“Neues Geld” für alte D-Mark

26. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

Von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

„Besuch in der Bundesbank: Wir tauschen unsere D-Mark um!“ (bild.de, 20.2.2015)

WIR sind nicht nur Charlie, WIR tauschen auch unsere D-Mark um. Das Besondere an diesem neuen WIR-Gefühl ist, dass WIR oft erst durch Bild & Co. erfahren, was WIR so sind, denken und tun. WIR sind die Guten!

Und so stellt die Autorin gleich zu Beginn die Gretchen-Frage: „Nun sag‘, wie hast du’s mit der D-Mark?“ – natürlich umformuliert in heutiges Deutsch: „Haben Sie noch Deutsche Mark zu Hause?“ Je nach Betonung kann das ein bisschen indiskret und inquisitorisch klingen: „Haben SIE NOCH …?“ oder eben als zarter Hinweis auf eine Lösung für ein „Problem“, das UNS schlaflose Nächte bereitet, zumindest aber bereiten sollte – alte D-Mark-Bestände, die aus Omas Eichenschrankwand und Opas Matratze quellen. Diesmal geht es noch um freundliche Hilfestellung für die Vergesslichen und diejenigen, die „nutzloses Geld“ geerbt haben.

Denn es folgt ein Bericht direkt von der Umtauschfront – der Bundesbank Filiale in Charlottenburg. Dort „kann man noch D-Mark in Euro tauschen“, erfahren wir. Das klingt nicht nur nach einem ganz besonderen Service, sondern auch so, als ob man sich beeilen müsste. Diese Home-Story vom Bankschalter lebt natürlich von ihren Protagonisten, die „durch die Bank“ erleichtert lächeln, dass ihre alten Funde dort tatsächlich in frisches Bares gewandelt wurden – glückliche Menschen.

Etwa, Timo (22), der wie „täglich“ andere Sparer in die Filiale der Deutschen Bundesbank in Berlin-Charlottenburg gekommen war, „um die alte D-Mark gegen neues Geld loszuwerden.“ Dankbar wird er gewesen sein, dass das „Loswerden“ so reibungslos geklappt hat und er dafür – man höre und staune „neues Geld“ bekam. Der Opa war offenbar noch so ein Verbohrter, der „5-DM-Scheine“ sammelte und eine „DM-Münzsammlung“ hatte. Geht gar nicht. Mit den 125 DM vom Opa spart der Enkel für eine Reise nach Amerika. Die Fahrt zum Flughafen ist also schon einmal gesichert. Tja, was der Großvater noch wusste …

Auch Julia (32) strahlt von einem Ohr zum anderen, weil die „alten Münzen“ nun nicht mehr „unnütz herumliegen“. Sie hält zwei Zehner, zwei Fünfer und eine Handvoll Münzen vor die Linse – laut den Geldexperten von Bild.de sind das also „ca. 25 DM“. Wir sind eben doch eher ein Volk der Dichter und keines der Rechner.

© Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor



 

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2 Kommentare auf "“Neues Geld” für alte D-Mark"

  1. Toter Esel sagt:

    Die Deutschen würden bei einem Goldverbot auch ihre Eheringe zurückgeben. Eh alles ein barbarisches Relikt. Die Partner wird man nicht so leicht los.

  2. Insasse sagt:

    Hier noch ein aktuelles „WIR“: Berlin bewirbt sich ja bekanntlich um die Olympischen Spiele. Und so sind jetzt alle Berliner „Wir wollen Olympia!“.
    Mich hat keiner von den Großkopferten aus dem Berliner Senat, der diese Kampagne u.a mit meinem Steuergeld veranstaltet, gefragt! Aber so ist das eben im neuen, schönen „WIR 2.0“, also im neuen Sozialismus. Da ist auch derjenige „WIR“, der es gar nicht sein will.

    Ich hätte da noch im Angebot:

    „Wir sind schwarze Null.“
    „Wir sind uns geht es doch gut.“
    „Wir sind EU und Euro.“

    „Wir (nicht mir!) wird schlecht!“ 😉

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