Mythos Erholung

8. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott Allen Gesundbetern zum Trotz befindet sich die Eurozone zum zweiten Male in einer Rezession. Die Dynamik des Abschwungs ist bisher geringer als vor einigen Jahren, was daran liegt, dass seinerzeit den Volkswirtschaften aller Länder simultan der Stecker gezogen wurde. Dieses Mal begann der Abschwung mit der so genannten Peripherie. Während sich dort die Rezession verschärft, zeigen sich auch im verbliebenen Kern massive Probleme…

Die Wirtschaft schrumpf, die Union ist zum wiederholten Male in die Rezession gerutscht. Anders als vor einigen Jahren hat sich die Inflation jedoch nicht zurückgezogen. Da sich mittlerweile die Politiker aller Ausrichtungen mit der Inflation ins Bett legen um den Wohlstand zu zeugen oder zu gebären, kann das nicht überraschen. Gelingen aber werden die ökonomischen Experimente nicht.

Eine Abschwächung in allen Wirtschaftszweigen ist ein zyklisch wiederkehrendes Ereignis. Leider hatten einige Großauguren in den vergangen Dekaden ihre Modelle mit der Realität verwechselt und glaubten, durch ein paar händische Eingriffe könne man Zyklen ausmerzen. Das Ganze wurde „The Great Moderation“ genannt und ist grandios gescheitert. Die Schuld an diesem Scheitern sowie die Erkenntnis, nun gleich ein paar zyklische Abschwünge auf einmal nachzuholen, schieben Politiker gerne auf andere, während die meisten von ihnen selbst jetzt noch nach dem immerwährenden Stimulus lechzen wie kleine Kinder nach Schokolade.

Von einem Berufstand, der in der heutigen Zeit leider dazu neigt, zwar an Gewicht zu-, aber an Format abzunehmen, sollte man nichts anderes erwarten. Mit der Kernkompetenz, mehr Geld auszugeben als man hat, halten sich immer noch selbst die größten Knallchargen bemerkenswert lange über Wasser.

Das Schwimmen fällt anderen Branchen hingegen schwerer. So hat es unter anderem den europäischen Einzelhandel schwer erwischt. Die omnipräsenten Stimmungsindizes haben den einen oder anderen Aufschwung angedeutet, leider kam dieser in der Realität nicht an. Die Umsätze in den Läden außerhalb der eurokratischen Fantasiewelten sind seit 2007 merklich geschrumpft. Die Verkäufe von Lebensmitteln sind auf dem besten Wege, den Kreisschluss zum Beginn der Eurozone zu vollenden. Alle anderen Verkäufe markieren monatlich neue Tiefs. Von welcher Erholung die Eurokraten und so mancher Berichterstatter in den Medien faseln, bleibt unergründlich. Von der Einsicht, mit dem Krisenhoch das vorläufige Ende eines rein kreditinduzierten Konsumrausches erreicht zu haben, sind viele noch weit entfernt.

Nun ist Nachfrage der Teil der Bedürfnisse, die man auch bezahlen kann. Bei sinkenden Realeinkommen, steigender Arbeitslosigkeit und gigantischen Überkapazitäten (Bau, Auto-Produktion, Zulieferer, Einzelhandel, etc.) wird sich in Sachen Kaufkraft vorerst nichts zum Positiven wenden. Die Lösungsansätze sind dünn. Außer mit dem Geldkübel spazieren zu gehen und alles zu subventionieren, zu garantieren und zu stützen, fällt den so genannten Entscheidern nichts ein. Warum man nicht Eigenkapitalgeber in die Pflicht nimmt, wie es unlängst in Holland geschehen ist, lässt sich nur mit Ahnungslosigkeit, Korruption oder Gleichgültigkeit erklären. Wer nun auch noch anfängt Lebensversicherungen zu garantieren, dem sind vermutlich alle drei Punkte nicht fremd… (Seite 2)

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