Frage der Woche: Und was ist mit dem Bürger?

29. August 2011 | Kategorie: Frage der Woche, Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

In der anhaltenden Debatte um die mögliche Insolvenz einiger Euro-Mitgliedsstaaten ist ein entscheidender Faktor unterrepräsentiert: Der Bürger. Vor jeder Abstimmung in einem der nationalen Parlamente ist von möglichen katastrophalen Ereignissen die Rede, in keiner Fernseh-Sprechrunde darf der Hinweis auf die Bedeutung einer gemeinsamen Politik fehlen. Es mag ja schön sein, wenn die Politik sich auf irgendetwas einigt. Was aber ist, wenn diese Einigung bei einer Mehrheit der Bürger eines Landes auf Ablehnung trifft?

Bei der ewigen Suche nach Schuldigen für die Fehler der eigenen Politik ist die parlamentarische Meute bisher wenig erfolgreich. Es dürfte schwer werden, die aufgehäuften Schulden einer Gruppe von fiesen Spekulanten in die Schuhe zu schieben. Wie auch? Sind es doch eben diese Schulden, die den Konsum und Bausektor in vielen Ländern befeuert haben. Schulden, deren erste Auswirkung – den Aufschwung – die Parlamentarier gerne für sich in Anspruch nahmen. Jeder, der einen kreditinduzierten Boom für sein Werk gehalten hat, sollte sich derzeit in zwei Mäntel hüllen: Demut und Schweigen.

Das Gegenteil ist der Fall. Zahlreiche Mitverursacher, aktiv oder passiv, wenden sich nun in dramatischen Appellen an die Bevölkerung, jetzt, ja genau jetzt, sei Solidarität gefragt. Nach einem Blick auf die lange Liste der EU-Transferzahlungen der vergangen Jahre fragt sich der geneigte Beobachter, in welche Kategorie diese einzuordnen waren.

Größerer Ärger scheint sich, wohl auf Grund der aktuell drängenderen ökonomischen Probleme, in den Ländern der Südschiene aber auch in Frankreich anzubahnen. Eine abgehobene Politik, die denkt gerade jüngere Bevölkerungsschichten ließen sich mit den tumben Ablenkungsmanövern beruhigen, die im Mittel bei der älteren Generation zu greifen scheinen, kann sich böse täuschen. Wer weder einen Pensionsanspruch hat, noch einen Job zu verlieren und wer sich für sein Land interessiert und dem Empfang von Transferleistungen nicht als Lebensperspektive akzeptiert, der geht vermutlich schneller auf die Straße. Die Gefahren sind recht klar: Aus Angst vor Abwahl und Machtverlust schwenken Politiker eines Landes ein und stellen die Zahlungen auf Kredite ein. Wenn ein Schuldner nicht zahlen will, zahlt er nicht. Alternativ ist auch ein eher „ungeordneter“ Sturz einer Regierung möglich. So ein Ereignis ist in Europa kein unbekanntes Phänomen.

Unsere Frage: Wenn es zu einem Zusammenbruch der aktuellen Stützung einzelner Staaten der Eurozone kommt, wodurch wird diese Ihrer Meinung nach ausgelöst werden? Natürlich fließen viele Rückzahlungen der Kredite aus „Nehmerländern“ zu Versicherungen und Banken in den „Geberländern“. Die Bezeichnungen Geber- und Nehmerländer sind hier der Einfachheit halber so gewählt. Vielleicht fallen Ihnen noch ganz andere Szenarien ein, die Kommentarfunktion steht bereit!

Und nun zur Umfrage!

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Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.

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11 Kommentare auf "Frage der Woche: Und was ist mit dem Bürger?"

  1. auroria sagt:

    Haben wir den Zusammenbruch nicht schon in Griechenland? Eigentlich ist die Sache dort doch schon gescheitert oder?

    Und ob der EFSF überhaupt zustande kommt ist auch noch offen. Die Slovakei will nicht zustimmen, die Finnen fordern Extrawürste, im Bundestag rumort es und das Bundesverfassungsgericht wird auch noch ein Wörtchen mitreden.

    Aber nehmen wir mal an, das ganze kommt zustande, entscheidend werden die Bedignungen an de Nehmerländer sein.

    Aber zu Fall kommt es wohl am ehesten durch die wirtschaftliche Situatuion der Geberländer. Noch steht Deutschland wirtschaftlich gut da, aber wenn die Auftragseingänge wieder einbrechen, die Firmen Mitarbeiter entlassen, dann kommt hier schnell die Frage, warum wir die anderen Staaten „retten“, wenn wir eigentlich selbst Hilfe bräuchten.

    Auslöser könnte dann eine Herabstufung der deutschen Kreditwürdigkeit, Steuererhöhungen, die Implosion unserer (3.) Schuldenbremse sein. Oder wenn hierzulande Rechtsextreme Parteien starken zulauf bekommen, kann ich mir auch Vorstellen, dass die Regierung lieber den Spuk beendet.

