geld überwiegend in Immobilien, Kapitallebensversicherungen und Konten angelegt. Das beruhigt; denn diese Anlagen haben allem Anschein nach keine so stark schwankenden Preise wie etwa Aktien, sonstige Wertpapiere oder Edelmetalle. Jedenfalls vordergründig betrachtet.

Es gab jedoch immer wieder Zeiten, da konnte man Immobilien wie Sauerbier anbieten, und trotzdem fand sich kein Käufer. Ich denke da an die zweite Hälfte der 90er Jahre. Genaugenommen handelte es sich dabei um eine Sonderform der Preisschwankung: Wäre es damals doch noch zu einer Transaktion gekommen, hätte sie mit einem erheblichen Preisabschlag stattgefunden, nur eben nicht für alle Welt sichtbar, sondern unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Jetzt verdichten sich die Anzeichen für immer dramatischer werdende Abschläge auf auszuzahlende Kapitallebensversicherungen. Von wegen keine schwankenden Preise! Schlimmer noch; Solange das extrem niedrige Zinsniveau anhält, ist ein Ende der Abschläge nicht in Sicht.

Es liegt also eine langfristige Schwankung vor, die bis auf Weiteres abwärts gerichtet und gegen die kein Kraut gewachsen ist – zulasten der Altersvorsorge in Richtung Altersarmut. Schlimm daran ist nicht allein die Tatsache als solche, sondern auch die Reaktion der Versicherungskonzerne einschließlich ihrem Verband. Sie lässt sich so zusammenfassen: Schuld seien nicht etwa die schlafmützigen Manager der Versicherer gewesen, sondern die kaum vorhersehbaren stark rückläufigen Zinsen – als hätte es keine Möglichkeit zur Streuung der Anlagen gegeben, etwa in Immobilien und Aktien.

Wir haben es mit dem seltsamen Phänomen zu tun, dass die Deutschen Anlagen bevorzugen, die sie für sicher halten, die aber alles andere als sicher sind, wie zum falschen Zeitpunkt gekaufte oder an falschen Orten befindliche Immobilien und unter Schwindsucht leidende Versicherungspolicen. Umgekehrt machen sie um Aktien einen Bogen, weil sie sie wegen der Kursschwankungen offenbar für unsicher halten. Das gilt im Prinzip auch für Aktienfonds. So weist der Fondsverband BVI in seiner jüngsten Statistik zum Nettomittelaufkommen für sie ein dickes Minus aus, wohingegen Misch- und Rentenfonds jeweils mit einem viel dickeren Plus glänzen.

Sofern es um die Sicherheit als Motiv geht, kann ich die deutschen Anleger verstehen. Nicht dagegen, wenn sie sich zu zweifelhaften langfristigen Anlagen mit vermeintlich eingebauter Sicherheit überreden lassen. Das gilt gleichermaßen für problematische Immobilien mitsamt ihrer leichtsinnigen Finanzierung wie auch für Kapital- und Fondspolicen, für die Riester-Rente mit ihren kaum noch durchschaubaren Varianten und für einen Großteil von Fondssparplänen. Zumal all diese Anlagen mit hohen Nebenkosten verbunden sind, erst nach vielen Jahren – wenn überhaupt – einen finanziellen Erfolg mit sich bringen und allzu oft ein Klumpenrisiko enthalten. Daraus folgt: Langfristige Bindungen und Klumpenrisiken sollten tabu sein.

Aber worin besteht dann die Alternative? Auf die Gefahr hin, mich zum xten Mal zu wiederholen:

Erstens in der Methodik, indem Sie zunächst individuell Ihre Finanzen planen und danach die dazu passenden Finanzprodukte aussuchen, nicht umgekehrt.

Zweitens im möglichst durchgehenden Beobachten der für Ihre Finanzen relevanten Trends und Ereignisse, von den EZB-Entscheidungen bis zur Griechenland-Krise, vom Zinsverlauf bis zu den Aktienkursen, von den Immobilien- bis zu den Edelmetallpreisen. Die dazu passenden Medien gibt es dank Internet wie Sand am Meer.

