Schweizer Bürger müssen wissen, wo ihr Gold lagert

4. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Wirtschaftsfacts.de (Danke, Roman!)

Der Aargauer Politiker Luzi Stamm wurde 1989 für die FDP erstmals in den Schweizer Nationalrat gewählt. Im Jahr 2001 wechselte Herr Stamm wegen der EU-Beitrittsfrage die Partei und fand seine neue politische Heimat in der SVP. Im Zuge der Nationalratswahlen im Jahr 2007 holte er in seinem Kanton Aargau das zweitbeste Stimmergebnis und wurde somit von seinen Wählern abermals als Parlamentarier bestätigt. Herr Stamm und drei weitere Abgeordnete des Schweizerischen Parlaments geben nun den Anstoß zu einer Unterschriftenkampagne für eine „Goldinitiative“. Wir freuen uns, dass er sich die Zeit genommen hat, um mit uns darüber zu sprechen.

Die „Goldinitiative“ (offizieller Name „rettet unser Schweizer Gold“) verfolgt kein geringeres Ziel als die Goldreserven der Eidgenossen zu sichern. Unter anderem rufen die Kampagnenmacher dazu auf, dass das Schweizer Gold in der Zukunft ausschließlich in der Schweiz – und nicht mehr in Teilen im Ausland – zu lagern ist. Damit sie zustande kommt, müssen insgesamt 100.000 Unterschriften gesammelt werden. All unsere Schweizer Leser sind dazu aufgerufen, Herrn Nationalrat Stamm und seine Initiative tatkräftig zu unterstützen!! Seine Webseite zur “Goldinitiative” haben wir oben verlinkt.

INTERVIEW

wirtschaftsfacts.de: Herr Nationalrat Stamm, lassen Sie uns mit einer allgemeinen Frage beginnen. Für wie wichtig halten Sie die Goldreserven der Zentralbanken im Angesicht der sich zuspitzenden Finanzkrise?

Nationalrat Luzi Stamm: Für sehr wichtig! Die Unabhängigkeit eines Landes hat sehr viel zu tun mit der Unabhängigkeit der eigenen, nationalen Zentralbank. Und eine Zentralbank kann nur glaubwürdig bleiben, wenn sie werthaltige Reserven besitzt; also vor allem auch Gold.

wirtschaftsfacts.de: Ihre Initiative Gold setzt sich für eine zukünftige Sicherung der Schweizer Goldreserven ein. Sind die Schweizer Goldbestände in den Tresoren der SNB nicht mehr gut aufgehoben?

Nationalrat Luzi Stamm: In den Tresoren der Schweizer Nationalbank wäre das Gold ohne Zweifel gut aufgehoben. Aber es ist unerträglich, dass wir nicht wissen, wo es sich befindet. Mit scheint es unglaublich, dass gegenüber den Bürgern von Deutschland, den USA, der Schweiz, etc. verheimlicht wird, wo ihr „Volksvermögen Gold“ liegt.

wirtschaftsfacts.de: Wie rechtfertigt eine das Volksvermögen verwaltende Zentralbank wie die SNB ihre Maxime, die Lagerorte ihrer Goldreserven nicht mehr öffentlich bekannt zu geben? Hat das noch etwas mit Demokratie zu tun?

Nationalrat Luzi Stamm: Dieser Missstand herrscht schon seit Jahrzehnten. Ich staune, dass die öffentliche Diskussion erst jetzt langsam aufkommt. Die Geheimnistuerei muss in einer Demokratie in der Tat die Alarmglocken läuten lassen.

wirtschaftsfacts.de: Was könnten die Beweggründe der SNB sein, der Schweizer Öffentlichkeit die Lagerorte ihrer Goldreserven zu verschweigen?

Nationalrat Luzi Stamm: Wenn man die Dinge für die Nationalbank extrem wohlwollend beantwortet, könnte man vielleicht sagen, dass der Anspruch, von der Politik unabhängig zu sein, auch ein Geheimhaltungsrecht beinhaltet. Ich bin aber anderer Meinung.

wirtschaftsfacts.de: Kritiker sind der Ansicht, dass die Zentralbanken falsche Statistiken über ihre Goldbestände ausweisen. Es kommt immer wieder die Behauptung auf, dass die Zentralbanken in den vergangenen Dekaden mehr Gold aus ihren Beständen an Geschäftsbanken verliehen oder verkauft haben als sie zugeben. Wie sehen Sie das?

