Frage der Woche: Was ist die Devise?

11. Juli 2011 | Kategorie: Frage der Woche, Kommentare, RottMeyer

Viele Anleger in der Europäischen Union schicken ihr Geld auf die Flucht. In Ländern, denen die Krise bereits jetzt massiv zusetzt, ist das Vertrauen in Banken auf einem Tiefpunkt. Parlamentariern, die bis heute offenbar die Dimension der Probleme des Wirtschafts- und Währungsgefüges unterschätzen gleitet Das Zepter des Handelns immer weiter aus den Händen…

Die alte Methode, die Ankündigung einer Maßnahme bereits als deren erfolgreiche Durchführung zu feiern, kommt bei vielen Bürgern nicht mehr an. So mag ein pathetischer Auftritt zur „Garantie aller Bankeinlagen“ für eine Weile die Seelen beruhigen. Schlussendlich ist aber jedem klar, dass der Staat natürlich gar nicht dazu in der Lage wäre, auch nur einen Teil der Einlagen zu „garantieren“. Wie sollte das auch funktionieren?

Leider scheinen viele Abgeordnete nun Opfer ihrer eigenen Propaganda zu werden, wie nicht zuletzt auch ein Bundesminister erkennen ließ. So sagte dieser in einem überaus bemerkenswerten Statement zur Herabstufung Portugals folgendes:

(…) er sei überrascht über das Urteil und könne nicht erkennen, was dieser Entscheidung zugrunde liege.

Das mag daran liegen, dass sich vor lauter Jammerei scheinbar niemand die nötigen zwei Minuten Zeit zu nehmen scheint, die es dauert, sich anzuschauen, was eine Einstufung von „Ba2“ bedeutet. Die Bezeichung „Junk“ ist übrigens eine Bezeichnung aus der Zeit der Bondkrise um den Zeitpunkt der Pleite des Brokers Drexel-Burnham. Der offizielle Name der Kategorie lautet nicht „Ramsch“ sondern „speculative grade“, was in unseren Ohren recht realitätsnah anmuted.

Ba2 laut Moody’s:

Ba1, Ba2, Ba3: Moody judges obligations rated Ba to have questionable credit quality.

Questionable heißt es in der Definition, die Kreditwürdigkeit ist also fragwürdig. So sehr man die sicher nicht zufällige Salamitaktik der Ratingagenturen zu Recht geißeln mag, die Einstufung selbst ist zwar traurig aber zutreffend.

So lange aber auch langgediente Politiker Probleme mit dem Eingeständnis der anhaltenden Krise haben, wird es nichts mit einer Wiederbelebung des Vertrauens. Wenn jemand nicht einmal zu erkennen vermag, „was der Entscheidung zu Grunde liegt“ ist in der Tat Hopfe und Malz verloren und der entsprechenden Person muss die Kenntnis der ökonomischen Daten abgesprochen werden. Der Hinweis auf eigene Probleme der USA ist zwar korrekt und mag in dieser Situtation der Seele guttun, hilfreich ist er aber nicht. Bin ich pleite, dann werde ich nicht reicher, wenn mein Nachbar auch pleite ist.

Während die Kapitalflucht aus der BRD bedingt durch die vergleichsweise ruhige Stimmungslage noch in geringen Sphären schwebt, fließen die Einlagen von den irischen, portugisieschen und griechischen Banken weiterhin in Strömen ab. Ein im Verhältnis zu den Gesamtflüssen  immer noch erstaunlich geringer Teil geht dabei in die physischen Edelmetallmärkte. Der große Rest verteilt sich zum einen auf andere Eurokonten bei Banken innerhalb der EWU, zum anderen auf Auslandskonten, die in Fremdwährungen geführt werden.

Mag dies auch als Spekulation gebrandmarkt werden, diesem Gewäsch darf man getrost mit einem Argument aus der Branche begegnen. Es handelt sich doch schlicht um das menschliche Bedürfnis nach Diversifikation von Risiken, schließlich ist man doch schon per Gehalt und Eigentum dem Euro ausgesetzt.

Nun aber zur Frage: Welche ausländische Währung würden Sie, liebe Leser, in die engere Wahl einschließen, wenn Sie ein bisschen Diversifikation innerhalb der Papierwelt betreiben wollten? Es können wieder bis zu drei Währungen ausgewählt werden.

Wir freuen uns natürlich wieder auf eine lebhafte Diskussion im Kommentarbereich!

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.

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9 Kommentare auf "Frage der Woche: Was ist die Devise?"

  1. Karl Napp sagt:

    Letztlich sind alle Währungen ungedeckte Zahlungsversprechen und auch die Länder mit Rohstoffvorkommen werden im Falle eine finanziellen SuperGAUs in Mitleidenschaft gezogen.

  2. quest sagt:

    Kein Land ist so gut wie das unsere durch die Krise gekommen. Wir sind gest… aus… aus ihr… hervorgeg…

    Was sollen all die Bananenschalen hier auf dem Weg?

  3. retracement sagt:

    Einfach mal entspannen. Et kütt wie et kütt!

