Nachrichten aus dem Bollerwagen

17. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Lage ist ernst, vielleicht auch hoffnungslos und irgendwie komisch. Okay, man feierte in dieser Woche Männertag im Bollerwagen. So ähnlich klangen nämlich die Schlagzeilen…

„Griechenland ist pleite!“ Wie oft eigentlich noch? Der 12. Mai blieb wie alle bislang zuvor genannten Termine ungenutzt. Jetzt soll der Kollaps am 19. Mai passieren. Wir sind gespannt! Deshalb wackelt der DAX wie frisches Birkengrün inmitten eines Tornados und die Investoren wären verunsichert, habe ich gehört. Dabei liegen Hellas Schulden doch längst in öffentlicher Hand. Warum sollten sich private Investoren, also beispielsweise Banken fürchten?

„Unsicherheit von Investoren“ benutzt man übrigens gerne, wenn einem sonst kein Grund einfällt oder der DAX schneller fällt als die Gründe dafür geliefert werden können. Der Laie hat dann immer etwas zum Staunen und der Fachmann etwas zum Wundern. The Show must go on…

Neulich hat doch Griechenland tatsächlich dem IWF Geld zurückgezahlt – mit Geld vom IWF, versteht sich, während die EU-Bankenaufsicht meldete, Hellas Banken wären kerngesund. Unser Pflaumenbaum im Garten übrigens auch, der letzte Woche während seines Falls das Gewächshaus zertrümmerte. Er hatte ja kurz danach noch grüne Blätter. Die Diagnose war eindeutig.

Sind Hellas Banken wirklich gesund? Klar, denn obwohl die EZB ständig drohte, den Banken den Geldhahn zuzudrehen, stiegen die EZB-Notkredite an die auf jetzt fast 80 Milliarden Euro. Im Ernstfall müsste die EZB diese Summe abschreiben und bräuchte selbst neues Kapital.

Nein, es wird keine Pleite geben, jedenfalls keine, die man so nennen wird – wie man die Troika jetzt nicht mehr „Troika“ nennt, sondern „Institutionen“. EZB und europäische Steuerzahler würden sagenhafte Verluste erleiden und Griechenland gar in russische Hände fallen, sagt man.

Seltsam ist aber, dass der Euro trotz all dieser Dauer-Schwierigkeiten gegenüber dem US-Dollar steigt – immerhin zehn Prozent seit seinem Tief. Dabei war man doch gerade so erfolgreich dabei, den Euro klein zu schreddern, weil das der Wirtschaft hilft. Wenn dem so wäre, sollte man doch die Parität zur türkischen Lira oder der ukrainischen Währung anstreben – oder dem einstigen Simbabwe-Dollar. Dass würde boomen!

Und wenn der Euro doch scheitern sollte, scheitert dann auch Europa? Gebetsmühlenartig wurde dieser Satz vor fünf Jahren erzählt, bis es selbst die Nachbarschaft sagte, aber nicht glaubte. Niemals! Vielmehr scheitern dann die Karrieren vieler Politiker. Martin Schulz wäre so nie an seinen Karlspreis gekommen. Viele stehen in der Warteschleife. Allein schon deshalb: Griechenland bleibt drin!

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



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