Drittens im Abwägen von Chancen und Risiken, die Sie ebenfalls ganz auf Ihre individuellen Belange abstellen sollten. Damit will ich sagen: Was Chance und was Risiko ist, richtet sich nach Ihrer persönlichen Situation und nicht etwa nach irgendwelchen von Professoren oder Börsengurus entwickelten Formeln, die in der Praxis regelmäßig versagen.

Zu guter Letzt: Bei Geldgeschäften jeder Art spielt die Psyche eine große Rolle. Dazu folgen hier zwei unterschiedliche Beispiele:

Ihr Versicherungsvertreter oder Anlageberater beherrscht, wenn er ein hartes Verkaufstraining absolviert hat, sämtliche gängigen Psychotricks, um Sie zum Abschluss zu bewegen. Widerstehen Sie ihm, indem Sie sich alle wichtigen Unterlagen aushändigen lassen, sie in Ruhe studieren und im Zweifel nein sagen, falls Ihnen das Angebot nicht passt. Er wird dann mit absoluter Sicherheit weitere Psychotricks anwenden, gegen die Sie sich zur Wehr setzen sollten. Dazu gehört auch, dass Sie rechtzeitig alternative Angebote von Konkurrenten einholen.

Psychologie und Börse bilden oft ein Gespann. Derzeit stehen die Aktienkurse verglichen mit den vergangenen Jahren ziemlich weit oben. Daraus folgern die einen Anleger, dass sich der Aktienkauf nicht mehr lohnt, während die anderen den Trend in Gedanken fortschreiben und kaufen.

Steigen die Kurse weiter, ärgern sich die einen und geraten womöglich in die Psychofalle, indem sie warten und warten – und schließlich auf dem Kursgipfel kaufen. Unter umgekehrten Vorzeichen spielt sich Vergleichbares ab, wenn die Kurse fallen. Wobei im Aufwärts- wie auch im Abwärtstrend jeweils eine weitere Psychofalle droht: Da Aktienkurse stark schwanken, kann man nie absolut sicher sein, ob es sich nur um eine sogenannte technische Reaktion oder bereits um eine Trendwende handelt.

Doch es gibt auch Positives in Sachen Börsenpsychologie zu berichten: Sobald Ihre Aktien erst einmal im zweistelligen Gewinn sind, werden Sie von Tag zu Tag ruhiger; dann machen Ihnen kurzfristige Kursschwankungen nicht mehr viel aus – ein geradezu erhebendes Gefühl!

Manfred Gburek – Homepage




 

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6 Kommentare auf "Nichts gelernt. Und davon viel!"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    Sehr geehrter Herr Gburek,
    von Aktien muss man Ahnung haben; welcher kleine Sparer hat denn die Ahnung?
    Ich bevorzuge Anlagen, die ich irgendwann gekauft habe, während meines Arbeitslebens angehäuft habe und nun (wenn ich die Anlage benötige) zusätzlich zu meiner kleinen staatlichen Renten verleben kann; und das scheibchenweise.
    Hätte ich von 15 Jahren, sagen wir 150,000,00 Euro (z.B. aus einer Erbschaft) in Aktien angelegt, dann hätte ich bis heute nicht nur Geld dabei getan, sondern auch noch durch die Inflationsrate etwa 50% verloren.
    Meine Aktien hätten heute nur noch die Kaufkraft von etwa 75.000,00 Euro.
    Hätte ich damals für 150.000 Euro ein Haus gekauft, das ich heute für 300.000 Euro verkaufen „k ö n n t e“, hätte ich lediglich die Inflationsrate ausgeglichen, denn alles was 2000 in DM kostete, kostet heute in Euro.
    Wer 2000 die 150.000 Euro in Edelmetalle angelegt hätte, könnte sie heute für etwa 645.000,00 Euro verkaufen; ganz legal steuerfrei, scheibchenweise und an jedem Punkt der Erde.
    Gut – bei dem Häuschen, das ich vermietet hätte, hätte ich die ganzen Jahre Miete erhalten, aber auch Steuern bezahlt; als gesetzlich freiwillig versicherter Rentner heute auch noch 16% der Miete als Krankenkassenbeiträge.
    Nun bin ich aber auch froh, dass die „Goldhorter“ wie ich, nur eine verschwindende Minderheit sind, denn ansonsten würde der Finanzminister sicherlich den Goldkauf mit MwSt., belegen, die Kursgewinne besteuern und ich müsste dann als Rentner auch noch von den Kursgewinnen 16% für die Krankenkasse zahlen.
    Und — es muss ja für die Inflation, Währungsreform oder Schuldenschnitt, eine Menge Guthaben vorhanden sein, an dem man herumschnibbeln kann; und wenn genug Papiere dafür vorhanden sind, wird man wohl die „Goldhorter“ zufrieden lassen.
    Wegen einer Minderheit bei allen Leuten den Garten umgraben macht ja auch keinen Sinn.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

