Nass gemacht

30. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

Glosse von Frank Meyer

Habemus Rettungsschirm! Wir haben einen Rettungsschirm, sogar mit Hebel, welcher vor drei Wochen noch vehement ausgeschlossen wurde. Niemand hatte die Absicht einen Hebel… Ach, Sie wissen schon…

Manneken Pis, dem Brüsseler Stadtmaskottchen, stockte kurz das Wasser, als weißer Rauch über dem Zentralkomitee für gesamteuropäische Rettungsangelegenheiten aufstieg. Das Atomium der Stadt leuchtete auf wie Reaktor 1 des AKW Fukushima.

Kommt nicht alles Gute aus Brüssel? In Bezug auf Schokolade stimmt das. Ob die dort erkämpften Entscheidungen genau so zuckersüß sind? Beim nächtlichen Zuckerschwall verklebten sogar meine TV-Lautsprecher.  Vorsorglich habe ich mir eine Insulinspritze gesetzt. Banker und Politik tagten übrigens in verschiedenen Räumen – als Beweis für die Trennung von Kirche, Pardon, Banken und Staat. Erst musste ich Luft holen und dann etwas Gold.

Die armen Banken müssen den Griechen Schulden erlassen. Schön, dass sie die Papiere vorher der EZB untergejubelt hatten. Es heißt, Banken müssen bluten. Erstaunlicherweise verbuchten Bankaktien in dieser Woche historische Kursgewinne. Ging es wirklich um den Euro? Oder war es ein als „Eurorettung“ getarnter Raubzug der Finanzindustrie in die Taschen der Bürger?

Tief in der Nacht gelang es einigen Hühnern der gesamteuropäischen Brutstätte für glückliche Angelegenheiten ein Ei zu legen. Das Gegacker war laut. Gerüchten zufolge, begann im gleichen Moment der bronzene Knabe Manneken zu singen: „In jedem vierten Ei – steckt eine Schweinerei“. Und dann drückte er einen Wasserschwall durch die Nacht, der ganz Europa nass machte.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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