Nationalrat Luzi Stamm: Es erstaunt mich nicht, dass solche Gerüchte aufgekommen sind, nachdem die Zentralbanken die Auskunft verweigern. Vor allem ist zu befürchten, dass Gold ausgeliehen ist. Oft wird übersehen, dass ausleihen ebenso gefährlich sein kann wie verkaufen (wenn der Schuldner das Gold nicht mehr zurückgeben kann respektive der betreffende Staat dieses nicht mehr zurückgeben will).

wirtschaftsfacts.de: Um Ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, will Ihr Initiative Gold bald ein landesweites Referendum abhalten. Wie viele Unterschriften brauchen Sie noch, um dieses Referendum Realität werden zu lassen?

Nationalrat Luzi Stamm: Wir haben leider erst ungefähr die Hälfte der notwendigen Unterschriften zusammengebracht, also rund 50.000. Jede zusätzliche Hilfe für die Unterschriftensammlung ist hoch willkommen.

wirtschaftsfacts.de: Warum lagern Zentralbanken einen Teil ihrer Goldbestände eigentlich im Ausland?

Nationalrat Luzi Stamm: Unsere Nationalbank rechtfertigt dies mit der Begründung, sie wolle möglichst flexibel bleiben – wenn sie mit Gold handeln will.

wirtschaftsfacts.de: Welche Auswirkungen wird die anhaltende Monetisierung ausstehender Schulden von Staaten und Banken durch die Federal Reserve, die Bank of England und die Europäische Zentralbank an den Devisenmärkten zur Folge haben?

Nationalrat Luzi Stamm: Meines Erachtens gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder werden die Schulden direkt den Steuerzahlen aufgebürdet. Oder aber es wird Inflation verursacht. Und das trifft den Mittelstand indirekt, vor allem in den „reichen Staaten“ wie Deutschland.

wirtschaftsfacts.de: China wurde zum rettenden Anker und zur Hoffnung für die Weltwirtschaft erkoren. Sind die aus China gemeldeten Daten eigentlich valide? Und was wird geschehen, wenn der durch viele Beobachter erwartete Wirtschaftscrash in China einmal einsetzt?

Nationalrat Luzi Stamm: China wird uns die Probleme Europas (und den USA) langfristig sicher nicht lösen. Spätestens, wenn die Überalterung der chinesischen Gesellschaft als Spätfolge der „Einkind-Politik“ zunimmt, wird auch China Probleme haben. Wenn wir in der westlichen Welt den Dollar und den Euro ruinieren, hat das nichts mit China zu tun.

wirtschaftsfacts.de: Die Eurozone steht vor dem Auseinanderfallen. Welche Konsequenzen wird ein derartiges Ereignis für die Schweizer Wirtschaft haben?

Nationalrat Luzi Stamm: Der Euro als gemeinsame Währung für Staaten mit völlig verschiedener wirtschaftlichen Entwicklung ist ein klarer Fehler. Der Euro wurde als politisches Projekt eingeführt, entgegen der wirtschaftlichen Logik. Ein Auseinanderbrechen des Euro wäre langfristig ein Vorteil  – auch für die Schweiz, die vor allem von der Wirtschaftslage in Deutschland abhängig ist.

wirtschaftsfacts.de: Herr Nationalrat, wir bedanken uns für dieses Interview und drücken Ihnen und Ihren Kollegen bei der Initiative Gold ganz fest beide Daumen für eine erfolgreiche Umsetzung Ihrer Kampagne.

Die „Goldinitiative“ (offizieller Name „rettet unser Schweizer Gold“)


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2 Kommentare auf "Schweizer Bürger müssen wissen, wo ihr Gold lagert"

  1. mfabian sagt:

    Noch als Hintergrundinformation einige Zahlen:
    Im Jahr 2000 hatte die Schweiz 2390t Gold.
    Die Hälfte davon wurde verkauft. Die Goldreserven betragen jetzt 1040t.
    Nach Angaben der SNB sind 12% des Goldes verleast. Somit dürften physisch rund 915t verbleiben.
    Je die Hälfte des Goldes befindet sich nach Angaben der SNB in der Schweiz bzw. im Ausland.

    Die Goldverkäufe wurden zu einem Durchschnittspreis von Fr. 16’747/kg abgewickelt. Aktuell liegt der Goldpreis bei Knapp Fr. 50’000/kg.
    Verlust (oder entgangener Gewinn): Fr. 48 Mrd.

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