Frage der Woche. Euro-Vorteile. Aber für wen?

31. Oktober 2011 | Kategorie: Frage der Woche, Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Gehen den Redenschreibern die Argumente aus, dann werden die großen Aufrufe ans Volk aus der Kiste geholt. Noch vor einigen Jahren sollte der Bürger nicht immer auf den schnöden Mammon schauen, wenn es um die Finanzierung der Europäischen Union ging. Heutzutage lauert hinter dem möglichen Ende einer Einheitswährung gleich das »Scheitern Europas«. Hat aber die Währungsunion dem Bürger per saldo etwas gebracht?

Mit Zähnen und Klauen wird ohne Rücksicht auf die finanziellen Auswirkungen versucht, die Union so lange am Leben zu halten, bis der ESM kommt. So groß ist der Wunsch nach diesem Mechanismus, dass Wege zur Linderung der Schuldenkrise in den alten, fehlgeschlagenen Rezepten gesucht werden. Für Gedanken über ökonomische Grundzusammenhänge und soziale Folgen offenbar keine Zeit bleibt. Warum ausgerechnet vermeintliche Repräsentanten der BRD sich nach den Erfahrungen der letzten Jahre einer derartigen Schöpfung in die Arme werfen wollen und dabei die Reste der Souveränität verpulvern, ist nur eine der offenen Fragen.

Heute wie zu Beginn der Union regieren politische Schnellschüsse. Bei großen Fragen herrscht ein buchstäblich unheimlicher Konsens nahezu aller Parteien. Zur heiligen Zweckerfüllung wird gerne die Angst vor möglichen Kriegen als Totschlagargument ausgepackt. Einwände werden nicht nur im Bundestag als fehl am Platze empfunden. Ein solches Gebaren markiert wahrlich einen Tiefpunkt der Demokratie, unabhängig davon, ob man für oder gegen die beschlossenen Maßnahmen plädiert. Wer die Entschlüssen befürwortet ist aber nicht mehr oder weniger »Europäer« als ein Opponent, denn es geht in der Sache um einen volkswirtschaftlichen Sachverhalt und nicht um einen Einmarsch in die Nachbarländer.

Nicht ganz unwichtig für den weiteren Weg wird das Befinden der Bürger sein, auch wenn die Bedeutung des Willens der Bevölkerung in der BRD vermutlich mit Verspätung Einzug halten wird. Was aber denken die Menschen. Hat die Währungsunion, nicht zu verwechseln mit der Europäischen Union selbst, dem Bürger per saldo mehr Positives oder eher Negatives gebracht. Wiegen etwaige Vorteile die Nachteile der starren Währungskurse mit all ihren Folgen auf?

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.


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11 Kommentare auf "Frage der Woche. Euro-Vorteile. Aber für wen?"

  1. Karl Napp sagt:

    Die aufgeworfene Fragestellung ist natürlich wichtig. Wer profitiert eigentlich vom EURO? Das sind in erster Linie die großen international operierenden Unternehmen und ihre Aktionäre und ein wenig natürlich die Arbeitnehmer dieser Unternehmen, soweit sie nicht Leiharbeiter sind. Dem Normalürger wird eingeredet, er profitiere auch, weil er im Urlaub kein Geld mehr wechseln muss. Das sind natürlich peanuts. Dafür haftet er allerdings mit seinem ganzen Vermögen für den Fall, dass der EURO scheitert. Profitieren tuen natürlich auch die Politiker, weil hier tausende von hoch bezahlten Stellen für verdiente Politiker in Brüssel etc. geschaffen wurden.

  2. auroria sagt:

    Das wird wohl die mit Abstand eindeutigste Umfrage werden.

  3. Lotus sagt:

    „Nicht ganz unwichtig für den weiteren Weg wird das Befinden der Bürger sein, auch wenn die Bedeutung des Willens der Bevölkerung in der BRD vermutlich mit Verspätung Einzug halten wird.“

    Nun, das Befinden der Bürger war seit Einführung des Euro schon schlecht genug. Danach kann man sagen, daß es nie mehr besser wurde. Hauptgrund für diese Tatsache war, daß es seit Schröder nur noch Verschlechterungen für Bürger gab. In der alten BRD gab es keine Schere, Kinder wurden geboren, Renten waren sicher, Gesundheitsversorgung für jedermann gleich. Selbst die Zähne leuchteten heller.

    Der zweite Teil der Frage, kann heute noch nicht beantwortet werden. Denn der Wille der Bevölkerung wird nicht im Ansatz erhört oder gesehen. Die leitlichen Parolen unserer Politiker halten immer noch daran fest, daß der Euro gut für Deutschland war. Deshalb wird er ja auch gerettet. Wer diese Meinung in die Öffentlichkeit trägt, hat das Leid, die Armut, die Ausbeutung, die Demütigung, die psychischen Krankheiten immer noch nicht verstanden.

