Neue Berechnungsmethode steigert das US-Bip /Neues vom Steuermichel

4. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Claus Vogt  Weltweit wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als die maßgebliche Größe zur Berechnung des Wirtschaftswachstums verwendet. Das BIP „misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen, soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden“, erfahren wir auf der Homepage des Statistischen Bundesamts…

Wie sinnvoll die Kennzahl BIP zur Beurteilung der ökonomischen Lage einer Volkswirtschaft tatsächlich ist, möchte ich hier nicht diskutieren. Es soll der Hinweis genügen, dass rund ein Drittel des ausgewiesenen BIP auf statistischen Annahmen, Modellierungen, Anpassungen und Bereinigungen beruht, und somit nur einen sehr vagen Realitätsbezug hat.

Ganz in diesem Sinne wurde per 31. Juli 2013 die Methode zur Berechnung des US-Bruttoinlandsprodukts einer großen Revision unterzogen. Auch hier werde ich Ihnen die Details ersparen und gleich auf das Ergebnis zu sprechen kommen: Nach der alten Methode betrug das US-BIP im ersten Quartal 2013 15,984 Billionen Dollar. Nach der neuen Methode sind es 16,535 Billionen. Wie durch Zauberhand ist die US-Wirtschaftsleistung ab sofort also um stattliche 551 Milliarden Dollar größer als bisher.

Grund zur Freude bei den Staatsschuldenmachern

Über dieses Ergebnis werden sich wohl vor allem die exzessiven Staatsschuldenmacher freuen. Denn als relevante Größe zur Beurteilung der Staatsverschuldung wird fast immer die Verschuldung in Prozent des BIP herangezogen. Je größer das BIP, desto geringer erscheint die Schuldenlast.

Nun ist der Königsweg aus der Staatsschuldenfalle natürlich Wirtschaftswachstum. Das wissen wahrscheinlich auch manche Politiker. Deshalb würde es mich in diesen irrwitzigen planwirtschaftlich geprägten Zeiten nicht wundern, wenn Politiker nun darauf hoffen, dass es den im Staatsdienst stehenden Statistikern gelingt, mit simuliertem Wirtschaftswachstum den Weg aus der Schuldenfalle zu ebnen.

Mir zumindest erscheint diese Idee in etwa auf derselben intellektuellen Ebene angesiedelt zu sein wie der Glaube an die Gelddruckmaschine. Wenn ich mich recht erinnere, wiesen auch die UdSSR und die DDR Jahr für Jahr Wirtschaftswachstum aus. Die Führer dieser planwirtschaftlich verfassten Staaten konnten sich damit so lange als „erfolgreich“ gebärden, bis sie „plötzlich“ bankrott und am Ende waren. Bezeichnenderweise glaubte man damals auch im Westen den im Osten veröffentlichten Statistiken.

Die Inflation hat einen großen Einfluss auf das BIP

Die beiden Glaubensrichtungen „Wohlstand durch die Gelddruckmaschine“ und „Wachstum durch neue Berechnungsmethoden“ ergänzen sich übrigens hervorragend. Denn das viel beachtete BIP ist eine reale, das heißt inflationsbereinigte Größe. Zu ihrer Berechnung wird die offizielle Inflationsrate von den nominellen Rohdaten abgezogen. Die Höhe der in Abzug gebrachten Inflation hat also einen entscheidenden Einfluss auf das reale BIP.

In den USA gibt es einen Analysten, der sich bereits seit Jahren dem heiklen Thema der modernen Inflationsberechnung annimmt, John Williams von Shadow Government Statistics (www. shadowstats.com). Seine Arbeit liefert überaus interessante Einsichten, die durchaus dazu geeignet sein mögen, den Glauben an staatliche Statistiken zu erschüttern.

