Mutation des Gier-Gens?

29. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Die Einschläge rücken näher und dem entsprechend vergeht kaum mehr ein Tag an dem nicht in irgendwelchen Medien unser „kapitalistisches“ System diskutiert und zerpflückt wird. Sollten Sie dieses Spektakel bisher nicht mitverfolgt haben, trösten Sie sich: Sie haben nichts verpasst, denn der Tenor ist immer derselbe…

Die Märkte haben versagt, wir brauchen mehr Regulierung und allen voran die Gier der Banker hat diese ausweglose Situation entstehen lassen.

Öbszöne Gehälter

Damit wir nicht falsch verstanden werden: Natürlich sind die Bezüge vieler Bankvorstände aber auch vieler anderer Manager obszön hoch. Mit welcher Begründung soll denn ein heutiger DAX-Konzernmanager 100 oder gar 500 mal mehr verdienen als sein „normaler“ Angestellter, bzw. das 10- oder 50fache eines Bankiers des vorletzten Jahrhunderts? Es handelt sich hierbei definitiv um das Ergebnis einer falschen Entwicklung. Aber eben nur um ein Ergebnis und nicht um einen Grund – und diese Unterscheidung ist alles entscheidend! Denn exakt an dieser Weg-scheidung gehen nahezu alle diesbezüglichen Diskussionen in die falsche Richtung und verlieren sich daher in nichtsagendem oder gar sinnlosem Geschwätz.

Gieriger als früher?

Warum bitteschön soll denn die Gier der heutigen Manager viel größer als die der Firmenchefs vor 100 Jahren sein? Gibt es ein für Gier zuständiges Gen, welches im Laufe der Zeit mutiert hat? Natürlich nicht, die Gier ist also heute genauso groß wie früher. Und sie ist übrigens auch genau gleichmäßig in der Bevölkerung verteilt. Oder würden Sie das Angebot eines zweistelligen Millionensalärs ausschlagen, wenn man es Ihnen denn anbieten würde?

Das falsche Geldsystem

Was sich aber geändert hat im Laufe der letzten 100 Jahre, das ist das Umfeld, in welchem sich die Gier austoben kann, namentlich unser Geldsystem. Erst das Schein-Geld-System hat es möglich gemacht, dass sich die Gier ungehemmt entfalten konnte. Die Geldmenge wurde ins Uferlose ausgedehnt, so dass immer mehr Geld auf eine deutlich langsamer wachsende Menge an Gütern trifft. Dieses Geld sorgt somit für immer stärkere Verwerfungen und Fehlanreize im Wirtschaftssystem und besonders an den Kapitalmärkten. Vor allem aber ist es dank der Geldschöpfung aus dem Nichts einigen Gruppen möglich geworden, für sich selbst die uralte marktwirtschaftliche Verbindung von unternehmerischem Risiko und unternehmerischem Gewinn zu sprengen.

Hielt früher die Sorge um das richtige Maß an Risiko die Gier nach höherem Gewinn im Zaum, so kann sich heutzutage die Gier frei von jeder Angst um das Risiko voll entfalten. Dank des staatlichen Zwangsgeldsystems werden „systemrelevante“ Großbanken und andere Konzerne gerettet, falls sie sich verkalkuliert, verspekuliert oder einfach schlecht gewirtschaftet haben. Für den normalen Mittelständler bzw. einfachen Bürger gibt es ein solches Rettungssystem freilich nicht – im Gegenteil: er hat die Lasten der Rettungsmaßnahmen zu tragen. Insgesamt sei Ihnen zu diesem Thema die Titelstory der neuen Ausgabe des Smart Investor Magazins ans Herz gelegt, deren zwei erste Seiten Sie hier lesen können: www.smartinvestor.de/kapitalismuskritik

Zu den Märkten

Mehr verschaukelt hatten wir uns eigentlich noch nie gefühlt. Letze Woche zogen wir mental die Reißleine – zumindest zur Hälfte – weil uns einige Chartbilder zu gefährlich aussahen. Heute, eine Woche später, wissen wir, dass dies erst einmal genau der falsche Zeitpunkt war. Sind wir in eine Bärenfalle getappt? (Seite 2)


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2 Kommentare auf "Mutation des Gier-Gens?"

  1. wolfswurt sagt:

    Nicht das Scheingeldsystem hat den moralisch verkommenen Menschen hervorgebracht sondern der moralisch verkommene Mensch hat das Scheingeldsystem in die Welt gepflanzt.

  2. MARKT sagt:

    Smart Investor ist mit seiner These des CuB auch jetzt noch, viel (mindestens 3 Jahre) zu früh. Der Deutsche wird und will sich nichts entgehen lassen.

    Aus diesem Grund arbeiten wir jetzt erst einmal das Phänomen der Immobilienblase ab. Man muss nur laut genug Inflation schreien dann springt der Deutsche ganz schnell an.

    Das blöde dabei ist, es ist schlecht, wenn man Pleite ist, bevor die heiß ersehnte Inflation endlich kommt.

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