Wahnsinn in Unzen. Neues von Goldblase

21. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Es heißt, die Deutschen kaufen ganz wild Gold. Sie wären Weltmeister im Horten des gelben Metalls. Manche Analysten fühlen sich genötigt, vor einer Goldblase zu warnen. Verbraucherschützer schlagen seit Jahren schon Alarm. Schauen wir uns die Daten aus dem letzten Jahr etwas genauer an…

Ein Gespenst geht um an den Finanzmärkten – Gold. Die von Marx geliehene und etwas dem Goldmarkt angepasste Warnung besagt, die Deutschen haben im letzten Jahr sagenhafte 159 Tonnen Gold gekauft, so die letzten Zahlen des World Gold Councils. Der Wahnsinn in Unzen. Oder nicht? Allein im letzten Quartal waren es allein 40 Tonnen. Wie viel ist das? Kein Wunder, dass die Experten von Goldrausch und Goldblase sprechen.

In der Tat, 159 Tonnen Gold sind ein nettes Sümmchen – nämlich 6,3 Milliarden Euro. Anders herum betrachtet, gab jeder Bundesbürger 2011 statistisch gesehen 79 Euro für Goldkäufe aus. Dagegen fallen die Ausgaben nur für die Lebensversicherungsverträge mit 76 Milliarden Euro oder rund 1.000 Euro pro Bundesbürger etwas üppiger aus. Was sicher ist, außer dem Tod, wird die Zukunft zeigen. Vermutlich wird es zu Enttäuschungen kommen.

Um den Nachweis für eine gigantisch Goldblase zu erbringen, sei uns folgendes Rechenbeispiel erlaubt: Im 4. Quartal kauften die Deutschen 39,7 Tonnen Gold. Umgerechnet sind das 39,7 Millionen Gramm, also für jede deutsche Nase 0,5 Gramm im Gegenwert von 20 Euro. BlaBlaBlase! Vermutlich liegen die Ausgaben für Klopapier etwas höher. Erstaunlich, von einem Goldrausch zu sprechen.

Eine durchschnittliche private Haftpflichtversicherung kostet in etwa 100 Euro. Eine Tankfüllung in etwa das Gleiche, wenn man keine Spritschleuder fährt. Ich weiß nicht, was ich falsch mache, aber 75 Euro jage ich in sechs Wochen durch die heimischen Stromleitungen.

Unterdessen betrug die Goldnachfrage 2011 rund 4.067 Tonnen bzw. 206 Milliarden US-Dollar. Die fünffache Summe dessen haben die USA an neuen Schulden gemacht.

Apple wiegt an der Börse mehr als das Doppelte als die weltweite Goldnachfrage bzw. 468 Milliarden US-Dollar oder 9.240 Tonnen Gold. Diese Summe entspricht wiederum der Goldförderung von 3,3 Jahren. Im letzten Jahr wurden 2.809 Tonnen Gold aus dem Boden geholt, so die Zahle des WGC.

Eine Unze Gold wurde 2011 nach allen Berechnungen unter 16 Leuten aufgeteilt. Und sollten Sie eine solche Unze gekauft haben, taten das 15 Leute nicht. Statistisch gesehen. In meiner Stadt wohnen 10.000 Seelen. Demnach gingen im letzten Quartal fünf Kilogramm oder rund 200.000 Euro in dieses gelbe Blech. Man bekommt dafür hier kein einziges Haus zu kaufen, abgesehen davon, dass diese gerade wie Pilze aus dem Boden schießen.

Verrückte gibt es überall. Seien Sie vorsichtig! Es soll wirklich Leute gegeben haben, unter ihnen auch wichtige Chefvolkswirte, die mehr als eine Unze Gold im letzten Jahr gekauft haben. Arme Blasengeschädigte. Oder Papiergeld-Schwindsüchtige? Wir werden sehen.

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11 Kommentare auf "Wahnsinn in Unzen. Neues von Goldblase"

  1. Thomas sagt:

    Einfach klasse dieser Zynismus!
    Weiter so… die Zeit wird kommen.