  2. auroria sagt:

    PS:
    „o Die Politik in den Nehmerstaaten stellt die Zahlungen ein.“
    Geberstaaten?

    „o Auch ohne Druck der Öffentlichkeit verweigert die Politik in den Geberstaaten verweigert weitere Stützung.“
    da is auch was doppelt

    • Bankhaus Rott sagt:

      @auroria

      Danke, im zweiten Satz ist tatsächlich die „doppelte Verweigerung eingetreten“ 🙂

      Die Zahlungen der Nehmerstaaten sind Zins- oder Tilgungsleistungen für bestehende Kredite – werden diese nicht geleistet, tritt der Zahlungsausfall ein.

      Grüße
      Bankhaus Rott

  3. holger sagt:

    Tja… gute Frage. Wie wird das wohl ausgelöst? Durch den „Normal“ Bürger oder Demos denke ich nicht. Ich hatte es in einem anderen Thread schon geschrieben, meine Vermutung liegt eindeutig darin, dass der Mittelstand rebellieren wird, nicht nur in Deutschland. Auf seine eigene Art und Weise. Viele Unternehmer die ich kenne, haben einen ganz dicken Hals. Das sind die, die sich mühevoll im Markt behaupten müssen aber gleichzeitig zu den Politikern guten Zugang haben. Es gärt im Topf. Hinter den Kulissen wird nicht viel mit der Diplomatie geredet. Besonders in den Ländern der Schwaben und der Bayern. Da rappelt es auch manchmal heftig und heftiger.

    Andererseits kann man eben annehmen, dass die Europäer im Ganzen mit dem Euro unzufrieden sind. Egal ob Geber oder Nehmer. Ich bin der Meinung, dass sich die Politik selbst keinen Gefallen getan hat, mit der Euro Einführung und nur noch der Banken-Sektor dieses Gebilde aufrecht erhalten muss. Weiterhin bin ich der Meinung, dass Frankreich den entscheidenen Moment auslösen wird. Post Sarkozy und Post Merkel. Das könnte schon im November sein. Dann haben wir in Deutschland eine Eurobonds Regierung unter Leitung von Steinbrück und in Frankreich, spätestens 2012, eine Euro skeptische. Dann werden vermutlich die Karten auch für die französischen Banken neu gemischt. Das politische Frankreich ist und bleibt für mich das Zünglein an der Waage. Von dem eigenen Volk und deren Vertretern erwarte ich nix mehr. Eben so wenig halte ich einen Militärputsch in der EU für möglich. Das die Nehmer-Staaten die Zahlungen einstellen, scheint nicht möglich zu sein. Demos bringen nix, hat man ja an Griechenland oder Spanien gesehen. Das größte Geber-Land ist für Rebellionen nicht geeignet, bleibt also nur noch Frankreich übrig. Warum nicht Italien? Tja… im Bunga Bunga Land, gibt es eben doch noch die invisible Hand namens Al.

  4. EuroTanic sagt:

    Mit dem Lissabonner Vertragswerk haben sich die Eurokraten den ihnen wichtigstn Passus nach ganz oben geschrieben:
    „Profit before People“
    Dem Profit, freier Handel etc. hat sich alles unterzuordnen, auch das Wohl der europäischen Bürger. Das sieht man an den antidemokratischen Institutionen in Eurotoptia, der Eurokratie und den steuernden Lobbyisten Verbänden in Euroklemptomania. Das Wohl der Bürger ist im Vertrag, den die Bürger weder genau kannten noch wollten – nicht mal zweitrangig oder drittklassig erwähnt. Wir aber brauchen ein „People before Profit“.

  5. Hans im Glueck sagt:

    Ich glaube die Nehmerstaaten werden den Anfang machen, gefolgt von den Geberstatten. Die Nehmerstatten werden durch die Sparmaßnahmen erdrückt und bei den Geberstatten wird der Export Massiv einbrechen. Ich glaube aber nicht das wir hier in Deutschland große Demos sehen werden, dies wird erst geschehen wenn es einen „Kahlschlag“ geben wird. Wenn die Bildzeitung tittelt: Harz 4 Zahlung & Rente können nicht ausgezahlt werden!!! Traurig ist das die Mehrheit der Meinung ist das der „Staat“ dies schon regelt.
    Also ich gebe dem € max. noch 3 Jahre.

  6. Silberdax sagt:

    Vorausdenken – die USA halten die größten Goldreserven (falls sie nicht da sind, werden sie sagen, dass sie da sind – und wer es nicht glauben will, muss dran glauben)
    So einfach wird das – sobald das Vertrauen in den US-Dollar komplett einbricht, kommt die Rettung durch eine vertrauensbildende Goldgedeckte Parallelwährung – AUG – GoldGramms sind die zukünftige Verrechnungseinheit – bezahlt wird weiterhin mit Euro + Co …
    bis diese komplett von selbst verschwinden….

  7. VickyColle sagt:

    Ideale Frage, denn genau darüber haben wir vorhin am Grill noch gesprochen.

