Warum der Mindestlohn (trotzdem) die Singlehaushalte ausrottet

29. November 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Jetzt, da das Allensbach-Institut in einer Umfrage heraus gefunden hat, dass 70 Prozent der Deutschen der Planwirtschaft zugeneigt sind, geht es bergauf abwärts. Passt! Der bald eingeführte „Mindestlohn“ von 8.50 Euro bringt endlich auch mehr Planbarkeit. Nur der Begriff „Lohn“ stört. Ein paar Berechnungen…

„GROKO“ – die Inkarnation von „GAGA“ wird vermutlich das Wort des Jahres. Und auch der Mindestlohn hat mindestens das Potential für das Unwort des Jahres. Zudem muss sich Lohn wie Arbeit gar nicht mehr lohnen. 42 Millionen Leute sind hierzulande in Lohn und Brot, heißt es offiziell. Zumindest sind 8.50 Euro auch nicht mehr sittlich, aber auch nicht mehr sittenwidrig, sondern Normalität. Das waren mal irgendwann mal 17 Mark – aus heutiger Sicht viel Geld… damals.

Für Schmarotzerbanken gilt das nicht. 8,50 Euro pro Sekunde müssen es schon sein. Deckelung nicht vorgesehen, wegen der Leistung aus Leidenschaft. Naja…

Zahlen Zahlen Zahlen…

Ich habe die Sache mit dem Mindestlohn mal für einen Single ohne Kinder und ohne Kirchen-Verein durchgerechnet. Oh Freude! Die Planbarkeit der täglichen Ausgaben macht richtig Spaß! Los geht`s!

Wer täglich acht Stunden arbeitet, an 21 Tagen im Monat, verdient brutto 1.428 Euro oder 17.136 Euro im Jahr. Nach allen Sozialabgaben bleiben 1.054 Euro monatlich bzw. 12.647 Euro im Jahr als netto übrig. Das sagt der Gehaltsrechner. Womöglich gibt es einige Abweichungen, aber reich werden Mindest-Löhner damit auch nicht, auch wenn die Politik anders rechnet und das Statistikamt erst recht. Merken Sie das auch? Überall ist nun der endlich ersehnte Jubel zu spüren. Spontan hat sich auch so etwas wie Konsumrausch eingestellt, noch etwas lauter noch als im letzten Monat.

Wie aber lebt es sich als Single mit 1.054 Euro netto? Was kann man sich wirklich leisten? Ich beziehe mich auf den statistischen Warenkorb des gleichnamigen Amtes.

Waegungsschema

Nahrungsmittel

Laut Statistikbehörde geben die Deutschen 10,3 Prozent ihres Netto-Hohns für Lebensmittel aus. Einem Mindest-Löhner stünden also 108,56 Euro im Monat zu – oder 3,61 Euro am Tag. Das sind vier Packungen Spaghetti, sechs Büchsen Suppe, ein ganzes Brot oder drei Kilo Zucker. Täglich. Kalorientechnisch dürfte das reichen. Oder?

Tabak und alkoholische Getränke

Das sollten Sie bitte lassen. Mit 40,05 Euro im Monat kommen Sie ohnehin nicht weit, obwohl es da eher schon auf die Sorte ankommt. 1,33 Euro am Tag, okay, ein Bier und eine Zigarette… mehr nicht. Beides ist ohnehin ungesund.

Bekleidung, Schuhe

Sie sollten sich als Mindeslöhner statistisch mit 47,43 Euro im Monat begnügen können oder umgerechnet mit 1,59 Euro am Tag. Eine Marken-Zweitunterhose würde das Budget der Woche komplett sprengen. Jedoch erklärt diese Zahl einiges. Wie Sie schon gehört haben, tragen mehr als die Hälfte der Deutschen ihre Unterhose zwei Tage lang oder länger. Wahrscheinlich weil ihre zweite Unterbux gerade trocknet.

Miete

Hierbei handelt es sich um den größten Posten im statistischen Warenkorb. In Deutschland gehen statistisch 31 Prozent des Gehalts für Miete drauf. Gehalt ist in dem Zusammenhang auch der falsche Begriff, denn Gehalt hält nichts, es flüchtet einfach. Nennen wir es doch stattdessen besser Geflücht?

Wie dem auch sei, die Wohnung eines Mindest-Löhner darf statistisch nicht mehr als 334 Euro im Monat kosten. Für Einrichtungsgegenstände bleiben monatlich 52,70 Euro übrig, was bedeutet, für eine neue Küche müssten Sie 768 Jahre sparen, wenn überhaupt möglich.

Kommen wir zu Pflege und Gesundheit. Dafür müssen monatlich 46,38 Euro ausreichen… Doch es wird noch üppiger! (Seite 2)

 

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36 Kommentare auf "Warum der Mindestlohn (trotzdem) die Singlehaushalte ausrottet"

  1. gilga sagt:

    Hallo Frank,

    die grundsätzliche Debatte um Mindestlohn oder nicht und die Frage von angemessener Bezahlung mal außen vor gelassen. Der statistische Warenkorb ist ein Durchschnitt über ALLE Bevölkerungsteile. Die vom Mindestlohn im wesentlichen betroffenen werden hier ein gänzlich anderes Profil haben als andere Gruppen (es wird praktisch nicht sehr viele Menschen geben, die diesen Schnitt tatsächlich aufweisen).

