Nachruf auf die Silberzehner

14. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

Glosse von Frank Meyer

Das war`s dann, Ihr Silberzehner. Richtig gemocht habe ich Euch ja nie. Ich wusste nur nicht warum. Eure beste Zeit liegt jetzt hinter Euch. Schlummert sanft in den Schränken, Truhen oder dort, wo man Euch versteckt oder vergessen hat…

Aus! Vorbei! Das war`s, Ihr silbernen kleinen Dinger, mit den aufgeprägten „10 Euro“. Ihr werdet jetzt mit anderem Metall gemischt, mit Kupfer gestreckt und verschmutzt. Pfui!

So richtig rein seid Ihr ja nie gewesen – kleine silberne Schmuddelkinder. 92,5 Prozent Silberanteil ist eben doch etwas weniger als in den königlichen Maple Leaf oder den American Eagles. Manchmal lachte mich einer auf dem Trödelmarkt an. Er tat mir dann immer leid und ich gab ihm ein neues zu Hause. Ihr habt mir so oft und so viel Spaß bereitet…

Die Münzmotive der letzten elf Jahre waren wunderschön, mindestens so schön wie das verzogene Gesicht der Bäckersfrau oder der Kassiererin bei REWE, wenn ich so einen Silberling testweise auf den Tresen legte und zu beobachten begann. Manche meinten, es wäre Falschgeld. Worte der Überzeugung halfen wenig, aber ich wollte ja nur meine Beobachtungen machen, wartend auf die Polizeisirene im Hintergrund. Den Gegenstand des Experiments wollte ich ohnehin behalten – meinen Spaß haben an trüben Tagen oder wenn die Silberpreise verprügelt worden sind.

In den letzten Monaten war das anders. Manche Händler waren richtig gierig danach und fragten, ob ich mehr davon hätte. Hatte ich aber nicht! Ich mochte sie doch nicht! Das hätte ich mir früher sorgsamer überlegen sollen. Jetzt werden aus diesen Münzen Sammlermünzen mit einem hübschen Aufpreis. An Dönerständen oder auch in Pizzabackstuben hätte man mir öfters Essen gegen Silberzehner heraus geben. Sonst kaum. Was der Deutsche nicht kennt, nimmt er eben nicht.

Nein, ich mochte diese Silbermünzen erst, als ihr innerer Wert den Nennwert der Münzen überstieg. Zuvor hielt ich es für dumm, zehn Euro für eine halbe Unze Silber zu bezahlen, wenn ich dafür doch auch eine ganze Unze Silber haben konnte. Und ich wollte auch nicht glauben, dass der Silberpreis dauerhaft unter dem Nennwert einer Münze liegen bleibt. Wenigstens bekam ich in diesem Punkt ausnahmsweise mal recht. Zumindest bis heute Mittag…

Unser Finanzminister teilte am Mittwoch mit, dass die neuen Münzen künftig zu rund einem Drittel auf Kupfer und der Rest aus Silber bestehen werden. Ihr armen Münzen! Der Preis wird im Verkauf an den aktuellen Silberpreis angepasst. In alten Zeiten, hätte man das ganz offen „Münzverschlechterung“ genannt. Ja, liebe Leser, damals… als Staaten versuchten, mit einer „Münzverschlechterung“ durch zu kommen. So etwas hat bis heute Mittag noch wenig zu bedeuten, aber früher war das immer ein Vorbote für noch schlechteres Geld und den Folgen daraus. Von daher verstehe ich das, was da aus dem Finanzministerium gemeldet wurde, als eine Warnung.

Adieu, Ihr Silberzehner! Eure Blechkameraden müssen nun übernehmen nun. Zu viel Geld. Zu wenig Silber. Mist!

©Frank Meyer

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