Nach oben offen: Bitcoin zwischen Nichts und Unendlich

30. November 2017 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Wer erinnert sich noch an den guten alten Neuen Markt, als einer der seinerzeit prominentesten Akteure in bestem Fränkisch das Kursziel „Dausend“ ausgab? Erreicht wurde es bis heute – knapp 18 Jahre später – noch immer nicht.

Allerdings ist die Aktie, die seinerzeit so viel Optimismus auf sich zog, die Morphosys AG, einer der Überlebenden des damaligen Hypes. Sie hat auch nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes ihren Weg gemacht.

Ob der Bitcoin in knapp 18 Jahren noch auf dem Markt sein wird, wagen wir nicht zu prognostizieren. Ein Kursziel von „Dausend“ klingt vor dem Hintergrund seiner jüngsten Kurskapriolen aber geradezu bescheiden. Denn gestern durchschlug er bereits die Marke von 10.000 USD, was dem Kryptogeld heute gleich einen weiteren Kursschub um mehr als 14% auf über 11.000 USD gab.

Das ist schon eine atemberaubende Erfolgsgeschichte für etwas, das rein virtuell ist und erst vor weniger als neun Jahren von bis heute vollkommen Unbekannten in die Welt gesetzt wurde – zu einem Preis von damals exakt NULL. Der Erfolg ist sogar noch größer, da sich der Bitcoin im Rahmen einer Hard Fork bereits einmal aufgespalten hat und jeder Bitcoin-Besitzer noch einmal die gleiche Menge an „Bitcoin Cash“ im Wert von aktuell 1.600 USD dazu bekam, zusammengenommen hat der Ur-Bitcoin also heute einen Marktwert von 13.000 USD. Hui.

Zudem ist der Bitcoin schon längst nicht mehr alleine auf weiter Flur. Auf www.coinmarketcap.com werden inzwischen 1.326 verschiedene Krypto-Coins und Tokens gelistet. Ernsthaft anzusehen braucht man dort aber nur die jeweils ersten 20, gemessen an der Marktkapitalisierung.

Blasen live erleben

Wie „seriös“ das Kursgeschehen in der Altcoin-Welt derzeit ist, dazu ein Schlaglicht vom heutigen Tage. Der IOTA (Rang 8, Marktkapitalisierung von 4,2 Mrd. USD) stieg innerhalb von 24 Stunden um 41%. Der Stellar Lumens (Rang 14, 1,7 Mrd. USD) legte um 59% zu und der Cardano (Rang 9, 3,7 Mrd. USD) schoss um 172% in die Höhe (vgl. Abb.).

Wie gesagt, das waren Tagesbewegungen! Heute Abend sieht diese Liste zudem schon wieder ganz anders aus – zweistellige Prozentveränderungen inklusive. Wer noch nie live eine Blase erlebt hat, hier gibt es die Gelegenheit dazu.

Der Umstand aber, dass man eine Blase identifiziert hat, bedeutet nicht, dass diese nun auch unmittelbar platzen müsste. Staatsanleihen befinden sich seit Jahren auf absurden Höhen, werden dort allerdings von den Notenbanken auch künstlich gehalten.

Tatsächlich werden innerhalb solcher Blasen große Vermögen gemacht, aber häufig genug auch wieder verloren – da spielt es fast keine Rolle, in welche Richtung man spekuliert. Ruinieren kann man sich nicht nur bei dem Versuch, den entfesselten Superbullen noch ein kleines Stückchen weiter zu reiten, sondern auch dann, wenn man sich diesem allzu schlau frühzeitig in den Weg stellt, weil ja alle so verrückt geworden sind. Gute Argumente, desaströses Ergebnis.

Der Normalanleger ist gut beraten sich dieses Treiben im Moment mit gebührendem Abstand anzusehen. Über die grundsätzlichen Fragen rund um Bitcoin und Blockchain, letztere ist nebenbei bemerkt eine revolutionäre Technologie, berichteten wir übrigens in der Beilage „Gold vs. Bitcoin“ zum Smart Investor 11/2017. Das dort Beschriebene bleibt weiter gültig, abgesehen davon, dass der Bitcoin-Kurs vor gut einem Monat noch an der 6.000-USD-Marke kratzte.

Zu den Märkten

Der Handelstag im DAX war zunächst konstruktiv. Das Eröffnungs-Gap zeigte einen deutlichen Nachfrageüberhang und unterstrich den positiven Eindruck – zumindest im ersten Teil der Sitzung. Zum Tagesschluss wurden die Gewinne dann wieder komplett abgegeben und auch das Gap wurde geschlossen. Treten wir einen Schritt zurück, dann ist von Dramatik allerdings nicht viel zu erkennen (vgl. Abb.).

Es handelt sich hierbei übrigens um die Fortschreibung jenes Charts, den wir bereits in der Rubrik „Charttechnik“ in der aktuellen Ausgabe des Smart Investor 12/2017 auf Seite 43 abgebildet haben. Unverändert bleibt die dort beschriebene Entscheidungssituation: Entweder es bildet sich charttechnisch eine Art untypischer, weil überdimensional großer Keil heraus, oder der Index verläuft weiter innerhalb eines aufwärtsgerichteten Trendkanals. Die oberen Begrenzungen verlaufen derzeit in den Bereichen von ca. 14.300 Punkten (Keil) bzw. ca. 17.700 Punkten (Trendkanal, gestrichelte Begrenzung). Aus unserer Sicht scheint der Keil derzeit favorisiert, weil der Index nach dem erfolgreichen Test der unteren Begrenzungslinie, die für Keil und Aufwärtstrend identisch ist, bislang ohne echte Dynamik ansteigt. Entscheidender ist ohnehin die untere Linie, die aktuell bei ca. 11.000 Punkten verläuft. Wird sie gebrochen, wären die charttechnischen Implikationen stark negativ, egal ob der Ausbruch dann letztlich aus einem Aufwärtstrend oder aus einem bearishen Keil erfolgt. Der Abstand von mehr als 2.000 DAX-Punkten ist allerdings aktuell noch so komfortabel, dass dieses Szenario nicht so schnell akut werden sollte, obwohl die Linie ansteigt, dem Kurs also „entgegenkommt“. Was das große Bild betrifft, bewegen wir uns demnach bis auf weiteres innerhalb zweier aufwärtsgerichteter Großformationen. Welche davon letztlich dominant werden wird, sollte sich beim Kursverhalten um die Marke von 14.300 Punkten herausschälen – sofern diese Marke erreicht wird.

