Neues aus der Knalltüten-Ökonomie

2. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Der „schwarze Kanal“ sendet schon wieder bunte Heiterkeit. So heißt es, die Kauflaune der Deutschen wäre wieder angestiegen und so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr…

Das ist wunderbar, nur gleichzeitig meldet der deutsche Einzelhandel im Dezember 2013 ein Umsatzrückgang von 2,5 Prozent gegenüber November. Hey! Es war doch Weihnachten! Hieß es nicht, süßer die Kassen nie klingeln? Vor dem Advent, mittendrin und danach?

Klingeln sollte es hingegen in der verrückten Welt der Konsumforscher und Glaskugelleser. Nun, der Autor dieser Zeilen hegte berechtigte Zweifel am Volksfest der Kaufwütigen. Der Blick in die Realität genügte dafür.

Nichts gegen gute Stimmung, sie muss irgendwie auch bezahlbar sein und ohne Moos ist eben nichts los. Zur gleichen Zeit hieß es Hoppla! In der Statistik standen die ganze Zeit zu viele Leute mit zu geringem Einkommen. Weg damit! Und täglich singt Pippi Langstrumpf ihr Lied von der Welt, wie sie dem Statistiker gefällt. Zumindest steigt mit jeder Enttäuschungen  die Hoffnung weiter an.

Und dann auch das noch… Seit Wochen schon stehen Champagner-Flaschen am Börsenparkett kalt, sollte der DAX die 10.000er Punkte knacken. Seltsamerweise fallen aber seitdem die Kurse, um drei Prozent im Januar. Ob in Japan (-10,5 Prozent)  oder in den USA (-5 Prozent) Zum Glück überholt sich der Optimismus inzwischen selbst und Champagner hält sich ja – mindestens so hartnäckig lang wie das Gerücht, der deutsche Konsument wäre inzwischen die Stütze der deutschen Wirtschaft. Willkommen in einer irren Welt voller statistischer Mutationen und Wünsche.

Welchen Tag haben wir heute? Statistisch gesehen, den 1. April wie schon gestern und auch morgen.

Apropos Mutationen: Google + Apple, + Facebook + Amazon wiegen zusammen an der Börse inzwischen 1,2 Billionen US-Dollar. Ja, sie sind wirkliche Schnäppchen. Wer kauft diese Papiere? Kann man damit reich werden? Ich kann Ihnen nur sagen, wie man arm wird. Kaufen Sie einfach die teuersten Aktien der Welt. Vielleicht werden Sie dann erst noch etwas reicher, aber dann sollte es mit dem Verlust klappen.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


 

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Ein Kommentar auf "Neues aus der Knalltüten-Ökonomie"

  1. Michael sagt:

    Wenn man bedenkt, dass das Weihnachtsgeschäft die Differenz zum normalen Geschäftsgang ist, dann bleibt zu hoffen dass der November nicht den Schnitt präsentiert. Sonst wäre es negativ gewesen. Santa Claus hätte die Pakete schon abgeholt bevor er sie hätte ausgetragen.

    Zumal in Deutschland Einfuhren nicht gerne gesehen werden, hat man den Verrückten Mann mit den Rentieren gar nicht über die Grenze lassen. Der Luftraum wäre erst wieder sicher, wenn die Energiewende durchgezogen sein wird.

    Möglw. sind die Wohnungen zu klein – es passt kaum mehr etwas rein.

    Gründe gibt es viele für den Umsatzeinbruch.

    Mir fiel auf, dass es auch in den U.S. die Werbung sehr zurückhaltend war. Und schon wieder vergessen, war nicht die Diskussion vor ein paar Monaten die Investoren zögen sich aus USlastigen Werten zurück, da der Binnenmarkt Auflösungserscheinungen zeige. Dieser Binnenmarkt muss sich schnell erholt haben. Der hat vermutlich immer höhere Wachstumsaussichten, da die nicht eingetreten ‚Wachstümer‘ in der Zukunft ja zwangsläufig hinzukommen müssen, wenn schon so viel Geld da ist. Zumal Wachs im Spiel ist, schmelzen die Aussichten dahin.

    Wir hatten heuer wirklich wenig unter dem Baum. Wir wussten nicht mehr was wir heuer sollten kaufen. Die Bevölkerung wird älter und die jungen verdienen weniger.

    Könnte ein Indiz in Richtung Biflation sein. Wäre eine neue Form. Die Alten kaufen nurmehr die lebenswichtigen Sachen, da sie einfach nicht mehr brauchen und die jungen haben zu wenig in der Tasche, die leisten sich aus das Lebensnotwendige. Die Niederlande haben mal und Lohn/Gehaltshöhe umgedreht. Als Junger verdiente man besser als im Alter. Den Grund dafür kenne ich nicht. Kaum einer konsumiert auf Kosten von Sparguthaben, konsumiert wird aus dem laufenden Einkommen.

    Die Biflation ist auch für den Santa Claus neu, der war verwirrt und hat sich an die Fakten gehalten. Wenn statistisch immer Erster April ist, dann macht die Rücknahme durchaus Sinn. Statistisch. Ausliefern 7 Monate zuvor macht auch keinen Sinn, aber einsammeln auf jeden Fall.

    Auch wenn Unternehmen das nicht gerne hören. Wer mehr in der Tasche hat ist spendabler. Das kennen die gar nicht mehr – die haben immer mehr Cash liegen und geben immer weniger aus. Wir hatten mal lang lauen Konsum in Österreich und die Experten rieten hin und rieten her – ohne Ergebnis. Die Lösung war dann höhere Löhne/Gehälter, die haben den Aufschwung initiiert.

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