Nächster Showdown: 20. August

8. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek 

Vermutlich sagen Sie sich schon lange: Schluss mit Griechenland! Doch so einfach geht das nicht, leider. Warum? Weil in weniger als zwei Wochen, am 20. August, die nächste Griechenland-Sause stattfinden wird. Konsequent und unerbittlich, so, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt. Glauben Sie nicht?

Dann lassen Sie sich eines Besseren belehren: Die Forderungen Deutschlands an Griechenland könnten durch ein drittes Hilfspaket in absehbarer Zeit auf 117 Milliarden Euro steigen. Das haben die Volkswirte der DZ Bank ermittelt, von denen es in Frankfurter Finanzkreisen heißt, sie seien nicht auf den Kopf gefallen.

Um die 117 Milliarden griffiger zu machen: Sie entsprechen etwa der Summe aller börsennotierten Schuldverschreibungen, die von deutschen Lebensversicherern im Lauf der vergangenen Jahrzehnte für die Bundesbürger angespart wurden; das sind immerhin 13,5 Prozent der Kapitalanlagen dieser Versicherer. Wegen solcher Zahlenvergleiche zerbricht sich derzeit zwar kaum jemand den Kopf, aber sie werden in absehbarer Zukunft über die DZ Bank-Volkswirte hinaus auch die deutsche Öffentlichkeit stark beschäftigen. Unter der Oberfläche gärt es jedenfalls schon.

Dass Deutschland den sehr hohen Betrag, den Griechenland uns schuldet, jemals eintreiben könnte, ist illusorisch. In Berlin diskutiert man deshalb hinter verschlossenen Türen, wie so etwas der Bevölkerung klar zu machen sei, ohne dass die auf die Barrikaden geht. Bisher hat die Diskussion noch nichts gebracht. Doch der 20. August rückt näher. Und weil die EU-Kommission bereits verlauten ließ, das dritte Hilfspaket für Griechenland gehe in Ordnung, wird Deutschland mit einem Anteil von 27 Prozent dabei sein; das sind 23 Milliarden Euro. Um nochmals den Vergleich mit der Assekuranz anzustellen: Dieser Betrag entspricht etwas mehr als der Summe der Unternehmensanleihen, die deutsche Lebensversicherer in ihren Büchern haben. Das sind 3 Prozent ihrer Kapitalanlagen.

Warum lässt Deutschland sich überhaupt auf solche Deals wie das Hilfspaket ein? Dafür gibt es viele Antworten, die zum größten Teil auf den wirren Vertrag von Maastricht und dessen Folgen zurückgehen, bezüglich Griechenland auch auf dessen unter ominösen Umständen zustande gekommenes Einschleichen in die Eurozone. Seit einigen Monaten drängt sich indes noch eine weitere Antwort auf: Deutschland wird immer mehr vom Internationalen Währungsfonds (IWF) gedrängt, zu retten, was zu retten ist.

Das geht mit harten Bandagen zu: Mal soll Deutschland für defizitäre Euroländer einspringen, mal staatliche Programme zur Belebung der Konjunktur auflegen, mal öffentliche Investitionen fördern, mal den Exportüberschuss senken. An diesem Wunschkonzert beteiligt sich sogar Ben Bernanke, der frühere Chef der US-Notenbank Fed. Spitzname: Helicopter Ben, weil er mal – symbolisch gemeint – damit drohte, massenweise Geld aus einem Helicopter zu werfen, falls das zur Stimulierung der Konjunktur erforderlich sei.

Die neueste Spielart mit harten Bandagen besteht darin, dass der IWF mal eben in die Welt hinausposaunt, die griechische Schuldenquote an der Wirtschaftsleistung (oft auch Bruttoinlandsprodukt genannt) werde schon in zwei Jahren 200 Prozent betragen. Man erinnere sich: Laut Maastricht-Vertrag dürfen es höchstens 60 Prozent sein. Das war allerdings von vornherein eine Farce, weil sich praktisch kein Land an diese Vorgabe hielt und hält. Hinter den 200 Prozent steckt natürlich die Drohung: Deutsche, helft den Griechen, bevor es zu spät ist!

