Neulich an der Tanke

6. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Öl eine interessante Sache, vor allem wenn man nichts damit zu tun hat, also nicht tanken oder heizen muss. Die Ölpreise stürzen ins Bodenlose, sagen Analysten, nachdem sie schon ins Bodenlose gestürzt sind. Waren sie neulich mal tanken?

Tanken macht inzwischen wieder richtig Spaß, vor allem wenn man mit dem Fahrrad an einer Tankstelle vorbeifährt. Als Autofahrer könnte man jetzt einen Liter Diesel für weniger als 1,10 Euro kaufen. Ich habe früher auch schon 1,50 Euro pro Liter bezahlt. Was glauben Sie, wie viel man sparen kann, wenn man jetzt die doppelte Menge Diesel verfährt! Damals konnte man sich mit der Zapf-Pistole noch finanziell erschießen. Das Ding heißt nicht umsonst so.

Überhaupt sind Tankstellen eine sehr interessante Angelegenheit, allein schon wegen der Preisschwankungen und der Leute, die sich dort tummeln.

In unserem kleinen Gernsheim kann man nur ahnen, welche große Volatilität an den Märkten herrschen muss. Hausse und Crash wechseln sich schneller ab, als man Unterwäsche wechselt, also täglich. Kostet Diesel um 19 Uhr noch 1,09 Euro, liegt sein Preis eine Stunde später schon bei 1,29 Euro. Das sind immerhin 0,20 € innerhalb von einer Minute bzw. 18 Prozent Preisschwankung. Manchmal ist es so, dass abends der Diesel drei Straßen 18 Prozent mehr kostet. Ja, Preisschilder sind schwer zu verstehen und so eine staatlich organisierte App ist schwer zu bedienen. Ich wundere mich deshalb auch nicht, dass überhaupt noch jemand an der teuren Zapfsäule steht. Wahrscheinlich deshalb, weil man dann erst richtig spart – oder so ähnlich.



Ja, der Ölpreis ist gesunken und steht so tief wie seit sechs Jahren nicht mehr. Das kann jetzt nur noch tiefer gehen, nachdem es schon so tief gegangen ist – zur Überraschung der Experten. Schließlich haben sie mit etwas anderem gerechnet. Etwas von 15 $ pro Barrel habe ich gelesen. Aber fallende Ölpreise sind ja auch so ein hübsches Konjunkturprogramm. Man schaut dann immer auf die Lufthansa. Sehen Sie einen Zusammenhang? Ich kann keinen sehen. Bei doppelt so hohen Ölpreisen ging es der Lufthansa noch besser als heute. Komisch.

Sind fallende Ölpreise gar ein Zeichen für wirtschaftliche Schwäche? Dass weniger Öl nachgefragt wird? Vielleicht benötigt China auch weniger Öl? Vielleicht gibt es in weltweiten Aufschwung auch nur auf Papier? Wir wissen es nicht und werden es nie erfahren. Vielleicht werden wir es später spüren. Unterdessen freut man sich doch beim Tanken. Das zählt! Wäre der Euro nicht so künstlich nach unten gedrückt worden, und er wird wohl weiter fallen, bekäme man jetzt sogar noch mehr Benzin oder Diesel für eine solche Friedens-Währungseinheit mit eingebautem Zeitzünder.

Wissen Sie, was ich seltsam finde? Ein halber Liter Wasser kostet an der Tankstelle wesentlich mehr als ein ganzer Liter Benzin oder Diesel. Die Geschäfte damit sollen gut laufen, sonst würde man ja nicht diese Preise aufrufen. Angebot, Nachfrage und Dummheit. Selbst auf der Toilette der Tankstelle gibt es das Wasser ganz kostenlos aus dem öffentlichen Leitungsnetz. Glücklicherweise wurden wir Menschen aber darauf konditioniert zu sparen, indem wir Geld ausgeben und Sachen zu kaufen, die wir gar nicht brauchen – mit nicht vorhandenen aber zugesagten Eigenschaften – und den Dinge zu glauben, die wirklich nur mit Glauben zu tun haben.