  2. cicero sagt:

    Hallo Frank,

    das sind wirklich schöne Beispiele für eine Blasenbildung.
    Wir sollten daher unseren griechischen Freunden, bzw. deren Gläubigern,
    lieber rund 3000 Tonnen Gold andrehen statt wertvolle 130Mrd. Euros.

    Was befindet sich da nur in einer Blase ?
    Eine gute Weltjahresproduktion des echten Geldes Gold, oder äquivalent unser Schuldgeld,das gleicher Höhe in nur einer Sekunde produziert werden kann.

    Die Spatzen pfeiffen es wirklich mit Lautsprechern von den Dächern.

  3. wolfswurt sagt:

    Goldblase oder Luftblase im Kopf ist hier die Frage.

    Lassen wir mal einen Arzt zu Wort kommen:

    „Dr. Pacella wies zunächst einmal darauf hin, dass die bedeutendste Triebkraft in der Natur der Überlebenswille ist. Das Überleben, zuerst eines Körpers und dann der eigenen Spezies, steht über allen anderen Dingen. Wenn man diesen Gedanken erweitert, so Pacella, gehört dazu auch der Schutz der Ersparnisse, der Früchte der eigenen mühevollen Arbeit, wie auch die Erwartung, dass man am Ende für all den Konsumverzicht belohnt werden würde.

    Und genauso wie Eichhörnchen Eicheln sammeln, mit denen sie den Winter überleben können, werden Menschen, wenn sie sich in der Lage dazu sehen, sparen, damit es ihnen in Zukunft besser geht. Das Medium, das sie zum Sparen nutzen, ist dabei von entscheidender Bedeutung: Niemand wird sich absichtlich für ein Medium entscheiden, von dem bekannt ist, dass es an Wert verliert oder gar gänzlich verschwinden kann.“

    aus: http://www.propagandafront.de/1100690/das-gold-mysterium-gestandnisse-eines-mainstream-okonomen.html

    Äußerungen von Schwachköpfen sind für einen selbst harmlos, tritt der Schaden doch in der Regel nur für besagte Schwachköpfe ein.

    Blase? Blase der Masse!

  4. […] & Meyer: Wahnsinn in Unzen. Neues von Goldblase Ähnliche Artikel:Kleine Presseschau vom 20. Februar 2012Kleine Presseschau vom 17. Februar […]

  5. JayJay sagt:

    Klasse Kommentar, einfach super, dafür Rating AAA
    Gold & Silber Ahoi

  6. Avantgarde sagt:

    Und dabei weiß ich gar nicht was gegen eine Blase spräche 🙂

    Eine isolierte Goldblase wäre immerhin die ungefährlichste Blase die die Menscheit je gesehen hätte.
    Keiner müsse deswegen weniger heizen oder hungern, kein Produkt außer Schmuck würde teuerer.
    Wenn eine Blase in der das überschüssige Buchgeld aufgesogen werden soll – dann bitte Gold!
    🙂

    Die Angaben in Tonnen dürften für den Normalbürger etwas irritierend sein.
    Bei der enormen Dichte sind das so in etwa 19 Liter á Kilogramm.
    So schrechlich viel Volumen ist eine Tonne also gar nicht.

    Es gibt noch viel Gold in dieser Welt – allerdings inzwischen mit einem enormen Aufwand.
    In Südafrika wird derzeit wohl ein neuer Stollen in eine Tiefe von 5000 Metern gegraben um an die nächse Ader zu kommen.

    Apple wäre also um einiges mehr wert, als alles Gold was die USA in ihrem Millitärischen Sperrgebiet einlagern ?

    100 Mrd sollen ja beim Börsengang von Facebook angepeilt werden.
    Um diese Summe zu erreichen müssen die Deutschen aber noch viel Jahre in Rekordhöhe ordentlich Gold kaufen.

    Nein – Gold ist noch keine Blase.
    Und selbst wenn man es für etwas überbewertert hält dann möchte ich nicht wissen was mit anderen „Sachwerten“ bei einem Konsumeinbruch oder einer unternehmerischen Fehlleistung geschieht…., ob Griechenland seine Schulden in Euro, Drachmen oder Taler zurückbezahlt ist auch noch nicht bekannt….

