Morgens um Vier in Janet Yellens Gehirn

2. August 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Arme Janet Yellen. Im Normalfall ist mein Mitleid den Armen vorbehalten, den Unterdrückten und Hoffnungslosen. Doch heute möchte ich meine Gedanken aufbringen für die Ahnungslosen… und Janet Yellens Leid verstehen…

Die Märkte sind angespannt. Die Investoren scheinen den Atem anzuhalten. Jeder scheint darauf zu warten, was die Fed wohl tun wird. Es muss Hunderttausende, wenn nicht Millionen, erwachsene Menschen geben, die auf der Kante ihres Stuhles sitzen… eifrig darauf wartend zu hören, was ihre lieben Funktionäre sagen werden.

Wird Janet Yellen stolz die Fed auf die Seite der Engel ziehen, in dem sie verkündet, dass sie und ihr Team beschlossen haben, den Leitzinssatz auf ein normaleres Level zu bringen… achtlos dessen, was das die Cronies kosten wird? Wird sie zugeben, dass ZIRP und die drei QE Programme fehlgeschlagen sind? Oder dass sie Billionen von Dollar den Reichen zugeschoben haben, während die Main Street immer ärmer wird? Wird sie um Verzeihung bitten, für ihre so fehlgeleiteten Strategieentscheidungen und der Öffentlichkeit schwören, dass sie sich nie wieder in den Markt einmischt?

Nein, das wird sie nicht.

Sie wird sagen, dass die Aussichten positiv sind – generell der Himmel klar und die Wetteraussichten gut. Doch es formen sich einige Wolken im Osten, die zu stürmischem Wetter führen könnten. So wird sie auf eine zaghafte Rückkehr zur Normalität drängen. Sie wird sich sicher fühlen und eine kleine Erhöhung des Zinssatzes zulassen… oder sie ist ängstlich und damit eine Weile warten.

Ich weiß es nicht. Und vermutlich ist es auch nicht wirklich von Bedeutung.

Eine permanente Notlage

Hat man einmal angefangen, die Märkte zu manipulieren, ist es schwer, diese Geflogenheit wieder zu unterbinden. Zuerst freuen sich die Investoren darauf. Dann werden die Unternehmen davon abhängig. Und dann kann man es nicht mehr stoppen, selbst wenn man es will.

Nach nunmehr fast sieben Jahre finanzieller Notfallstrategien, sind wir nun in einer permanenten Notsituation. Doch es ist eine unechte Notsituation. Die Märkte sollen sowohl rauf, als auch runter gehen. Sie sollen ihre Fehler selbst korrigieren. Sie sollen Fehlinvestitionen zerstören, um neuen Kapitalformationen Platz zu machen. Es war nie eine wirkliche Notsituation; es war der Kapitalismus in vollem Gange.

Die arme Janet Yellen weiß nicht, was sie denken soll. Auf der einen Seite wird sie als die mächtigste Frau in der Geschichte gepriesen. Helena von Troja war, im vergleich zu ihr, eine Kleindarstellerin. Cleopatra war lediglich die Angebetete im Kampf zwischen Julius Caesar und Marcus Antonius.

Doch Janet – sie hat die gesamte Weltwirtschaft in ihrer Hand. Sie kann sie quetschen und auf den Boden titschen. Sie kann damit machen, was immer sie will. Auf der anderen Seite sind da die dunklen Nächte… in denen sie realisieren muss, dass ihr das über den Kopf steigt.

Sie soll tun, was kein Sterblicher tun kann. Sie soll reparieren, zumindest soweit sie dazu fähig ist, was der wichtigste Kurs in einer Marktwirtschaft ist: der Kurs von Krediten.

Es muss ihr aufgefallen sein, dass sie gar nichts reparieren kann. Nur die Götter wissen, welchen Preis die Kredite haben sollten. Sie ist nur ein Mensch. Wenn sie die Zinsen festsetzt, wird sie sich zwangsläufig irren.

Quelle: Kapitalschutz Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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2 Kommentare auf "Morgens um Vier in Janet Yellens Gehirn"

  1. cubus53 sagt:

    Jedem, der sich mit dem Thema Geld ein wenig beschäftigt, wird schnell auffallen, dass es sich beim Geld um ein breit angelegtes Betrugssystem handelt. Aufgabe der Notenbanken ist es, das Betrugssystem nach aussen hin als „gesund“, „kontrolliert“ und „unabhängig“ zu verkaufen und die Ahnungslosen ahnungslos bleiben zu lassen.

    Diese Aufgabe erfüllen die Notenbanken recht gut, das muss ich zugeben. Ebenso gut, wie Sprecher in der Bundespressekonferenz erkären können, warum russische Atombomben an der Grenze zur Nato als schlecht, amerikanische Atombomben auf deutschem Boden dagegen als gut einzustufen sind.

    Mir scheint, dass bei allen Menschen, die eine Machtposition ausfüllen, das „Realitätsverlust-Syndrom“ relativ schnell um sich greift.

  2. Don_Juan_Matus sagt:

    Der Glaube daran, dass die „total unabhängigen“ Notenbanken für Marktstabilität, für die Anleger agieren, war womöglich schon lange falsch. Besonders die FED hat sicherlich nur eine Agenda, die Superreichen noch reicher zu machen – logischer Weise Zulasten aller anderen. Denn sie gehört ja diesen Superreichen/Bankern.
    Mit diesem Perspektivwechsel bekommen die Handlungen der Notenbänker gleich ein anderes „G’schmäckle“.
    Hinzukommt dass der hemmungslose, sog. Neoliberalismus eine gigantische Psychopathen Zerstörungsmaschine ist, die die Fleißigen aussaugt – mit ihr die produktive Industrie. Deshalb sind Bust-und Boomzyklen System-immanent.
    Den Gutgläubigen scheint es, dass man aus der 1.ten Industriellen Revolution nichts gelernt hat – Lohndumping + hohe Produktivität => einbrechende Absätze => Crash!
    Die Notenbanken generieren nach einer Krise einen künstlichen Boom mit Geldschwemmen. Dieses globale Fake/Fiat-Geld geht dann weltweit auf Raubzug (zuerst künstlicher Boom in vielen Ländern, massive Firmenübernahmen,…). Wenn dann die „Säue“ weltweit gemestet, die Länder „abgegrast“ sind, ändert (u.a.) die FED ihre Politik. Dann kehren sie dick und fett wieder „heim“. Wenn die Hochfinanz alle Werkzeuge beisammen hat und der „richtige“ Moment gekommen ist, wird das „Schlachtfest“ an/ausgerichtet. Nach dem alles „Eingedost“ wurde, lässt man das System neu starten und ein neuer Zyklus wird auf den Weg geschickt…
    Das ist wie eine Doppelhub-Pumpe. Die pumpt in beide Richtungen (long & short). Aber sie pumpt nur, wenn sie sich bewegt. Deshalb könnten nur stabile Kurse diese Aussaugpumpe zum Stillstand bringen – was natürlich nicht passieren darf. Die eigentliche Aufgabe der FED & Co. ist also diese Doppelhub-Pumpe in Bewegung halten. Und die Richtungsumkehr erst dann erfolgen zu lassen, wenn der eine Hub am „Anschlag“ ist.
    So gesehen macht sie (FED & Jellen) alles richtig!
    Wer Augen hat, zu sehen….

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