    Es ist sicher übertrieben zu sagen, dass man in einer Ostdeutschen Großstadt vom Mindestlohn als Single prima Leben kann. Aber es werden große Unterschiede zur im Artikel aufgeführten Beispielrechnung deutlich.

    Nur mal zwei Beispiele:

    Verkehr: Ticket im öffentlichen Nahverkehr => 50-70€ im Monat. Da bleibt noch viel Geld übrig, welches im Fernverkehr oder anderweitig eingesetzt werden könnte.

    Miete: Für 334€ im Monat bekommen wir da 40-50qm… warm. Wer das nicht braucht und mit etwas weniger auskommt…

    Ich möchte hier auch keine Diskussion über das Rauchen oder Restaurantbesuche etc. anfangen. Für mich ist es aber immer wieder erstaunlich, wo gespart und wo das Geld in vollen Zügen ausgegeben wird. Das ist aber nun mal eine höchst individuelle Geschichte.

    Es wird viel über den statistischen Warenkorb geschimpft… meiner Meinung nach aber zu Unrecht. Wer eine Statistik nutzt, sollte wissen wie Sie zu interpretieren ist. Hier wird nach meiner(!) Lesart die Schlussfolgerung gezogen, dass man aus einem Mindestlohn und der statistischen Verteilung im Warenkorb einen politisch gewollten Mindestlebensstandard herleiten kann. Ich bezweifle jedoch das die Herren Politiker dass im Sinn hatten (vielmehr will man wohl die Sozialleistungen nicht mehr tragen und sich in der Öffentlichkeit profilieren; mancher ist sicher auch vom Sinn der Aktion überzeugt) und vor allem das der statistische Warenkorb in dieser Variante dafür brauchbar ist. Wenn dann sollte man eine an die entsprechenden Einkommensgruppen angepasste Variante (keine Ahnung ob es diese gibt; ) heranziehen und dann auch nach regionalen Gegebenheiten staffeln.

    Fakt ist eben, dass es Regionen in Deutschland gibt, in denen 1.500€ Netto das durchschnittliche Haushaltseinkommen(!) darstellen. Zugegeben mit Preisen für das Wohnen etc. wie oben aufgeführt, aber gerade die Dinge welche dann mit den Personen skalieren (Nahrung, Bekleidung, …) sind in Deutschland überall weitestgehend gleich im Preis. In gewissen Regionen arbeiten 2 Personen 40+ Stunden je Woche und kommen zusammen auf 1.500€ Netto und kann davon halbwegs(!) Leben. In anderen geht man 20/h je Woche alleine arbeiten, kommt auf das Gleiche kann davon aber nicht mal Ansatzweise alleine zurechtkommen.

    Aus wirtschaftlicher Sicht ist ein Mindestlohn schon in einem Gebiet wie Deutschland problematisch, da wir extreme Unterschiede zwischen den Regionen haben (im EU-Parlament kommt man ja vielleicht bald auf die Idee Europaweite Mindestlöhne und einheitliche Sozialleistungen aufzuziehen… die Vorboten sind hie und da schon zu vernehmen). Ich selbst mag den Sinn oder Unsinn eines Mindestlohns nicht abschließend beurteilen, habe aus den oben genannten Gründen (Gleichmacherei über die Regionen hinweg) aber meinen Zweifel, obwohl ich die grundlegende Intention nachvollziehen kann.

  2. stephan sagt:

    „Für Einrichtungsgegenstände bleiben monatlich 52,70 Euro übrig, was bedeutet, für eine neue Küche müssten Sie 768 Jahre sparen, wenn überhaupt möglich.“

    Lieber Herr Meyer: Sie dürfen Ihre Ansprüche an eine Küche natürlich nicht auf einen kleinen Mindestlohner übertragen! 😉

    52,70 Euro x 12 Monate x 768 Jahre macht nämlich schlappe 485.683,20 Euro!

    Andererseits: Mit Blick auf die allgemeine Preisentwicklung, müsste in 768 Jahren eine Küche selbst zu diesem Preis möglich sein. Der Mindestlohner muss sich dann aber besonders gut pflegen (lassen), damit er diese seine Anschaffung noch erlebt. 😉

  3. MFK sagt:

    Die dargestellten Verhältnisse sind ja gut belegt, aber was bitte schön ist die Konsequenz? Gar kein Mindestlohn, Mindestlohn 17€ ? Auch der Seitenhieb auf die Schmarotzerbanken ist sicher richtig, führt aber nicht weiter. Löhne bilden sich am Markt. Alles nach unten manipuliert?

  4. Michael sagt:

    Der Mindestlohn ist meiner bescheidenen Meinung nach mit 8,50 EUR zumindest mal ein Schritt, das Schlimmste zu verhindern auf kurze Sicht. Mehr auch nicht. Zu sagen, mein Business geht sich anders nicht aus, Gewinne sollten trotzdem gleichbleiben und wachen, dann zahlen wir weniger… das ist akademisch aber nicht real.

    Grad .de, sehr bemüht im Export – anstatt weniger zu exportieren sollte man schauen, den Binnernmarkt soweit zu stärken dass aus den 7% wieder 6% durch Anhebung der Basis.

