Über Sinn und Unsinn von Sanktionen

31. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

… Sanktionen, so die Idee, sind eine Art Strafmaßnahme, um jemanden zu einem gewünschten Verhalten zu bewegen. Wie gut oder schlecht das funktioniert, hängt von vielen Randbedingungen ab. Bei Russland beispielsweise wirken Sanktionen eher schlecht – dazu hat das Land einfach zu viele Optionen…

Zumindest zeigte der russische Präsident Putin bislang keine Wirkung. Auch wird oft völlig verkannt, welche ungewollten Zweit- und Drittrundeneffekte durch solche Sanktionen ausgelöst werden. So gesehen sind Sanktion und Intervention Schwestern im Geiste:

Allerdings soll mit der Intervention „Gutes und Gerechtes“ bewirkt werden. Interventionisten und Etatisten plädieren regelmäßig für Eingriffe des Staates in das Wirtschafts- und Marktgeschehen, weil sie der Intelligenz der vielen Marktteilnehmer nicht annähernd so viel zutrauen, wie der der wenigen Bürokraten. Einige, die so reden, mögen durchaus Gutes im Schilde führen, erreichen aber ebenso regelmäßig – wie theoriegerecht – das Gegenteil. Durch ihre Eingriffe stören sie den Marktprozess und den Preismechanismus, was zu einer Vernichtung von Wohlstand führt oder dessen Entstehung verhindert.

Vielschichtige Wirkungen

Ketzerisch könnte man nun fragen, ob jene, die nun böswillig in den Marktprozess eingreifen – also durch Sanktionen –, vielleicht ebenfalls das Gegenteil dessen erreichen, was sie beabsichtigen? Eine Frage, die so weit hergeholt nicht ist, wie man gerade hierzulande weiß oder wissen könnte. Die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ wurde ursprünglich vom englischen Parlament im sogenannten Merchandise Marks Act 1887 eingeführt, um die Briten vor „minderwertiger deutscher Importware“ zu schützen – ein klassisches, nicht-tarifäres Handelshemmnis.

Tatsächlich hatten deutsche Waren zu jener Zeit einen schlechten Ruf – ähnlich wie „China-Ware“ noch vor wenigen Jahren. Auf der Weltausstellung von Philadelphia (1876) äußerte sich sogar der deutsche(!) Preisrichter Franz Reuleaux abfällig: „Deutsche Waren sind billig und schlecht.“

Während des Ersten Weltkriegs wurden die Regelungen verschärft, um die Produkte der Kriegsgegner leichter erkennen und entsprechend meiden zu können. Der Rest ist Geschichte, denn nach dem Zweiten Weltkrieg avancierte die diskriminierende Herkunftsbezeichnung bekanntlich zu einer Art Gütesiegel – ein Lehrstück, das offenbar in Vergessenheit geraten ist.

Russland-Sanktionen

Nun also Russland. Seit Monaten wird gegen das Land Stimmung gemacht, was seinen unappetitlichen, aber wohl nur vorläufigen Höhepunkt im jüngsten SPIEGEL-Titel fand. Zwischen den Porträts der unschuldigen Opfer der Katastrophe des Fluges MH17 prangt dort in roten Lettern: „STOPPT PUTIN JETZT!“

Zum Zeitpunkt der Drucklegung gab es weder eine abgeschlossene Beweisaufnahme noch ein ordentliches Verfahren, das einen solchen Zusammenhang gerichtsfest hätte machen können. Warum sich Putin mit einem solchen barbarischen Akt überhaupt derart ins Unrecht setzen sollte, ist ebenfalls nicht plausibel.

Andererseits wurden mit dem Vorwand angeblicher oder potenzieller Gräuel („Brutkastenlüge“, „Massenvernichtungswaffen“, etc.) schon mehrfach Waffengänge der „westlichen Wertegemeinschaft“ gerechtfertigt – Grund genug also, bei lediglich behaupteten, aber nicht bewiesenen Gräueln besonders wachsam zu sein…

Unser regelmäßiger Gastautor Peter Boehringer – zuletzt mit der Titelgeschichte des Smart Investor 7/2014 „Schöne Neue Welt(-Ordnung) – Orwell und Huxley brutal real“ – hat öffentlich angekündigt sein Abo bei „den Kriegshetzern von Hamburg“ zu kündigen und andere SPIEGEL-Leser aufgerufen, es ihm gleich zu tun. Vielleicht darf es stattdessen ja ein Abonnement des Smart Investor sein? (Seite 2)


 

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2 Kommentare auf "Über Sinn und Unsinn von Sanktionen"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    …Guantanamo-Lesart breit – erst bestrafen, dann aufklären…
    Da nun die Drohnenjustiz auch in Deutschland hoffähig werden soll, sind doch Terroristen sehr einfach zu beseitigen.
    So eine Drohne stellt, wie von den USA schon tausendfach erprobt, die Anklage, das Urteil und die Vollstreckung, in einem Anflug zu. Wen interessieren da noch Strafprozesse gegen Terroristen vor einem ordentlichen Gericht?
    Gut-manchmal muss man auch selber hinfliegen, um den Verdächtigen zu ergreifen, was aber bei dem Rückflug übers Meer auch wieder recht praktisch ist.
    Keine Anklage, kein Prozess, keine Möglichkeit der Verteidigung, kein Urteil, sondern sofortige Hinrichtung; so eine Drohne ist schon recht praktisch.
    Was auch so eine rechtsstaatliche Aburteilung alles kostet.
    Festnahme, Anklage, Verteidiger, Beschaffung oder Fälschung von Beweisen, der Strafprozess selber, Berufungen, und die Kosten während der Haftzeit; selbst bis zur Hinrichtung kann so viel Zeit vergehen, das ein Mörder in Deutschland schon wieder (auf Bewährung) aus der Haft entlassen würde.
    Auch kann es nicht vorkommen, dass ein unschuldig verhafteter Schadensersatzansprüche stellt.
    Der Beschuldigte (bzw. seine Einzelteile) können sogar in seinem eigenen Land beigesetzt werden.
    Das muss doch auch für die Familie des Beschuldigten von Vorteil sein; allerdings auch nur wenn sie bei der Zustellung des Urteils nicht gerade dumm daneben stand.
    Eine rundum praktische Drohnenlösung (!?)

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. bluestar sagt:

    @H.J. Weber
    Alles super mit den Drohnen, entspricht voll und ganz den sogenannten westlichen Werten.
    Jeden kann es treffen der es wagt gegen das System zu opponieren. Derzeitig ausschließlich
    im Ausland. Derzeitig noch…

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