Mutti und Vati wird keine Pause gegönnt

17. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bill Bonner) „I’m Brazilian. I have gold. And I’ve just arrived from Rio richer anyone…“ Ich bin Brasilianer. Ich habe Gold. Und ich bin gerade aus Rio angekommen, reicher als irgendwer…“ Das singt ein Charakter in einer Operette von Jacques Offenbach. Aber das war in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aber hey, die guten Zeiten kommen wieder…

Raten Sie einmal, was im vergangenen Jahr passiert ist. Einer Studie der Boston Consulting Group zufolge, ist die einzige Region der Welt, die im vergangenen Jahr reicher wurde, Lateinamerika… angeführt von Brasilien.

Der Rest der Welt wurde um 11% ärmer, heißt es von BCG. Unten in der Gegend von Rum und Sonne wurde man jedoch um 3% reicher. Also werden sich meine Investitionen in Süd- und Zentralamerika vielleicht doch als gut erweisen.

Derweil zurück zur entwickelten Welt… was ist da los? Es gibt zwei große Schulen. Meine und die andere. Wer hat Recht? Das dürfen Sie entscheiden.

Die anderen“ sagen, die Krise sei vorbei. Wir müssen dafür dem Himmel danken – und der Regierung.

Jetzt kehren wir zur Normalität zurück… oder vielleicht auch zur neuen Normalität“ mit geringeren Wachstumsraten als zuvor. Janet Yellen, Gouverneur aus San Francisco, sagt, dass die Erholung lau“ sein würde. Andere sagen, sie würde schwach… weich… und ausgedehnt sein.

Die langsamste Erholung seit 1945″, heißt es in einem Bericht von Bloomberg.

Sie mag langsam sein, sagen sie, aber sie sei wenigstens sicher. Der Aktienmarkt würde das beweisen.

Meiner Ansicht nach, gibt es keine Erholung. Überhaupt keine. Jegliche Verbesserung im Bereich der Wirtschaft kann auf die Rettungsmaßnahmen zurückgeführt werden. Nichts davon – kein einziger Penny – ist organisches, natürliches oder beständiges Wachstum. Wenn die Subventionen für die neuen Autos wegfallen, dann wird auch der Absatz am Automarkt einbrechen.

Ich habe mit Addison Wiggin im Jahr 2003 ein Buch geschrieben. In diesem Buch habe ich vorhergesagt, dass die Vereinigten Staaten Japan in eine ausgedehnte Konjunkturkrise folgen würden. Ich dachte, dass es nach der Technologiekrise im Jahr 2000 losgehen würde. Damals habe ich falsch gelegen. Aber jetzt scheint es loszugehen. Und die Regierung tut – wie vorherzusehen – das gleiche, wie damals die japanische Regierung – trotz Bernankes Zusicherung, dass er nicht zulassen würde, dass das Land in die japanische Deflationsfalle tappen würde.

Eine Sache, die Japan damals tat, war die Senkung der Zinssätze… man hat das Geld praktisch an jeden verschenkt, der es leihen wollte. Aber die japanischen Verbraucher wollten kein Geld leihen, sie wollten sparen. Sie hatten auf die Blase spekuliert und hatten Geld verloren. Und als dann der Ruhestand näherrückte, wollten sie ihre Ersparnisse wieder auffüllen und ihre Bilanzen aufstocken.

Die japanische Regierung hat also Geld auf den Tisch gelegt… und es wurde von den Spekulanten genommen, nicht von der Realwirtschaft. Die Spekulanten haben den Yen zu sehr geringen Zinssätzen geliehen und dann das Geld in laufenden Sektoren anderswo reinvestiert – wie z.B. in die Dotcom-Blase in den USA. Der Yen wurde zur Finanzierungswährung“ der Welt.

Wenn man in China einen Fabrik bauen oder auf argentinische Anleihen wetten wollte, dann konnte man anfangen, indem man sich günstig Geld in Japan geliehen hat. So hat Japan zum weltweiten Boom beigetragen. Aber nicht in Japan. Das Land der aufgehenden Sonne schien am Morgen nicht hoch zu kommen. Immobilienanleger haben 80% ihres Geldes verloren. Aktienmarktanleger haben genauso viel verloren… Selbst heute noch, 20 Jahr später, sind sie immer noch um 75% gefallen.

Und jetzt kommen die Vereinigten Staaten von Amerika mit supergeringen Zinssätzen des Weges. Aber wer leiht das Geld? Nicht die Mütter und Väter in Amerika. Sie haben nichts mehr, das sie beleihen könnten. Und die Banken wollen kein Geld an sie verleihen: Die Banken brauchen ihr Geld selbst. Abgesehen davon weiß jeder, dass die Haushalte in Amerika im Schnitt Geld verlieren.

Mehr noch, die Mütter und Väter in Amerika wollen kein Geld leihen.

Sie haben 10 Jahre lang Geld an der Wall Street verloren. Die Aktien sind heute nicht mehr wert als vor 10 Jahren. Und ihre Häuser – auf deren steigende Preise sie sich für ihren Ruhestand verlassen hatten – sind um 20%-40% eingebrochen. Und sie fallen immer weiter.

Den armen Müttern und Vätern scheint keine Ruhe vergönnt. Sie sparen jetzt verzweifelt für ihren Ruhestand – und das zum schlechtesten möglichen Zeitpunkt, zu dem die Arbeitsplätze knapp sind und die Gehälter einbrechen. Aber was bleibt ihnen sonst? (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Mutti und Vati wird keine Pause gegönnt"

  1. FDominicus sagt:

    „Die Chinesen haben das Geld und das Motiv. Sie allein könnten den Goldpreis auf 3.000 Dollar steigen lassen, wenn sie wollten. Und vielleicht tun sie das auch.“

    Wieso sollten Sie dazu alleine in der Lage sein? Haben andren keine Dollars mehr? Da frag ich mal ganz frech wie wird denn das Öl bezahlt? Ups Dollar? Und was machen die damit?

    Liegen lassen? oder vielleicht etwas kaufen (solange es noch etwas für Dollars gibt)?

    Irgendwo und irgendwie landet das Geld bei jemanden und was er damit macht kann von spekulieren bis verbrennen oder noch schlimmer bezahlen von Fail-out Paketen gehen ;-(

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