Der Freigeist Daniel Stelter, früher Unternehmensberater und heute einer der ärgsten Kritiker des Schuldensystems, hat noch andere harte Bandagen ausgemacht: „Die Dämonisierung Deutschlands als böse Hegemonialmacht findet immer breitere Zustimmung. Ein Blick in die Kommentare von heute genügt, ganz zu schweigen von dem Shitstorm, der sich in den sozialen Medien über uns ergießt. Doch nicht nur die politischen Sympathien haben wir verspielt. Wir haben auch die Kosten des Euro für uns maximiert.“

Und die Erkenntnis daraus? Rechnen Sie damit, dass am 20. August eine Mauschelei zulasten Deutschlands herauskommen wird. Und horten Sie weiter Gold, solange es so preiswert wie jetzt zu haben ist. Es ist der beste Schutz vor der nächsten Eurokrise und vor dem sog. Papiergeld generell. — © Manfred Gburek (Homepage)

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5 Kommentare auf "Nächster Showdown: 20. August"

  1. bluestar sagt:

    23 Milliarden Euro für die Finanzoligarchie und wieder ein bisschen Zeit gekauft, das ist doch okay. Totgeburt Euro kostet halt immer mehr um am künstlichen Leben zu bleiben und die 0,1% bereiten sich mit dem Kauf von Sachwerten mittels Falschgeld schon mal in aller Ruhe für den richtigen Platz nach dem Neustart vor. Nebenbei wird das besetzte und ausspionierte Deutschland als Buhmann aufgebaut und durch die neue Völkerwanderung beschäftigt. Interessiert das hier jemanden ? Alles gut bei den Schlafschafen.
    Zur Zeit ist Spielmesse in Köln und bald beginnt der Sommerschlussverkauf. Und wenn es dann irgendwann knallt, war es auf jeden Fall der große Diktator und Kriegstreiber aus Russland.

    • Stefan Sabori sagt:

      Bluestar, Du hast es richtig erkannt! Ja, es gibt viele, die es so sehen wie Du. Vielleich nur eine Mini-Ergänzung. Wenn die Verursacher der Krisen und des Dilemmas dafür zahlen müssten, gäbe es diese Zustände nicht. Wenn der Militär-Industrie-Komplex (der Dutzende Milliarden jährlich Gewinne macht, indem die Waffen in die ganze Welt verkauft werden, die Häuser- die Infrastrukturen – die Werte weggebombt werden. Der immer an beide Seiten Waffen liefert.) als Verursacher des Invasorenstromes („Flüchtlinge“) für die Kosten dieser Menschen bezahlen müsste, dann hätten wir keinen einzigen „Flüchtling“ in unserem besetzten Land.
      Lebe wohl und denke so wie Du denkst, denn es ist richtig!

  2. Jaster sagt:

    Bullshit, wir verdienen doch am meisten an der Griechenlandkrise und den allg Krisen der Südeuropäischen Länder…
    Durch die Krisen wurde unser Zinssatz stetig niedriger, weswegen wir in den letzten Jahren über 80MRD € an Zinsrückgaben gespart haben…
    Zumal 90% ALLER Griechenlandhilfen auf direktem Wege an die Gläubiger gegangen ist (deutsche Banken, Unternehmen etc.) und den Griechen gar nicht zur Verfügung stand.
    Unsere schwarze Null ist nur aufgrund der Krisenländer und unseren dreisten Methoden zu verdanken… (Griechenland ist unser 3. größter Waffenkunde trotz Krise..)
    Unsere Politik wird schön so weiter machen mit Griechenland, kann denen doch egal sein, dass das dort aussieht wie in einem „dritte Welt Land“, solange sich Deutschland eine goldene Nase verdient.
    Deswegen sind wir in Europa nicht beliebt, *** gelöscht vom Admin*** und unsere Bevölkerung ist zu dumm, um das zu sehen und hält sich für was besseres, weil sie in Deutschland leben und wir ja eine „so tolle Wirtschaft“ haben… trauriges Deutschland…

  3. JayJay sagt:

    Ja, die Eurozone fährt mit Volldampf auf eine Wand zu und wenn sie die trifft, wird das erwachen für die Biedermeierschläfer 2.0 in Deutschland sehr hart und das jammern wird groß sein. 🙂

  4. falke sagt:

    Geht es wirklich darum etwas zu retten?
    Nicht vielmehr darum Kontrolle durch Schulden zu erlangen? Die „Privatisierung“ sprich den Ausverkauf von allem was irgend an Wert ist oder sein koennte vorannzutreiben?
    Geld ist Macht, Geld entsteht durch Schulden… Griechenland wird nicht gerettet es wird versklavt. So wie jedes andere Land in absebarer Zukunft auch. Kontrolle ist das Ziel, nicht etwa eigenstaendige Staaten… Kontrolle, bis ausserhalb des Systems kein ueberleben moeglich ist!

    Wie sonst lassen sich diese irrsinnigen Massnahmen erklaeren? Waer griechenland eine Person, keine Bank auf der Welt wuerde dieser auch nur einen Pfennig leien.

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