    • Michael sagt:

      Investition bedingt Zins. Ein Haus zu kaufen ohne zu vermieten ist Konsum. In Wahrheit geht es um das Grundstück. Mietkosten zu sparen ist noch die Erwirtschaftung von Zins.

      Welche der neu errichteten Häuser sind vergleichbar mit der Qualität in der Vergangenheit betrachtet man die Substanz. Früher hat man ein Haus rennoviert nach 20 bis 25 Jahren, dann generalsaniert und heute und in Zukunft fallen die Häuser von selbst auseinander. Ein Grundstück ohne Kapital am Sparbuch ist kein Wohnraum.

      Wenn man rational überlegt ist für die Masse der Menschen ein haus kein Option. Wie sie zurecht bemerkten die Preise für Grundstücke und Häuser repräsentieren die Geldentwertung. Geldentwertung ist die Vorbedingung damit Konsum als Investition gesehen werden kann.

  2. Lickneeson sagt:

    Die Enteignung der Sparer/Bürger nimmt ihren Lauf. Die gesetzliche Rente ist für viele nur noch eine Worthülse, unterm Strich werden viele zukünftige Renter auf Sozialhilfeniveau ihr Dasein fristen, bzw. sich mit 70 nebenbei durch Arbeit etwas dazu verdienen müssen. Das ist bitter und scheinbar unabwendbar. So werden seit Jahren „die Untertanen“ dazu aufgefordert privat fürs Alter vorzusorgen. Dies tun viele über die Riesterrente,die meisten über eine Lebensversicherung oder einige durch direkte Investments via Fonds oder Aktien. Die Renditeergebnisse werden sehr weit auseinanderliegen. Durch EZB, FED und BOJ werden jegliche konservativen Anlagen auf absehbare Zeit nicht einmal die Inflation ausgleichen, schlimmer noch, die Risiken auf Rentenpapieren werden nebulös und unberechenbar. Was also tun?

    Wer sich nicht auf Armut oder Politik verlassen will, sollte schleunigst beginnen, sich selbst über Möglichkeiten am Kapitalmarkt zu informieren und sein Geld und seine Investments selbst in die Hand nehmen. Das ist mühsam und mach Arbeit, aber es lohnt sich.

    Um die Aktienkultur in Deutschland zu ändern bedarf es zudem auch einer Änderung der politischen Kommunikation diesem Sektor gegenüber. Durch „Heuschrecken – Vokabular“ und „Realitätsverdrehung und Schuldzuweisungen“ wird das Vertrauen und das Verständnis der Bürger in den Finanzmarkt eher zerstört oder verwirrt. Wer sein Geld für 0,25% Zins, bzw. einen Strafzins lieber dem Staat sein Geld leiht, der hat wohl seinen Verstand schon verloren. Eine Aufforderung privat vorzusorgen an eine 25 %-ige Abgeltungssteuer zu koppeln trägt leider auch nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der politischen Klasse bei. Eine Doppelbesteuerung bei dem der „aktive Bürger“ das Risiko von Verlusten alleine trägt – eine grossartige Geschäftsidee.

    Wer Geld übrig hat, sollte anfangen damit zu arbeiten, bevor es in den Staatsgulli fliesst!

    MfG

  3. Michael sagt:

    Es gibt eben 2 Sichten auf den Wert von Aktien.

    a) Die Sicht auf die Substanz – eigentlich sind Aktienmärkte immer in einer Blase
    b) Jeder Preis wäre ein fairer Preis und damit ein gerechter Wert – eigentlich gibt es keine Blase

    Blase im Sinne von Preisblase wie auch immer finanziert. Die Urgenzen die sich dann aus der Art der Finanzierung bei der Korrektur eines nicht mehr tragfähigen Preisniveaus ergeben sind nachgelagerte Themen.

