Muffensausen in Zuffenhausen

30. Juli 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

So ein Pech aber auch! Porsche hat sich beim Schadstoff-Schummeln erwischen lassen und diese Software sogar noch selbst entdeckt! Normalerweise steckt ja die böse russische Mafia dahinter – in diesem Fall aber Audi…

Unser heldenhafter Verkehrsminister zeigt nach zwei Jahren Dieselgate endlich mal harte Kante und schickt zumindest die Cayennes dorthin, wo der Pfeffer wächst. Warum nicht Millionen andere Dreckschleudern? Weil das Wahlvolk sonst nicht zur Arbeit käme, wo es der Aufschwung so dringend benötigt.

Und dennoch wundert man sich… Nicht nur ich dachte, aus den Auspuffen kommt nur noch frische Luft heraus, seit Diesel steuerbegünstigt verkauft wird und Katalysatoren die Abgase doch in klinisch reine Frische verarbeiten. Nein? Ach, deshalb soll man Parkhäuser wegen der Vergiftungsgefahr stets schnell verlassen. Und kein Politiker sagte, man solle weniger fahren. Sogar eine Abwrackprämie wurde den Steuerzahlern in der letzten Krise aus dem Kreuz geleiert. Gibt es bald eine Abwrackprämie 2.0 für Porsche? Das hätte doch was.

Doch Moment! So ein Autobauer ist ja nichts anderes als eine Bank mit Fabriken und Autohäusern. Wie steht es um das milliardenschwere Kreditrisiko der Autobanken? Sind Autos die neuen Banken und muss der Steuerzahler wieder einspringen?

Jeder siebte Arbeitsplatz hängt an den Autobauern. Jetzt steht das Herz der deutschen Industrie unter Teer-Rohr-Verdacht. Wem nutzt dieser Dolchstoß? Wenn er trifft, und es sieht danach aus, hat sich zumindest das „Problem“ der deutschen Exportüberschüsse schnell erledigt und wir wären wieder „brav“. Spätestens dann sind sämtliche Wachstumsprognosen schnell Merkelatur und die Steuereinnahmen fallen so schnell wie die Kurse der Autoaktien.

Wenn alles schief geht, sind wir zumindest dem bedingungslosen Grundeinkommen wieder ein Stück näher und stricken uns bei der vielen Freizeit, die wir dann haben, unsere eigenen veganen Autos.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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Ein Kommentar auf "Muffensausen in Zuffenhausen"

  1. Argonautiker sagt:

    Wenn Krisen erscheinen, dann ist man heute leider nicht mehr Gewiss, daß dies nicht zum Programm des konstruktiven Zerstörens gehört.

    Würde es jemanden wundern, wenn man im Hintergrund an einem Strang zöge und eine Krise herauf beschworen hätte, die man dazu nutzen könnte Lasten zu sozialisieren und gleichzeitige die Realwirtschaft anzukurbeln?

    Fahrzeugverbote eignen sich doch hervorragend dazu die Nutzer zu einem Neukauf zu bewegen, oder sollte man in diesem Zusammenhang doch eher das Verbum „zwingen“ verwenden? Schön wäre es, wenn man in diesem Zusammenhang eine Klientel erreichen könnte, von der man annimmt, daß sie sich das auch leisten können.

    Und wer würde denn bei Versicherungsansprüchen vorwiegend geschädigt. Die Automobilhersteller, oder die Gemeinschaft der Versicherten? Das hört sich alles wieder sehr nach einer Umverteilung der Lasten auf die Allgemeinheit an.

    Wer würde sich nicht im Hamsterrad den Lohn lieber noch etwas kürzen lassen, und sich dafür ein wenig schneller abstrampeln, bloß um die System relevante Automobilindustrie nicht über Kopf gehen zu lassen, und damit seinen eigenen Job zu sichern.

    Seit Lehmann kann man als Systemrelevanter doch damit rechnen, daß man sich mit Insolvenzgefahr gesundstoßen kann. Kann man als Großinvestor, wie zum Beispiel Blackrock, eigene systemrelevante Konzerne angreifen, um damit ganz groß abzusahnen? Für unmöglich halte ich das nicht.

    Autoaggression als Geschäftsmodell.

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