Native Nahrung und der Botenstoff Serotonin

17. September 2011 | Kategorie: Aufgelesen

von Hans-Jörg Müllenmeister

Fein vermahlene native, also lebendige Pflanzenkost aktiviert nicht nur die Aufnahmefähigkeit unseres Dünndarms; sie bewirkt Erstaunliches im Stoffwechsel. Diese Erkenntnis hat einen größeren Tiefgang als alle hitzigen, zudem widersprüchlichen Diskussionen über Diäten, synthetische Vitamin-Pillen und Erkrankungen infolge eines gestörten Stoffwechsels. Spannend und verblüffend zugleich ist es, zu erfahren, warum in dem Zusammenhang ein bestimmtes körpereigenes Hormon wie ein Generalschlüssel aktiv Tür und Tor öffnet für eine kerngesunde Lebensweise!

Der fast brach liegende Dünndarm

Es scheint, dass wir zwei Organe besitzen, deren evolutionäre Kapazität wir nur zu wenigen Prozenten nutzen. Zum einen wäre das unser Gehirn – zum anderen der Dünndarm, dem Tatort der Verdauung. Wir können uns zwar mit üblicher Normalkost begnügen, dann bleibt aber der Dünndarm sträflich unterbeschäftigt. Seine Stoffwechseltätigkeit erledigt er mit dem Verdauungsepithel im oberen Teil, genauer mit dem ersten seiner sechs Meter Länge. Um Nahrungsbestandteile gut aufzuschließen, ist die innere Oberfläche durch Falten, Zotten und sogenannte Mikrovilli enorm vergrößert. Allein die Falten erweitern die Oberfläche schon um das Dreifache. Zotten und Mikrovilli erhöhen die Oberfläche nochmals um das Fünfhundertfache. Letztendlich hat der Dünndarm eine stattliche Resorptionsoberfläche von rund 200 Quadratmetern – so groß wie ein Tennisfeld. Dass wir davon nur 10 Quadratmeter seiner Verdauungsfläche nutzen und sie dabei strapazieren, aber den großen Rest brach liegen lassen, liegt kaum im Sinne der Natur.

Ein Zahlenspiel verdeutlicht es

Andererseits können wir dafür sorgen, dass bereits unsere angelieferte Nahrung mikroklein ist. Betrachten wir dazu ein Nahrungspartikel als Kugel. Je kleiner sie ist, umso besser lassen sich die Inhaltsstoffe aufschließen und verwerten: die Verdauungssäfte wirken nämlich an der Oberfläche und nicht in tieferen Regionen.

Die Gesamtoberfläche der aufgenommenen Nahrung ist bei fein vermahlener Kost um ein Vielfaches größer. Bereits bei verdoppelter Oberfläche der einzelnen Nahrungsbestandteile lässt sich – durch besseres Zerkleinern – mit der Hälfte der Nahrungsmenge derselbe Versorgungseffekt erzielen.

Zermahlen wir gedanklich einen Nahrungspartikel auf 0,001 Millimeter. Eine Milliarde dieser Winzlinge würden davon in eine 1-mm-Kugel passen. Gemeinsam haben sie die unglaubliche Oberfläche von rund 3,14 Quadratmeter! Eine volumengleiche 1-mm-Kugel böte nur das Einzehntausendstel dieser Oberfläche.

Zurück in die Praxis rein in den Dünndarm

Mit unseren Backenzähnen können wir Pflanzliches in der Tat bis auf ein Tausendstel Millimeter herunter mahlen, theoretisch – meist sind wir aber kaufaul und verschlingen große Brocken. Sicher wundert es Sie, warum sich unsere Artverwandten, die Gorillas, aus fast reiner, wenig energiereicher Pflanzenkost zu solchen Kraftprotzen entwickeln. Was lernen wir daraus? Hohe Beißkraft und gutes Kauen sind die Voraussetzung dafür, dass sich fein vermahlene Nahrung besser verstoffwechseln lässt. Keine Angst, gepflegte Kaukunst macht uns nicht wieder zu Gorillas.

Normalkost muss erst durch das saure Milieu des Magens bearbeitet und vor Eintritt in den Dünndarm neutralisiert werden. Dann erst geht’s portionsweise im Minutentakt in den Dünndarm.

Es gibt eine einfache Methode, um den ganzen Dünndarm „in Brot und Arbeit“ zu bringen. Man muss nur – so wie unsere evolutionären Verwandten – rohe, fein vermahlene pflanzliche Kost gut eingespeichelt oder zusammen mit reichlich Flüssigkeit zu sich nehmen.

Bei leerem Magen geschieht dann folgendes: die millimetergroßen Nahrungspartikel laufen – „angelöst“ in Flüssigkeit – wie über eine Wasserrutsche die sogenannte Magenrinne hindurch, passieren ungehindert den Magenpförtner und verteilen sich über das ganze Dünndarmepithel. Solch ein feiner Brei mit seinen vielen Mikronährstoffen aus Aminosäuren, Vitaminen, Enzymen, Pigmenten, Mineralstoffen u.v.a. ist im Kern roh mit all seinen Nahrungsenzymen und besteht nicht aus strukturell denaturierten Proteinen. Dieser Speisebrei wird mit größerer Effizienz im ganzen Dünndarm in seine Einzelteile zerlegt und über die Darmbarriere hindurch an den Blutkreislauf und die lymphatischen Systeme abgegeben. Diese „Transportunternehmen“ geleiten sie durch den Körper bis in die letzte seiner 100 Billionen Körperzellen… (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Native Nahrung und der Botenstoff Serotonin"

  1. Takuto sagt:

    Guter Artikel. Dieses Thema kann man gar nicht ernst genug nehmen, wenn man an all die ernährungsbedingten Krankheiten wie Krebs und Diabetes denkt.

  2. rolandus sagt:

    Upps, da bin ich aber überrascht, dass mein Frühstück hier, nicht nur zur Sprache kommt, sondern mittlerweile auch schon bei amazon zu bestellen ist.

    Seit über 3 Jahren ist das „Pulver“ wie ich es immer gerne nenne, nun mein Frühstück vor dem Früchstück und der einzige „Nachteil“ ist vielleicht der neutrale etwas staubige Geschmack, gegen eine originale Signora Pizza Margerita oder Pasta Siciliana hat es keine Chance ,-)

    Vielen Dank an Herrn Müllermeister, der den Abdominalchirurgen noch das Fürchten (vor leeren OP Tischen ) lehrt, aber dazu müssen noch 2 Generationen aus der Mc Doof Tierschlachterei Hypnose geweckt werden.

    aus Hamburg grüßt
    rolandus

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