Neues aus Harry Potters Zauberladen

1. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Hoho! Sparen und Wachsen. Weniger ausgeben und mehr investieren. Haushalte in Ordnung bringen und die Schulden erhöhen (wessen auch immer) Im Himmel ist Jahrmarkt. Und wenn es um Wählerstimmen geht, kommt auch Frau Merkel plötzlich auf ganz neue Ideen…

Entgleist ein Zug, sinkt ein Schiff oder bebt die Erde – sind Kamerateams schnell zur Stelle, denn Katastrophen liegen in der Gunst der Zuschauer und Leser weit vorn. Gleichzeitig entpuppt sich Ergebnis europäischer Sparpolitik als eine mindestens so große Tragödie, nur ohne Feuer, Rauch und Sirenen. Die Wirtschaften in den südlichen Ländern wurden erfolgreich stranguliert und befinden sich jetzt alternativlos auf Schlingerkurs, Pardon, Sparkurs. Unterdessen ist Thema mit den Schulden hierzulande so ausgelutscht wie Eisbecher im heimischen Sommerwetter.

Jugendlichen in Griechenland, Spanien, Portugal und auf Sizilien werden die Nachrichten wahrscheinlich verfolgen und sie mit der Realität vergleichen. Über die Hälfte von ihnen hat den ganzen Tag dafür Zeit. Wenn die Programme langweilig geworden sind, werden sie sich vielleicht irgendwann und irgendwo versammeln – und sich gegen ihre Zukunft mit den von Regierungen gemachten Schulden wehren, diese abzutragen haben, ohne jemals einen Kreditvertrag unterschrieben zu haben.

Im von der Depression gefangenen Griechenland wird in wenigen Tagen gewählt. Hier wird sich das erste Mal zeigen, dass die Sache mit der EU und dem Euro alles andere als Frieden gebracht hat, glaubt man den aktuellen Umfragen. Was Christo vielleicht gerne noch getan hätte, Europa zu verpacken, ist der Politik mit dem Euro und der Verteidigung dessen mit irgendwelchen Hau-Ruck-Aktionen voll umfänglich gelungen. Europa ist eingepackt in eine Währung, unter deren Hülle aus einem faulenden Stück Tang, es unter der gärt und modert.

Nach fast zwei Jahren politischer Entscheidungen mit dem Ergebnis, Macht in Brüssel von nicht gewählten und demokratisch legitimierten Eliten an sich zu reißen, dürfte die Entwicklung in den Südstaaten endlich auch den einen oder anderen Politiker aufschrecken. Gewählt wird immer. Die steigender Verdrossenheit ihnen gegenüber dürfte auch für sie aus den Ritzen zu riechen sein. Kein Wunder, dass etliche Regierungen schon gekippt sind, was auch hierzulande die Alarmglocken läuten lässt.

Würden die Damen und Herren etwas weniger in den vielen inflationär gewordenen Talkshows ihr Können in Bezug auf das Jonglieren von Worten und Gesten präsentieren, hätten sie lange genug Zeit gehabt, sich mit Ökonomie, Geldsystem und Verschuldung zu beschäftigen. Das scheint aber nicht der Fall gewesen zu sein, aber die politischen Ängste und die damit verbundenen Zwänge zeigen Wirkung. Es ist zu spät zum Sparen… (Seite 2)


Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , ,

10 Kommentare auf "Neues aus Harry Potters Zauberladen"

  1. Manuel sagt:

    @Bankhaus Rott

    Wir sollten Frau Merkel darum bitten endlich den Kurs in Richtung realwirtschaft zu setzen. Nur wenn es gelingt die aufgeblähten und überall vorhandenen Kapitalvermögen runter vom Konto hin zu realen Käufen/Investitionen usw zu bewegen wird es uns gelingen (Wirtschafts-)Wachstum inklusive Schuldenabbau zu schaffen.
    … Moment was?! Schuldenabbau? meinte ich nicht eher „Senkung der Neuverschuldung?

    Nö weil:

    In einem Kommentar vorab sagten Sie:
    „Das ist das Standardargument für alle Zentralbankmaßnahmen. Allerdings ist es ja nicht die Existenz einer Bank, die eine Depression verhindert, sondern das Wachstum der Kredite.“

    Korrekte Analyse. Ohne eine gesunde Neuverschuldung schlittern wir in die Rezession. Stellen Sie sich die Frage, wieso wir auf eben diese neuverschuldung angewiesen sind? Das Spiegelbild der exponentiell steigenden Geldvermögen (vor allem durch Zinseszins erzeugt), die Schulden sind dauerhaft Gesamtvolkswirtschaftlich nicht tragbar.

    Wenn wir jetzt in Zeiten kommen, in welchen die Bonitätsfrage eigentlich sichere Staaten mit „tendenz fallend“ beantwortet wird, versuchen diese den Neuverschuldungsgrad herab zu setzen – sehen wir ja derzeit überall.
    Die Rezession als Konsequenz daraus, genau wie von Ihnen beschrieben ist derzeit genau dass, worauf wir zusteuern.

    Erst wenn wir es schaffen, dass unsere Wirtschaftsleistung nicht mehr vom Grad der Neuverschuldung abhängig ist können wir in eine dauerhaft krisenfreie Zukunft blicken.

