Nackt in den Erbsen

29. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) An den Börsen passiert immer das, was keiner vermutet. Das Wort „überraschend“ wohnt wohl deshalb am liebsten bei den Experten. Sie sind harmlos. Seit sechs Wochen steigt der DAX, obwohl die Leute vom Fach das Gegenteil prognostizierten…

Der Grund: Die Druckbetankung mit billigem Geld seitens der Zentralbanken zeigt Wirkung und funktioniert wie bei der Formel 1. Nur hat der Wagen aber ein Loch im Tank. Ohne eine Dauerbefüllung fährt die Kiste nicht. Hoffentlich zündelt da niemand.

Apropos zündeln: Mit der Neuauflage des Bankenrettungsfonds SoFFin steigt die Haftungssumme der Deutschen jetzt auf eine Billion Euro. Das sind 12.000 Euro pro Person oder 48.000 Euro für eine arbeitslose Familie mit zwei Kindern. Kein Problem, sagen die Politiker. Sie sind der Illusionen anheim gefallen, etwas bestimmen zu können, obwohl sie das Meiste an Banken und nach Brüssel abgegeben haben. Eine Billion Euro entsprechen dem kompletten Steueraufkommen von 14 Monaten. Die Banken und Europa sind teuer und wahrscheinlich stehen wir irgendwann „nackich in den Erbsen“ wie Griechenland.

Unterdessen macht die Zombifizierung der Finanzmärkte Fortschritte. FED-Chef Ben Bernanke verabreicht den Banken billionenweise kostenlose Kredite bis Ende 2014. Die EZB zeigt sich spendabel. Das arme unverzinste Geld auf den Konten. Kein Wunder, dass weniger gespart und mehr gekauft wird. In Deutschland liegen zwei Billionen auf Konten herum. Schnell weg damit, bevor diese auch noch verscherbelt oder „vergarantiert“ werden? Die einen tauschen es in Werthaltiges. Andere verpulvern es. Die Statistiker freut`s so oder so.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten vom 29.01.2011

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