Neues Geld – neue Regeln

22. Juli 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

„Zeit ist Geld „, so hieß es zumindest früher mal. Sie arbeiten das ganze Leben. Sie sparen einiges von Ihren Einnahmen. Ihre Schwielen und Ihre Ersparnisse repräsentieren wahren Reichtum – nämlich den Reichtum, den Sie produziert und nicht während Ihrer Karriere verbraucht haben…

Aber in einer Negativzinswelt kann man sich die Mühe auch gleich sparen. Echte Ersparnisse scheinen keinen Wert mehr zu haben. Man stelle sich das einmal vor!

Echte Ersparnisse waren früher mal DIE treibende Kraft für den Aktienmarkt. Investoren schickten ihr Geld auf die Arbeit und kauften Aktien, um damit die Unternehmen mit den für die Expansion benötigten Mitteln zu versorgen.

Schöne neue Welt – oder?

Aber jetzt gibt es auch dafür keine Notwendigkeit mehr. Die Zentralbanken kaufen weltweit Aktien und Anleihen auf. Die Bank of Japan ist heute ein Top-10-Aktionär in 90 % der Nikkei-Aktien. Und der Dow Jones steigt weiter, auch wenn mehr und mehr reale Investoren scheinbar das Spielfeld verlassen. Offenbar sind die Fed und andere Zentralbanken (indirekt) die Hauptquelle der Nachfrage nach US-Aktien.

„Wir müssen den Dollar vor den Angriffen der internationalen Geld-Spekulanten schützen“, sagte Nixon der Nation im August 1971, und kündigte gleichzeitig Lohn- und Preiskontrollen … und das Ende von Bretton Woods, dem Gold-gedeckten-Dollar-System, an.

Natürlich schützte er den Dollar nicht. Er tötete ihn selbst, indem er ein feierliches Versprechen, das vor ihm 35 Präsidenten einhielten, brach. Nämlich US-Papier-Dollar in Gold zu tauschen. Stattdessen bezahlten wir unsere Rechnungen an die Ausländer in einer „neuen“ Währung.

„Die Zeit für eine neue Wirtschaftspolitik für die Vereinigten Staaten ist gekommen,“ setzte Nixon seine Fernsehansprache fort.

Zuerst dachten wir, dass die Aufgabe der Golddeckung inflationär wäre. Ein Gold-Run setzte folglich ein.

Der Preis des gelben Metalls stieg um fast das 20-fache. Aktien fielen. Inflationsbereinigt fiel der Aktienmarkt vom Hoch im Jahr 1965 aus betrachtet um etwa 65 Prozent.

Das unerbittliche und heimtückische Rentier-System

Danach nahmen die Dinge eine neue Richtung. Japan boomte. Dann folgte China mit einem noch größeren Boom. Und die Tiefpreise bei Walmart wurden täglich tiefer und tiefer, da billige Waren den Markt überschwemmten.

Die Zinsen fielen dann auch in den nächsten 35 Jahren. Mit Hilfe der Japaner und der Chinesen zähmte Fed-Chef Paul Volcker die Inflation im Verbraucherbereich.

Aber an den Aktien- und Rentenmärkten ging es wild zur Sache. Von einer Basis unter 1000 im Jahr 1982 ist der Dow nun auf neue Rekordhöhen geklettert und bei über 18500 angekommen.

Völlig unbemerkt, und vielleicht auch nicht direkt beabsichtigt, entstand so ein riesiges Rentier-System. Nur wenige der Reichen hatten wirklich eine Ahnung davon, was los war. Die Wähler und der Kongress tappten völlig im Dunkeln. Aber das System war unerbittlich und heimtückisch. Die Reichen wurden reicher; alle anderen wurden (relativ) ärmer; und die Parasitokratie wuchs immer stärker.

