Neue Schulden, alte Probleme

15. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Während Europa emsig an der nächsten hausgemachten Energiekrise bastelt sehen sich viele Energieunternehmen ihrer ganz eigenen Krise gegenüber. Vor allem vielen Shale Gas Firmen wird wohl bald das Lichtlein ausgepustet werden…

So kompliziert Unternehmensberichte und Cash Flow Statements für den Normalbürger auch aussehen mögen, der Kern der Sache simpel. Es gibt Geld, das in ein Unternehmen hereinkommt und Geld, das wieder ausgegeben wird. Geld kann operativ verdient werden oder über Verkäufe von Vermögensgegenständen eingespielt werden. Dazu gibt es noch die Möglichkeiten, neue Schulden aufzunehmen oder neue Aktien zu verkaufen.

Ausgeben kann man das Geld für die Deckung der Kosten für Rohmaterial und die laufende Geschäftstätigkeit sowie für neue Anlagen, die Zahlung von Zinsen und Ausschüttungen. Dann gibt es noch die Schuldentilgung und den Rückkauf eigener Aktien. Langfristig ist es hilfreich, wenn ein Unternehmen seine Investitionen aus den operativen Cash Flows finanzieren kann und nicht dauerhaft auf eine neue Kreditaufnahme oder Aktienplatzierungen angewiesen ist. Davon sind viele Energiefirmen meilenweit entfernt.

Bei den großen globalen Energiekonzernen kommen die operativen Cash Flows nicht richtig ins Rollen. Die seit Jahren bestehende Lücke zwischen Ausgaben und operativen Cash Flows wird größtenteils durch neue Schulden gedeckt. Im ersten Quartal 2014 machte die Neuverschuldung rund ein Fünftel der gesamten Mittelzuflüsse aus. Auf besonders schwachen Beinen stehen viele der bejubelten Shale Gas Unternehmen, die sich im wahrsten Wortsinn zu Tode investieren.

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Bemerkenswert ist der weiterhin hohe Anteil an Aktienrückkäufen der Energiefirmen, die angesichts der nicht ausreichenden operativen Cash Flows durch eine höher als nötige Kreditaufnahme finanziert werden. Vor 2011 waren die Netto-Aktienrückkäufe negativ, die Firmen platzierten also mehr neue Aktien als alte zurückgekauft wurden. Nun hebeln sich die Firmen deutlich stärker, was man angesichts der schwachen Cash Flows durchaus als mutig bezeichnen darf. Möglicherweise liegt es ja auch nur an einigen optionsbasierten Vergütungsmodellen, aber so etwas ist in Zeiten guter Unternehmensführung natürlich kaum vorstellbar.

Für die zwölf Monate bis zum Ende des ersten Quartals 2014 belief sich der gesamte Finanzierungsbedarf auf 110 Milliarden Dollar, das sind immerhin schlappe 300 Millionen Dollar pro Tag. Diese Lücke wurde mit neuen Schulden und Verkäufen von Assets gestopft. Es verbleiben nun im Mittel Unternehmen mit weniger Vermögensgegenständen und mehr Schulden. Besonders putzig ist in diesem Zusammenhang die von einigen „Analysten“ immer wieder hervorgekramte Freudenbotschaft, die Firmen hätten den „Anteil vom Cash am Umlaufvermögen gesteigert“.

Das ist ja wirklich ganz toll, dummerweise ist die Frage jedoch nicht nur, ob jemand Geld hat, sondern woher es denn kommt. Wer heute eine zehnjährige Anleihe begibt hat eine ganze Menge Geld in der Hand, im Gegenzug hat er leider auch einen entsprechenden Anstieg der langfristigen Verschuldung. Das oben genannte Argument ist daher eher ein Marker für stümperhaft arbeitende Wirtschaftsredaktionen als ein generelles Qualitätsmerkmal für Bilanzen.Geht nun das Licht aus? pardon, das Gas? (Seite 2)



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