New Economy 2.0

11. November 2017 | Kategorie: RottMeyer

In der Phase II sollte das Meer zunächst alle Boote heben, weil täglich Milliarden US-Dollar in den Markt der Kryptowährungen fließt. Dieser Markt profitiert nicht zuletzt vom Zinsumfeld, vom Anlagenotstand. Der Anleihemarkt trocknet aus, die Aktienmärkte sind bereits deutlich gestiegen, also wohin mit der reichlich vorhandenen Liquidität? Da kommt der Markt der Kryptowährungen gerade recht. Man sollte jetzt seine Chips platzieren, sofern man es noch nicht getan hat. In der November-Smart Investor-Beilage zum Thema Bitcoin beschreibt Florian Grummes einige interessante Altcoins.

In der Phase III wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Dann heißt es Amazon oder Pets.com (IPO 1998, Pleite in 2000), Google oder Telekom (Hoch bei 90 Euro im März 2000). Ist beispielsweise Monero das digitale Währungs-Amazon, oder bleibt Bitcoin Marktführer? Hier sollte man auf die relative Stärke der Währungen schauen. In dieser Phase müssten sich zwei oder drei Währungen besonders hervortun, die möglicherweise unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die eine Währung bedient den M2M-Markt, die andere mehr den Konsumsektor, wie auch immer.

Wie kann es sein, dass digitales Geld mit dem Fiat-Geld konkurriert? In den Monero-FAQs findet sich die Antwort: „Monero hat einen Wert, weil Leute gewillt sind, Monero zu kaufen. Wäre niemand gewillt, hätte Monero keinen Wert. Moneros Preis steigt, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, und er fällt, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt.“ So einfach ist es.

Werden Dollar und Euro damit überflüssig? Das hängt von den Transaktionskosten und den Transaktionszeiten ab. Die Kryptobörse Coinbase, die jüngst an einem einzigen Tag 100.000 Kontoeröffnungen verzeichnete, bietet den Bitcoin- und Ethereum-Kauf bequem per Kreditkarte an. Das geht flott, hat aber seinen Preis. 4 Prozent sind eine Menge Schwund, um Fiat-Euros in digitale Bitcoin zu verwandeln. Diejenige digitale Währung, die es schafft, mit minimalen – oder keinen – Transaktionskosten unter Aufrechterhaltung der Privatsphäre in Echtzeit Geld sicher zu bewegen, und das unter höchster Skalierbarkeit, dürfte ganz vorn mit dabei sein. Bevor die Privatpersonen die Vorteile des digitalen Geldes entdecken, könnten es Unternehmen tun, indem sie es in ihrer Wertschöpfungskette verbauen. Von dort aus könnte das digitale Geld seinen Siegeszug in den Konsumsektor antreten.

Der Vorteil, jetzt schon alles per Bitcoin zu bezahlen, ist einfach zu gering, weil auch dort Gebühren anfallen und die Zahlungsbestätigung beispielsweise nicht in Echtzeit an der Kasse erfolgen kann. Bis die drei erforderlichen Bestätigungen kommen, hat sich schon eine lange Schlange gebildet.

Wo kann man die digitalen Währungen handeln? Bitcoin.de ist in Deutschland die erste Adresse, dort gibt’s Bitcoin und Ethereum. Coinbase hält das gleiche Paar vor, die Nutzerfreundlichkeit der Website ist für den Anfänger einfach sehr gut. Eine Vielzahl von Börsen existieren. Erwähnenswert ist, dass beispielsweise IOTA nur über Bitfinex zu erwerben ist. Für einen Europäer ist der Weg des Kaufes von IOTA mühsam. Er eröffnet bei Bitcoin.de oder Coinbase oder einer anderen Börse ein Konto, kauft dort Bitcoin, transferiert diese auf Bitfinex. Dort erwirbt man für Bitcoin IOTA.

Ob eine Bitcoinblase im Jahr 2020 platzt, wer weiß das schon.

Es erscheint aber möglich. Gold, Nikkei und die Tech-/Internet-Werte haben ihre Talfahrten jeweils am Ende einer Dekade angetreten. In der Analogie zur Tech-Blase würden wir uns im Jahr 1997 befinden. Also könnte noch zwei Jahre lang die Post abgehen. Allen, die sich in diesem Markt bewegen, muss allerdings klar sein, dass Verluste bis zum Totalverlust auftreten können.

Fassen wir zusammen: In der ersten Marktphase (Januar 2009 – März 2017) dominierte Bitcoin. In der zweiten Phase, die im April 2017 begann, drängen die Altcoins nach vorn. Sie kämpfen um Aufmerksamkeit und Marktanteile. Es ist ein darwinistischer Kampf. Die besten Ideen und praktikabelsten Geschäftsmodelle werden belohnt, und die Belohnung ist gewaltig. Die Krypto-Welt wird nicht verschwinden. Es gilt, sie zu verstehen und die Chancen zu nutzen.

Disclaimer: Ich besitze zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels (10.11.2017) Bitcoin, Bitcoin Cash, Ethereum, Dash, Monero und IOTA.

© Robert Rethfeld – Wellenreiter-Invest

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