  5. bluestar sagt:

    Wenn der deutsche Staat aufhört die Exportwirtschaft permanent mit einem für die Produktivität viel zu billigen Euro auf Kosten der deutschen Bürger permanent zu alimentieren, dann brauchen wir keinen Mindestlohn und anderen regulierten Unsinn.
    Der Mindestlohn ist ein Kind des Übervaters mit Namen Staatsregulierung zugunsten
    der Exportoligarchie und Finanzindustrie auf Kosten arbeitender Menschen.

  6. EuroTanic sagt:

    Der MIndestlohn löst keine Probleme, er soll diese bloss zuklittern. Ich verlange ein neues Gedankenkonstrukt. Warum soll ein Arbeiter, der täglich 8 Std. arbeitet von jemandem anderem seinen Lohn bekommen? Er schafft doch die Werte. Er schafft somit eine tauschbare Leistung. In diesem Sinne schafft er damit „Geld“. Wenn der, der Leistung erbringt auch der ist, der Geld schöpft, ist das Geld immer leistungsgedeckt. Dann braucht es keinen Mindestlohn. Abgesehen davon frage ich mich, warum das Gut das ein Arbeiter produziert automatisch dem Kapital gehören soll, Genauso gut könnte man den Arbeiter als Eigentümer des Gutes deklarieren, dass er produziert. schliesslich entsteht Wohlstand immer nur durch Arbeit, nicht durch leistungslose Vermehrung von Geld, oder Spekulation.

    • MFK sagt:

      Hat super funktioniert in der DDR.

      • bluestar sagt:

        @ MFK
        Hat bestens funktioniert in der Ostzone.
        Deshalb wird es ja auch übernommen.
        Dazu kommen noch gefälschte Statistiken, Regulierungswahn, Realitätsverweigerung,
        Unvermögen, Versprechungen, Lügen, Verblödung, Bespitzelung. War alles auch sehr erfolgreich.

    • bluestar sagt:

      @EuroTanic

      Interessantes Gedankenkonstrukt.
      Stellt allerdings die Grundpfeiler unserer alternativlosen glorreichen kapitalistische Wirtschaftsweise in Frage. Macht aber nichts, das System ist ja sowieso gerade auf dem besten Wege sich selbst zu zerlegen und reiner Kapitalismus ist sowieso von gestern.

    • Skyjumper sagt:

      @ EuroTanic

      Ein gar nicht so verkehrter Gedanke das mal in Frage zu stellen. Allerdings gibt es einen tatsächlichen Fehler, und eine pragmatische Hürde:

      1) Zins ist keine leistungslose Geldvermehrung, denn Kapital ist genau so eine Ressource wie Arbeitskraft.
      2) Der Kapitalgeber hält in der Regel länger ohne einen Produktionsprozess durch als der Arbeitnehmer.

      • MARKT sagt:

        aber nur in diesem, m.E kranken System.
        Aber für alle, die es gut so finden, weiter so die Erfolge sind allenthalben und überall sichtbar, die aus der Huldigung des Kapitals und ausschlißlich des Kapitals hervorgehen.

      • Skyjumper sagt:

        @ Markt

        Ich kann mich nicht erinnern etwas von Huldigung geschrieben zu haben, und erst recht nicht von ausschließlicher. Wenn man das System angreifen möchte, sollte man zudem das System als Zielobjekt im Auge behalten und sich nicht auf die Bestandteile konzentrieren.
        Eine arbeitsteilige Gesellschaft ist ohne Kapital nicht darstellbar, das haben selbst (fast) alle Kommunisten erkannt. Wenn Sie das Kapital abschaffen wollen unterschreiben Sie gleichzeitig das Ticket zurück in die Höhlenkultur der Steinzeit. Konzentrieren Sie sich daher lieber darauf wie ein System die mannigfaltigen Vorteile des Kapitals so integriert, dass die soziale Seite des Systems erhalten wird.

      • 4fairconomy sagt:

        Das Problem beim Zins ist der garantierte Mindestzins von 0% für Liquidität. D.h. auch bei zuviel Liquidität im Vergleich zur Nachfrage, sinken die Zinsen nicht entsprechend. Noch schlimmer: ab einer gewissen Grenze so bei 2 bis 3 wird das Angebot durch Hortung u. a. Ausweichmanöver zunehmend verknappt. D.h. die Zinsen bleiben stets etwas über 0%, auch wenn dies weder von der Menge an Liquidität noch bezüglich der Konjunktur gerechtfertigt wäre. Dies ist die Ursache von Wachstumszwang, Verschuldungs- und Vermögenswachstumszwang usw. – und all den daraus resultierenden weiteren Folgeschäden an die Gesellschaft, an Mensch und Umwelt. Selbstverständlich geht es hier nicht um den Zinsanteil, welcher einer Risikoprämie entspricht.

        • stephan sagt:

          @4fairconomy

          Ich meine, Sie unterliegen dem Denkfehler, dass Sie Nachfrage allein durch Liquidität stimulieren können und meine, dass dies grundsätzlich falsch ist.

          a) Leute, die keine Liquidität haben, also kein Geld, können ohnehin nichts nachfragen.

          b) Bleiben die Leute, die Liquidität haben und diese – wie Sie es auszudrücken pflegen – „horten“.