  4. DeadEnd sagt:

    ich ziehe Gold vor. Alles andere iss ungedecktes Papier.

  5. Hal 9000 sagt:

    [x] XAU
    [x] XAG 😉

  6. Silberdax sagt:

    Lagebericht Schweiz:
    Nachdem der Schweizer Franken mit 43% sehr gut bewertet wird,
    dürfte dem meisten hier nicht mal ansatzweise bewußt sein, dass
    die Schweiz einem finanziellen Pulverfaß gleicht:
    Immobilienboom durch Tiefstzinsen –
    es wird gebaut, als ob es morgen keinen Beton mehr gäbe…
    In jedem „Kuhdorf“ stehen sich die Baukräne schon im Weg…
    …jeder „kleine Angestellte“ nimmt einen Baukredit auf,
    da es günstiger ist, als zu mieten.

    Die Zinsen werden auch in der Schweiz bald steigen und wird die
    Immo-Blase zum Platzen bringen.
    Eine weitere Katasprophe droht:
    Besonders in Österreich und in den neuen EU-Ostländern sind 600 Milliarden CHF-Kredite vergeben, die aufgrund der Frankenstärke
    langsam kollabieren, da uneinbringlich und nicht mehr bezahlbar.
    Deshalb sind auch neben spanischen Banken die ersten österreichischen Banken in Gefahr – eine ist beim sogenannten „Stresstest“ durchgefallen.

    Alleine die 2 Megabanken UBS und Creditsuisse verwalten Schulden des mehrfachen des Schweizer BIPs
    Fazit : der vermeintliche „sichere Franken“ wird bad zum Fränkli.
    …und es ist davon auszugehen, dass es keinen Rettungskredit geben wird…von wem auch ?

  7. auroria sagt:

    Als „Südländer“ würde ich auch so viel Geld tauschen wie möglich, aber in Deutschland?
    Wenn der Euro zerbricht, und die DM oder ein NordEuro kommt, würden diese erstmal kräftig aufwerten, da ist es nicht verkehrt ein bischen bares zu haben.
    Da ich keine Lebens- und nur minimale private Rentenversicherung habe, habe ich gar kein richtiges „Euro Vermögen“ zu diversifizieren. Bei Gehalt und Renten kommt es eh darauf an, wieviel von der Wirtschaft noch übrigbleibt.
    Und wenn € und $ untergehen, werden die Ausweichländer auch kräftig was abbekommen, vor allem deren Banken. Wei sicher ist mein Geld auf einem schweizer oder kannadischen Konto?

    Zu den Währungen:
    Russland und China sind unberechenbar, machen was sie wollen und sind mächtig genug das durchzusetzen.
    Indien könnte über Nacht von Papier auf Goldwährung umsteigen, auch wenn dann mit Ringen und Kettengliedern bezahlt wird …

    Von dem Geld zur diversifikation würde ich investieren:
    25% Kannada (mein Favorit, leider n bisschen weit weg), evtl. einen Teil davon in Australien
    25% Schweiz (relativ unabhängig, demokratiefreundlich, viele Goldreserven, das Konto dort aber nicht bei den großen Banken)
    25% Skandinavien (das meißte in Norwegen; genauso wie die Schweiz noch per Auto erreichbar)

    Wenn ich ganz viel Geld hätte, würde ich den Rest aufteilen in
    – Thailand und Malaysia (für mich schwer einzuschätzen)
    – ein bisschen in China (hält seine Währung noch künstlich unten)
    – Südafrika
    – Westafrika (Ölförderländer)
    – Südkorea (Japanersatz, kenne die Verschuldung dort aber nicht)
    – Brasilien (in der Gruppe noch mein Favorit)
    Bei all diesen Ländern sehe ich aber mindestens so große Risiken wie Chancen.

    @Silberdax
    Da die Schweiz relativ klein ist, könnte man die sogar einfach so nebenher auch noch mitretten, die Frage ist eher zu welchen Bedingungen?
    Wenn die Schweiz der EU beitritt, den Franken gegen den € tauscht und ihr Bankgeheimniss abschafft, könnt ich mir schon vorstellen, dass Brüssel und Frankfurt ein paar Schecks ausstellen.
    Alternativ wären da noch die Chinesen …

  8. Silberdax sagt:

    @auroria – die Schweiz wird man fallen lassen, wie eine heisse Kartoffel und dabei hämisch grinsen : ihr wolltet nicht in die EU, jetzt habt ihr eben ein Problem – genau wie das engl.Pfund abwerten musste, kommts in der Schweiz. Die Freude über die Kaufkraftgewinne lösen sich auf, sobald die Immoblase dank steigender Zinsen platzt,
    die ersten Fabriken auslagern und nie wieder zurückkommen…
    erst dann wird der Franken richtig abwerten , wenns zu spät geworden ist…FAZIT – raus aus allem Papiergeld, aber dalli.

  9. Silberdax sagt:

    Wir sind ein der Endphase des weltweiten FIAT-Money:
    Krieg – Hyperinflation – Staatsbanrott:
    Die Zeit für Späßchen ist vorbei.
    http://www.youtube.com/watch?v=gUMQJuU8G5U&feature=related

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