Neue Bescheidenheit

18. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Gestern erzählte mir eine Freundin, dass sie ihre Party zu ihrem runden Geburtstag abgesagt hat. Die Stimmung auf solchen Partys ist inzwischen auch unter recht wohlhabenden Leuten zu einer Art Galgenhumorveranstaltung geraten. Jeder redet über die Finanzkrise. Jeder hat jetzt weniger. Der Gürtel wird enger gezogen. Man weiß ja nicht, was alles noch kommt. Festgeld, Bargeld, Staatsanleihen und geringere Erwartungen sind wieder „in“.

Eine Ent-Täuschung ist im Grunde genommen nichts anders, als das Ende einer Täuschung. Die Psychologen finden, dass das doch Positiv ist, sich nicht länger selbst zu täuschen oder von anderen täuschen zu lassen. Und von den Täuschern und Getäuschten gab und gibt es genug. Eine Zeit der Bescheidenheit könnte die Folge sein, mit weniger Ausgaben, mit weniger Protz und weniger Lügen. Was kann daran so schlimm sein, kleinere Brötchen zu backen?

Die Arbeitsplätze wackeln. Nicht nur in den Banken sind den Aufstiegsleitern einige Sprossen abhanden gekommen. Viele rutschen derzeit durch und direkt auf die Straße. Die armen Angestellten. Früher hat man um diese Zeit nochmal richtig Gas gegeben und dem Anleger Dinge verkauft, egal ob er diese braucht oder nicht. Es galt Erfolge vorzuweisen und den Bonus zu sichern. Die Anweisungen kamen von oben, versehen mit entsprechenden Mengen des abzusetzenden Materials, immer wieder kurz vor Weihnachten, berichten mir Freunde aus der Branche. Und wer die Vorgaben nicht schaffte, der hatte Probleme.

Neue Bescheidenheit. Ich wette, das wird in den kommenden Monaten noch breit in den Zeitschriften ausgetreten, die man so gerne beim Zahnarzt vor einer Wurzelbehandlung liest. Kleiner Dinge werden wieder geschätzt und einfacheren Dingen wieder mehr Wert zugemessen, so wie es früher einmal war.

Meine Oma, 1925 geboren, kennt diese einfachen Dinge noch. Ob vor dem Krieg, oder inmitten in dieser Zeit, als die Lebensmittel knapp waren. Auch danach, als man mit Arbeit noch etwas erreichen konnte, hat meine Oma durchgehalten. Auch wenn ihr Geld verfiel, es ging wieder von vorn los. Mit Mangel konnte sie immer umgehen. Heute ist es der Mangel an Kredit, der Aufschwünge verlängert und selbst sinnlose Expansionen ermöglicht. Ja, hätte man die Alten gefragt bevor man loszog, um die Götter herauszufordern.

Vielleicht feiert man irgendwann auch wieder Partys zu runden Geburtstagen. Vielleicht fallen die dann etwas kleiner und bescheidener aus. Vielleicht man wird man dann sogar spüren, dass kleinere Dinge sogar größere Freude machen können. Doch zuvor wird abgerechnet. Und das kann etwas dauern.

Das Vergnügen an der Sparsamkeit (von Bill Bonner)

Das Vergnügen der Sparsamkeit“, ist die Titelgeschichte der Woche aus der Sonntagsbeilage der Times. Wie vorhergesehen, kommt die Sparsamkeit plötzlich in Mode.

Es dämmerte mir, dass sich nichts ändern würde, wenn ich nicht grundlegende Veränderungen in meinem Leben machen würde“, schreibt India Knight, die ihre sehr nahe Begegnung mit der Insolvenz beschreibt. Und dann… ein damaszenischer Wandel.

Vor fünf Jahren bestand meine Vorstellung von Glückseligkeit noch darin, Dinge zu kaufen, die ich nicht brauche. Aber heute kommen mein beliebtestes Vergnügen aus einem Wollladen in Nordlondon… und wenn ich jemandem, den ich wirklich mag, ein Geschenk machen will, dann – keuch! – mache ich etwas selbst. Und hier kommt der Trumpf: Ich würde das für genauso schick und modisch halten, wie alles, was man in einem Kaufhaus hätte kaufen können. Manchmal sogar noch schicker…“

„Es hat wirklich etwas Abstoßendes, wenn man etwas haben will und es dann kauft, einfach so… danke, AMEX.“

Wie man als Pendler spart (von Bill Bonner)

Im Haushalt der Bonners gilt die Sparsamkeit immer noch nicht wirklich als schick. Aber sie ist vermutlich weniger unmodisch als noch vor einigen Monaten.

Wir kommunizieren über Skype und nicht über das Telefon. Unser Gärtner wurde informiert: Keine Überstunden mehr. Es gibt auch keine schicken Restaurants mehr. Die italienische Spelunke gegenüber muss es auch tun. Und ich mache einen großen Kreis um die Weinflaschen für 50 Dollar. Den Unterschied kann ich eh nicht schmecken.

Sie sehen also, ich schränke mich auch ein. In dieser Zeit der landesweiten Mühen, muss jeder Opfer bringen.

Ich habe meine Kosten für das Pendeln massiv eingeschränkt. Anstatt mir ein U-Bahnticket für 1,60 Euro zu kaufen, nehme ich das Fahrrad. Dieses zweirädrige, unmotorisierte, nicht elektronische Fahrzeug spart sehr viel Geld.

Zuerst einmal muss man kein Benzin kaufen. Und auch der Unterhalt kostet beim Fahrrad fast nichts – man kann die Bremsen auch selbst einstellen. Es ist leicht. Und man braucht auch keine teure Versicherung.

Und das Beste daran, es gibt nach einem Blechschaden keine teuren Reparaturen – besonders dann, wenn man die Bremsen selbst repariert hat. Man braucht auch keine Rechtsanwälte zu bezahlen. Es gibt keine Punkte auf dem Führerschein. Fast alle Zusammentreffen zwischen einem Lieferwagen und einem Fahrrad enden für den Fahrradfahrer tödlich. Was man damit sparen kann!

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