Nicht alle Zentralbanker sind Narren

7. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Heute möchte ich Ihnen berichten, was ich bei einem Dinner mit einem überraschend cleveren Zentralbanker gelernt habe. In einer Reihe von Geschäftsmeetings in den letzten Tagen habe ich oft erklärt, wieso außer mir niemand die Daumen hält für eine Depression.

Jawohl, ich kann es nicht leugnen. Ich würde gerne eine Depression sehen. Kurz, schnell und eindeutig – ein schnelles und scharfes Ende der größten Kreditexpansion, die es jemals in der Geschichte gegeben hat… Wie schon der Finanzminister Andrew Mellon nach dem Aktienmarkt-Crash von 1929 sagte:

„Liquidiert Arbeit, liquidiert Aktien, liquidiert die Farmer, liquidiert Immobilien. Das wird das System von der Fäulnis reinigen. Teuerungen und Schwelgerei werden abnehmen. Die Menschen werden härter arbeiten, wieder ein moralischeres Leben führen. Die Werte werden angeglichen und geschäftstüchtige Leute werden die Wracks von weniger kompetenten Leuten mittragen.“

Kreditwachstum ist nicht unendlich möglich

„Es ist unglaublich.“, sagte Kollegin Merryn Somerset Webb. Merryn ist Autorin des „MoneyWeek“- Magazins in London. „Die Wohnkosten in London gehen immer weiter in die Höhe. Es ist so teuer geworden, dass es sich unsere Autoren nicht mehr leisten können, hier zu leben. Ich ziehe es in Erwägung, mit dem Unternehmen nach Edinburgh umzuziehen.“

Man kann keine solide Wirtschaft auf das Gelee von unbezahlbaren Wohnmöglichkeiten, untilgbaren Schulden und untragbaren Asset-Preisen aufbauen. Aber das ist genau das, was wir hier haben. Der einzige Weg, um zu etwas verlässlicherem zu kommen realerem und gesünderem ist die ganze finanzielle Pampe und schmierige Suppe auszuwaschen, die sich in den letzten 30 Jahren angesammelt hat. So oder so muss die Kreditexpansion, die nach dem Zweiten Weltkrieg begann, zu einem Ende kommen. Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel.

Konträr zu den Belegen des letzten halben Jahrhunderts, können Kredite nicht für immer schneller ansteigen, als das Einkommen. Das ist sowohl mathematisch, wirtschaftlich und auch finanziell unmöglich.

Doch wann wird das enden? Ein loyaler Leser sagte: „Das Problem bei Ihnen ist, dass Sie generell richtig liegen doch Sie sind immer etwas zu früh dran.“

Früh? Gewiss. Im Falle der Kreditblase, waren wir hier etwa 40 Jahre voraus. Vor kurzem sah ich einen Schriftzug auf einer Hauswand aus den 1970er Jahren. Ich dachte, er würde so lauten: „Das Ende des Papiergeld-Systems ist nah.“ Immerhin hat sich kein Papiergeld besonders lange gehalten.

Nicht alle Zentralbanker sind Vollidioten

Doch ich habe dieses Graffiti missverstanden. Ich weiß nicht, wo dieses „nah“ sein soll, doch ich bin ziemlich sicher, dass das Ende nicht nah war. Nun stehen wir hier, 40 Jahre später, und das Papiergeldsystem ist immer noch solide. Doch, wissen sie was? Ich bin immer noch davon überzeugt, dass es in einem Debakel enden wird. Doch wann?

„Das könnte noch weitere zwei bis drei Jahrzehnte dauern.“

Das ist die Antwort, die mir einer der Top-Zentralbanker dazu gab. Erst kürzlich hatte ich das seltene Vergnügen mit ihm zu einem Dinner zusammen zu kommen. Seinen Namen werde ich für mich behalten, zum Schutz seines Jobs und der Reputation der Zentralbank. Doch er war wie ein frischer Wind. Und eine Erleichterung.

Jetzt kann ich mit Überzeugung sagen, dass nicht alle Zentralbanker Idioten sind.

Dies ist, was er zu mir sagte:

„Natürlich ist es verdammt. Aber nicht zwangsläufig bald. Solange die Grundtendenz der Wirtschaft in Richtung Deflation geht, können die Zentralbanken weiter Geld drucken, ohne dass es zu einer Verbraucherpreis-Inflation kommt. Sie können Anleihen ankaufen und weiter und weiter ankaufen.“

„Doch wenn sie Anleihen kaufen, tendieren diese zu geringeren Renditen. Sie finanzieren ebenfalls die Defizite der Regierung. Und am Beispiel von Japan sieht es so aus, als können sie das nahezu unendlich weiter machen.“

Das stimmt: sie spielen dieses Spiel weiter und weiterbis sie nicht mehr können. Wann das Ende kommen wird, ist völlig offen.



Quelle: Kapitalschutz Akte
Nicht alle Zentralbanker sind Narren (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

3 Kommentare auf "Nicht alle Zentralbanker sind Narren"

  1. Notenbanker sagt:

    Richtig Herr Bonner, und wissen Sie woran das liegt? Der pragmatische Teil der Notenbanker ist sich im Klaren darüber, dass die massive Vermehrung von Zentralbankgeld keinen inflationären Impuls generiert, solange es gelingt, Löhne, Renten und Sozialleistungen (also die nachfragewirksamen Aggregate) nach unten zu prügeln. Sie wissen, dass die „Quantitätstheorie des Geldes“ tautologischer Quatsch ist. Die Monetaristen und vor allem die sog. „Österreicher“ wissen es nicht.

  2. Reiner sagt:

    Zitat: „… solange es gelingt, Löhne, Renten und Sozialleistungen (also die nachfragewirksamen Aggregate) nach unten zu prügeln.“

    Genau das jedoch scheint immer weniger zu gelingen. In Deutschland, wo die politisch gleichgeschalteten FDGB- , Verzeihung, DGB-Gewerkschaften jahrzehntelang die Arbeitnehmer ruhig gestellt und sie dazu gebracht haben, daß sie nach Abzug von Steuern und Abgaben oft noch nicht mal mehr durch Tarifverträge ihre Kaufkraft erhalten konnten, bricht sich in letzter Zeit eine Streiklust Bahn, die es so seit Jahrzehnten nicht gegeben hat.

    Und wenn die DGB-Gewerkschaften nach wie vor abwiegeln, die gut organisierten Spartengewerkschaften machen es ihnen vor. Inzwischen ist sogar die DGB-Gewerkschaft Verdi auf Konfliktkurs (Kitastreik) gegangen.

    Und eine ähnliche Entwicklung ist europaweit zu beobachten. Der komentenhafte Aufstieg von Podemos in Spanien und von Syriza in Griechenland spricht eine deutliche Sprache.

    Die Menschen sind es leid, von den Politikern mit leeren Versprechungen abgespeist zu werden. Sie fordern ihren Anteil. Daß dies sehr schnell zu inflationären Entwicklungen führen kann, liegt auf der Hand.

  3. Syria Forever sagt:

    Guten Abend Herr Bonner.

    Vielleicht liegt es daran das wir Menschen in Jahren, die Bestimmenden aber über Generationen denken. Was sind schon 20 Jahre?
    Israelis kaufen Zypern seit Jahren auf, nicht bedacht auf schnelle Gewinne sondern auf langfristige Investitionen; „Es wird mir, weder meinem Sohn Gewinne abwerfen doch meine Enkelkinder werden Gewinn erzielen.“

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