Neid und Wahn fallen über Deutschland her

16. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek Es muss im Streit um den Euro schon sehr weit gekommen sein, wenn jetzt ausgerechnet der kleine Inselstaat Zypern zum Prüfstein für das Überleben der Einheitswährung wird (bzw. wegen der Teilung der Insel in griechisches und türkisches Gebiet nicht einmal die ganze Insel). Dazu passt, dass sich zuletzt nach langer Pause Bernard Connolly zu Wort gemeldet hat…

Der Brite, einst Spitzenbeamter der EU, hatte Mitte der 90er Jahre den Schneid besessen, vor dem Euro zu warnen, und nebenbei die vor drei Jahren offen ausgebrochene Eurokrise vorhergesagt.

Sein Buch „The Rotten Heart of Europe“ fand damals besonders in Fachkreisen viel Beachtung, doch es kostete seine Karriere. In den Räumen der Brüsseler Bürokratie hatte er sogar Hausverbot. Was sagt Connolly heute?

Auf einen Nenner gebracht: Deutschland muss entweder jährlich ein Zehntel seiner Wirtschaftsleistung an andere Euroländer zahlen, um den Euro zu retten, oder die dortigen Aufstände weiten sich bis zu Bürgerkriegen aus. Frankreich, Italien, Spanien und Portugal seien unflexible Volkswirtschaften, die viele Jahre brauchen, um sich zu reformieren. Daraus folge, dass es dort zur Massenarbeitslosigkeit komme.

Schließlich holt Connolly zu einem besonders aus deutscher Sicht bedenklichen Fazit aus: Angenommen, Deutschland fügt sich in sein Schicksal und willigt in eine Transferunion zu eigenen Lasten ein. Dann sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir auch Frankreich finanziell unterstützen müssen. Doch das könne keine Bundesregierung wollen.

Im Übrigen: „Wir geben euch Geld, und ihr befolgt die Regeln, das funktioniert einfach nicht.“

Aber was funktioniert? Diese Frage lässt sich aus heutiger Sicht einfach nicht beantworten. Denn die Lage in Ländern wie Spanien, Portugal und Griechenland ist mittlerweile so prekär, dass aus den derzeitigen Massenbewegungen von einem Tag auf den anderen politische Umstürze entstehen können. Dann erübrigt sich die Frage nach den Funktionsmechanismen im Euroraum von selbst, weil solche Umstürze bedeuten, dass neue Politiker an die Macht kommen und erst einmal alles auf den Kopf stellen.

Dazu ein paar Fakten, die von deutschen Medien viel zu wenig aufgegriffen werden: Im Euroraum gibt es offiziell 19 Millionen Arbeitslose, entsprechend einer Quote von 11,9 Prozent. Das ist ein Rekord seit Einführung des Euro. Die Arbeitslosigkeit ist vor allem unter jungen Leuten dramatisch hoch. Das ist gefährlich, weil hier ein Konfliktpotenzial entsteht, das von heute auf morgen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führen kann, besonders in den Krisenländern am Mittelmeer. Die Arbeitslosenquote liegt in Spanien bei gut 26 Prozent, in Griechenland bei 27 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland 5,5 Prozent, Österreich sogar nur 4,9 Prozent.

Die Debatte, wie man die Probleme bewältigen kann, hat in deutschen Medien skurrile Züge angenommen. Denn sie hat sich von Themen wie Transferunion oder Jugendarbeitslosigkeit abgekoppelt und ist direkt in eine Neiddiskussion und in den Regulierungswahn übergegangen. Kennzeichnend für den Neid: Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht überzogene Managergehälter beklagt werden. Es gilt, sie zu beschneiden, egal wie – so verlautet es nicht nur aus Volkes Stammtisch-Stimme, sondern auch aus Kreisen der Bundesregierung einschließlich der Kanzlerin. Obendrein kommt eine ganze Welle des Neids aus den schwachen Euroländern wie auch aus der ganzen EU auf Deutschland zu… (Seite 2)

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