Nach dem Ausverkauf: Zurück zur Tagesordnung?

23. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Am grundsätzlichen Spannungsfeld für die Märkte im Allgemeinen und Kapitalanleger im Besonderen hat sich wenig verändert. Den Abtriebskräften der weltweiten Schuldenkrise stehen die Geldschöpfungsorgien der Notenbanken gegenüber…

Diese haben in der Vergangenheit keinen Zweifel daran gelassen, das Notwendige zu tun, um einen Systemzusammenbruch – also einen Zusammenbruch ihres Geldsystems – zu verhindern.

Angesichts der erreichten Schuldenstände gibt es trotz rekordtiefer Zinsen erhebliche Gefährdungslagen. Obwohl es als ausgeschlossen gelten darf, dass die betroffenen Volkswirtschaften aus den Schuldenlasten herauswachsen, sind sinkende Wachstumsraten eine Bedrohung.

Vielleicht ist das eine Erklärung für die heftige Abwärtsreaktion der Börsen auf die letzten Konjunkturdaten, die wesentlich schlechter ausfielen, als das erwartet worden war. Auch die immer wieder ins Feld geführten Deflationsgefahren hätten erhebliche negative Implikationen. In einer Deflation käme es bekanntlich sogar noch zu einer realen Aufwertung dieser Schuldenberge, was die Problemlage weiter verschärfen würde.

„Minsky-Moment“

Für die Märkte – so die Erfahrung der letzten Jahre – ist die Welt solange halbwegs in Ordnung, solange sich die Notenbanken mit frischem Geld gegen die Abtriebskräfte stemmen. Die Hinweise auf Überlegungen innerhalb der EZB künftig auch Unternehmensanleihen durch die Notenbank ankaufen zu lassen, wurden entsprechend positiv aufgenommen. Die EZB würde sich damit noch tiefer in das Wirtschaftsgeschehen hineinfressen und das Modell Marktwirtschaft noch weiter unterhöhlen und zurückdrängen. Der Fluch der „guten Tat“, wenn man in den Taten der EZB überhaupt etwas Gutes zu erkennen vermag. Zumindest aber entwickelt sich der dort betriebene Interventionismus theoriegerecht an einem Pfad immer größerer und tiefergehender Markteingriffe entlang.

In der kurzsichtigen Begeisterung wird noch ein Aspekt übersehen: Alle „Hilfsmaßnahmen“ haben in der Tendenz dazu geführt, längst kaputt gegangene Schuldner-Gläubiger-Beziehungen künstlich zu erhalten. Weil Staaten, Banken und Großunternehmen nicht Pleite gehen dürfen, wächst nicht nur der Schuldenberg, sondern auch der Anteil der faulen Kredite immer weiter. Damit wird die Lösung von heute zum Problem von morgen.

Steen Jakobsen, Chef-Ökonom der Saxobank, wies gestern darauf hin, dass irgendwann ein kritischer Punkt, der sogenannte „Minsky-Moment“ (benannt nach dem US-Wirtschaftswissenschaftler Hyman P. Minsky) erreicht werde. Dann brächen die Asset-Preise schlagartig ein. Ursächlich dafür ist der Zusammenbruch jener Ponzi-Finanzierung, auf der „moderne“ Staaten heute überwiegend beruhen. So sicher es ist, dass diese substanzlose Aufschuldung zu einem Ende kommen wird, so schwierig ist die Frage zu beantworten, wann das geschehen wird. Da die Notenbanken bis zum Schluss mit ihren elektronischen Geldpressen und allerlei kreativen Maßnahmen Öl ins Feuer gießen werden, führt der Weg in den Zusammenbruch über die Scheinblüte des Crack-up-Booms.

Suche nach Alternativen

Bundeskanzlerin Merkel hatte bereits in der Anfangsphase der Krise das Unwort „alternativlos“ geprägt. Aber auch Anleger haben im Umfeld der anhaltenden Finanziellen Repression immer weniger Alternativen. Stark gestiegene Preise und zuletzt große Schwankungen, nehmen dem Aktienmarkt einiges an Attraktivität. Dennoch führt an Sachanlagen kein Weg vorbei. In Smart Investor 11/2014, der zum Wochenende erscheint, haben wir uns intensiv mit dem Thema Immobilien und Immobilienaktien auseinandergesetzt – mit manch überraschender Einsicht…. (Seite 2)

 

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2 Kommentare auf "Nach dem Ausverkauf: Zurück zur Tagesordnung?"

  1. bluestar sagt:

    Geldschöpfungsorgien sind die verzweifelten Versuche den Untergang des Falschgeldes und deren Schöpfer und Nutznießer zu verzögern und diese Zeit zu deren Vorteil zu nutzen.
    Die Verzweiflungstaten erinnern mich immer mehr an einen angeschlagenen Boxer, der planlos, riskant und äußerst gefährlich agiert.

  2. Michael sagt:

    Ist doch nett oder. Bis eben mal die Wirkung von frisch geschaffenem Zunder nicht mehr wirkt. Bis dahin gibt es eben noch ein heißes Rennen!

    https://www.youtube.com/watch?v=5pq72dw6cJ4

    Tal auf, talab in luftiger Höhe und am Ende gemütlich talwärts.

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