Neutrale Gewalt – Hallo Berlin!

21. Juli 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Während man sich in deutschen Großstädten schon an viele Ausreden gewöhnt hat, so hält das beschwichtigende Geschwafel langsam aber sicher Einzug in das deutsche Kleinstadtleben.

Berühmtheit ist nicht einfach zu erlangen. Sportler müssen sich jahrelang quälen bis es vielleicht einmal irgendwann mit dem großen Erfolg klappt. Firmengründer müssen manchen Rückschlag hinnehmen, bis sie und ihr Unternehmen es irgendwann schaffen. Auch für Dörfer und Kleinstädte ist der Weg zur bundesweiten Bekanntheit zwar schneller aber schmerzhafter geworden. Wer kannte schon vor ein paar Wochen die Stadt Schorndorf?

Zum Glück wird der Laie, der in seiner Naivität angesichts derartiger Nachrichten allzu rasch ein Opfer seiner unausrottbaren Vorurteile wird, schnell wieder ins gesinnungskorrigierte Fahrwasser gehievt.

(Welt.de) In der Nacht zum Sonntag versammelten sich laut Polizei zwischen 20 Uhr und 3 Uhr bis zu 1000 Jugendliche und junge Erwachsene im Schlosspark der Stadt und randalierten, viele davon mit Migrationshintergrund. Der Anteil von Migranten innerhalb der Gruppe habe allerdings unter 50 Prozent gelegen, sagte Sprecher Ronald Krötz.

Na, das ist in der Tat beruhigend. Warum man sich überhaupt zu diesem Statement hinreißen ließ ist nicht überliefert. Aber gäbe es einen Dom in Schorndorf dann könnte der Pfarrer beruhigt die Beleuchtung brennen lassen. Zumindest werden sie mit mehr als 50%iger Wahrscheinlichkeit von einem Einheimischen verdroschen. Also Schluss mit der Angstmacherei. Haben sich nicht schon früher die Bengel in der Schule gerne mal einen kleinen Scherz erlaubt? Wer weiß schon, in wie vielen deutschen Grundschul-Ranzen nicht schon in den 80ern Springmesser und Quartzhandschuhe schlummerten.

In der ach so bunten Republik darf man in den letzten Jahren eine Zunahme diverser Monstrositäten beobachten. Neben die Gesellschaft bereichernden Messer und Äxte schwingenden Verrückten sind da nicht nur in jüngster Vergangenheit auch Steine werfende Dummköpfe zu nennen, die sich beim Anzünden von Autos aus lauter Unwissenheit und Selbstgewissheit so fühlen, als würden Sie rückwirkend Georg Elser beim Widerstand gegen Hitler zur Hand gehen. Weil man aus welchen Gründen auch immer gegen „einen von da oben“ ist, haut man in logisch unabwendbaren Folgehandlung einfach mal „ein paar von denen, die einem gerade gegenüberstehen“ auf den Schädel. Das ganze garniert man mit kruden Thesen, die jeden Funken an berechtiger Kritik, sofort vergessen lassen. Mit Molotow-Cocktails beworfene Feuerautos, in denen Menschen sitzen, als Zeichen gegen den schlimmen Kapitalismus? Pflastersteine auf Polizisten als Symbol für den neuen, linken und gleich viel menschenfreundlicheren Pfad, den wir alle gemeinsam beschreiten sollen? Das alles erinnert an wilde Theoriefragmente, die man bestenfalls von einem Vierzehnjährigen erwarten würde, der gerade ein bisschen in der Maofibel geblättert hat.

Medial werden diese Tendenzen bis hin zur lebensverachtenden Gewaltanwendung gerne verharmlost. Wenn das nicht möglich ist, versucht man es mit dem raschen Vergessen oder dem notdürftigen Übertünchen. Wer erinnert sich nicht an die zu Tränen rührenden Berichte aus dem Hamburger Schanzenviertel, in denen man zu sehen bekam wie auch kleine Kinder am Tag nach dem Gipfel den Besen schwangen und beim kollektiven, solidarischen Aufräumen halfen. Das mag manchem ein wohliges Gefühl vermitteln, aber die Ereignisse der Tage zuvor lassen sich nicht wegkehren. Wer das tut, macht genau das, was manche früheren Generationen in den 70er Jahren so gerne vorwarf. 