          Stellt sich die Frage, warum die zur Gruppe b gehörenden Leute ihr Geld nicht ausgeben. Gründe hierfür sind, dass ihr (Konsum-) Bedarf gedeckt ist, ihnen eine Investition zu risikoreich erscheint oder sie für bestimmte Risiken Vorsorge betreiben wollen (Alter, Gesundheit, Ausbildung, heutzutage sogar Währetc.).

          Stellt sich die Frage, ob ein Strafzins an der Hortung des Geldes etwas ändern würde. Schauen wir dazu am besten auf die „realexistierende Realität“ ;-). Was sehen wir da? Es gibt europaweit per EZB-Geldpolitik eine ultralockere Geldpolitik mit Realzinsen, die sich bereits im Negativbereich befinden. Trotzdem gehen die Kredite (das Geld) nur dahin, wo die Investoren das kleinste Risiko sehen: in die Euro-Nord-Länder, insbesondere nach D. In den Südländern schrumpft die Kreditvergabe dagegen trotz der negativen Realzinsen massiv. Damit ist die Theorie von der Liquiditätsabgabe faktisch widerlegt, denn dort, wo das Geld gebraucht würde, wird es nicht investiert. Warum? Weil die Investoren kein Vertrauen haben. Daran ändert auch kein Strafzins (= negative Realverzinsung) etwas.

          Und genau deshalb kommen nun folgende geldpolitischen Überlegungen ins Spiel:
          http://www.spiegel.de/wirtschaft/letzte-waffen-der-ezb-negativzinsen-finanzspritzen-anleihekaeufe-a-937273.html

          Wobei wir die Negativzinsen defacto bereits haben.

          • Skyjumper sagt:

            Und auch wenn selbst die Nominalzinsen negativ werden, wird sich an der „realexistierenden Realität“ (schöne Wortschöpfung) nichts ändern. Solange die Zinssätze europaweit künstlich auf einem annährend gleichen Niveau gehalten werden, wird das Geld immer dahin fliessen, wo das Risiko bei gleichem Zins niedriger eingeschätzt wird. Dort allerdings wird es auch dann noch nicht gebraucht werden und wird weiterhin nicht (verstärkt) die Realwirtschaft erreichen.

            Sie haben völlig zurecht angemerkt, dass nicht die Liquidität das Problem darstellt. Die Risikoprämie für eine Investition in der Risikozone müsste steigen —> Zinsen rauf wäre das richtige Rezept. Wenn, ja wenn man denn wirklich der Wirtschaft helfen wollte. Tatsächlich will man nur sicher stellen, dass die Staatsfinanzierung weiter funktioniert…..und das funktioniert auf dem Wege des Niedrigstzins hervorragend.

      • Skyjumper sagt:

        @ 4fairconomy

        Das der quasi garantierte Mindestzins die zwanghafte Ursache für Wachstums-, Vermögens- und Verschuldungszwang ist sehe ich in einer (wohlgemerkt einer tatsächlichen) Marktwirtschaft nicht.
        Je niedriger der Zinssatz wird, um so stärker wird der Drang hin zu risikoreicheren Anlagemöglichkeiten. Paralell dazu steigt die Wahrscheinlichkeit von Assetblasen, also Fehlallokationen von Vermögen.
        Würden Sie einer Marktwirtschaft tatsächlich die ihr innewohnenden Bereinigungskräfte lassen, und nicht ständig regulatorisch und „helfend“ eingreifen, dann würde es mit sinkenden Zinsen zu verstärkten Pleiten und platzenden Blasen kommen. Vermögen wie auch Schulden würden dabei untergehen. Das Geldmengenwachstum aus Zins könnte dadurch konterkariert werden und bräuchte kein Wachstum.

        WÄRE dies ein permanenter Prozess, wären die Ausschläge vergleichsweise harmlos. Erst durch die Verhinderung dieser Korrekturrezessionen kommt es zu einem Stau. Unwirtschaftliche Unternehmen werden künstlich am Leben erhalten, Blasenbildungen durch immer weitere Eingriffe verstärkt, und am Ende hilft dann tatsächlich nur ein überbordenes Wirtschaftswachstum (was hier wohl kaum jemand erwartet), oder eine grosse Rezession.

        Der Zins ist nur das Messer das uns die Kehle durchschneidet. Die Hand die es führt sind unsere Regierungen.

        • 4fairconomy sagt:

