Na, dann schätzen Sie mal (von Hans Jörg Müllenmeister)

19. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Manche Mogelpackung und Prozentangabe, zudem in der Trockenmasse – auf Verpackungen irritieren den Verbraucher. Noch toller: da steht auf Käse für „Fett in der Trockenmasse“, abgekürzt Fett i. Tr. oder F.i.T. Diese Angabe bezieht sich auf den Prozentsatz von Fettanteilen, die sich in der Käsemasse befinden – nach dem Wasserentzug. Ein duftgewaltiger Harzer Roller ist eben noch lange kein Schweizer Hartkäse. Sei’s drum, eben Käse…

Eine umsichtige Hausfrau auf dem Wochenmarkt würde doch nie für einen doppelt so großen Apfel den gerechtfertigten vierfachen Preis zahlen, höchstens den doppelten. Der Preis – das Gewicht – steigt aber bei doppelt so großem Durchmesser um das Vierfache.

Vielfach sind selbst wir Goldfans bei harmlosen Schätzungen überfordert, denn raten Sie einmal spontan was Tausend Goldkügelchen mit je 1 Millimeter Durchmesser wiegen. Na??? Tatsächlich haben diese 10 mal 10 mal 10 = 1000 Kügelchen in einem Würfel von einem Zentimeter Kantenlänge Platz. Offensichtlich suggeriert uns die große Zahl 1000 und die bekanntlich hohe Dichte des Goldes ein enormes Gesamtgewicht, das aber in Wirklichkeit nur etwa 15 Gramm ist.

Geradezu leichtfertig gehen wir im täglichen Leben mit der viel zitierten „goldenen Mitte“ um. Recht verblüffend verdeutlicht das folgendes Beispiel:

Ein Autofahrer hat die erste Hälfte einer Strecke mit 50 km/h geschafft. Die zweite Streckenhälfte möchte er so schnell fahren, dass er „im Schnitt“ auf 100 km/h kommt. Einen großartigen Denkfehler macht er, wenn er glaubt, die zweite Hälfte mit 150 km/h fahren zu können. Mit dieser einfachen Mittelwertsbildung bleibt der Autofahrer auf der Strecke. Zielführend ist das „Harmonische Mittel“. Knobeln Sie ruhig mal. Selbst wenn er die zweite Hälfte mit Lichtgeschwindigkeit zurücklegen könnte, würde er selbst dann nie einen 100-km/h-Schnitt erreichen! Das kommt davon, wenn man wertvolle Zeit vertrödelt.

Unsere verblüffende Unlogik gegenüber dem statistischen Mittel verdeutlicht folgende Anekdote zum Abschluß: Da fragt der Mathe-Professor den Prüfling: „Stellen Sie sich vor, ich hätte einen Sack mit 100 Kugeln; 99 Kugeln seien weiß, eine Kugel sei schwarz. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie blind die einzige schwarze Kugel herausgreifen“? Spontan antwortet der Kandidat: „1 zu 1, Herr Professor!“. Der Professor: „Aber die Wahrscheinlichkeit ist doch 1:100, wie kommen Sie auf 1 zu 1“? Ganz einfach, Herr Professor, entweder ich erwische die weiße oder die schwarze Kugel!“

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