Naturphänomene als Erdbebenvorhersage

10. Mai 2011 | Kategorie: Aufgelesen, Zeitlos

Hans-Jörg Müllenmeister

Ein Urverlangen des Menschen ist es zu wissen, was ihm die Zukunft bringt, vor allem interessieren existenzbedrohende Ereignisse wie Erdbeben. Was die Zukunft alles im Schilde führt, versuchen uns Wahrsager, Gurus und Propheten aufzuschwatzen – meist gegen ein saftiges Honorar. Zeitlich und räumlich verlässliche Vorhersagen von Erdbeben zu treffen, sind aber nach dem heutigen Stand der Geowissenschaft nicht möglich. Und doch gibt es skurrile Naturbeobachtungen, die Zweifel an der doktrinären Wissenschaft aufkommen lassen. Diesen Phänomenen wollen wir einmal nachspüren.

Spüren Ameisen frühzeitig Erdbeben?

Zur Zeit steht die Erdbebensensibilität hügelbauender Waldameisen am Laacher See in der Osteifel auf dem Prüfstand. Ein Geophysiker entdeckte nämlich, dass Waldameisen mit Vorliebe auf tektonischen Bruchzonen siedeln, genauer auf gasdurchlässige Seitenverschiebungen. Vorteil der krabbelnden Erdbebensensibelchen: Sie leben direkt auf dem Informationskanal aus der Tiefe in Kontakt zur Störzone und sie sind ortsfest. Ihr Verhalten lässt sich deshalb rund um die Uhr mit Infrarotkameras beobachten. Offensichtlich reagieren sie besonders, wenn sich die Konzentration des Kohlendioxid aus der Tiefe verändert: eine Bedingung für die optimale Sauerstoffregulierung im Nest. Dabei können sich Gasmenge und Zusammensetzung vor und nach Erdbeben ändern. Man mutmaßt, dass die Insekten sehr geringe Temperaturanstiege wahrnehmen, vielleicht auch elektromagnetische und mikroseismische Signale aus der Tiefe. Sollten die Verhaltensweisen der Ameisen vor Erdbeben signifikant und reproduzierbar sein, wären Ameisenhügelketten als permanentes Beobachtungsnetzwerk sinnvoll: eine mögliche Erdbebenvorhersage mit ausreichender Vorlaufzeit – wie die Wettervorhersage. Die bisher beobachteten Ameisenaktivitäten vor und nach Erdbebenereignissen sind ungewöhnlich. Sie weichen am Tag aber auch in der Nacht vom beobachteten normalen Tagesablauf ab.

Elefanten hören Infraschall aus der Tiefe

Vom größten Landsäugetier dem Elefanten weiß man, dass Rüssel und Füße als Empfangsorgane dem Infraschall dienen. Uns allen ist noch das Tsunami auslösende Erdbeben von 2004 auf Sumatra in Erinnerung. Es trieb die Elefanten panisch weg von der Küste. Die Dickhäuter besitzen hochsensible Druckrezeptoren in der Rüsselspitze, die Infraschall unterhalb von 16 Hertz wahrnehmen. Damit können sie auf dem Boden den Schall zwar ertasten, aber nicht feststellen, aus welcher Richtung dieser kommt. Das übernehmen die Druckrezeptoren in den Fußsohlen. Elefanten „hören“ mit den Beinen – ähnlich wie Menschen mit ihren zwei Ohren – stereophon, weil der Schall mit unterschiedlichen Laufzeiten ankommt.

Metallionen im Tiefwasser

Ein Forscherteam auf Island maß 2002 über einen längeren Zeitraum hinweg in wöchentlichen Abständen den Gehalt verschiedener Metallionen im Wasser aus 1500 Meter Erdtiefe. Eines Tages stieg der Mangangehalt ungewöhnlich heftige an. Einige Wochen später passierte dasselbe mit dem Gehalt an Zinkionen im Wasser und kurz darauf mit Kupfer. Bald darauf erschütterte ein starkes Erdbeben die Region mit einer Magnitude von 5,8 auf der Richterskala. —>

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