          @ Skyjumper

          Also Liquidität bzw. Geld (Buchgeld, Notenbankgeld) sind schon die Mittel, mit welchen hauptsächlich Nachfrage erzeugt wird. Daneben gibt es noch Tauschgeschäfte u.a..
          Den Denkfehler, den Sie machen ist, dass sie die Wirtschaft nicht in Kreisläufen denken. Wer in Besitz von Liquidität gelangt, konnte dies nur, weil sich vorher jemand davon getrennt hat. Wenn jetzt im Schnitt alle weniger Liquidität weiterreichen, als sie erhalten haben, dann beginnt der Wirtschaftskreislauf zu stocken: es kann immer weniger eingenommen werden. Ok, die Preise sinken dann. Gut für die Liquiditätsbesitzer, deren Guthaben real steigt, was sie im weniger Ausgeben noch bestärkt – ruinös für alle nominell Verschuldeten. Dies entspricht einer Deflation und führt rasch in massive soziale und gesellschaftliche Missstände. Deshalb sollte eine Deflation, welche zu einem Selbstläufer wird und unverschuldetes Leid in Massen verursacht, unbedingt vermieden werden. Nun ist es einfach so, dass wenn der Mindestzinsatz für Liquidität garantiert 0% beträgt, eine Deflation nur vermieden werden kann, wenn die Besitzer von Liquidität einen genügend hohen Anreiz (Zinsen usw.) haben, sich von ihrer Liquidität zu trennen. D.h., ein Vermögenswachstum nach dem Zinseszinsprinzip wird zur Voraussetzung einer funktionierenden Marktwirtschaft -> Wachstumszwang usw.
          Inflation ersetzt niemals einen negativen Zins auf Liquidität. Inflation wertet alle Nominalbeträge ab, negative Zinsen auf Liquidität nur diese. Nur die Liquidität wird teurer, sonst nichts.
          Natürlich muss, wenn die Zinsen auf Liquidität negativ werden können, die Geldmenge deutlich reduziert werden. Denn dann ist ein viel höherer Anteil der Liquidität nachfragewirksam und die Geldmenge muss viel geringer gehalten werden (damit werden auch kaum solche Blasenbildungen möglich, wie dies heute der Fall ist).
          Wer bei negativen Zinssätzen auf Liquidität sparen will, kann dies in Form von Anlagen bzw. Kredite an Unternehmen tun, so wie heute und nach denselben Kriterien. Nur so kann übrigens real werterhaltend gespart werden: wenn mit den Ersparnissen Unternehmen finanziert werden, welche das zukünftige Sozialprodukt erwirtschaften. Alle anderen Sparformen sind Illusionen bzw. inflationär. Geldanlage in den Boden z.B. führt zur Geldentwertung über steigende Bodenpreise. Damit wird kein produktiver Beitrag an das zukünftige Sozialprodukt geleistet.
          Das Problem der Einheitswährung ist zusätzlich noch ein anderes. Aber immerhin richtig wäre, dass die Zinsen in D so weit sinken, und zwar bis unter 0%, weil alle da ihr Geld parken wollen, dass die Südländer wieder attraktiv werden, trotz höheren Risikogebühren. Aber eben, die Zinsen können nicht unter 0% sinken – nominal. Die Inflation frisst auch die Kaufkraft der Kredite, ausser die Zinsen können dies ausgleichen. Wobei es sich auch mit einer Inflation von 2% für den Liquiditätsbesitzer lohnen kann, ein paar Monate zuzuwarten auf eine günstige Anlagemöglichkeit. Wenn dies im Schnitt alle tun, dann sinkt die Inflation, sinken die Gewinnaussichten, sinken die Konjunkturaussichten und der Anreiz zum investieren nimmt ab. Ein Selbstläufer. Den Durchbruch dieses Teufelskreis kann nur ein negativer Zinssatz auf Liquidiät bewerkstelligen. Es geht nur darum, dass wer in den Genuss von Liquidität gelangt, auch die Pflicht hat, diese weiterzugeben, damit er kein Einkommen verhindert. Diese Weitergabe kann erfolgen in Form von Konsum, von Anlage (insbesondere Kredite an Unternehmen, nach denselben Kriterien wie heute), von Steuervorauszahlung oder von Schenkung. Natürlich soll jeder, welcher die negativen Zinsen zahlen will, die Liquidität auch behalten können. Negative Zinsen auf Liquidität stellen einfach nur sicher, dass der Wirtschaftskreislauf nicht ins Stocken gerät durch Zurückhaltung von Liquidität aus welchen Gründen auch immer (Angst z.B.). Somit muss nicht zwingend wie heute, ein Vermögenswachstum nach dem Zinseszinsprinzip finanziert werden. Mehr steckt nicht dahinter, hinter der Idee eines negativen Zinses auf Liquidität.

    • stephan sagt:

      @EuroTanic:

      „Abgesehen davon frage ich mich, warum das Gut das ein Arbeiter produziert automatisch dem Kapital gehören soll, Genauso gut könnte man den Arbeiter als Eigentümer des Gutes deklarieren, dass er produziert. “

      Die Idee scheint mir reichlich unnatürlich. Der Arbeitnehmer ist ja nicht umsonst auf eine Anstellung durch einen Dritten – den Arbeitgeber – angewiesen. Dies hat seinen schlichten Grund darin, dass er selbst kein tragfähiges Geschäftsmodell (Idee) hinsichtlich einen marktfähigen Produktes hat und in Folge auch nicht die notwendigen Produktionsmittel. Der Arbeitnehmer hat nur ein „Produkt“: Seine Qualifikation, seine Arbeitskraft, die er einem Arbeitgeber zur Herstellung dessen Produktes anbietet. Warum sollte nun der Ideengeber, der zugleich allein oder zusammen mit anderen Investor ist und damit wirtschaftlich im Risiko steht, nicht Eigentümer des Produktes sein? Er ist es, der die Voraussetzung schafft, dass der Arbeitnehmer sein „Produkt Arbeitskraft“ überhaupt einsetzen und davon seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Er trägt das unternehmerische Risiko. Es wäre interessant zu sehen, wie viele Arbeitgeber es gäbe, wenn sie nicht selbst über das von ihnen initiierte Produkt bestimmen und den Gewinn aus ihrer Idee (ihrer Unternehmung) ziehen könnten.