Bemerkenswert ist der mangelnde Wille die Gewalt politisch einzuordnen. Mancher Politiker ist von der eigenen Überforderung offenbar bereits schon Monate vor der Wahl derart geschwächt, dass er vor lauter Blindheit wohl auch Stalin der politischen Rechten zuordnen würden. So sagte Hubertus Heil von der SPD:

(Welt.de) In Hamburg war ein Mob unterwegs. Es ist nicht links, Polizisten zu attackieren, Autos anzuzünden, kleine Ladenbesitzer zu schädigen. Niemand sollte versuchen, aus dieser elenden Gewalt nun parteipolitischen Nutzen ziehen zu wollen.

Das ist prima. Links ist also per definitionem nicht schlecht sondern gut. Mit diesem Freibrief kann man seine roten Sturmtruppen ja losschicken, sie sind ja, dem Herrn sei es gedankt, zwar gewalttätig aber nicht links. Man weiß gar nicht ob man zuerst an Orwell oder an Ghandi denken soll. Vermutlich würden sich beide im Grab herumwälzen.

Parteigenosse Stegner sagte in der Frankfurter Rundschau

(FR) Und dennoch sage ich, dass Kriminelle wie bei den Hamburger Gewaltexzessen keine Linken sind, obwohl sie doch dem „schwarzen Block“, Autonomen und anderen Gruppen zugeordnet werden, die von manchen als „linksextrem“ bezeichnet werden.

Der Begriff des „Linksautonomen“ ist damit wohl überholt. Möglicherweise ist die alte Zentrumspartei ja das neue Sammelbecken. 

Beim Herrn Stegner läuft das Fass dann vollends über und er macht – ausgerechnet die Ausländer als Schuldige aus.

(FR) Wir müssen über das Versagen der Konservativen reden. Es war Frau Merkel, die G20 nach Hamburg eingeladen hat, weil sie sich schöne Bilder im Wahlkampf erhoffte. Aber wie konnten eigentlich ausländische Gewaltkarawanen nach Deutschland kommen? 

Ui – Gewaltkarawanen. Na, zum Glück kam dieses Wort aus den Reihen der SPD und nicht von den Blauen, deren Namen man nicht nennen darf, weil die ja „rechts“ sind. Die Frage stellt sich mancher Bürger übrigens auch. Allerdings meinte Stegner vermutlich nur die bösen Ausländer – die zum Gipfel anreisten – nicht die guten, also alle anderen. Das ist auch der Grund, warum man Grenzkontrollen nur bei derartigen Anlässen gut findet, ansonsten aber für überflüssig hält.

Weil der stellvertretende Vorsitzende sonst immer etwas übellaunig dreinschaut aber offensichtlich gerade in Fahrt war, wollen wir den Lesern das Schlusswort nicht vorenthalten.

(FR) Linker Demokrat wird man durch Überzeugungen. Die machen einen nicht zum besseren Menschen, bilden aber einen klaren Kontrast zum ideologischen Rüstzeug der politischen Rechten.

Links-Sein bedeutet friedliches Engagement für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Gewalt ist nicht links.

Will sagen, linke Autonome sind irgendwie doch eher rechts. Ob sie das wissen?

Praktisch ist es allemal. Mit der korrekten Auslegung kann man Tat und Verantwortung endlich sauber trennen, was sehr praktisch ist. Man kann also jedem einen Stein auf den Schädel schmeißen, rein politisch ist irgendwie doch noch der Adolf dafür verantwortlich. 

Wie ein Aal winden sich Politiker fast aller Richtungen, ihr liebes „links“ nicht mit dem Begriff „Gewalt“ zu beschmutzen. Wenn man darüber nachdenkt wie die ostdeutschen Bundesbürger nach den letzten Wahlen mit Schmutz und Diffamierungen überzogen wurden oder wie Menschen, die sich bei PEGIDA besser aufgehoben fühlen als bei ihren so genannten Volksvertretern, teilweise als Nazis verunglimpft wurden, dann ist fremdschämen wohl das Geringste was man angesichts solcher Aussagen tun kann.