    Facebook, Apple und viele andere wird es in ein paar Jahren vielleicht gar nicht mehr geben – auch große Traditionsfirmen wie GM, EstmankODAK können unter gehen – wer weiß….
    Gold ist seit Jahrtausenden immer irgend etwas wert.

    Sicherheit ist eben Relativ.

  7. bts_freak sagt:

    Blase glaube ich auch nicht, eine gewisse deflationäre Entwicklung ist aber nicht von der Hand zu weisen. Grundsätzlich besteht ja schon das Problem, dass das ganze Geld irgendiwe nicht mehr so recht an den Mann zu bringen ist. Die Kreditvergabe in Deutschland schrumpft, Kredite/Geld werden in HairCuts vernichtet und auch die Staaten sparen und sparen (nehmen weniger Kredite auf -> Geldmenge wächst nicht mehr so schnell).
    Meiner Meinung nach die Charakteristik einer Deflation und der Hauptgrund, wogegen momentan die Notenbanken mit Gedflut kämpfen. Ansonsten würden nämlich diese ganzen Krediterlässe zu riesigen Geldmengenvernichtungen führen.
    Und unter Deflation dürften auch Gold (mehr noch Silber) zu leiden haben.
    Hab ich einen Denkfehler?

    • Avantgarde sagt:

      „Hab ich einen Denkfehler?“

      Nein – genau so ist es. 🙂

      Das Buchgeld befindet sich dann allerdings ebenfalls in aller höchster Gefahr….

      • crunchy sagt:

        Gold und Silber leiden unter Deflation. Klar, mit Geldinvestition kann man ja auch Redite erwirtschaften. Gold und Silber erfreuen sich der Inflation. Klar, mit Geldinvestition fährt man nur Vermögensverluste ein. Nun, meine Lieben, da ist was geblieben, was in der Zunkunft jedes Schulkind versteht: Bei Stagflation ist Gold und Silber das Einzige, was geht!

  8. Fnord23 sagt:

    Hallo,
    ihr mit eurem Gold. 🙂
    Wie wäre es denn mit einem Graphen/Silber-Transistor. Angeblich 1000xschneller als heutige. Die nächste Rechnergeneration?

    aus: w w w. netzwelt.de/forum/aktuelle-themen/86346-kleinster-transistor-welt-schalten-atom.html

    „Einem Forscherteam ist es gelungen, einen Transistor zu konstruieren, der nur auf Basis eines Silberatoms einen Stromkreis schalten kann. „Der Einzelatom-Transistor funktioniert durch die kontrollierte Umlagerung eines einzigen Silberatoms“, erklärt der Wissenschafter Thomas Schimmel, Leiter der Arbeitsgruppe am DFG-Zentrum für funktionelle Nanostrukturen der Universität Karlsruhe h t t p:// w w w. cfn.uni-karlsruhe.de in einer Aussendung. „Bei der Entwicklung haben wir einen neuen Ansatz realisiert“, so Schimmel. Es sei ein Meilenstein auf dem Weg zur atomaren Elektronik, heißt es auf Anfrage von pressetext.“

    Wieder ein Argument für Silber. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gold noch mal als Währung zu neuem Ruhm kommt. Liege damit aber gern daneben…

    VG aus Sachsen

    • crunchy sagt:

      Ähem: wieviel Unzen sind so ein Atom? Vielleicht 50? Dann würde Gold Silber kanibalisieren… .
      A(r)schermiddwoch! Im Ernst: Ohne, dass man viel darüber liest, sind wir mitten in einer neuen, Industriellen Revolution angekommen. Der, die mittels Strom Produktion optimiert. An die Wasserkraft erinnert man sich noch. Aber daran, dass diese selbst andere Kleinindustrien revolutionierte (produktivierte), denkt man heute nicht mehr. Man nimmt es als selbverständlich hin und übersieht, was Elekrtizität so nebenebei alles besser laufen lässt. Was aber lässt Strom am besten fliessen? Na, Silberbug? Soviel Silber kann man kaum zu Goldunzen fördern, wie es auf einmal die Produktivität erhöhen wird.
      Dann würde man fragen: wieviel Unzen Gold sind so eine in Silber?

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