    Exponentiell wachsende Geldmengen brauchen Exponentiell wachsende Kapitalschulden, das ist einfachste Buchhaltung.

    Beweis durch Staatsschuldenformel anhand der BundesbankZahlen von 2010 (stimmt jedes Jahr)

    Staatsschuldenwachstum = Wachstum der privaten Geldvermögen abzgl. Exportüberschüsse

    deutsches Staatsschuldenwachstum 2010 = 212Mrd.€ abzgl. 130Mrd.€ Exportüberschüsse(Exportüberschuss=Schuldenexport)

    =deutsches Staatsschuldenwachstum 2010 = 82Mrd.€

    Die deutsche Privatwirtschaft spart per Saldo selbst kräftig Geld – Sie braucht per Saldo (Staats) Schuldner für ihre eigenen Geldsparpläne. Die 212 Mrd.€ sind die Summe aus ca. 149 Mrd.€ Einnahmeüberschüsse von Privat und Einzelfirmen, ca. 33Mrd.€ der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften und ca. 30Mrd.€ der finanziellen Kapitalgesellschaften(Banken/Versicherungen).
    ———————–

    Es gibt da verschiedene Modelle, wie wir das „böse“ kapital in die tolle Realwirtschaft bekommen. Der Text reicht aber erstmal. Näheres schreib ich nur wenn danach noch gefragt wird 🙂

    Grüße
    Manuel

    • Bankhaus Rott sagt:

      @Manuel

      Wenn Sie kurz Ihren Blick auf den Anfang des Artikels werfen, werden Sie den Autor des Artikels finden. Sicher wollten Sie Ihre Frage an diesen richten.

      Wir freuen uns übrigens über die zahlreichen Kommentare unserer Leserschaft, aber es genügt natürlich vollkommen, wenn jeder Kommentar nur einmal bei einem Artikel eingestellt wird.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • Manuel sagt:

        @Bankhaus Rott:
        Danke für den Hinweis, ich wollte ursprünglich einen fast identischen Beitrag zur Frage der Woche: „Drucken bis der Arzt kommt?“ schreiben, hatte diesen dann aber wieder zurück genommen (gelöscht) und auf Grund der Aktualität hier hin geschrieben.

        Würde mich über einen Kommentar des Autors Herrn Meyer sehr freuen. Sehr interessiert mich aber auch Ihre Meinung zu dieser Thematik. 🙂

    • wolfswurt sagt:

      @Manuel

      „Gesunde Neuverschuldung“

      In einem Kreditgeldsystem, hier entsteht Geld nur durch Kredit!!!, ist die entscheidende Größe zur Bedienung der Altschulden die Anzahl der möglichen Nachschuldner!

      Schauen Sie sich bitte die demographische Situation in den europäischen Staaten, speziell Deutschland, einmal an und auch Sie werden die Unmöglichkeit des Schuldenbedienens durch steigende Nachschuldner unschwer erkennen.

      Im übrigen ist Verschuldung nie „gesund“.

      • Manuel sagt:

        @Wolfswurt

        Es gibt „gesunde Verschuldung“ innerhalb einer Volkswirtschaft. Wer könnte es für falsch heißen, dass sich ein Häuslebauer die zum Erwerb/Bau einer Immobilie notwendigen Mittel als Kredit aufnimmt? Identisches bei einer Firmengründung.
        Problematisch wirds jedoch, wenn eine Wirtschaft komplett auf immer steigende Kreditvolumen angewiesen ist wie die unsere?

  2. konnt_ja_keiner_ahnen sagt:

    80% meines Bekanntenkreises (inkl. der Studierten und sonstwie Hochdekorierten) finden, dass die Frau Bundeskanzlerin einen guten Job macht… Noch Fragen??

  3. Reiner Vogels sagt:

    Die nach meinem Kenntnisstand derzeit einzige seriöse politische Alternative zu dem von den etablierten Parteien betriebenen Lemminge-Marsch in den Abgrund ist die Partei der Vernunft.

    Man lese einmal das aktuelle Interview mit Dieter Audehm, dem Spitzenkandidaten der PdV für die kommende Wahl in NRW. Siehe:

    http://www.freiewelt.net/nachricht-9767/partei-der-vernunft%3A-esm-ist-anti-demokratisch-und-grundgesetzwidrig.html

  4. martinsgarten sagt:

    Da hat man also mitbekommen, dass die Titanic gegen den Eisberg geknallt ist ?
    Das das Sparen Made in Griechenland nicht zum Ziel führt hätte man auch etwas früher schnallen können.
    Brauchte man dazu wirklich auch noch Made in Spanien ?
    Nur, wenn man jetzt auf der Titanic den Kurs ändert, bringt das noch was ?
    Langfristig wohl eher nicht.
    Aber um langfristig geht es einem Politiker eh nicht.
    Jetzt wird erst einmal wieder Zeit gekauft.
    Dem allgemeinen Michel ist es auch egal.
    Der wartet jetzt erst einmal auf die Fußball EM und fährt auf Kredit in den Urlaub.
    Getreu dem Motto – das wird schon werden.
    Und den Märkten gefällt dieser Schlingerkurs scheinbar auch.
    Das sieht mir stark nach LONG Euro aus.
    Und Deflation ist damit auch erst einmal bei den Akten.
    Den Regierungen ist Inflation auch lieber.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.