Neue Ära, viele Fragen

17. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

„Donald Trump wird US-Präsident“ – alleine diese Schlagzeile in ihre Computer zu hacken, muss den Redakteuren vieler Publikationen in der letzten Woche äußerst schwer gefallen sein. Doch es war am Ende unvermeidlich, schließlich sprachen die Zahlen in den frühen Morgenstunden letzte Woche eine klare Sprache.

Bereits in der Wahlnacht wurde auf die US-Futures verwiesen, denn diese notierten ausnahmslos tief im Minus. Am frühen Morgen an der Ostküste wurde mit einem Minus von bis zu 800 Punkten oder 4% im S&P 500 gerechnet. Es kam dagegen völlig anders. Mit einer versöhnlichen Rede drehte der President-elect bereits in der Nacht die Stimmung. Ein ebenfalls staatsmännischer Auftritt bei seinem Besuch im Weißen Haus am Donnerstag bestätigte diesen Eindruck. Die Folge war eine weltweite Trump-Rally, die wohl kaum jemand ernsthaft auf dem Schirm hatte. Nun kann man lange über Trump und die Konsequenzen seiner Wahl spekulieren, wirtschaftlich wird dessen Präsidentschaft jedoch ganz offensichtlich positiv bewertet. Der sichere Hafen Gold dagegen war zunächst nicht mehr gefragt. Mehr dazu lesen Sie unten „Zu den Märkten“.

Des einen Freud…

Hauptprofiteure der letzten Tage waren vor allem Banken, die sich nun Hoffnung auf Deregulierung machen können, Infrastrukturunternehmen, die von Trumps angekündigtem Stimulus profitieren dürften und die klassischen Industrieunternehmen, die zu den Gewinnern eines breiten Konjunkturaufschwungs zählen könnten. All diese Industrien vereint der Trump-Kritiker Warren Buffett in seiner Holding Berkshire Hathaway. So zählt mit Burlington North die größte Eisenbahngesellschaft der USA zu deren Portfolio, genau wie einige der wichtigsten Energieversorger oder ein großes Aktienpaket an Wells Fargo, einer der größten Banken des Landes. Ironischerweise zählte Buffett damit in den letzten Tagen ganz persönlich zu den größten Profiteuren. So dürften die Berkshire-Aktien in seinem Depot in den vergangenen Tagen um mehr als 6 Mrd. USD zugelegt haben.

…des andren Leid

Amazon-Gründer Jeff Bezos, ein weiterer Kritiker von Trump, hatte dagegen wenig Grund zur Freude. So verlor die Aktie des Versandhändlers seit dem Wahltag rund 6%. Es dürften mehrere Komponenten sein, die dazu beigetragen haben. So könnten mögliche protektionistische Maßnahmen der Trump-Administration die Geschäfte Amazons bremsen. Hinzu kommt die Gefahr regulatorischer Eingriffe. Ob hier am Ende auch eine persönliche Fehde zwischen Trump und Bezos ausschlaggebend sein könnte, bleibt letztendlich interpretationsfähig. Schließlich war es Bezos‘ Washington Post, die im Wahlkampf mit Donald Trumps Locker-Room-Talk an die Öffentlichkeit ging. Pharma- und Biotech-Aktien dagegen konnten dagegen weniger deswegen zulegen, weil Donald Trump ins Weiße Haus einzieht, sondern weil Hillary Clinton nicht Präsidentin wird. Sie hatte im Laufe des Wahlkampfes mehrmals laut über eine Regulierung der Preise für teure Medikamente nachgedacht und damit die zuvor laufende Biotech-Rally zum Erliegen gebracht.

Niedrigzinsen ade?

Wenige Investoren haben dagegen bislang die Bewegung auf dem Schirm, die die Wahl von „The Donald“ am Anleihemarkt hervorgerufen hat. So sorgten fallende Anleihepreise bei zehnjährigen US-Treasuries bereits für einen Anstieg der Rendite von ca. 1,9% auf knapp 2,3%. Ursächlich dafür sind zum einen Umschichtungen in den Aktienmarkt, zum anderen aber auch die Angst vor steigenden Zinsen und einer anspringenden Inflation, die die geplanten Konjunkturprogramme von Trump auslösen könnten. Was einerseits logisch klingt, zum anderen aber noch alles andere als sicher ist.

Die Frage ist vor allem, ob Donald Trump tatsächlich der Kritiker der US-Notenbank ist, als der er sich in der Vergangenheit mehrmals gegeben hat. Denn sollte er deren Geldpolitik tatsächlich ablehnen, könnte dies den schnellen Erfolg in Sachen Konjunktur verhindern. Und diesen Erfolg dürfte er so schnell wie möglich zeigen wollen. Bereits im Weekly vom 19.10. haben wir die möglichen Auswirkungen an den Anleihemärkten thematisiert. Vor allem im fernen Japan könnte ein weltweiter Anleihe-Crash für Probleme sorgen. Lesen Sie mehr dazu auch im neuen Smart Investor, der am Samstag in einer Woche erscheint.

