Mysterium Hexensabbat

(von Ronald Gehrt) Was ist denn nun wieder los, mag man sich angesichts eines wie festgetackert wirkenden Dax fragen. Erst sausen die Kurse binnen Stunden mehrere Hundert Punkte nach oben und unten, dann auf einmal schafft es der Index ganze sieben Handelstage nicht, aus der mickrigen Spanne von 100 Punkten auszubrechen. Und vielleicht werden es sogar noch mehr Tage … nämlich neun..
Bis zu diesem Freitag. Da ist nämlich ein Verfalltermin an den Terminbörsen. Und der ist der Grund für diesen paralysiert wirkenden Dax, nicht eine plötzliche, weltweite Lethargie-Attacke.
Die Auswirkungen solcher Verfalltermine an den Terminmärkten werden in den Medien ungern aufs Tapet gebracht. Erstens sicherlich, weil die Sache ein wenig kompliziert ist. So etwas lässt sich nicht in 90 Sekunden erklären. Zweitens, weil das ganze immer ein wenig nach manipulierten Kursen riecht. Ersteres stimmt, zweites indes nicht. Es geht darum, die Kurse zu einem bestimmten Zeitpunkt auf ein bestimmtes Niveau zu bringen. Da das schlicht durch ganz normale Käufe und Verkäufe versucht wird, ist nichts daran auszusetzen. Jeder von uns würde gerne durch seine eigenen Käufe weitere auslösen und die Notierungen so höher treiben. Und jeder wünscht sich, dass sein Verkauf weiter fallende Kurse nach sich zieht. Sei es, weil er leer verkauft, sei es nur, um die Bestätigung zu bekommen, dass er sich richtig entschieden hat. Nur bewegen unsereiner Käufe und Verkäufe die Börsen gemeinhin nicht. Wenn indes die großen Spieler am Derivatemarkt antreten, dann schon. Die haben eben die Kapitalmacht, die wir nicht haben. Soll man ihnen das vorwerfen?
Die nach außen hin auffälligste Auswirkung eines solchen Verfalltermins ist der Umstand, dass die Kurse auf einmal nicht mehr das tun, was sie sollten. Und das, während beispielsweise bei Rohstoffen, Anleihen und Devisen alles normal läuft – weil deren Verfalltermine meist zu anderen Zeitpunkten stattfinden. Die Aktienmärkte reagieren auf einmal nicht mehr auf Konjunkturdaten, Quartalsbilanzen oder politische Nachrichten, wie man es erwarten könnte. Sie steigen, wenn sie fallen sollten. Sie fallen, wenn sie steigen sollten. Oder sie machen auf einmal gar nichts mehr, so wie aktuell. Deswegen werden diese Verfalltermine auch gerne Hexensabbat genannt – es passieren Dinge, die nicht passieren sollten. Warum?
Weil sich die großen Adressen so kurz vor dem Optionsverfall auf die Wünsche und Zwänge hinsichtlich dieses Verfalltermins konzentrieren und nicht auf das, was außerhalb der Börsensäle passiert. Und die dominieren nun einmal ob der Masse ihres Kapitals die Trends.
Ich kann hier nicht die Unterschiede der Optionen zu Optionsscheinen ausführen, mit denen sie leider oft verwechselt werden, sonst würde ein Buch daraus. Beschränken wir uns schlicht darauf: sie sind etwas völlig anderes. Gemein haben sie den Umstand, dass es um vorab fixierte Basispreise geht und der Abrechnungszeitpunkt von vornherein feststeht. An diesem Freitag ist die Abrechnung der Optionen auf Aktien und Indizes mit Laufzeit August.
Anders als bei Zertifikaten oder Optionsscheinen haben Optionen keinen zwingenden Beginn ihrer Lebensdauer, vor allem aber nicht zwingend Banken als Emittenten. Genauer gesagt: Emittenten in diesem Sinne gibt es nicht – Optionen kann im Prinzip jeder nicht nur kaufen, sondern auch verkaufen, also „herausgeben“. Entscheidend für das Phänomen „verhext“ wirkender Kurse sind aber zwei Dinge:
Erstens sind es meistens doch große Adressen, die als Verkäufer auftreten, während Privatanleger mehrheitlich Käufer sind. Zweitens neigen die Käufer dazu, Optionen zu kaufen, die „aus dem Geld“ sind, deren Basispreis bei einem Call also über und bei einem Put unter der aktuellen Kursspanne liegt. Da ist zwar das Risiko größer, aber wenn es funktioniert, sprich die Option bis zur Abrechnung ins Geld läuft, ist der Gewinn einfach höher. Natürlich bewegen sich die Kurse über die Wochen und teilweise Monate hinweg, in denen die Optionen laufen. „Im Geld“ und „aus dem Geld“ sind also immer woanders. Aber man kann sich das Ganze vorstellen, als würde man mit einem Magneten in Wellenbewegungen, dem Kursverlauf der Basiswerte (Aktien oder Indizes) entsprechend, über eine Fläche voller Eisenspäne fahren. Gegen Ende sammeln sich immer mehr Späne (Optionen) um den aktuellen Kurs (den Magneten). Und da stehen wir nun.
Warum klemmt denn aber nun der Dax momentan in einer winzigen Kursspanne fest? Ganz einfach: Weil diejenigen, die die Masse der Optionen verkauft haben (man nennt sie Stillhalter) hier den größten Gewinn erzielen. Denn der Verkäufer von Call- oder Put-Optionen erzielt ja genau dann den maximalen Gewinn, wenn die von ihm verkauften Optionen am Ende ihrer Laufzeit wertlos verfallen. In unserem Fall z.B. Calls auf den Dax Basis 7.050 (und höher) oder Puts Basis 6.850 (und tiefer). Da diese Optionen am Freitag zur Abrechnung völlig wertlos sind, wenn der Dax eben nicht über 7.050 oder unter 6.850 notiert, gehen die Käufer der Optionen leer aus, während die Verkäufer (Stillhalter) das Geld, das sie beim Verkauf der Optionen einnehmen konnten, komplett als Gewinn einstreichen können. Feine Sache.!(Seite 2)
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One Response to Mysterium Hexensabbat
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wie immer ein klassischer Gehrt
obwohl oben steht wer den Artikel veröffentlicht (-;
und diese Votefunktion für die Kommentare, vermisse ich für Artikel.
ich dachte bisher der Hexensabbat wären die großen Verfalltermine also
3 6 9 12 aber ich kann mich täuschen