Der Kern der heutigen „Linken“ ist der gleiche wie immer. Man will alles, nur keine Konsequenzen. Was in der kommenden Zeit medial folgen wird ist eine Mischung aus dem möglichst raschen Vergessen der Vorkommnisse bei gleichzeitigem Suchen nach anderen Schuldigen. Nebenbei tritt man dann gerne noch denjenigen vors Bein, die sich von Gewalttätern beschimpfen und attackieren lassen um andere zu schützen. Während man offenbar jede „linke“ Aktion als wenn auch teilweise bedauerlich so doch als hochkreativ und nachvollziehbar einstuft, bleibt für den überaus großen Rest der Bürger, man darf von einer großen Mehrheit ausgehen, lediglich das Etikett des verblendeten Rassisten.

Angesichts der Tatsache, dass die randalierenden, schrill agitierenden und um sich schlagenden Weltverbesserer im Grunde nichts greifbares vorzuweisen haben, darf man sich über die gefühlte Meinungshoheit nur wundern. Es ist ein bisschen wie bei den Grünen, die zwar in vielen Regionen Angst vor der 5%-Hürde haben aber gleichzeitig wirklich zu glauben scheinen, sie sprächen für die Mehrheit.

So, und jetzt wird wieder an der Quote gearbeitet! Alle Integrationsbemühungen des aktuellen Fünfjahresplans sind umgehend zu verdoppeln.

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , , ,

5 Kommentare auf "Neutrale Gewalt – Hallo Berlin!"

  1. cubus53 sagt:

    Ein gut gemeinter Versuch, auf die Missstände in diesem Land hinzuweisen. Leider vergebens, denn Frau Merkel wird wieder gewählt. Eine Obergrenze wird es laut Dekret von Frau Merkel nicht geben, und Herr Seehofer oder Herr Lindner werden nach der Wahl vom Merkel-Kritiker wieder zum Merkel-Plüschtiger.
    Lächle, denn es könnte schlimmer kommen, also lächelte ich, und es kam schlimmer.

  2. bluestar sagt:

    „So, und jetzt wird wieder an der Quote gearbeitet! Alle Integrationsbemühungen des aktuellen Fünfjahresplans sind umgehend zu verdoppeln.“
    JAWOLL, und wer hier nicht mitmacht ist ein Feind, Nazi.
    „Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Nein, er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus“ ( Ignazio Silone 1900-1978).

  3. FDominicus sagt:

    Mein Blog geht in das 10 Jahr, seit Beginn scheibe ich über diese Probleme und wie man da raus kommen könnte nur eben wird Cubus53 recht behalten: „Leider vergebens, denn Frau Merkel wird wieder gewählt.“

    Sie wird mit Sicherheit CDU seitig keine Mehrheit bekommen, aber da gibt es ja Grüne, FDP und SPD. Was soll das „schief“ gehen. Warum sich Liberale politisch nicht wehren, ist sehr traurig und bedenklich aber hat Geschichte. Eine die dich so gerne nicht wiederholt hätte. So oft hatten wir in D schon einen totalen Währungszerfall und auch Verfall des Staates und wieder geht es in diese Richtung…. – Wahnsinn…

  4. beko sagt:

    Wie sich die Bilder gleichen …

    Als ehemaliger DDR-Bürger erlebe ich bei Betrachtung aktueller politischer Sprachregelungen so manches Deja vu:
    Zum ersten gibt es Gemeinsamkeiten bei der massenmedialen Darstellung aktueller Regierungspolitik: Betont optimistisch, stereotyp und widerspruchsbereinigt, was Entfremdungsprozesse zwischen Politik und Volk begünstigt (im DDR-Endstadium war es jedenfalls so).
    Zweitens neigt auch hier und heute die offizielle Politik dazu, unbequeme Wahrheiten zu vernebeln resp. unter den Teppich zu kehren und dabei auf die Uninformiertheit oder Vergesslichkeit der Menschen zu spekulieren.
    Ein Beispiel für Verkürzungen der Realität ist bspw. die Antwort der Kanlerin auf die Frage eines Journalisten, ob die Unterstützung des Irakkrieges 2002/2003 ihr größter Irrtum gewesen sei: „Ich unterstütze nie einen Krieg. Ich habe auch den Irak-Krieg nicht unterstützt …“
    (Pressekonferenz v. 28. Juli 2016 – Ein Google-Recheche zu den Stichworten Irakkrieg+Merkel macht sehr schnel klar, was von dieser Antwort zu halten ist.)

