Morgens um Vier in Janet Yellens Gehirn

17. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Arme Janet Yellen. Im Normalfall ist mein Mitleid den Armen vorbehalten, den Unterdrückten und Hoffnungslosen. Doch heute möchte ich meine Gedanken aufbringen für die Ahnungslosen… und Janet Yellens Leid verstehen…

Die Märkte sind angespannt. Die Investoren scheinen den Atem anzuhalten. Jeder scheint darauf zu warten, was die Fed wohl tun wird. (Ich schrieb diese Zeilen unmittelbar vor der Fed-Sitzung.)
Es muss Hunderttausende, wenn nicht Millionen, erwachsene Menschen geben, die auf der Kante ihres Stuhles sitzen…eifrig darauf wartend zu hören, was ihre lieben Funktionäre sagen werden.

Wird Janet Yellen stolz die Fed auf die Seite der Engel ziehen, in dem sie verkündet, dass sie und ihr Team beschlossen haben, den Leitzinssatz auf ein normaleres Level zu bringen… achtlos dessen, was das die Cronies kosten wird? Wird sie zugeben, dass ZIRP und die drei QE Programme fehlgeschlagen sind? Oder dass sie Billionen von Dollar den Reichen zugeschoben haben, während die Main Street immer ärmer wird? Wird sie um Verzeihung bitten, für ihre so fehlgeleiteten Strategieentscheidungen und der Öffentlichkeit schwören, dass sie sich nie wieder in den Markt einmischt?

Nein, das wird sie nicht.

Sie wird sagen, dass die Aussichten positiv sind – generell der Himmel klar und die Wetteraussichten gut. Doch es formen sich einige Wolken im Osten, die zu stürmischem Wetter führen könnten. So wird sie auf eine zaghafte Rückkehr zur Normalität drängen. Sie wird sich sicher fühlen und eine kleine Erhöhung des Zinssatzes zulassen…. oder sie ist ängstlich und damit eine Weile warten.

Ich weiß es nicht. Und vermutlich ist es auch nicht wirklich von Bedeutung.

Eine permanente Notlage

Hat man einmal angefangen, die Märkte zu manipulieren, ist es schwer, diese Geflogenheit wieder zu unterbinden. Zuerst freuen sich die Investoren darauf. Dann werden die Unternehmen davon abhängig. Und dann kann man es nicht mehr stoppen, selbst wenn man es will.

Nach nunmehr fast sieben Jahre finanzieller Notfallstrategien, sind wir nun in einer permanenten Notsituation. Doch es ist eine unechte Notsituation. Die Märkte sollen sowohl rauf, als auch runter gehen. Sie sollen ihre Fehler selbst korrigieren. Sie sollen Fehlinvestitionen zerstören, um neuen Kapitalformationen Platz zu machen. Es war nie eine wirkliche Notsituation; es war der Kapitalismus in vollem Gange.

Die arme Janet Yellen weiß nicht, was sie denken soll. Auf der einen Seite wird sie als die mächtigste Frau in der Geschichte gepriesen. Helena von Troja war, im vergleich zu ihr, eine Kleindarstellerin. Cleopatra war lediglich die Angebetete im Kampf zwischen Julius Caesar und Marcus Antonius.

Doch Janet – sie hat die gesamte Weltwirtschaft in ihrer Hand. Sie kann sie quetschen und auf den Boden titschen. Sie kann damit machen, was immer sie will. Auf der anderen Seite sind da die dunklen Nächte… in denen sie realisieren muss, dass ihr das über den Kopf steigt.

Sie soll tun, was kein Sterblicher tun kann. Sie soll reparieren, zumindest soweit sie dazu fähig ist, was der wichtigste Kurs in einer Marktwirtschaft ist: der Kurs von Krediten.
Es muss ihr aufgefallen sein, dass sie gar nichts reparieren kann. Nur die Götter wissen, welchen Preis die Kredite haben sollten. Sie ist nur ein Mensch. Wenn sie die Zinsen festsetzt, wird sie sich zwangsläufig irren.

Quelle: Kapitalschutz Akte
Morgens um Vier in Janet Yellens Gehirn (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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3 Kommentare auf "Morgens um Vier in Janet Yellens Gehirn"

  1. FDominicus sagt:

    „Doch Janet – sie hat die gesamte Weltwirtschaft in ihrer Hand. Sie kann sie quetschen und auf den Boden titschen. Sie kann damit machen, was immer sie will. Auf der anderen Seite sind da die dunklen Nächte… in denen sie realisieren muss, dass ihr das über den Kopf steigt.“

    Und genau deswegen gehören Zentralbanken abgeschafft !

  2. Sandra sagt:

    Wenn der Zauber des Marketings es nicht vermag, die Realität zu ändern, dann ist das schon bitter. Eine kleine Träne für die selbsteingestrickten Gefangenen.

  3. cubus53 sagt:

    Ich möchte an dieser Stelle auf die Doppelzüngigkeit vieler Finanzexperten hinweisen. Zum einen wird der Zinseszins als das hauptsächliche Übel unseres Finanzsystems dingfest gemacht. Zum anderen lamentiert man darüber, dass der Zins bei Null liegt. Es allen Recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand versteht, und die Notenbanken auch nicht.

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