Negativ, Mister Bowman!

28. März 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Die legendäre Antwort des Bordcomputers HAL 9000 im Weltraumepos 2001: A Space Odyssey hatte etwas wunderbar endgültiges. Du bist raus, Bowman! Muss ein ziemlich übles Gefühl sein, außerhalb eines Raumschiffs herumzuschweben und sich mit einem wiederborstigen Bordrechner herumzuschlagen.

Viel einfacher ist es derzeit für eine wachsende Zahl an Menschen in den Vereinigten Staaten auch nicht. Leider ist es aber kein Vergnügen, dass nach albernen 143 Minuten, 5 Litern Popcorn und ein paar Flaschen Bier vorbei ist. Der unangenehme Film einer wachsenden Schicht in den Staaten erfährt jeden Tag eine Fortsetzung. Nachrichten von Banken die – tataaa – wieder Gewinne machen und gar – selbst die FAZ war sich zur Verbreitung dieses Schmarrns nicht zu schade – zum Wachstumsmotor mutiert sein sollen sind Schläge in die Gesichter von mehr als 40 Millionen Menschen im selbst ernannten Wunderland.

Heute wollen wir nicht weiter auf die Art und Weise der Erzielung der vermeintlichen Gewinne von Finanzinstituten eingehen. Auch die alberne Rechnung, der Staat habe mit den Rettungsaktionen per Saldo Geld verdient, soll heute nicht erwähnt werden. Die der Realität näher kommende Verlust dürfte nebenbei bemerkt bei rund $125 Mrd. liegen – ohne die unabsehbaren Folgen des monetären Wahnsinns den ein verhinderter Zauberkünstler in der US Notenbank und seine getreuen Abnicker anzetteln.

Was passieren wird, wenn die Geister, die der große Vorsitzende gerufen hat, nicht mehr gehen wollen, steht in seinem ganzen Ausmaß in den Sternen. Was nicht eintreten wird ist ein herbeigedruckter Aufschwung. Die vergangenen Jahre zeigen den absoluten Willen der Zentralbanken, diesmal mit einem Stapel zusammengeborgter Chips all-in zu gehen.

Am Pokertisch mag jeder situationsabhängig für sich entscheiden, ob dies das Mittel der Wahl ist. Da es um die Volkswirtschaft geht, darf man aber einigermaßen erstaunt sein, wie widerstandslos jede Entscheidung des Zentralkomitees bejubelt wird. Für das gute Gewissen wird noch ein bisschen von Exit gefaselt, von einer Schuldenbremse, von einem Verkaufen aufgekaufter Wertpapiere an „den Markt“. Vergessen Sie es…

Nominal kann man ja so ziemlich alles hinbekommen, das zeigt ein Blick nach Zimbabwe oder auch in das Israel der 80er Jahre. Inflation ist nun einmal kein Ereignis sondern ein mächtiger Prozess. Gemeinsam mit den Tücken der Prozentrechung kommen da ganz erstaunliche Zahlen zusammen. Pumpt man die Aktien um 656.000% auf, genügt es trotzdem die Währung um 99,98% abzuwerten um wieder beim Ausgangspunkt herauszukommen. Prima, denn mit dem Zerstören von Währungen kennen wir uns ja bestens auf.

Diese Fähigkeit ist auf dem besten Wege, eine Kernkompetenz der Zentralbänker und Schatzämter zu werden. Der ein oder andere soll bereits wirklich daran glauben, dass Geld zu drucken mit Wertschöpfung gleichzusetzen ist. Gut, dass derzeit scheinbar alle gleichzeitig abwerten wollen, da fällt eine etwaige eigene Schwäche immerhin nicht so ins Auge.

Ein nominaler Aufschwung lässt sich eine Zeit lang besser verkaufen als ein realer Stillstand oder eine Schrumpfung. Dumm nur, dass man sich von nominalen Anstiegen im wahrsten Sinne des Wortes nichts kaufen kann. Das gilt vor allem für diejenigen, die keinerlei nach oben treibende Assets besitzen, die das Elend zumindest puffern. Die folgende Darstellung zeigt die Entwicklung der auf Beihilfen zum Lebensunterhalt angewiesenen US Amerikaner. Dargestellt ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung.

Wie die Grafik nahe legt sind auch die absoluten Zahlen erschreckend. Derzeit sind mehr als 43 Millionen Menschen betroffen. Allein seit dem Dezember des Vorjahres ist diese Zahl um über 3 Millionen angewachsen. (Seite 2)


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4 Kommentare auf "Negativ, Mister Bowman!"

  1. Hauki sagt:

    Sehr geehrter Herr Ponzi,

    an dieser Stelle möchte ich mich einmal für Ihre Artikel bedanken. Leider gibt es zu wenige, die ihrem Beispiel folgen und so hoffe ich sehr, dass Sie auch weiterhin Ihre Zeit und Ihre Arbeit einer interessierten Leserschaft kostenlos zur Verfügung stellen …

    Erwähnenswert bzgl. Lebensmittelkarten wäre evtl. noch, dass auch hier wieder Banken ein einträgliches Geschäftchen mit Hilfe des Staates machen …

    JP Morgan Profits From Food Stamp Processing Business:
    http://seekingalpha.com/article/247234-jp-morgan-profits-from-food-stamp-processing-business

    JP Morgan’s Big Food Stamp Business:
    http://www.youtube.com/watch?v=3lA016FzmYg

    Beste Grüße auch an den Rest der Belegschaft.

    :O)

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo zusammen!

      @Hauki
      Vielen Dank!

      Ja, es ist in der Tat immer wieder erstaunlich, wo und auf welche Art die Großbanken mitverdienen. Gerade angesichts eines nicht eben schlanken öffentlichen Sektors in den Staaten darf man sich schon wundern, welche Aufgaben ausgelagert werden und welche nicht.

      Beste Grüße an die Leserschaft
      Bankhaus Rott

  2. Bankhaus Rott » Negativ, Mr. Bowman! sagt:

    […] Hier geht es weiter! […]

  3. khaproperty sagt:

    Ja, die alte Tante FAZ leidet wieder reichlich unter Verfettung und Vergreisung, nicht nur im Wirtschafts- und Finanzteil transportiert sie die bekannte Päppel-Propaganda völlig unkritisch mittlerweile, sondern es rühmt sich auch der Mitherausgeber Nonnenmacher, kleinste Details der Berlusconi-Orgien ( sinngemäß:enorme Schweinereien ) bezeugen zu können -moralinsaure Klage über anderer Leute Privatangelegenheiten. Direkt oder indirekt leben mittlerweile an die 30% aller arbeitsfähigen US-Amerikaner von staatlichen Zuwendungen – die Mehrheit davon (noch) durch Arbeitsleistung.

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