    Die Wahrheit hinter dem Euro ist Lug und Betrug auf Kosten der Bürger. Falls der Euro eines Tages zerbricht, wird man sich immer an das Verbrechen erinnern.

    „Wir wollen die Verhältnisse der alte BRD wieder haben.“ Diesen Satz habe ich bis jetzt noch nie in der Presse gelesen oder im TV gehört. Jedoch jeder einzelne Bürger, der diese Zeit erlebte, wünscht sie sich zurück. Ob das jemals wieder erlebbar wird, steht in den Sternen. Da nutzt es auch nichts, wenn die Merkel eine Untergrenze für Löhne haben will. Ich denke, das wird nicht durchgesetzt werden. Und wenn doch, haben die Hartz IV-Empfänger und Rentner mit Kürzungen zu rechnen. Die Merkel will sicherlich die Sozialausgaben kürzen. Die macht doch nichts ohne Hintergedanken. Wahrscheinlich müssen wir für knapp 7 Euro 42 Stunden arbeiten. Diese Frau ist krank.

    Der heutigen Regierung mit ihren unfähigen Politikern glaubt man doch gar nichts mehr. Wenns nach mir ginge, sollte sie gestürzt werden. Jedoch haben wir leider keine besseren. Das wäre das nächste Problem.

  4. Bummbumm sagt:

    Ich finde diese Umfrage nicht gut. Die Fragestellung ist sehr sorglos. Wie beurteilen Sie die AUSWIRKUNGEN … und dann ich beurteile die WÄHRUNGSUNION positiv oder negativ.

    Fakt ist aber, dass die Währungsunion so viele Auswirkungen hat, und auch in Zukunft haben wird, die von jeweiligen in der näheren Vergangenheit und nahen Zukunft getroffenen Entscheidungen abhängt, dass man sie gar nicht beurteilen kann. Zb. würde ich es positiver einschätzen, wenn PIIGS den Euro verlassen würden.

    Außerdem müsste man sie vergleichen mit der Entwicklung ohne Währungsunion, mit der DM. Also reine Spekulation. Hätte uns die Finanzkrise auch mit der DM so getroffen? Oder sogar härter? Keine Ahnung.

    Diese Umfrage ist nicht konkret genug.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo,

      @BummBumm

      Danke für Ihren Kommentar!

      Nun, eine Währungsunion vergleicht man mit der gegenteiligen Situation, sprich separaten nationalen Währungen. Bei den Umfragen geht es, wie das so ist, um Einschätzungen.

      Jeder hat zu den Themen seine persönliche Meinung, ob es um die Währungsunion geht oder um Asset Allokation. Wenn jemand bereits mit Sicherheit wüsste, dass Gold besser abschneidet als Silber oder umgekehrt, warum sollte man dann fragen? Da die meisten dies nicht wissen dürften, basiert auch eine solche Umfrage auf Erartungen, oder wie Sie sagen, „Spekulation“. Andernfalls wäre es so, als würde man nach der Meinung zum vergangenen Fußballwochenende fragen. Glauben Sie, dass der HSV vor drei Tagen gewinnen konnte?

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • Bummbumm sagt:

        Hallo,

        @Bankhaus Rott

        natürlich haben Sie recht, „Spekulation“ alleine ist etwas kurz gegriffen. Was ich versucht habe darzustellen ist, dass verschiedene Leser vermutlich sich vermutlich auch unterschiedliche Vergleichsszenarien vorstellen.

        Die DM galt als hart. Hätten wir heute mehr Spaß mit einer harten Währung? Wahrscheinlich ja. (Währungsunion=schlecht)

        Finanzentscheidungen wären noch nationale Angelegenheit und damit einfacher zu fällen (Währungsunion=ganz schlecht)

        Man hätte sich nicht an einen Tisch setzen müssen. (Währungsunion=weniger schlecht? oder sogar gut? Oder ganz schlecht?)

        Wir waren auch damals schon auf dem Weg in die Überschuldung. Hätte uns die Finanzkrise auch mit der DM den Rest gegeben? Wahrscheinlich auch ja. (Währungsunion=doch nicht schlechter). Oder wir hätten der Finanzkrise von der Schippe springen können (Währungunion=ganz schlecht) Oder es hätte uns noch schlimmer erwischt (Währungsunion=gut)

        Hätten die Märkte weniger gegen schwache EU-Länder spekulieren können? (Wahrscheinlich leichter, oder?) (Währungsunion=nicht schlecht)

        Vielleicht hätten uns auch größere Kursschwankungen mehr gestört, so wie die Schweizer. (Währungsunion=gut)

        Apropos – war es eigentlich alternativlos, dass die Iren ihre gesunde Staatsverschuldung für die Banken ruiniert haben? Dann dürften wir das nicht der Währungsunion anlasten. Oder doch??

        Inzwischen habe ich schon dermaßen widersprüchlich geantwortet, dass ich den Überblick verloren habe, ob insgesamt „gut“ oder „schlecht“ herauskommt.