Fazit

Die Kursentwicklung des Bitcoin verblüfft selbst seine größten Anhänger. Der aktuelle Kaufdruck ist gewaltig und der Kurs entwickelt sich in eine Fahnenstange. Für Normalanleger sind die Kryptogelder damit aus unserer Sicht derzeit zur No-Go-Area geworden.

© Christoph Karl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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2 Kommentare auf "Nach oben offen: Bitcoin zwischen Nichts und Unendlich"

  1. bluestar sagt:

    Es soll ja „Experten“ geben, die einen Bitcoin in Kürze bei 50.000 USD sehen. Bald kommen ja noch Futures und ETFs, da wird’s spannend, denn dann wollen die großen Adressen etwas von dem leckeren Kuchen abbekommen.
    Schön, dass man eine Tulpenmanie heutzutage live miterleben kann. Und Glückwunsch an alle, die vor ein paar Jahren in die Digitalwährung eingestiegen sind und sich nun von irren Nachkäufern ein Vermögen zukommen lassen.

  2. Argonautiker sagt:

    So lange man nicht gezwungen wird den Bitcoin zu akzeptieren, kann es einem eigentlich egal sein, weil das Spiel dann unter den Glücksrittern untereinander ausgetragen wird.

    Kritisch würde es erst, wenn so etwas zur verbindlichen Währung deklariert werden würde, weil die Glücksritter dann eben nicht mehr unter sich zocken würden.

    Letztendlich sind die Schuldgeld basierten offiziellen Währungen aber nichts anderes, und leider mußten es die Erschaffenden akzeptieren als sich diese klammheimlich in die normale Währung schlich, da die Steuerpflicht sie dazu nötigte, diese auch weiterhin zu benutzen. Auf diese Weise haben sich die Glücksritter Zugang zu den realen Werten geschaffen. Ganz legal. Warum legal? Weil die Politik es legalisiert hat. Warum hat sie das legalisiert?

    Weil Politik ebenfalls ein System ist, was vorgibt etwas zu können, was sie nicht können, und sich das ganz nebenbei auch recht üppig bezahlen lassen. Was sich übrigens außer Zentralbankern sonst kein anderer Beruf leisten kann. Die Schuldgeldsysteme und die Politik sind aus exakt dem gleichen Holz geschnitzt. Sie alle bleiben der Welt das Meiste von dem was sie ihr als Gegenleistung für ihre Werte versprochen haben schuldig.

    Leider ist ganz offensichtlich, daß so eine vollkommen von der Realität losgelösten Währung angestrebt wird. Dann wird der Mensch dazu gezwungen sein, seine realen Leistungen und Werke, gegen pure Illusion ein zu tauschen.

    Man wird sagen, ich gebe Dir eine Phantastillion, und dafür mußt du das und das machen. Leider wird das dann, wenn man Phantastillionen zum Kaufen, Verkaufen, und Steuernzahlen braucht, keine Option mehr sein, sondern unausweichlich. Quasi alternativlos. Natürlicher Tausch wird dann einer Steuerhinterziehung gleich kommen, was von einer mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Drohne sofort registriert werden würde, und augenblicklich entsprechende Maßnahmen getroffen werden würden. („werden würden“ = zukünftige reaktive Vergangenheit) Eine freundliche Stimme würde ertönen und diejenigen auffordern sofort mit zu kommen, weil man eine Freifahrtkarte ins Paradies gewonnen hätte.

    Unmöglich? Natürlich. So unmöglich wie man heute niemanden dazu zwingen kann, nicht Wertgedecktes Papiergeld gegen seine realen Leistungen und Werke eintauschen zu müssen. Niemand würde so einen Blödsinn machen. Es sei denn man überzeugt ihn, indem man ihm offenbart, daß alle, die das nicht machen, mit einem Angebot zu rechnen hätten, daß sie nicht ausschlagen können. Alternativlos.

    Wieso hört man dieses fulminante Wort aus dem Munde der Kanzlerin eigentlich immer seltener? Läuterung, oder Ruhe vor dem Sturm der alternativlosesten Alternativlosigkeit? Man kann nur hoffen, daß die Alternativlosigkeit der Kanzlerin nicht die Ursache der neuen Alternative war, sodaß nun durch das Schwächeln der einen Alternativlosen, zum Ausgleich, die neue Alternative ebenso in eine Alternativlosigkeit schwenken könnten, sodaß dann die neue Alternative plötzlich alternativlos werden könnte. Unmöglich? Natürlich.

    Man sollte dem Ganzen positiv entgegen sehen, denn im Grunde ist es phantastisch glückselig machend der Alternativlosigkeit zu begegnen, weil man dann der Singularität direkt gegenübersteht. So man dieser dann nur genügend Ehrfurcht erweist, übersteht man das dann auch. Keine Wunder daß die Islamisten alle hierher wollen, wir haben schon einen Gottesstaat in dem die alternativlose Singularität herrscht.

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