Morgen Kinder wird’s was geben!

17. Oktober 2013 | Kategorie: Gäste

vom Smart Investor

Warum das US-Polittheater die Börsen kaum noch negativ beeinflusst…

In den USA läuft der Haushaltsstreit in bester Hollywood-Manier auf einen High-Noon-Showdown zwischen den beiden politischen Lagern hinaus. Für den deutschen, ja europäischen Mainstream ist die Sache klar: Böse Republikaner – namentlich die „Tea Party“-Anhänger – legen dem US-Präsidenten unnötigerweise Steine in den Weg – und dies auch noch aus unlauteren Motiven.

Da ist die Stimme von Wolfram Weimer, u.a. früher Chefredakteur bei der Tageszeitung „Die Welt“ und beim Magazin Cicero, eine wohltuende Ausnahme: In einem Kommentar für das Handelsblatt will er weder an die „Bösewichter“ der „ungestümen Tea-Party-Truppe“ noch an die Legende vom „sozialen und gütigen Präsidenten“ Obama glauben.

„Obamacare“, das nach dem US-Präsidenten benannte und höchst umstrittene Gesundheitssystem, ist wohl tatsächlich nur ein Nebenkriegsschauplatz. Im Kern geht es um eine längst außer Kontrolle geratene Staatsverschuldung, die nicht zuletzt durch Kapriolen wie „Obamacare“ weiter angefeuert wird. Ein ineffizienter, allzuständiger Staatsapparat, der notorisch über seine Verhältnisse lebt – das dürfte auch im guten alten Europa vielen bekannt vorkommen. Es wäre also höchste Zeit, wirklich einmal ernsthaft auf die Bremse zu treten. Die „Schuldengrenze“ leistet nämlich genau das nicht und hat es auch historisch noch nie geleistet. Dabei ist die Angelegenheit einigermaßen bizarr.

Die Rating-Agentur Fitch ließ verlauten, dass sie den „AAA“-Status der USA auf „Beobachtung“ gesetzt habe. Das ist wohlgemerkt die höchstmögliche Qualitätseinstufung die ein Schuldner erreichen kann. Dies für ein Land, das hinsichtlich Schuldenstand und Schuldenwachstum einen Negativrekord nach dem anderen bricht. Offenbar gehört bei Fitch ein grimmiger Sinn für Humor zur Grundausstattung für die Berufsausübung.

Ähnlich spaßig kommt die Online-Ausgabe der BILD-Zeitung daher: Dort wird der US-Finanzminister Jack Lew mit der bedeutungsschweren Aussage zitiert, dass der Regierung ohne Anhebung des Schuldenlimits bereits am Donnerstag das Geld ausgehen werde: „Dann könnten die Ausgaben die laufenden Einnahmen übersteigen.“ Ach?! Sind die bislang aufgelaufenen 16,7 Billionen USD Schulden etwa nicht auf genau diese Art entstanden?

Dass die Ausgaben die Einnahmen übersteigen ist durch die Jahrzehnte – abgesehen von wenigen Ausnahmen – geradezu die Geschäftsgrundlage jeder US-Regierung – wie auch der meisten anderen Regierungen.

Allzeithoch beim DAX

Obwohl sich der Mainstream nach Kräften bemüht, in den USA einen spannungsgeladenen und heroischen Kampf von Gut (Obama) gegen Böse (Tea-Party-Republikaner) zu inszenieren, lässt dies die Märkte relativ kalt. Der DAX erreichte gestern ein neues Allzeithoch und das ist angesichts der Nachrichtenlage schon ein Wort.

Andererseits haben die Marktteilnehmer durchaus Erfahrungen mit den Streitigkeiten um die US-Schuldenbremse – zuletzt wurde dieses Stück bekanntlich Anfang des Jahres aufgeführt. Wenn man etwas aus dieser und aus früheren Aufführungen gelernt hatte, dann doch, dass es noch immer eine Einigung in der berühmten letzten Minute gab. Bei allen zur Schau getragenen Differenzen dürften sich Politiker aller Parteien in einer Frage doch überwiegend einig sein: Einfluss und Einkünfte hat die politische Klasse auch ganz persönlich doch nur, solange das Gebilde Staat intakt bleibt… (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "Morgen Kinder wird’s was geben!"

  1. EuroTanic sagt:

    In Zukunft werden wirtschafts-mathematische Zahlen nur noch quadriert ausgegeben. Dann kann es nur noch bergauf gehen. 😛

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