In den nächsten Tagen schauen wir uns das neue Monster noch genauer an – und werden sogar das seltsame „Herz“ sezieren…

Im Herzen des modernen Frankenstein-Finanzsystems
von Bill Bonner

Gestern versprachen wir Ihnen, die explorative Operation an unserem Frankenstein-Geldsystem fortzusetzen. Das Versprechen lösen wir heute ein. Wir gehen genau da hin, wo es brenzlig wird. Wir sehen sehr viele hässliche Organe … so viele abstoßende interne Rohrleitungen …

Aber lassen Sie uns mitten ins Herz hineingehen. Wir sezieren es und werfen einen genauen Blick hinein.

Gefälschter Dollar

Im Herzen einer jeden Volkswirtschaft ist Geld.

Das Geld ist der Messstab. Es sagt uns, was die Dinge wert sind … welche Investitionen wir uns leisten können …und letztlich ob es sich lohnt, etwas zu tun oder es gleich von vornherein bleiben zu lassen.

Geld – vor allem der Zinssatz – sagt uns, wann man expandiert und wann man konsolidiert. Es sagt uns, wenn wir härter arbeiten müssen und wenn wir es etwas lockerer angehen können. Es sagt uns, in welche Richtung wir gehen sollen.

Geld ist nicht nur etwas, das Sie verwenden, wenn Sie eine Packung Zigaretten kaufen müssen. Geld stellt die wichtigsten Informationen zur Verfügung, die eine freie Wirtschaft braucht. Ohne ehrliches Geld sind wir genauso wie ein Mitglied des Kongresses oder ein Fed-Gouverneur:

…hoffnungslos verloren und falsch informiert.

Nun, in der Tat, leider sind wir das alle.

Im Jahr 1971 beendete Nixon die direkte Konvertierbarkeit des Dollars ins Gold. Der Post-1971-Dollar sah für die ganze Welt scheinbar wie der Dollar vor 1971 aus. Aber er war wie ein Gaukler. Ein Betrug. Er repräsentierte nicht mehr wirklichen Reichtum oder reale Ersparnisse.

Stattdessen war es ein verfälschter Dollar … der nicht auf Reichtum basierte, der real erzeugt und hart erspart worden war…, sondern auf Kredit. Einzig und allein.

Das war das Geld der Regierung … oder genauer gesagt das Geld der Parasitokratie.

Verbrechen des Jahrhunderts

Es war in etwa so wie der Unterschied zwischen einem Haus, das Sie besitzen, und einem, das sie wertmäßig zu 100% verpfändet haben. Beide Häuser sehen gleich aus. Sie bieten den gleichen Service – sie können in beiden wohnen … beide Häuser haben Fensterläden aus Holz, die irgendwann wieder mal gestrichen werden müssen.

Aber wenn es hart auf hart kommt, sind sie dann doch sehr unterschiedlich. Das zeigt sich einmal mehr eindeutig in einer Kreditkrise. Dann können sie nur in dem Haus problemlos weiter wohnen und leben, das ihnen selbst gehört. Es ist Ihr Kapital. Das andere ist, wie Sie schnell feststellen werden, letztlich nur eine Verbindlichkeit, ein Haftungsgegenstand.

Wir machen die Parasitokratie dafür verantwortlich, mit der Verwendung des neuen Dollar uns den Rest unseres echten Geldes und unsere wirkliche Unabhängigkeit zu rauben.

Wie viel Geld wurde uns gestohlen?

Es ist schwer zu sagen … vielleicht 50 Billionen Dollar, seit das System etabliert wurde.

Wenn wir in der Mitte der Parasitokratie, Washington, D. C. , schauen, sehen wir, dass ihre Häuser mehr als doppelt so viel, wie die Häuser im Rest der Republik wert sind. Der Durchschnitt liegt hier deutlich über einer halben Million Dollar je Haus!

Und auch die Gehälter sind dort deutlich höher – das Haushaltseinkommen ist doppelt so hoch wie der nationale Durchschnitt.

Und an der Wall Street – ein weiterer wichtiger Knotenpunkt der Parasitiokratie – öffnet sich die Schere zur Normalwelt noch viel weiter.
Quelle: Kapitalschutz Akte
Neues Geld – neue Regeln(von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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