Frage der Woche: Wohin mit der Steuerkohle?

10. Oktober 2011 | Kategorie: Frage der Woche, Kommentare

von Bankhaus Rott

Frankreich und Deutschland sind sich einig, so schallt durch den Äther. Gemeint sind eher die Regierungsvertreter, denn ob die Völker hinter den regelmäßig freitags  vehement abgestrittenen und sonntags frohlocklend beschlossenen Maßnahmen stehen, darf bewzeifelt werden. In den letzten Wahlprogrammen stand die Bereitstellung dreistelliger Milliardensummen für Banken nicht zur Debatte. Damals ging es noch um Steuersenkungen.

Nun sind sich also die Machthaber – hoppla, im Westen ist die Bezeichnung ja Regierungschef – wieder einmal einig. Der aktuelle Kuhhandel, der wohl unter dem Eindruck der Pleite der belgisch-französischen Dexia steht, sieht folgendermaßen aus: Die französischen Banken sollen auch Stütze vom EFSF erhalten dürfen. Im Gegenzug soll Frankreich einer weitergehenden Abschreibung griechischer Papiere „zustimmen“. Abschreibungen sind nun also vollständig der Realität entzogen und werden von zentralen Planungsstäben berechnet und verabschiedet. Bald wird sicher auch der Tod an Kabinettstischen für unsozial und amoralisch erklärt und folgerichtig per Gesetz verboten. Wer hat den eigentlich erfunden? Frechheit.

Will man in der aktuellen Situation mit Steuergeld eingreifen, gibt es zwei Alternativen.

  • Die Banken erhalten mehr Eigenkapital. Das hat übrigens mit Liquidität nichts zu tun, auch wenn der Bundesfinanzminister die Begriffe offensichtlich für synonym verwendbar hält. Ergebnis: Die Schuldner können bankrottgehen, die Schulden in den Ländern sinken, die Gläubiger realisieren die Verluste, die gegen das Eigenkapital gerechnet werden.
  • Die Schuldner erhalten Geld, um die Kredite zu bedienen, was sie alleine nicht schaffen. Ergebnis: Die Gläubiger müssen vorerst keine Verluste realisieren, die Schuldenstände bleiben so hoch wie sie sind.

In beiden Fällen bekommen übrigens die Bürger im verschuldeten Land das Geld nicht zu sehen, es wird lediglich auf den Konten des Schatzamtes ein- und wieder ausgebucht. Von den Moneten wird weder ein Panzer, noch ein Beamtengehalt bezahlt. Es werden lediglich alte Schulden gerollt oder die Zinskupons der besthenden Kredite bedient. Das Geld ist längst ausgegeben worden. Die Frage ist lediglich, welchen Weg das Steuergeld in die Bilanzen der Banken nimmt und ob der Staat einen Anteil an den Finanzfirmen erhält oder nicht.

Die Alternative zum Ausgeben von Steuermitteln ist gar kein Geld bereitzustellen, und die Mittel im Nachhinein aufzubringen. Egal was die TINA Anhänger vorbringen, für die Welt gibt es immer ein Morgen. Schließlich sind alle Überweisungen und Garantien nicht zum Nulltarif zu haben. Das Geld das ich an der einen Stelle ausgebe, muss ich an der anderen Stelle wegnehmen. Heute oder, viel beliebter, später. An neuem Eigenkapital führt über kurz oder lang für die Banken kein Weg vorbei. So ist die Dexia nicht, wie einige Medien verlautbaren ließen, wegen mangelnder Liquidität implodiert. Vielmehr hat sie im letzten Quartal ein Drittel ihres Eigenkapitals verbrannt. Hier die Tabelle mit den Quoten vor dem letzten Quartal. Nach dem letzten Verlust liegt der echte Hebel nun bei rund 63. Auch wenn es die Politik nicht wahrhaben will oer nicht sagen darf, weil es unopportun ist: Das Problem im Finanzsystem sind nicht Hedge Funds. Das Problem sind die Banken.

Falls jemand sagt, man habe mit der Pleite der Dexia und dem massiven Eigenkapitalmangel der Banken nun wirklich nicht rechnen können – hier noch einmal der Link zum Artikel mit den Eigenkapitalausstattungen von EU- und US-Banken. Interessant auch vor dem Hintergrund der deutsch-französischen Mauscheleien ist die neue Top 5. Die neue Spitze besteht aus beiden „großen“ deutschen und drei französischen Insituten. Das wird die Slowaken, Finnen und viele andere sicher freuen, wenn die Hauptaufgabe des Euro-Subventions-Konstrukts nun in der Stützung der Banken aus denjenigen Ländern besteht, die sich als Kern bezeichnen.