    „# Die Politik in den Nehmerstaaten stellt die Zahlungen ein.“

    Weil die jeweiligen Poliker selber zu „bekifft“ sind um zu begreifen, das ihre Verdummungs,- und Vernebelungsmaschine der letzten 40 Jahre, so perfektioniert funktioniert hat, das sie aus ihren „Bevölkerungen (mit Drogen aller Art vollgestopftes Stimmvieh)“ keinerlei ernsthaften Widerstand zu befürchten haben.

    2011 ist nicht mehr 1789, auch nicht 1918 oder 1945.
    In der westlichen Welt braucht, auf Grund der technischen Entwicklung niemand mehr HUNGERN (und hungert auch nicht).
    Selbst in vielen „3. Welt Ländern“ in Lateinamerika und Asien verhungert (außer bewusst herbei geführt), niemand !!

    Aus Afrika (Nordafrika gehört nicht dazu, gemeint ist Schwarzafrika), ist kein nennenswerter Widerstand zu erwarten!!
    Das ist sogar dem PC-Grünen scheiss egal, ob im Sudan 500.000 Leute verrecken!

    Sie stolpern über ihre eigene Dummheit und Arroganz.

    GUT für uns alle, das diese Welt aktuell von Bürokraten regiert wird – die können nämlich zum Glück nicht von 12 bis Mittag denken!

    Aber wenn sie das könnten, wären sie wahrscheinlich auch keine Bürokraten. 😀

    Die Welt ist gerecht! 😉

  8. Fnord23 sagt:

    Man Ihr könnt Fragen fragen!

    „In der anhaltenden Debatte um die mögliche Insolvenz einiger Euro-Mitgliedsstaaten ist ein entscheidender Faktor unterrepräsentiert: Der Bürger.“….

    Bei „Bürger“ ist ein `r` zu viel, oder?

    Ich komm hier ganz schön durcheinander. Wer ist Geber und wer ist Nehmer? Irgendwie sind wir alle alles gleichzeitig.

    Da D ja nun mal bürgt, dürfte es so sein, dass D dieses Spiel beendet. (Wobei wir ja grundsätzlich für uns selbst bürgen. Ware wird mit Kredit geliefert=Arbeitsplätze in D)
    Aber eben unter der Vorraussetztung, dass einigen Parlamentariern der Druck in Ihren Wahlkreisen zu groß wird. Kurz, dass denen der Ars… auf Grundeis geht. Die Frage ist, was die Systempresse jetzt machen wird, soll, darf?

    Die sogenannten Nehmerländer werden nicht wirklich sparen, weil man das den dortigen Bevölkerungen nicht verkaufen kann. Dann gibt es dort Ärger. Außerdem ist Sparen im Sinne einer echten Kreditrückführung, also Geldvernichtung, im Gesamtsystem ja eh nicht möglich.

    Oder es kommt wirklich noch ein „Schwarzer Schwan“ daher. Über diese Thema spricht im Moment auch keiner.

    Gestern hörte ich im öffentlichen rechtlichen Rundfunk das erste Mal den Begriff: Vereinigte Staaten von Europa!

    Bitte nicht! Ich hoffe nicht, dass dieses Elitenprojekt noch realisiert werden wird. Das wird zwar unter Führung D passieren. Ich möchte es trotzdem nicht.

    VG aus Sachsen

  9. wolfswurt sagt:

    Die Bürger bürgen!

    Der Bürger steht als letztes Glied in der Verschuldungskette und wird mit seinem Vermögen haften!

    Und jetzt Achtung!

    Die BILD(also Springerverlag) hat heute Steinbrück zum nächsten SPD Kanzlerkandidaten ausgerufen.
    Da Merkel die nächste Wahl nicht mehr gewinnen wird, ist von Steinbrück als nächstem Kanzler auszugehen.

    Steinbrück steht für die grandioseste Lüge der letzten 10 Jahre: wir, Merkel und er, garantieren für die Spareinlagen der Bürger.

    In einem Interview gab Steinbrück 2 Jahre später auf die Frage des Moderators „Kann ein Staat für die Summe von Billionen Euro Sparvermögen überhaupt einspringen?“ folgende Antwort: natürlich nicht. Aber wir mußten uns etwas einfallen lassen um die Situation zu beruhigen. Die Bundesbank gab uns ein Signal, wenn wir nicht eingreifen um die Abhebungen der Bürger zu stoppen, ist in zwei Tagen Schluß.“

    Ist Steinbrück Kanzler wird er stehen für: Zwangsabgaben auf Vermögen, Kapitalverkehrskontrollen, höhere Besteuerung für Leistungsträger, Verstaatlichung der Banken und im Fall einer Währungsreform für Zwangshypotheken und dem Verfall von Lebensversicherungen u.ä.
    Selbstverständlich werden die Renten und Rentenansprüche auch gekürzt.

    Rosarote Zeiten für Leistungsempfänger…

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