Mächtige Gegner bringen sich in Position

Ein Durchmarsch zum Erfolg auf allen Ebenen, wie ihn die Börse bereits einpreist, dürfte Trumps Präsidentschaft ohnehin nicht werden. Denn bereits heute ist der Widerstand an vielerlei Fronten sichtbar. So trafen sich am Sonntag führende Großspender der Demokraten unter der Führung des Hedgefonds-Magnaten George Soros im Washingtoner Mandarin Oriental Hotel, um über eine Strategie gegen Trump zu beraten. Und dabei wurde eines offensichtlich schnell klar: Die versöhnlichen Worte gegenüber Trump, die Noch-Präsident Obama letzten Donnerstag bei dessen Besuch im Weißen Haus anstimmte, dürften nicht von langer Dauer sein. Vom ersten Tag an wollen die Demokraten den verhassten Präsidenten bekämpfen und erklären diesem bereits heute inoffiziell den Krieg. Veranstaltet wurde die „Anti-Trump-Konferenz“ übrigens von der von Soros 2004 gegründeten Democracy Alliance. Die Bedingungen für eine Mitgliedschaft in diesem exklusiven Club sind laut Bild-Zeitung eine Spende von 200.000 USD pro Jahr sowie 30.000 USD Jahresbeitrag. Es dürften also kaum die von den Demokraten in dieser Wahl nicht erreichten „kleinen Leute“ sein, die hier den Ton angeben. Vielmehr sind es einige der „schwersten“ Hedgefonds-Manager der Wall Street, die mit der Democracy Alliance Politik machen wollen.

Zu den Märkten

Einigermaßen überraschend kam der Einbruch der Edelmetalle nach der Trump-Wahl (vgl. Abb.).

si2016-11-16

Schließlich steht der nächste US-Präsident mit seiner ankündigten Infrastrukturförderung für einen expansiven fiskalischen Kurs – unter anderem. Denn so genau weiß im Moment noch niemand, wohin die Reise gehen wird. Während die fiskalische Expansion den Dollar schwächen und im Gegenzug das Gold stärken sollte, äußerste sich Trump auch schon sehr kritischen gegen die politisch motivierte Zinsdrückung durch die Fed unter deren Chefin Janet Yellen.

Dass die USA künftig geld- und fiskalpolitisch gleichzeitig auf Gas und Bremse stehen könnten, ist jedoch schwer vorstellbar. Ja, so fragen sich Goldanleger, sollte denn dann nicht wenigstens diese Unsicherheit für steigende Goldkurse sorgen?

Vorstellbar wäre das durchaus gewesen, aber der Überraschungssieg von Trump ist eben auch ein Überraschungssieg des Slogans „Make America Great Again“. Selbst wenn diese Vision sich so nie in die Wirklichkeit umsetzen sollte – der relative Rückgang der US-Dominanz ist nicht das Werk einer einzelnen Vorgänger-Administration, sondern ein langer Prozess mit vielen Ursachen –, im Rausch der Nachwahl fühlte sich Amerika tatsächlich stark an. Das zeigte schon der Aufwärtsschub an den US-Aktienmärkten, der allen „Weltuntergang!“-Rufen zum Trotz unmittelbar nach der Wahl einsetzte – und das sicher nicht, weil Trump so wahnsinnig viele Freunde im Wall-Street-Establishment hätte. In einer Phase steigender Aktienmärkte und großer Hoffnungen ist Gold traditionell vernachlässigt – es gilt zudem ohnehin als ein eher unpatriotisches, ja unamerikanisches Investment. Der US-Starinvestor Stanley Druckenmiller gab beispielsweise bekannt, dass er noch in der Wahlnacht sein ganzes Gold verkauft habe und nun „sehr optimistisch“ für die Wirtschaft sei. Zuvor war er klar im Pessimistenlager und Gold war sein Lieblingsinvestment. Es liegt allerdings in der Natur der Sache, dass sich große Hoffnungen oft nicht erfüllen und überschwänglicher Optimismus leicht enttäuscht werden kann.

Etwas im Windschatten der US-Wahl liefen die Ereignisse in Indien. Dort hatte die Regierung die großen Geldscheine (500 und 1.000 Rupien) über Nacht für ungültig erklärt. Diese Teilabschaffung des Bargelds ist ein interessanter Schachzug, den wir in der kommenden Ausgabe des Smart Investor noch genauer beleuchten werden. Hier nur so viel: Nach dieser Maßnahme ist auch der Erwerb von Gold in Indien erschwert. Das ist deshalb bedeutsam, weil die Inder bislang einer der größten Nachfrager in diesem Bereich waren. Nach unserer Einschätzung sind solche Entwicklungen für den Goldpreis wesentlich gefährlicher als eine US-Wahl – auch wenn darüber nicht annähernd so ausführlich berichtet wurde.

Fazit

Politische Börsen haben kurze Beine. Die Trump-Rally könnte allerdings durchaus einen mittleren Sprint hinlegen. Ausgebremst könnte sie dagegen von Verwerfungen am Anleihemarkt werden, wo sich bereits in den letzten Tagen deutlich höhere Zinsen andeuten.

Christoph Karl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

 

Ein Kommentar auf "Neue Ära, viele Fragen"

  1. bluestar sagt:

    Bestimmt haben die Großspender von Hillary bei ihrem Treff im Mandarin Oriental Hotel ihren 900.000.000.- Dollar Wahlspenden nachgetrauert. Wenn man was nicht kaufen kann drehen die doch völlig durch, nun ist Rache angesagt.
    Den internationalen Kriegstreiber, Menschenfeind und Schmarotzer Soros sollte man kurzerhand enteignen, das wäre doch dann wirklich was für den Friedensnobelpreis.

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