    Der Bulle sagt b) und der Bär vermutlich a)h hast du geglaubt – ‚dumme Kuh oder blöder Ochse‘. Im Moment gilt eher die Sicht b).

    Man kann aber nicht von a) überzeugt sein und hoffen, dass die Preise auf diese Art zustande kommen. Man muss b) sagen. a) ist die Sicht der Dividendenbezieher b) ist die Sicht Bewertungsgewinner. Zumal b) im Moment gilt, kann man nur Gewinne realisieren und die gegen den Einstandspreis rechnen. Wer an b) glaubt hat das Problem sowieso nicht.

    Einfaches Beispiel. Sie haben eine Softwarelösung aus irgendeiner Technologiewelt. Egal wie wertig für sie das System ist – man kann sich den Stundensatz des Beraters nicht um seinen Preis herbeisehnen.

    Im nächsten Schritt kommt noch hinzu, wie hoch ist der Gewinn aus Arbeit im Monat – der verbleibende Liquiditätszufluss. An dem muss man allen voran arbeiten.

    Ich fahre oft eher die Strategie mir Investitionen in den sich häschenhaft ausnehmenden Betrieb rauszuschieben und eben die Option zu haben dort zu investieren. Das ist zumindest eine Option zusätzlich zu Papier oder Aktien. Investitionen in IT sind deflationär. Man kann auch in Wissen investieren, das ist heute aber zumeist ein billiges Vergnügen ändert aber nichts an dessen Wert per se.

    Eines ist schon klar. Man tauscht bei Aktien überschüssiges Tauschpotential, das auf absehbare Zeit sowieso nicht genutzt wird. Wer 30k EURO auf der Kante hat kann sich Aktien sparen … da gelten andere Kriterien. Halbwegs günstig eher biedere Unternehmen kaufen die eine solide Dividende versprechen. An sich wären wir nicht im Sozialismus gefangen so nähme sich ja die Dividende maßvoller aus. Der Staat hat gebashed die Dividende vs. der Kursgewinnen … (traditioneller staatl. Eingriff in sozialistischen Länder den Einsatz von Kapital als unredlich hinzustellen) und Verkaufsgewinn auch noch zu besteuern macht nichts besser.

    Der Sozialismus und die Umverteilung erhalten den Glauben aufrecht, dass Geld von sich heraus gutes tut. Wenn man konsequenter nachdenkt entsteht Gutes nicht durch Geld sonder dem Ergebnis auf der betrieblichen Ebene und nicht auf der Ebene des Unternehmens. Das einzige Wachstum das keine Nullsummenspiel ist, ist das Realwirtschaftswachstum. Damit ist der wohlüberlete Kauf bspw. einer Aktie die einzige realistische Chance sich auf die Lauer zu legen und diesen Effekt gegebenfalls auszukosten – sei es auf der Ebene des konkreten Unternehmens oder der Gesamten Volks- resp. Weltwirtschaft.

    Die Propagierten 6 bis 9% Rendite gibt es sowieso nicht und nicht jährlich. Man braucht diese Rendite auch nicht sein Leben lang.

    • Helmut Josef Weber sagt:

      Hallo Michael,
      ich (63) habe nun nicht hauptsächlich Gold gekauft (seit 1986) um Rendite zu machen, sondern damit ich jetzt im Alter etwas sicheres habe, was ich auch scheibchenweise verkaufen kann, wenn ich zu meiner Minirente noch etwas hinzubenötige.
      Aber trotzdem—
      Zinsen/Kurssteigerung steuerfrei seit 2000 etwa 425%
      seit 2009 etwa 60%
      seit 1.1. etwa 15%
      Und ich habe mit Niemanden was am Hut, keine Mieter, kein Finanzamt, keine Steuern, keine Gebühren, Keine Depotgebühren, keine KK-Beiträge usw.
      Außerdem schlafe ich gut.

      Viele Grüße
      H. J. Weber

  4. ink panther sagt:

    Für Leute die an Gold interessiert sind und einigermaßen des englichen mächtig, hier ein interessantes interview mit Michael Rivero(betreibt das Portal what Really happened).

    https://www.youtube.com/watch?x-yt-cl=85114404&v=C5AMDmNekkA&x-yt-ts=1422579428

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