Die offizielle Berechnungsmethode erfuhr seit den 1980er Jahren zahlreiche Veränderungen, auf die ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte. Auch hier soll das Ergebnis genügen: Wenn die Inflationsrate konstant nach derselben Methode berechnet wird wie in den 70er Jahren, dann liegt das Ergebnis regelmäßig um mehrere Prozentpunkte höher als nach der jeweils tatsächlich angewandten Berechnungsmethode… (Seite 2)

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5 Kommentare auf "Neue Berechnungsmethode steigert das US-Bip /Neues vom Steuermichel"

  1. Gandalf sagt:

    Zitat Claud Vogt:

    „Wie sinnvoll die Kennzahl BIP zur Beurteilung der ökonomischen Lage einer Volkswirtschaft tatsächlich ist, möchte ich hier nicht diskutieren.“

    Aber ich möcht edas diksutieren. Es kommt ja im Bericht deutlich zum Vorschein: Bis zur Pleite wies die DDR „hervorragende Wirtschaftszahlen“ aus – und die Kreditgeber im Westen hinterfragten das nicht. Denn hätten sie es wäre den Menschen der DDR schon viel früher geholfen gewesen (und es hätte weniger „auf der Flucht“ getöötete“ gegeben)

    Die Verharmlosung getürkter Zahlen und das festhalten am Schuldgeldsystem fordern also nachweislich Menschenleben.

    Dabei ist die ‚Geldrechnung‘ auf betriebswritschaflticher Ebene wegen dem Informationsgehlat untershciedlicher Preise so sinnvoll, wie sie volkswirtschaftlich über das BIP völlig unsinnig ist.

    Werden wir jemals etwas aus der Geschichte lernen?

  2. Dagobert sagt:

    ..oh mein Gott, wie doch die Zeit vergeht – vor 30 Jahren hiess das Ding noch Bruttosozialprodukt und ohne echte Kerle, Krankenschwestern, Schweiss und schmutzige Hände war nix..

    „…Wenn früh am Morgen die Werksirene dröhnt
    und die Stechuhr beim Stechen lustvoll stöhnt
    in der Montagehalle die Neonsonne strahlt
    und der Gabelstaplerführer mit der Stapelgabel prahlt
    ja dann wird wieder in die Hände gespuckt
    wir steigern das Bruttosozialprodukt
    ja ja ja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt…“

    …heute? – Ein Sesselfurzer im „Ministry of Truth“…schauerlich – surreal!

  3. Michael sagt:

    Es ist ja auch höchst erstaunlich was alles wird reingerechnet. Es scheint zu einer Verdopplung des Ausweises kommt. Die Aktivierung der Forschungsleistung und z. B. der Filme als Werte angeblich genauso.

    Das ist ähnlich der Idee des Outsourcing und der Fakturierung von Leistungen die früher wurden im Unternehmen erbracht. Das muss nicht zwingend nachhaltig sein. Solange sich keine effektivere und effizientere Struktur dabei rausbildet selbst in Summe über die Volkswirtschaft ist das teuflisch. Der Staat nimmt ja Kredit auf und der Kredit verschwindet ja nicht.

    Für mich ist diese Berechnung ein eindeutiger Hinweis, dass Wirtschaft heute allein dem Zwecke dient möglich viele valide Schuldner möglichst lange irgendwie am Leben zu halten und klarerweise die Arbeitenden zum Dank, dass sie ihre Lebenszeit investieren noch nach Strich und Raden ‚auszurauben‘. Intellectual Property usw. sind an sich Luft genauso wie Giralgeld. Bilanzierte Hoffnung oder der Glaube an Hoffnung anderer.

    Riecht sehr nach Asset Transfer das Ganze.

  4. beccon sagt:

    In den Jahren, die ich hier in Frankfurt zu tun habe, kaufe ich mir oft in der Leipziger Straße ein Eis und gehe zu Fuß nach Hause. Der Preis ist bislang gleich geblieben, Immer hat das Eis bis zur Bockenheimer Wache gereicht – dieses Jahr ist es aber schon vorher alle. Dafür gibt es drei mögliche Erklärungen:
    a) das Alter fordert seinen Tribut und ich laufe jetzt langsamer als früher
    b) durch den Klimawandel schmilzt das Eis jetzt schneller
    c) haha – die Kugeln sind kleiner geworden was einer versteckten Preiserhöhung gleich kommt.

    Eine andere Anektode, weil jemand die DDR erwähnte: Als Schüler arbeitete ich in einer Chemiefabrik. Wir ¨rekonstruierten¨ Pumpen (was in der DDR Neuaufbau oder Generalüberholung bedeutete) Die Maschinen stammten – von den Firmenbezeichnungen her – aus der Zeit vor der DDR – ¨Friedensware¨ also. Ich mußte aus alten Förderbändern neue Dichtungen ausschneiden und einbauen. Nach Aussage der Vorarbeiter wurden die aufgearbeiteten Pumpen dann wieder zum Neuwert in die Bilanz geschrieben… So war alles palletti.

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