    Es scheint angesichts dieser Befunde fast so, dass die DDR für einzelne Politiker eine ganz brauchbare Vorbereitung auf die Politik im wiedervereinten Deutschland gewesen ist. Anders ausgedrückt: Manches wurde wie es war – nur ganz anders 😉

  5. Argonautiker sagt:

    Welcome in der Dämonkratie.

    Leider sitzt der Dämon wirklich in jedem Einzelnen. Und wenn wir in einem durch Mehrheiten bestimmten Parteiensystem leben, dann dürften die größten Dämonen eben auch bei denen manifestiert sein, welche die Mehrheiten stellen.

    Aber so war das, so ist das, und so wird das auch weiter sein. Jedenfalls solange ein durch Mehrheiten bestimmtes Parteiensystem maßgeblich ist. Diese Mehrheiten sind mit ihren ganz persönlichen Dämonen an der Macht, aber Schuld für jegliche Desaster sind die Minderheiten. Ist ja auch logisch, das Diejenigen, die die Regeln machen, nicht dafür verantwortlich sind, was die Regeln die sie machen hervorrufen. Deswegen haben die auch Immunität im Amt, und haben immer recht.

    Das Blöde an der Sache ist, daß sich auch in den Anderen Ländern genau das Gleiche formiert hat. Es baut sich Gegenseitig auf. Man brüllt in den Ämtern zwar, daß wir es nicht zulassen dürfen, daß wieder das Recht des stärkeren Einzug erhält, defakto haben durch die Mehrheitssysteme jedoch immer noch das Recht des Stärkeren, denn was soll ein Mehrheitsprinzip denn anderes sein, als die Nutzung eines „Gemeinsam sind wir stark“. Dadurch haben wir heute global Leute an der Macht, die dominieren können, aber zu einem Miteinander eher unfähig sind.

    Geht das Dominieren innerhalb des Landes dann zu mindest für diese Dominatoren gut, so stößt dieses Prinzip an seine Grenzen, wenn es eben an die wirklichen Grenzen, also an die Dominatoren der Anderen Länder stößt, denn diese wollen sich natürlich von Anderen Dominatoren nichts sagen lassen.

    Interessant ist ebenfalls, daß die jeweiligen Dominatoren aus dem Anprangern der Anderen Dominatoren noch mehr Kraft für das eigenen Dominieren ziehen. Seht, die bösen Russen, Türken, Polen,… All das bewirkt, daß die Inländischen meinen, man müsse sich gegen das Außen mittels eines möglichst noch größeren Dominatoren schützen.

    Man denkt nicht, daß es vielleicht sinnvoller wäre, Leute an die Spitze zu wählen, die mittels der Fähigkeit ein wirkliches Miteinander herzustellen, wieder für eine Entspannung zu sorgen. Nein, man will jetzt zum Schutz gegen die bösen anderen Dominatoren, auch einen Dominator haben.

    All dies sind die Folgen eines durch Mehrheiten gewonnenen Regierungsrechts. Wirkliche Inhalte sind vollkommen nebensächlich geworden. Mit der Folge, daß das Inhaltslose, aber Mehrheiten Bildende an die Macht kommt. Und die meinen, daß sie als Träger der Mehrheit zu jeglichen Übergriff befugt sind.

    Wen wundert es also, daß die Menschen sich bei solchen Vorbildern ähnlich verhalten, und es als richtig ansehen, daß sie, sobald sie Viele sind, sich zu jeglichem Übergriff berechtigt fühlen.

    Wir sind sehr nahe daran, daß Dominatoren wieder in die Messer anderer Dominatoren laufen werden. Und was dann folgt, dürfte auch klar sein. Wer es nicht weiß, sollte Franz Ferdinand fragen.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.