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4 Kommentare auf "Neulich an der Tanke"

  1. gilga sagt:

    Aus meiner Sicht ist es ziemlich tragisch, dass die aktuelle Euro-Schwäche ggü. dem Dollar durch den Verfall bei den Ölpreisen aufgefangen wurden. So ein Schwung von 1,50€ auf >2,00€ binnen weniger als 6 Monaten der einzig und allein auf den Verfall im Vergleich zu anderen Währungen zurückzuführen ist hätte schon was.

    Wäre auf jeden Fall mal interessant gewesen zu sehen wie Bevölkerung und Politik damit umgehen. So wundern sich nur die New York Urlauber warum dort alles so teuer ist. Der dezenten Hinweis, dass wir eine Währungsabwertung im Bereich 20% hinter uns haben wird dann nur mit einem Hochziehen der Augenbrauen quitiert… naja im Winterurlaub solls dann in die Schweiz gehen, da wird ja zum Glück nicht in Dollar bezahlt (aua).

  2. FDominicus sagt:

    Und wo wäre der Preis wenn man nicht 2/3 an Abgaben hätte? Ups wir wären bei irgendwo um 40 ¢ / l ? Das uns eine neue Eiszeit droht – oder so, wäre doch eine fallender Preis üblicherweise mit mehr Verbrauch verbunden und wir könnten als „Tanker“ etwas gegen die kommende Eiszeit machen. Oder gilt heute nicht mehr die einfache Formel: WT = KonstanteInDenHirndenDerBesserenMenschen * CO2 Anteil in ppm (WT = Welttemperatur)

    Und die gute /schlechte Nachricht gleich am Schluß: Am Ende sterben wir alle.

  3. bluestar sagt:

    „Wissen Sie, was ich seltsam finde? Ein halber Liter Wasser kostet an der Tankstelle wesentlich mehr als ein ganzer Liter Benzin oder Diesel. Die Geschäfte damit sollen gut laufen, sonst würde man ja nicht diese Preise aufrufen. Angebot, Nachfrage und Dummheit.“
    Noch seltsamer finde ich den Preisvergleich zwischen Wasser mit Milch, dabei ist das teure Mineralwasser in der Regel nicht besser als deutsches Leitungswasser. Trotzdem steigt seit Jahren der Umsatz für Mineralwasser. Was man mit Menschen alles für verrückte Dinge anstellen kann wenn die Konditionierung gut ist…
    Dank an den Meister für diesen gelungenen Beitrag und schöne Grüße nach Gernsheim.

  4. Lickneeson sagt:

    Knien wir nieder und danken dem „Weltklimagipfel in Elmau/ Transsylvanien“. Denn mit der Ankündigung der „Dekarbonisierung/Entkohlung/ Verkohlung?“ folgt sicher bald“ die letzte Ölung“.
    Auch sicher in so absehbarer Zeit von ca. 100 Jahren. Wie bei einer Diät sollte man seine Ziele nicht zu hoch und zu zeitnah setzen. Am besten soweit in die Ferne, das wir dank Alzheimer oder Ableben sicher sein können, alle Vorhaben vergessen/ überlebt zu haben.

    So ists also kein Wunder, das Öl schon jetzt fällt. Tanken wir also auch gleich dem Nachbarn an der Tanke sein Auto voll und laufen in Zukunft mit einem Solar T-shirt herum. Medial wird alles bunt und „online“ aufgewärmt, das das Glücksgefühl einer nachhaltigen Lebenskultur sich täglich neu einstellt. Mit dem billigen „Tankwagen“ gehts dann zu Mc Doof, wo wir nachhaltigen Salat und fröhliches Rindfleisch vertilgen, um die widerlichen Reste bei Tempo 140 aus dem Auto feuern.

    Es wird Zeit, das der WInter kommt und Frau Merkel wieder Ski fährt…..

    MfG

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