        Außerdem sind wir jetzt „drinnen“. Jetzt müssen wir durch. Lamentieren bringt nichts mehr, wir sollten lieber unsere Energie fürs Reparieren aufbringen. Oder dafür, sich durchzuschlagen.

    • EuroTanic sagt:

      @Bummbumm
      Natürlich kann man derartiges fragen. Wenn ihnen dies nicht konkret genug ist, dann dürften sie auch Niemanden nach seiner Gesundheit, seiner Einstellung zu Atomkraft oder seiner Laune fragen. Umfragen sind immer nur subjektiv und können auch nur eine Momentaufnahme sein. Wer aus Umfragen „Realitäten“ ableiten will und dies noch mit 3 Stellen nach dem Komma begründet, der hat von Statistik keine Ahnung. Sry, soll keine Beleidigung sein.

  5. hannesb sagt:

    Gegenfrage:
    Wo wären wir ohne Euro?
    Wir hätten keine verdeckte Abwertung von 50% gehabt (Preise 1:1 DM Euro)
    Die PIGS hätten in schöner Tradition abgewertet d.h. eine, oder auch 2 Nullen dran gehängt (Mille Mille Lire, Drachme Peseta) und die Welt würde ein Stück runder laufen.
    Nur mal so, ganz grob.
    Ich hab jedenfalls immer gern im Urlaub gewechselt, waren immer Top-Angebote für die DM am Markt.

  6. Auswanderer sagt:

    Die Wirtschaft hat vom EURO profitiert. Der Bürger zahlt wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist (es fällt übringens immer noch). Wir sind aus gutem Grunde nicht gefragt worden ob wir den EURO haben wollen.

    Ich glaube der Unmut ist so groß, weil die deutschen Steuergelder im Ausland verteilt werden, vlt. als späte Wiedergutmachung vorausgesetzt es kann überhaupt wieder gut gemacht werden…

    Schaut euch doch mal die sinnlosen Bauvorhaben (Autobahnen/Brücken) in Griechenland an und fahrt dann mal über eine deutsche Autobahn, die auf 80 km/h wegen Staßenschäden reduziert wurde.

    Unsere Pappnasen haben überhaupt nie regiert sondern sind nur Marionetten der Siegermächte.

    Ohne DEUTSCHLAND als Zahler hätte es keinen EURO gegeben!!!

    Und ich würd auch gern wieder meine D-Mark im Ausland wechseln…

  7. crunchy sagt:

    Das Ding hat, wie immer, zwei Seiten: Macht man´s gut, wird´s gut. Die Rückseite erleben wir gerade. Als ich vor langen Jahrzehnten das Geldsystem der BRD begriff und sah, welcher Unterschied zu GB/USA bestand, war die Welt für mich in Ordnung. Als Schüler wettete ich mit DEM-Reiseschecks schon auf einen Pfund-Verfall, Soros war sekundär. Es geht seitdem primär um die Rolle des Dollars als Weltreservewährung und der daraus resultierenden Windfallprofits, Gewinnen, die sich nur aus diesem Umstand abschöpfen lassen. Geld fliesst nur schon deshalb in die USA, weil Alle Welt in Dollar fakturiert. Dollar m u s s man kaufen, um seine Rechnungen zu zahlen. Ohne Dollar fährt das Auto nicht und der Kaffee bleibt bei den Kaff… . So war´s in der heilen, Alten Welt.
    Hätten die Amis den Zusatznutzen investiert, als Weltmacht der wachsenden Weltbevölkerung Lösungswege für deren Überleben verkauft, müssten wir heute nicht über negative Realzinsen und den Reset reden.
    Sie geben sich selbst im Überlebenskampf geschlagen: Ihre, von der
    Welt subventionierte Währung, währt nicht mehr lange. Ihr letzter Kampf gilt einer Bedrohung, die früher mehr mal von der DEM ausging und nun vorübergehend vom Euro assimiliert wurde. Mit Draghi („der Euro bin Ich“) ist nun die vorletzte Schlacht gewonnen. Den Krieg wird niemand gewinnen.

  8. Johannes sagt:

    Meiner Meinung nach ist es völlig egal, ob eine Währungsunion vorhanden ist oder nicht, da das Geldsystem das selbe wäre.

    Eine ewige und weiterführende Aufschuldung ist mit oder ohne Währungsunion nötig.

    Hätten sich die PIIGS nicht dermaßen verschuldet, hätte es ein anderer tun müssen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.

    Dass man in dem ganzen System gefangen ist, zeigt sich am Beispiel der Schweiz, die ohne Euro und EU- Mitgliedschaft, massiv Euros kaufen muss, um die Währung „stabil“ zu halten.

    Ich denke, dass GR auch ohne Währungsunion pleite wäre, bei Irland bin ich mir sogar ganz sicher.

    Dass das ganze System überhaupt noch läuft, verdanken wir meiner Meinung nach nur dieser Währungsunion.

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