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.

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8 Kommentare auf "Frage der Woche: Wohin mit der Steuerkohle?"

  1. auroria sagt:

    Also mit der Einigkeit zwischen Deutschland und Frankreich scheint es ja nicht so weit her zu sein:
    „Euro-Gipfel wegen deutsch-französischen Streits verschoben“
    http://www.sueddeutsche.de/geld/debatte-ueber-schuldenschnitt-griechenlands-euro-gipfel-wegen-deutsch-franzoesischen-streits-verschoben-1.1158301

    [„Bald wird sicher auch der Tod an Kabinettstischen für unsozial und amoralisch erklärt und folgerichtig per Gesetz verboten. Wer hat den eigentlich erfunden? Frechheit.“]

    Das erinnert mich an die Rhino Party
    Die forderte die Abschaffung diverser Gesetze, darunter das Gesetz der Schwerkraft.
    Oder die Bereitstellung höherer Bildung durch den Bau höherer Schulgebäude.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Parti_Rhinoc%C3%A9ros#Politische_Ansichten

    Was Griechenland angeht:
    Ohne dass sich die Schulden deutlich verringern und dadurch auch die Zinszahlungen, wird ja nichts gelöst. Sondern das Problem nur vertagt.

  2. exb sagt:

    Frage an alle: Bei mir stehen die Kurse für Gold und Silber und Euro/Dollar fest und zeigen nur noch eine Linie!!!!!

    Wie ist es bei euch ?

    Auch manche Homepages geben keine Kurse aus ???

    Gruß
    exB

  3. auroria sagt:

    http://www.kitco.com/charts/livesilver.html
    http://goldprice.org/spot-gold.html

    Alles normal.
    Und bitte nicht so viel spammen, 1 Post reicht. Wenn wirklich etwas bei den Kursen los wäre, hättest du es hier sicherlich mitbekommen. (http://www.rottmeyer.de/uberschuldung-geldschwemme-inflation-als-unvermeidbare-konsequenz/comment-page-1/#comment-7608)

  4. exb sagt:

    Servus Auroria,

    Danke für deine Links allerdings sind das Dollar Fixings , also aus USA Singale.
    Die Europäischen Services meinte ich eigentlich, habe ich nicht differenziert.

    Sorry wollte nicht spamen nur ging es wohl „unausgesprochen“ einigen Tradern heute ebenso wie ich nun erfahre.

    Entweder geht es schneller als gedacht mit dem Neuro oder war halt ne Panne.

    Gruß
    exB.

  5. Dreamer sagt:

    94% haben gegen die Rettungsmaßnahmen gestimmt? Aber wenigstens eine Spende für die armen, in Not geratenen Banker in ihren Protzpalästen muss doch drin sein, oder?

    http://www.youtube.com/watch?v=mxK44Y68IQA

    • Fnord23 sagt:

      Sorry Dreamer, 95%. Aber wir wollen nicht kleinlich sein.
      Immerhin: Mutige Leute hier.

      Hallo Herr Ponzi,
      die Folgen der 3. Variante sind aber echt nicht lecker. Oder sehe ich das zu schwarz? Deflationärer Schock? Ich mein, sind sich alle im klaren, was das bedeuten könnte?

      VG aus Sachsen

  6. exb sagt:

    Hallo nochmal,

    also ich bekomme nach wie vor keine Kurse angezeigt und mir bekannte Onlinehändler haben ebenfals keine Kurse mehr.

    Nur die Server in USA spucken Kurse aus-

    Ich glaube schon lange nicht mehr an Zufälle.

    Gruß

  7. Hans im Glueck sagt:

    Ich werfe doch „gutes Geld“ schlechten nicht hinterher!
    Das „Geld-System“ ist zu recht an „seinem“ Ende angekommen!
    Bin gespannt was alles noch passiert, besonders auf 2012 bin ich gespannt. Wir brauchen den Reset jetzt, es ist Zeit das die „Umverteilung“ beginnt. Wir sind die 99% und wir sind VIELE. Das werden die schon noch merken. Die Banken müssen verboten werden „Teufelszeug“ nenn ich das!

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