Nachschlag aus Absurdistan

13. Juli 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Holla, die Waldfee! Seit Samstag 6.14 Uhr fliegen uns nun die Sektkorken um die Ohren. Das hat weniger mit Griechenland zu tun, sondern mit Statistik…

Laut dem Bund der Steuerzahler arbeiten wir seitdem für die eigene Tasche. Bis dahin haben wir für den Staat geschuftet, damit er genügend Geld zur freien Verschwendung hat. Steuern sind ja eigentlich staatlich organisierter Raub. Wenn der Dieb aber um diese Angelegenheit ein rotes, nach Sozialismus leuchtendes Bändchen wickelt, bleibt der Räuber unerkannt.

Das waren Zeiten noch im Mittelalter, als die Leute den Zehnt zahlen mussten. 2015 liegt die Abgabenquote bei 52,4 Prozent. Mit dem Rest kann man versuchen auszukommen und zu sparen. Wenn doch Steuern etwas steuern könnten!

Gesteuert wurden wir von der Politik inzwischen ins Zeitalter des Zinssozialismus. Für Erspartes gibt es keine Zinsen mehr und die heimlich steigenden Preise (böse Verschwörungstheorie!) tragen ihr Übriges zur allgemeinen Freude bei.

Offiziell gibt es aber im statistischen Warenkorb kaum Teuerung, was vermutlich damit zusammenhängt, dass er mit allerhand Wegwerfware und technischen Schnickschnack gefüllt wurde, der immer billiger wird. Doch, oh Freude! Dann haben zumindest die Experten etwas zum Lamentieren über zu wenig Inflation und schon hat die EZB ihr Alibi, das zu bekämpfen und noch mehr Geld zu drucken, was wiederum den DAX freut, sonst aber niemanden, außer jeden Finanzminister.

Und Griechenland? Wie erwartet, haben es die EU-Politiker mal mehr und mal weniger eilig, gutes Geld dem Schlechten nachzuwerfen. Irgendwo muss die Steuerbeute hin. Es bleibt ja alles in der schrecklich netten Familie. Das 3. Rettungspaket soll schon auf dem Weg sein. Übrigens hat das Referendum der Vorwoche nichts zu bedeuten, sondern zeigt nur, wohin Demokratie und Volksbefragungen führen könnten. Wenn man sich die Umfragen anschaut, dann scheint es diese nur zu geben, damit die Befragten genau das Gegenteil bekommen von dem, was sie nicht wollen. Und eines ist auch sicher: Kurz vorm Wahnsinn wird`s nochmal lustig.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

7 Kommentare auf "Nachschlag aus Absurdistan"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    Das ist in Diktaturen nun einmal so; ganz besonders dann, wenn sie noch den Schein einer Demokratie haben sollen.
    Siehe auch Spanien, USA usw.
    Die EUDSSR hat wieder einmal keinen Zweifel daran gelassen, was mit demokratischen Entscheidungen geschieht, wenn sie den Diktatoren nicht in den Kram passen.
    Jeder Demokrat sollte sich bei der nächsten Wahl lieber einen schönen Tag machen, als sich bei einer weiteren Wahl wieder lächerlich zu manchen.
    Und den Mund halten, denn sonst ist er (wenn er in Spanien lebt) sein Häuschen los.
    Ich bin einmal gespannt, wann der erste Möchtegern Franco die Gesetzgebung in Spanien benutzt, um sich an die Macht zu putschen
    ***An Alle Spanien-Urlauber:`***
    Bleibt lieber zu Hause, denn wer versehentlich in Spanien einen Polizisten fotografiert, oder in eine Demonstration gerät, wird mit bis zu 600.000,00 Euro Geldbuße bestraft.
    Da kann man mal sehen was die Polizei von sich selber hält.
    Das war früher nur der Gestapo vorbehalten.

    Viele Grüße aus dem diktatorischen Andalusien.
    H. J. Weber

  2. waltomax sagt:

    Der bessere Weg für die Griechen wäre es gewesen, „das Pratzerl zu heben“, wie man in Bayern sagt. Also einen sauberen Staatsbankrott hinzulegen. Dann die „Neue Drachme“ einführen und all das Staats- und Volksvermögen, das jetzt in einen Treuhandfonds soll, in den Dienst öffentlichen Steueraufkommens stellen. Vor allem die Öl-Und Gasfelder vor der Griechischen Küste wären da zu nennen. Nichts privatisiern, sondern sozialisieren.

    Das wäre mein Weg als Regierungschef der Griechen, als bekennende rote Socke.

  3. cubus53 sagt:

    Die Vorstellung, wird würden ab Mitte Juli für die eigene Tasche arbeiten, ist eine Illusion. Und zwar für alle Menschen, die erarbeitetes Geld in eine Versicherung, in Anleihen oder aufs Sparbuch legen. Dieses Geld wird irgendwann den Wert verlieren. Damit ist also auch ein Teil der Arbeitszeit nach dem Juli für die Katz bzw. wird nur von der Finanzelite zum weiteren Verzocken verwendet.

  4. bluestar sagt:

    Merkel heute früh auf der Pressekonferenz:
    -Umfangreiches, ernsthaftes REFORMPAKET verhandelt !
    -Griechenland kann auf den WACHSTUMSPFAD zurückkehren, auf dem es sich bis
    Ende 2014 befand !!!
    Kein Nachhaken, Raunen oder gar Aufschrei bei den Fragestellern, die sich Journalisten nennen. Unterwürfige Lakaien stellen regierungsfreundlichste Fragen.
    DDR – wie schön dass Du wieder da bist. Ich wette, Mutti wird in Kürze das nächste Zustimmungshoch von sogenannten vernunftbegabten deutschen Wesen erhalten.
    Wer wettet dagegen ?

  5. waltomax sagt:

    Was nutzt der neue Griechen – Kredit? Richtig getippt. Gar nichts.

    Denn die Welt befindet sich -nach wie vor- im tiefsten Kondratieff – Winter und damit am Rande einer Rezession. Aus diesem Grunde können etwa die Griechen auch nicht auf einen Pfad des Wirtschaftswachstumes zurückkehren, weil man dazu vorher auf einem solchen gewesen sein muss. Meine Grüße an die Kanzlerin…

    Wenn die Realwirtschaft in die Rezession gleitet und Wertpapiere demgegenüber in den Orbit schießen, dann bleibt eine Wertberichtigung nicht aus. In China hat sie eine solche schon mit Macht ihren Weg gebahnt. Politische Börsen, die von allen Arten der Intervention leben, haben kurz Beine, auch bei uns. Es wird knallen, weil es krachen muss.

    Ich trage daher Ohrenstöpsel, weil ich mir nicht ständig die Ohren zuhalten will.

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