Nicht nachdenken als Massenhobby

8. August 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Eine passive Haltung wird zunehmend salonfähig. Jeder Marktzyklus hat seine Besonderheiten. Waren es vor Ewigkeiten mal die Goldminen, von denen einem jeder erzählte, folgten zur Jahrtausendwende die Technologiefirmen oder die sich als solche verkauften. Vor dem Nahtod des Finanzsystems 2008 und 2009 fand man es ganz normal, wenn die Wirtschaftsleistung ganzer Regionen zu 50% aus Finanzdienstleistungen bestand. Derzeit ist vielen alles egal und nach einigen Jahren Bullenmarkt lässt man alles einfach liegen. Gutgehen wird auch das nicht…

Als Speerspitze einer Mischform aus passivem und aktiven Investieren stellen sich mittlerweile viel so genannte Robo-Advisor ins Licht. Vor allem die hohen Kosten klassischer Vermögensverwalter werden von diesen Anbietern zu Recht bemängelt. Schaut man allerdings auf die Gesamtkosten manches Robos so folgt rasche Ernüchterung. Schaut man etwa bei Whitebox für ein Mandat mit bis zu 30.000 Euro, so belaufen sich alle Kosten auf 1,17%. Das kann man zwar sicher nicht Wucher nennen, aber es gibt zahlreiche aktive Fonds und ETF-basierte Vermögensverwaltungen normaler Banken, die dieses Niveau locker erreichen oder auch deutlich unterschreiten. Revolution? Fehlanzeige. So mancher Robo-Advisor wird sich vermutlich noch darüber wundern, wie hoch der Arbeitsaufwand beim Massengeschäft ist und wie lästig und Kosten treibend sich die Regulierung weiterentwickelt. Wer wirklich Kosten sparen will, muss sich darüber im Klaren sein, was er will und dann selbst aktiv werden. Dank mittlerweile spottbilliger execution-only Broker ist das durchaus machbar. Die ersten Blätter vom Baum der Revolution rieseln bereits. 

Der Trend zum so genannten passiven Anlegen ist unterdessen ungebrochen. Eins zu eins darf man aus dem Verhältnis der passiven zu den aktiven Produkten aber nicht auf eine exponentiell gestiegene Massenignoranz schließen. Viele passive Produkte wie ETFs werden natürlich schlichtweg als Baustein in aktiven Asset Allokation Ansätzen genutzt. Dennoch darf man auch bei diesen Komponenten genauer hinschauen um herauszufinden, was denn in diesen Wundertüten drinsteckt.

Das gilt insbesondere jetzt, da der finanzielle Dreikampf ist in vollem Gange ist. Der Wettlauf von steigendem Kredithebel bei gleichzeitig sinkenden Gewinnen und zunehmender Bewertung sorgt nicht nur für beste Unterhaltung sondern auch für bemerkenswerte Fallhöhen. Es sind wundervolle Zeiten in denen Schulden die ausbleibenden Gewinne ersetzten und sinkender Umsatz mit steigender Bewertung belohnt wird.

   

Gefühlt geben mittlerweile 12 von 10 Anleger mit schlauem Grinsen und wichtiger Mine an, nur noch passiv zu investieren. So darf man sich darüber freuen, dass Coca-Cola trotz rückläufiger Umsätze wie ein Wachstumsunternehmen gepreist wird und Exxon sinkenden Einnahmen einfach mit einer Ausschüttungsquoten von mehr als 125% und Rekordverschuldung kontert. Alles egal antwortet daraufhin der nach acht Jahren Bullenmarkt zur Ignoranz konvertierte Anleger, das sei alles eingepreist. Man schaue auf die Kennzahlen von Coca Cola, einem Unternehmen, dass von vielen eher aus Gewohnheit als auf Basis von Zahlenkenntnis als globaler Wachstumswert eingestuft werden. Immerhin scheint die Investor Relations Abteilung des Konzerns ein hervorragendes Marketing zu betreiben, denn gewachsen ist der Konzern seit Jahren nicht mehr. Nur die Bewertung steigt.

Je mehr sich die Anleger dem Kaufen passiver Produkte verschreiben, desto weniger findet eine Preisfindung statt. Allerdings gibt es kein echtes „passives Investieren“. Man hängt lediglich von der Zusammenstellung der Produkte ab, die mal sinnvoll und mal weniger sinnvoll ist. Wer etwa breit aufgestellt in den US-Energiesektor investieren möchte und sich den entsprechenden ETF kauft, der erhält ein recht überschaubares Poutpourri an Aktien. Und einen dicken Klumpen. Mittlerweile interessiert sich aber niemand mehr für so profane Dinge wie Klumpenrisiken. Der Gleichlauf der Aktien innerhalb der großen Indizes hat durch den dauerhaften Bid der Passivistas neue Hochs erklommen. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die Korrelationen einiger Aktien zum Index in den letzten 20 Jahren verändert haben.

 

So genügt für eine wachsende Anzahl an Aktienkäufern mittlerweile die Aussage: „Ich habe Aktien“. Welche ist ja egal. Ob das nach dem nächsten Bärenmarkt auch noch der Fall sein wird, darf bezweifelt werden. 

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