      Zum Mindestlohn: Geschäftsmodelle, in denen der Arbeitnehmer seiner Lebensunterhalt nicht von seiner Arbeit bestreiten kann, würden ohne Quersubventionierung seitens des Staates gar nicht lange existieren. Denn kein Arbeitnehmer kann seine Leistung dauerhaft unter seinen Kosten anbieten. Genauso wenig, wie kein Arbeitgeber dauerhaft zu teuer produzieren kann. Im Übrigen ist der Arbeitnehmer dafür verantwortlich, eine Leistung anbieten zu können, die dem / einem Arbeitgeber so viel wert ist, dass er damit zumindest seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

      Ein Beispiel: Wenn ich unbedingt auf dem platten Land FriseurIn sein muss, wo die Kunden oder auch der Arbeitgeber nicht ausreichend bezahlen können oder wollen, dann muss ich entweder irgendwie mit dem bisschen Geld leben, was ich bekomme oder ich suche mir etwas anderes, wo ich mehr verdiene. Gleiches gilt ja auch dann, wenn ich zwar von meiner Arbeit leben kann, aber mehr verdienen will.

      Nicht jede Arbeit, sagen wir besser Tätigkeit, ist so viel wert, dass sie den Lebensunterhalt einspielen kann. Wäre dem so, könnte ja jeder einfach irgendetwas machen und davon (ausreichend abgesichert) leben wollen. Das wird es nie geben, jedenfalls nicht in den noch freien Marktsegmenten.

      Ausgenommen hiervon sind allerdings schon jetzt alle Branchen, die aus politischen Gründen quersubventioniert werden (Banken, öffentlicher Dienst, öffentlich-rechtlicher Rundfunk etc. etc.). Das ist es, was im höchsten Maße ungerecht ist. Der Mindestlohn ist nur ein weiterer Baustein in diesem Gerüst. Folge wird in diesem Fall aber sein, dass das Produkt des Arbeitgebers entweder nicht mehr nachgefragt wird, da zu teuer (unternehmerisches Risiko). Oder er wandert mit der Produktion ab. Der Arbeitnehmer zieht in beiden Fällen den Kürzeren. Er muss nun schauen, wie er seine Arbeitskraft so verkaufen kann, dass er davon leben kann. Oder er lebt ganz auf Kosten anderer, nämlich der Steuerzahler.

      • Skyjumper sagt:

        Ich finde das machen Sie sich zu einfach, bzw. zu wenig differenziert. So würde ich ihnen bspw. zustimmen wenn es sich um eine klassische GbR, oder eine Einzelgesellschaft mit unbeschränkter Haftung handelt. Bei einer AG oder einer GmbH sieht das jedoch anders aus. Dort haftet nur eine genau definierte Kapitalmenge, der man gerne auch ihren Anteil, den Zins zuweisen kann. Danach sind dann aber Arbeitgeber und Arbeitnehmer eigentlich beide gleich stark involviert. Beide stecken ihre Arbeitskraft in das Produkt, beide verlieren ihren Job wenn das Produkt flopt, warum sollen also nicht auch beide profitieren wenn das Produkt ein Renner wird?

        So „unnatürlich“ finde ich den Gedanken unter gewissen Voraussetzungen nun nicht.

        • stephan sagt:

          @Skyjumper:

          Bei der AG ist das doch ganz einfach: Da kann der Arbeitnehmer Aktien seines Arbeitgebers kaufen und sich so am Erfolg des Produktes beteiligen. Er ist dann übrigens auch gleich Mitgesellschafter, also auch „Teil-Berechtigter“ am Produkt. Ist eine GmbH sein Arbeitgeber, müsste er Gesellschafteranteile kaufen. Das wird schon etwas umständlicher.

          Grundsätzlich liegt die Erfolgsbeteiligung eines Arbeitnehmers aber im (regelmäßigen) Lohnzuwachs. Dieser wird entweder kollektiv über Gewerkschaften oder individuell ausgehandelt.

          Allgemein festzuhalten ist, dass ein Arbeitnehmer in aller Regel weder die Idee hinsichtlich des marktfähigen Produktes, noch die für dessen Umsetzung notwengige (Gesamt-) Organisation sowie die Kapital- und Produktionsmittel einbringt. Sein Aufwand liegt allein in seinem speziellen Zuständigkeitsbereich, der aber ebenfalls vom Arbeitgeber organisiert wird. Das ist der Grund, warum er über mögliche Lohnzuwächse hinaus ohne weiteres Zutun (z.B. eine Aktienbeteiligung) keine Rechte am Produkt an sich hat.

          Es ist aber jedem unbenommen, es selbst als sein eigener Chef und ggf. sogar Arbeitgeber zu versuchen und sich somit alle Rechte und den vollen wirtschaflichen Erfolg am eigens erbrachten Produkt zu sichern. Dafür sind die meisten Arbeitnehmer aber (viel) zu risikoscheu. Aus diesem Grunde sind sie nämlich auch „nur“ Arbeitnehmer und nicht Chef und / oder Arbeitgeber.

          Wirtschaflicher Erfolg ist letztlich eine Frage des Risikos, das man dafür eingehen will.

  7. wolfswurt sagt:

    Klasse wäre ein Höchstlohn von 8,50 für Banker, Politiker, Rechtsanwälte, Steuerberater, Versicherungsvertreter und sonstige Höchstleister.
    Die wiederum zahlen dann für 1kg Brot 23,60 an den Bäcker und für 1kg Rinderfilet 186,20 an den Fleischer.
    Das führt dann im Gefolge zur Besinnung und deren Verschwinden.
    Damit ist die geistige Verwirrung beendet und der Rest lebt, sofern er nicht gestorben ist, noch heute.

    • bluestar sagt:

      Also ich bin dagegen Politiker und Staatsbeamte mit 8,50 überzubezahlen.
      8,50 gibt es nur bei Übernahme der vollen Haftung für die Ergebnisse ihrer Entscheidungen, schließlich müssen Ertrag und Risiko ausbalanciert sein.
      Wenn meine Friseuse so doof wäre wie manche Flachzangen in Politik und Wirtschaft und mir eine Schaden z.B. in Form einer Verletzung des Ohres zufügt, dann muss diese ja auch haften.
      Schließlich leben wir ja in einer Leistungsgesellschaft ( habe ich mal im Fernsehen gehört) und da sollte es schon gerecht zugehen, oder ?

      • wolfswurt sagt:

        Ok ok, dann halt 3,60.
        Das muß aber nun wirklich reichen für dieses verantwortungsloses Gesindel.
        Aber die Preise beim Bäcker und Fleischer werden nicht gesenkt!

        Solltest Du es nicht gemerkt haben: Ironie aus.

    • Andreas G sagt:

      Hallo wolfswurt,
      auch wenn in Ihrem Kommentar ein gewisses Quantum Ironie mitschwingt, die Grundrichtung passt, Ihre Ausführungen sind gar nicht mal so abwegig. 😉

  8. Gandalf sagt:

    Hallo Leute!

    17 DM (!) waren mal ein Spitzenlohn. Und im Warenkorb fehlen die Kosten für die Altersvorsorge – ‚vollständig‘

    Hier wird auf völlig falscher Ebene diskutiert, Man sollte heer mal fragen warum die 8,50 nicht mehr reichen, wo sie doch früher gereicht haben – und was die Ursache hierfür ist (Es gab schließlich keine Naturkatsastrophe in der Zwischenzeit) – und warum in naher Zukunft auch 8,50 – 17 Euro oder 85 Euro nicht mehr reichen werden, wenn sie von den ‚Sozialisten in allen Parteien‘ per Dekret angeordnet werden und die Rest-kaptialistischen Kräfte „endlich besiegt“ sind.

    Grüße

    • Skyjumper sagt:

      So wie Sie es formuliert haben, haben Sie bestimmt auch eine Antwort auf die aufgeworfene Frage. Ich hätte gleich 2 Teilantworten beizusteuern:

      Zum einen ist der Anteil an der Wertschöpfungskette, die durch den Zins und Zinseszins aufgefressen wird im Laufe der letzten Jahrzehnte immer grösser geworden. Auf jedem einzelnen Produktionsschritt lastet ein systembedingt immer grösser werdener Kredit. Angeblich (ich war nicht in der Lage das zu verifizieren) Lastet auf jedem von uns ein „Kreditberg“ (und zwar ohne die persönlichen) von insgesamt 400 K€, dessen Zinslast wir jedesmal mitbezahlen müssen wenn wir irgend ein Produkt oder eine Dienstleistung kaufen.

      Zum anderen enthält das Ausgabeverhalten des Durchschnittshaushaltes nach der Differenzierung des statistischen Bundesamtes mittlerweile 53 % existenzielle Ausgaben (Wohnung, Energie, Nahrung, Kleidung) und 47 % nichtexistenzielle Ausgaben. Ich weiß nicht ob man das tatsächlich so stehenlassen kann, aber das spricht zumindest tendenziell über eine überzogene Anspruchserwartung an unsere materielle Lebensgestaltung.

      Aus meiner persönlichen Branche werfe ich mal den Prokopfverbrauch an Wohnfläche in den Ring. 1960 (also doch schon relativ deutlich nach Kriegsende) 15 m² je Mann und Maus, und aktuell knapp bei 45 m².

  9. M.Schmidt sagt:

    Mich würde mal interessieren, was bei dieser Rechnung mit, sagen wir mal 1,5% Lohnzuwachs pro Jahr, nach 45 Jahren für eine Rente rauskommt.
    Kenne einige junge Leute, die heute genau so mit ca. 8,50€ anfangen … nachdem sie fertig studiert haben….“befristet“ versteht sich…..sorry, meinte natürlich „Projektbezogen“!

    • Skyjumper sagt:

      Unterstellt man keinerlei weitere Lohnsteigerung (also z.B. durch Berufserfahrung), und unterstellt man weiterhin, dass die 1,5 % Lohnsteigerung der Inflation entsprechen (also eine reale Lohnsteigerung von Null gemessen in Kaufkraft) und unterstellt man schlußendlich den Bestand unseres Rentensystem mit den heutigen Kennziffern (woran ich nicht glaube), dann kommen da nach heutiger Kaufkraft sagenumwobene 500,- € raus!

      • bluestar sagt:

        Na wenn das keine motivierenden Aussichten sind.
        Allerdings muss ich hier leider die tolle Aussicht auf satte 500.- € etwas
        vermiesen. Die Chance das es den Euro noch in 45 Jahren gibt steht bei 1 zu 1 Mio.

        • Andreas G sagt:

          Na, na, na, mein lieber Herr bluestar, Ihre Prognose hier ist aber leider politisch überhaupt nicht korrekt. Wissen Sie denn noch gar nicht, dass der Euro ALTERNATIVLOS ist, und da behauptet Sie das Gegenteil. Stellen Sie sich bitte in die Ecke und schämen sich eine Runde, Sie Schlingel. 😉

  10. 4fairconomy sagt:

    Das Problem der Erwerbseinkommen bezüglich der erbrachten Leistungen kann nicht losgelöst werden von der Betrachtung der Kapitalerträge. Der zu verteilende Kuchen ist gegeben. Für die Erwerbstätigen bleibt übrig, was das Kapital übrig lässt, nach dem es sich bedient hat. Dies muss im heutigen System so sein, denn ohne dies, würde nicht investiert. Kapitalvermehrung nach dem Zinseszinsprinzip ist Voraussetzung, dass die Erwerbstätigen überhaupt ein Erwerbseinkommen erhalten. Und dieses richtet sich halt eben je nach dem, was übrig bleibt vom Kuchen. Das haben leider auch Sozialisten nicht kapiert, welche mit allerhand Regelungen die Erwerbseinkommen aufbessern oder schützen wollen. Wird das zu bunt getrieben, gibts dann insgesamt weniger Erwerbseinkommen, weil das Kapital seinen „Dienst“ verweigert. In dem Sinne sind Mindestlöhne eine Symptombekämpfung: bringt etwas, aber Nebenwirkungen und ist nicht nachhaltig Wohlstandsfördernd. Not-wendig sind Reformen, welche den Hunger des Kapitals zurückbinden und einschränken – ohne, dass es sich dabei verweigern kann, in irgend einer Form in die Realwirtschaft zurück zu fliessen. Dann können auch die meisten Staatseingriffe abgeschafft werden – die Menschen werden problemlos ein Auskommen finden, dann wird das Say’sche Theorem seine Gültigkeit erlangen.

  11. 4fairconomy sagt:

    @ Skyjumper

    Reinigungsprozesse sind in einer Marktwirtschaft eine gute Sache. Aber nicht eine Deflation auf Grund einer Senkung der Geldumlaufgeschwindigkeit. Das ist absolut kein reinigende Geschichte sondern schlicht die Folge einer Fehlkonstruktion des Geldsystems, wobei immenses unverschuldetes Leid verursacht wird. Und wie gesagt, im heutigen System muss ein Wirtschaftswachstum eine Deflation verhindern. Nur bei wachsender Wirtschaft sind die Zinsen bzw. Kapitalerträge, welche als Anreiz für die Investitionen dienen Bezahlbar.
    Die Aussage, dass bei sinkenden (negativen) Zinsen (bei knapper Liquidität!) vermehrt Blasen und Fehlinvestitionen getätigt würden, ist sicher falsch. Es würden wie heute die Risiken gegenüber den Gewinnmöglichkeiten abgewogen. Wegen der knapp gehaltenen Liquidität könnten gar nicht Blasen wie heute entstehen. Die heutige Liquiditätsschwemme ist ebenfalls eine Folge des garantierten Mindestzinses von 0%, in dem die Notenbanken den deflationären Tendenzen u.a. entgegenzuwirken versuchen mit vermehrtem Gelddrucken. Und das ist die Ursache für die heutigen Blasenbildungen.

    • Frank Meyer sagt:

      HALLO?
      Mein Beitrag ist eine Glosse zum Mindestlohn.
      Ich erlebe es immer wieder, dass jeder Beitrag zur Diskussion um das Geldsystem „missbraucht“ wird.
      Das macht mich nach einem halben Jahr des Zusehens langsam mal sauer.
      Grüße von
      Frank

  12. 4fairconomy sagt:

    Guten Abend

    Es ist schon lange her, dass ich hier ein Kommentar geschrieben habe. Die Diskusion zum Mindestlohn läuft auch hier in der Schweiz heiss. So im Thema „eingearbeitet“, habe ich mir erlaubt, hier ein Kommentar zum Thema zu schreiben. Und wie andere hier auch, vertrete ich oft eine bestimmte Sichtweise, die ich dann im Zusammenhang mit einem hier diskutierten Thema bringe.

    Hoffentlich bleibt Ihr hochstehendes Forum auch weiterhin offen für Meinungsvielfalt und spannende Diskussionen mit interessanten Teilnehmern. Werde mich bemühen, wohl dosiert mich hier zu äussern und kein Thema für meine Sichtweise zu missbrauchen sondern sachlich zu bleiben. Die Diskussion um die Mindestlöhne ist deutlich mit der Verteilungsfrage zwischen Erwerbs- und Kapitaleinkommen verknüpft und diese wiederum mit der Funktionsweise unseres Wirtschafts- und Finanzsystems. Deshalb hier mein Kommentar…

    Nichts für ungut und besten Dank für diesen Blog hier!

    Freundliche Grüsse aus der Schweiz

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